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Bauernaufstand 1526

Sebastian Hinterseer beschreibt in seinem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" den neuerlichen Bauernaufstand 1526, nachdem die Forderungen, formuliert in den - 14 Gasteiner Artikeln - nicht erfüllt wurden.
In der Ausgabe (2006) des Buches - "Tauerngold" von Werner H. Paar, Wilhelm Günther und Fritz Gruber werden die - Eckpfeiler des Konflikts - zusammengefasst.

» Beginn des zweiten Aufstandes 1526 «
Nachdem der erste Bauernaufstand kein Ergebnis brachte, sammelten sich insbesondere im Pinzgau Unzufriedene und fremde Anführer des ersten Aufstandes, entlassene Söldner, Schladminger Knappen und andere und wiegelten die Bevölkerung auf. Daraufhin warb Erzbischof Matthäus Lang Söldner an und berief am 11. März 1526 einen Landtag ein, um den Bauern die Möglichkeit zu geben, ihre Erklärungen vorzubringen. Die Gebirgsbauern wollten aber nicht als Bittsteller auftreten und sind auch nicht am Landtag erschienen, was Erzbischof Matthäus Lang veranlasste, die beiden aufständischen Feldobersten des letzten Bauernaufstandes Michael Gruber als Feldhauptmann und Praßler als Bergrichter in der Gastein in seine Dienste zu stellen.

» Kaspar Praßler und Marx Neufang «
Der zweite Aufstand brach wieder im Pinzgau aus, und zwar in dem Augenblick, als erzbischöfliche Truppen vor Saalfelden erschienen. Der Hauptmann Szezenwein forderte die Gasteiner und Rauriser auf, sich am Aufstand zu beteiligen, wozu sich die Gasteiner Bauern nach Beratungen auch entschlossen. Das Bergwerk aber wollte davon nichts wissen und blieb unter Praßlers Führung dem Erzbischof treu. Praßler forderte indessen von den Gasteinern die Aufstellung eines Fändl Knechte. Im Gegenzug hatte Marx Neufang und Hans Unpild inzwischen auch eine Schar aufständische Gasteiner Bauern geworben und ausgerüstet.
Praßler - nun vom Erzbischof als Bergrichter in der Gastein eingesetzt - hat nun Sturm geschlagen und Knappen, Bürger und Bauern zogen gegen die Aufständischen los. Nach Verhandlungen ließ man die aufständischen Bauern in den Markt Hofgastein einziehen, worauf diese beide Richter gefangen setzten, also den Bergrichter Kaspar Praßler und den Landrichter Dr. Lienhard Auer. Die Knappen aber befreiten nach Gesprächen mit den Bauern die beiden Richter wieder. Beide, Marx Neufang und Hans Unpild durften sich daraufhin vor den aufständischen Bauern nicht mehr zeigen.

» Hauptmann Szezenwein «
Neufang, der sich durch Praßler in seiner Tätigkeit behindert sah, war inzwischen in den Pinzgau gezogen, wo er mit Szezenwein zusammen zum obersten Feldhauptmann gewählt worden war. Vom Pinzgau aus zog Szezenwein mit 1200 Mann in die Rauris, wo er das dortige Bergwerk und die Bauern zwang, sich den Aufständischen anzuschließen. Dann wollte er mit seinen Anhängern über das "Egg" in die Gastein, woran sie aber der tiefe Schnee hinderte. Sie zogen daher über Schwarzach in den Pongau Richtung Radstadt.
Die Gasteiner Gewerken widersetzten sich dem Drängen der Bauern und antworteten den Pinzgauern, dass erstens die Bauern, Knappen, Gewerken und Bürger Gasteins entschlossen seien, dem Erzbischof treu zu bleiben, zweitens, das ganze Tal soll darum eine tapfere Ordnung erhalten und drittens mahnten sie die Pinzgauer zu Gehorsam, weil diese nur durch "meutwillig Aufruerer" zur Untreue veranlasst wurden. Die Abgeordneten, die die Gasteiner zum Erzbischof geschickt hatten, gerieten aber in die Hand Szezenweins, worauf dieser unter Drohung von den Gasteinern Knechte, Geld und Proviant verlangte und schließlich auch widerwillig 300 Knechte erhielt.

» Der Gasteiner Hauptmann Leonhard Heberl «
Diese Gasteiner Knechte zogen dann nach Radstadt und Abtenau, wobei es mit den Truppen des Schwäbischen Bundes zu einem Gefecht kam, bei welchem die im Wald versteckten Bauern Steine und Blochholz auf die Söldner herabließen, so dass diese die Flucht ergriffen, nachdem sie über 200 Tote zurückgelassen hatten. Dieser Erfolg, der durch den Gasteiner Haupmann "Bürger und Pöck Leonhard Heberl, aus Schladming gebürtig" erzielt worden war, war insofern von großer Bedeutung, als die Bündischen einen Einsatzversuch für Radstadt auf diesem Wege aufgaben. Die Bauern hatten nun den Pass Lueg in der Hand und machten von dort Ausfälle, bei welchem sich insbesondere einmal die Gasteiner auszeichneten, als sie den Gollingern etliche Wagen mit Verpflegung abfingen.

» Marx Neufang «
Inzwischen waren erzbischöfliche Truppen in den Pinzgau eingefallen. Die Pinzgauer Aufständischen riefen um Hilfe, worauf Marx Neufang mit 800 Bauern von Radstadt in Tag- und Nachtmärschen über Bramberg und Hopfgarten ins Brixental zog, von wo er die erzbischöflichen Söldner vortrieb. Von hier aus nahm dann Neufang plündernd, brennend und sengend seinen Weg durch Tirol in den Pinzgau. Reiche Beute wurde gemacht. Er selbst hat die Beute beiseite geschafft aber immer wieder Geld von den Gasteinern gefordert, was dazu führte, dass die Bauern ihn als Anführer seines Postens enthoben. Ebenso wurde auch Szezenwein abgesetzt und an ihre Stelle trat ein Kriegsrat, welche die oberste Befehlsgewalt über die aufständischen Bauern ausübte.

» Michael Geißmaier «
Während Neufang mit seinen 800 Knechten im Pinzgau und Tirol wütete, bemühten sich die Bauern vor Radstadt wiederholt, diese dem Erzbischof treu gebliebene Stadt mit allen Mitteln einzunehmend. Die Versuche aber misslangen infolge der Wachsamkeit der Verteidiger. Ein Umschwung der Belagerung kam erst, als der Führer des Tiroler Aufstandes von 1525, Michael Geißmaier, mit drei Fähnlein (Anmerkung: 1 Fähnlein besteht etwa aus 400 Landsknechten) vor Radstadt erschien und dort die oberste Führung der Belagerung übernahm. Ein aus dem Ennstal anrückendes Heer fügte ihm aber derartige Verluste zu, dass sie sich "in das Holz zurückziehen mussten". Altenmarkt wurde von den Söldnern geplündert und verbrannt, ja selbst bis St. Johann streiften die Söldnerheere, alles hinter sich niederbrennend.
Gaißmair und die anderen Bauernführer flüchteten von Embach aus über die Tauern ins Welschland. Da Radstadt nun entsetzt, das Belagerungsheer vernichtet war und auch die Aufständischen des Pinzgaues bei Zell am See entscheidend geschlagen wurden, konnte der zweite Bauernaufstand als niedergerungen betrachtet werden.

» Die Folgen des zweiten Bauernaufstandes «
Am 1. Juli 1526 wurden die Aufständischen aufgefordert, ihre Wehr nach Taxenbach zu bringen und dort dem Erzbischof zu huldigen. Jeder Bauer musste Brandschatzung zahlen und für einen halben Gulden ein rotes Kreuz kaufen, das er sich als Zeichen der Huldigung auf sein Haus nageln musste.

» Das Strafgericht zu Radstadt «
Am 11. Juli 1526 fand zu Radstadt das Strafgericht statt unter Anwesenheit von 10.000 Bauern, die dort an der Huldigung teilnahmen. Ein Gasteiner Augenzeuge dieses Strafgerichtes berichtet:
"Wie man die Wöhr von dem bemelten Volk namb, da beruef man, das jedermann bei einander blib. Also ritten die Edelleit und Rütter in Harnisch mit ihren Fändl, trumbleten und hörpaugeten aus der Statt heraus mit großen Geschrai und Triumpf und zogen in der Ordnung um das wöhrlos puntisch Volk, deren etwo in die 10 Tausent waren. Darnach zuggen die Fueßknecht auch aus der Statt mit 4 Fändl stark, die hielten beiseite in einer Schlachtordnung. Also war einer, der Löffelholz genant, von Praunau, der nur ain Hand hette, sprengt her gegen den Volk, der hueb an und schreit zu dem Volk: Ihr puntischen dieb und Schelbmer, wir wollen euch noch heunt clain zertreten, da wöllen wir uns an euch rechnen (rächen), daß ihr hinfüro nit mer mit uns kriegen werdet! Schendet und fluechet sie und war noch nit genueg, sondern fluechet mit Gott und spib die Leut an.
Also daß jedermann dedenket, man würt uns mit Rossen zertreten. Mit diesen jaget er dem Volk ein großen Schrecken und Zittern ein, aber er war von den andern Herrn gestillt. Und rit der Hofmann auch hierfür das Volk zu besichtigen. Nachdem rit ein Schreiber herfür, der fordert auf ein Zetl die Haubtleut und Fendrich, Dopplsoldner und die im Krieg vast bemühet waren. Also bracht man zusammen 27, dazue 4 Henker bestellt, die miessen sie in Angesicht der andern Köpfen. Under diesen waren 8 Gasteiner, darunter war ainer genant Wolfgang Heygl, hett 200 ungarische Gulden bei ihm gehabt, damit er gedacht sich abzukaufen, aber es half nit, sondern das Geld war dem Henker gegeben. Also gab man jedermann Urlaub und zog ain jeder wieder heim."

Der Hofmann, von dem oben die Rede ist, war des Kardinals Stall- und Jägermeister Münich, welcher den Aufständischen ihren Mutwillen vorhielt, sie aber wieder im Namen des Landesherrn aufzunehmen versprach, wenn sie den Huldigungseid schworen. Dieser verlangte von ihnen die Anerkennung des Erzbischofs als Landesfürsten, Auflösung aller Verbände und Gesellschaften, Abgabe aller Waffen, Bezahlung aller Abgaben, Zehente, Zinse, Gülten und Dienste, "wie vor alters her zu leisten war", alle im Aufstand gestohlenen Güter zurückzugeben, die Schäden wieder gutzumachen und für jede Feuerstelle 4 Gulden Rheinisch als Brandschatzung zu erlegen.
Die hohe Brandschatzung, die nun erbarmungslos auch von den Ärmsten eingetrieben wurde, brachte ein unbeschreibliches Elend und eine schier grenzenlose Armut über das Land. Auch die Bitten der Gasteiner, den Ärmsten die Brandschatzung zu erlassen, nützten nichts. Der Bauernstand verarmte völlig und statt einer Erleichterung musste er zu allen bisherigen Lasten noch die Kriegskosten, die oben genannte Brandschatzung, Schadengelder und manches andere bezahlen. Einige nichtssagende Erleichterungen wurden zwar in Aussicht gestellt, aber eine eigentliche Sozialreform unterblieb. Die siegreiche Adelspartie zwang die Bauern wieder unter ihr Joch, und die Grundherren machten die Bauern überdies für alle erlittenen Schäden und Ausfälle haftbar.

» Die Wut der Gasteiner Bauern «
Die allgemeine Wut der Gasteiner Bauern, die sich durch das Misslingen des Aufstandes jede Hoffnung einer sozialen Besserung betrogen sahen, wandte sich nun vor allem gegen den Anstifter dieses Aufstandes, Marx Neufang, der noch dazu die Kämpfe dazu benutzt hatte, um sich persönlich zu bereichern. Als nun Neufang eines Tages in Hofgastein am Platze in einem neuen Kleide auf- und abstolzierte, bemächtigte sich der dort anwesenden Bauern eine derartige Erregung, dass sie ihn mit einer Lanze niederstachen und alle auf ihn einhieben. Als er sich darauf wieder erhob, gab ihm Max Entfellner "mehr einen Streich, daß er wieder in die Lackhen fiel, also gaben sie ihm den Lohn for das gestohlen Guet und war ihm vergolten, wie man denn bei solchen Kürchtägen den Ablaß gibt, gleich wie es denen Radstädterischen geschehen ist".

Teuerung, Hungersnot und sich ausbreitende Pestseuche, die im Jahre 1528 von September bis um Weihnachten 350 Talbewohner dahinraffte, verschlimmerte das Los der Bauern bis zur Unerträglichkeit. Mehr noch als bisher suchten sie im Wort Gottes Trost. Neue Bauernunruhen in den Jahren 1564 und 1565, geschürt von den Kündern der neuen Lehre, wurden durch Einschüchterungen, aber auch durch wohlberechtigte eigennützige Toleranz den Bergleuten gegenüber, die ja schließlich die großen Einkünfte für die Landesfürsten zu liefern hatten, sehr bald erstickt.

Quelle: " Die Geschichte Gasteins "
von Sebastian Hinterseer, 1977

Die "revolutionären Elemente" des zweiten Aufstandes 1526

Die Bauern des Pinzgau vermochten aufgrund der günstigen geographischen Lage (Abgeschiedenheit der Täler, große Entfernung zur Residenzstadt) weiterhin politischen Widerstand zu leisten. W. Mauerhofer/ R. Sessler beschreiben und begründen in ihrem Buch "Um des Glaubens willen - Die Vertreibung der Salzburger" den zweiten Aufstand durch die Zuwanderung von Bauern aus dem "Inner-Gebirg" gegen Ende des Jahres 1525 wobei auch eine Menge entlassene Söldner, sowie "revolutionäre Elemente" die Bevölkerung aufwiegelten und das Erzbischof Lang keineswegs daran dachte, ihre Beschwerden ernst zu nehmen. Er ging sogar soweit, dass er alle bisherigen Mandate gegen die Lehre Luthers und die evangelischen Bücher erneuerte. Für ihn war klar, dass dieser Aufstand nur "dem Gift der Lutherischen Lehre" entsprungen war.

» Beginn im Frühjahr 1526 «
Der Aufstand im Frühjahr 1526 war keine revolutionäre Volksbewegung mehr, sondern wurde von sogenannten "Berufsrevolutionären", wie den Tirolern Christoph Ganner-Setzenwein und Michael Gaismair, getragen. Dieser zweite "Bauernaufstand" verlief weitaus blutiger und schrecklicher als der erste. Nach kurzer Zeit war der Aufstand aber niedergeworfen und die Folgen für die Bevölkerung waren schrecklich. Altenmarkt wurde dem Erdboden gleichgemacht. In Radstadt wurden 27 Bauern als Rädelsführer enthauptet.

» Die Folgen «
Das Los der Bauern war nun noch schlimmer geworden. Die Bewohner des Erzstiftes wurden gezwungen, eine Strafe von 14.000 Gulden zu bezahlen. Außerdem musste jeder Hof noch zusätzlich 4 Gulden an die erzbischöfliche Kammer entrichten. Alle Glocken wurden von den Kirchtürmen genommen, um ein erneutes Sturmleuten - als Aufruf zur Rebellion - zu verhindern. Sinnigerweise erfolgte in Salzburg der Umguss der Glocken zu Kanonengeschützen. Bald darauf wurde noch eine weitere Steuer von 100.000 Gulden vorgeschrieben die in fünf Jahresraten zu zahlen war. Die Nichterfüllung ihrer religiösen Forderungen hatten die Aufständischen schon im Herbst 1525 zur Kenntnis zu nehmen.

» Erster Punkt der 14 Gasteiner Artikeln «
Durch das Scheitern des zweiten Aufstandes, wurde die Verkündigung des Evangeliums nun noch gefährlicher. Erzbischof Lang kündigte im Einvernehmen mit den Ständen gegen Ende des Jahres 1525 Maßnahmen an, "die zur Aufrechterhaltung guten Gehorsams, des Friedens und der Ruhe im Stift dieser Zeit notwendig seine". Die erste Maßnahme bezog sich auf den ersten der von den Bauern im Mai 1525 in Gastein beschlossenen 14 Artikeln.
Der erste Artikel spricht sich gegen die "Antichristen", die sich als Geistliche bezeichnen, aus. Sie hätten mit ihren Betrügereien und ihrer Wüterei das reine Gotteswort verdunkelt und das wahre Evangelium weder durch Schriften noch durch Prediger verkünden lassen. Erzbischof Lang reagierte auf diesen Vorwurf im ersten Artikel mit der Ankündigung, der Gottesdienst solle von nun an nach der alten Ordnung gehalten werden, "bis durch das Heilige Römische Reich und ein allgemeines christliches Konzil darüber eine neue Ordnung gegeben wird".

» Die Gedanken Luthers von der Freiheit «
Erst nach dem Scheitern des Bauernaufstandes verstanden einige Hitzköpfe die Gedanken Luthers von der Freiheit eines Christen richtig. Glaubte man erst damit aufgrund der Bibel eine gerechte Wirtschafts- und Sozialordnung erzwingen zu müssen, so trat nun die Person Christi in den Vordergrund ihres religiösen Denkens. Auch er war arm gewesen und hatte Verfolgung und Tod erleiden müssen. Es galt nun, trotz des Leidens nicht den Glauben zu verlieren. Die anstehenden religiösen und sozialen Probleme blieben aber weiter ungelöst.

Quelle: "Um des Glaubens willen" - Die Vertreibung der Salzburger
von W. Mauerhofer/ R. Sessler, 1990 CLV

Eckpfeiler des Konflikts der Bauernkriegsjahre 1525/26

In der neuen Ausgabe 2006 - "Das Buch vom Tauerngold" - werden die Ursachen des Bauernaufstandes und deren Hintergründe nach neueren Erkenntnissen wie folgt zusammengefasst:

» Die Gewerken als die eigentlichen Initiatoren «
Die Gewerken als Unternehmer waren die eigentlichen Initiatoren im Mai 1525 für kriegerischen Handlungen gegen Kardinal Matthäus Lang als Landesherrn. Sie nutzten den Aufstand der Bauern als überregionale Kulisse zur Durchsetzung ihrer Eigeninteressen. Die Knappen zeigten kein politisches eigenständiges Denken und kein politisches Agieren.
Wie die Knappen ergriffen auch die Dienstnehmer im bäuerlichen Bereich in den ersten Kriegstagen keine eigenen Initiativen. Die Besitzer im bäuerlichen Bereich entschlossen sich erst auf starkes Drängen der Gewerken zum Mitmachen. Ihre Forderungsprogramme waren landfremde Verfasser, wahrscheinlich vaziierende Prädikanten.

» Motive der gebildeten Gewerken «
Die Motive der gebildeten Gewerken waren tendenziell antiklerikaler und somit gesellschaftspolitischer Natur. Ein Bischof als Landesregent entsprach nicht mehr ihren Vorstellungen. Ein Anschluss an die benachbarten Länder des Hauses Habsburg erschien als möglicher Schritt zu einer zeitgenössischen Regierungsform, mit Blick auf den Wegfall von Blei- und Getreidezöllen. Auch die Rechte des Landesherrn auf die Wälder traf das heimische Montanwesen stark und auch das von Matthäus Lang 1523 erlassene Religionsmandat gegen Luther war nicht im Sinne der Knappen und Gewerken. Das sächsische Knappen in nennenswerter Zahl nach Salzburg gekommen wären, um die neue Lehre zu verbreiten, gehört ins Reich der Legende.
Die besitzenden Bauern und besitzlose bäuerliche Bevölkerung hatte sich nicht am Aufstand der Bürger in den Städten und Märkten wesentlich beteiligt. Als dann doch bäuerliche Anführer hervortraten und diese gegen die Gewerken auftraten, sahen die Gewerken ihre Intentionen gefährdet.

» Der finanzielle Schaden «
Der finanzielle Schaden, der den Gewerken während der Kriegsmonate Juni und Juli 1525 als Soldzahlungen an ihre Knappen und später durch Regressforderungen Langs erwuchs, konnte aus den Bergwerksgeldern nur zum Teil abgedeckt werden. Die verbreitete Meinung, dass die Bauernaufstände durch Erträge des Bergbaues finanziert worden sei, ist übrigens falsch.

» Der zweite Bauernaufstand 1526 «
Im zweiten Bauernkrieg 1526 entwickelte das Kriegsgeschehen eine Eigendynamik. Radikalisierte Bauernführer drängten die Gewerken dazu, ihre Knappen zu Kampfhandlungen ausrücken zu lassen. Michael Gaismaier aus Tirol ging nach dem Zusammenbruch des Aufstandes nach Venedig.

» Die Brandsteuer «
Die nach dem Bauernkrieg eingehobene Brandsteuer ging vor allem zu Lasten der Kleingewerken, die deswegen oftmals ihren Grubenbesitz veräußern mussten. Als Käufer traten die Weitmoser und Zott auf. Die Großen konnten sich durch wiederholte Treueschwüre und allmählich wieder steigender Steuerleistungen ein höchstes Ansehen beim Landesherrn sichern und durfte so mit besonderen Begünstigungen rechnen. So waren es in der Folge nur Großgewerken, die wieder Wälder verliehen und damit den Betrieb ihrer Schmelzhütten gesichert bekamen.

Quelle: "Das Buch vom Tauerngold"
Werner H. Paar, Wilhelm Günther und Fritz Gruber - 2006
Verlag Anton Pustet

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Bauernkrieg 1525 - in Gastein
  - Die 14 Forderungen - der Gasteiner 1525
  - Emigrationspatent - Protestantenvertreibung 1731
Siehe auch die Seiten:
  - Protestanten im 16./17.Jh. - in Gastein
  - Bauernaufstand 1525/26 -
  - Protestanten im 18. Jh. - Vertreibung aus Gastein

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 - dem Buch "Um des Glaubens willen, Die Vertreibung der Salzburger" von Walter Mauerhofer und Reinhard Sessler, 1990 und dem Buch "Tauerngold" von Werner H. Paar, Wilhelm Günther und Fritz Gruber, 2006 - entnommen. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben.

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Bauernaufstand - 1525/26
© 31.12.2007 by Anton Ernst Lafenthaler
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