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Badeleben in Gastein

Die Badestuben

Wie es in den Badestuben wohl zugegangen mag, ist uns vornehmlich durch zahlreiche Gedichte von Kurgästen überliefert, insbesondere aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Wolf Prenn, ein Dienstmann des Gewerken Weitmoser, hat in naiver, etwas unbeholfener Art ein Gedicht - Gasteinerischer Padgesang - hinterlassen, welches aus dem Jahre 1553 stammen dürfte, wie Dr. Gerke in seinem Badebüchlein anführt. Die Wirte kommen nicht gut weg darin, sie werden als geldgierig und wenig freundlich, die Kellner als unsauber und betrügerisch, die Betten als zu hart geschildert. Urkunden, Briefen und Schriften ist zu entnehmen, dass die Stuben finster und nicht gelüftet waren, die Betten wurden nur äußerst selten mit frischem Leinen überzogen. Viel wird über Ungeziefer, Wanzen und Mäuse geklagt. Nachfolgend soll auszugsweise ein kleiner Querschnitt des überlieferten Badelebens, insbesondere das Wildbad betreffend vorgestellt werden, so wie es Dr. Gerke in seinem "Gasteiner Badebüchlein" beschreibt.

» Ordnung des Armenspitals 1596 «
Fritz Gruber berichtet uns einige Passagen aus der Ordnung des von Konrad und Hans Strochner gestifteten Badespitals, welche bereits 1596 erlassen wurde. Darin heißt es u. a.: "dass zu jedem Quartalsende das Stroh der Betten zu wechseln und das "Prunzgeschirr" gründlich zu reinigen ist. Die Gehbehinderten haben Anspruch, dass sie ins Bad getragen und wieder in die "Bruderstube" zurückgetragen werden. Verstorbene müssen von den stärksten der Insassen zum Friedhof getragen und dort begraben werden. Der Spitalwirt darf nur Bier und Met ausschenken, nicht aber Wein. Huren und "Buben" darf er über Nacht nicht beherbergen.".
Insgesamt umfasst die Ordnung (Hausordnung) fünfzehn Artikel. Im Jahr 1625 wird diese Ordnung modernisiert und wesentlich erweitert. 1823 erscheint die wichtige "Kreisamtsordnung für das Badespital". (Fritz Gruber, 2012)

» Die Bäder in den Gasthöfen «
Die Bäder waren in den einzelnen Gasthäusern untergebracht, wohin das Wasser in offenen, hölzernen Rinnen geleitet wurde. Hauptsächlich waren Einzelbäder in hölzernen Wannen üblich, daneben scheinen aber auch Gemeinschaftsbäder in den Gasthöfen und im Spital in Gebrauch gewesen zu sein. Die Kranken verbrachten viele Stunden im Wasser, früh 3 bis 6 Stunden, zuweilen auch noch nachmittags 1 bis 2 Stunden. Bäder und Wannen waren unrein und wurden nur selten gesäubert. Oft wurde im Bad gegessen und getrunken, insbesondere war es üblich, das Frühstück im Wasser einzunehmen.
Otto Gerke, 1946 berichtet uns wörtlich: "Wie es um die Einrichtung und Aufsicht in den Bädern damals aussah, geht daraus hervor, daß so manchesmal einer im Bad ertrunken aufgefunden wurde und einmal durch den Bruch einer "Lauche" (Ventil) einige, die sich gerade im Bad aufhielten, hinausgeschwemmt wurden."

» Solitär- versus Communebad «
Fritz Gruber schreibt in seinem Buch "Mosaiksteine": In den sogenannten "Einzelbäder" (Solitärbäder) fanden immer 3 - 4 Personen Platz Wannen für nur eine Person standen nie zur Diskussion und blieben der modernen Zeit vorbehalten. Einzelbäder stellten in gewissem Sinne die Badebottiche dar, die jedoch, streng reglementiert, offenbar nur für Schwerstbehinderte zur Verfügung standen. Im Normalfall besuchten die Heilungssuchenden die (echten) "Gemeinschaftsbäder". Noch um 1865 vermerkte Reißacher, dass in Bad Gastein zwar der Trend zu "mehr-personigen Wannenbädern" anhalte, dass aber noch fünf in Betrieb stünden; in Hofgastein seien es noch drei.

» Der Bader im 17. Jahrhundert «
Die ärztliche Betreuung der Kranken lag ausschließlich in den Händen des Baders, der auch das Schröpfen und Aderlassen vornahm. Diese Prozeduren wurden meist wahllos und allzu reichlich durchgeführt. Es gab Kalender, in denen die für den Eingriff günstigen Tage verzeichnet waren, die für bestimmte Leiden oder Wünsche in Betracht kamen. So soll der Aderlass am 11. Mai für Glück in der Liebe besonders geeignet gewesen sein. Die Medizin des Baders Isaac Arlschwaiger bestand in Kräutersäften gegen Stoffwechselleiden, Hollundertee zum Schwitzen und Wacholder in Beeren und als Schnaps zur Magenstärkung. Gegen Magenweh und Grimmen gab es ein aus Kümmel, Kalmus und Enzian bereitetes Magenpulver. Er verordnete auch ein berühmtes Leberpflaster und eine mit Zitrone bereitete Frostbeulensalbe. Beliebt war in ungeheuren Mengen bei Blasenleiden das aus Wacholder hergestellte Kranawitwasser. Manche Kranke mussten 4 bis 5 Liter täglich davon trinken.
Daneben scheint der Bader auch Kosmetiker gewesen zu sein, was ihm vielleicht mehr eintrug als seine ärztliche Kunst. Medizinen gegen Sommersprossen, Runzeln und Nasenröte und gegen Haarausfall und Glatze, eine Mixtur aus Salbei und Kranawitöl.

» Die Herrn von Windischgrätz waren enttäuscht «
Gerke schreibt: "Als der Gast (=Herrn von Windischgrätz) kam, war er von den Verhältnissen recht enttäuscht. Er schreibt, dass es langweilig sei und dazu sehr teuer, und daß der wohl nicht recht bei Sinnen sei, der zur Unterhaltung oder wohlfeiler Zehrung wegen herkommt oder sich länger aufhält. Er selbst wolle keine Stunde versäumen, um sich möglichst bald zu drücken und wieder heimzukommen." In Bezug auf die Langeweile hat sich das Gasteiner Bad von anderen größeren Bädern Deutschlands und der Schweiz wesentlich unterschieden, wo viel Wert auf Unterhaltung während der Kuren gelegt wurde. Manche Badeorte wurden nicht der Gesundheit wegen, sondern lediglich zum Vergnügen aufgesucht. Wegen der entfernte Lage von einer größeren Stadt, die Berge, die zur damaligen Zeit noch Schauer und Bedrückung einflößten wurde das Wildbad, zumal auch die Anreise beschwerlich und teuer war, nur von wirklich Kranken besucht. Das sonst übliche frohe und allzu frohe Badeleben hat sich so auch nie entwickelt. Es hat immer einen ernsteren Charakter beibehalten. Für das Vergnügen der Kurgäste war nur wenig gesorgt . . .

Kurgast, Gedenktafel » Nicht alle überlebten das Bad «
Die intensive Kur und die übliche lange Badezeit scheint manchem nicht gut bekommen zu sein. Im uralten kleinen Friedhof von St. Nikolaus, der, weil dort auch einige Fremde begraben wurden, als Friedhof von Europa bezeichnet wurde, war auf einem Grabstein aus dem Jahre 1790 der sinnige Spruch zu lesen:
"Er reisete hieher zum bade - in Hoffnung, daß durch Gottes Gnade - sein matter Körper Kraft erhält. - Doch da es Gott nicht haben wollte, - daß er auf Erden baden sollte, - so rief er ihn aus dieser Welt."

» Forderungen der Badegäste übertrieben «
Die Gäste beklagten sich zunehmend über die allzu primitiven Einrichtungen und noch mehr über die Wirte und Angestellten, wie dem - Gasteinerischen Padgesang - von Wolf Prenn zu entnehmen ist. Ein Gasteiner Tavernist soll über die übertriebenen Forderungen der Badegäste ablehnend gesagt haben (zitiert aus dem Badebüchlein von Otto Gerke): "Ich weiss nicht, was die Leute heutzutag alles begehren, sonst waren gar viele froh, wenn sie in der Gastein auf Heu schlafen konnten. Die Vornehmen legte ich je 2 und 2 in ein Bett und solcher Betten standen 2-3 in einem Zimmer. Nur in ganz besonderen Fällen wurde einer einzelnen Person ein einzelnes Zimmer zuteil. Jetzt will jeder Gast gleich dem grössten Herrn bedient, und für sich allein bequartiert sein."
Eine - Badeordnung - aus dem Jahre 1688 sollte die großen Mängel beheben.

» Badereise gleich im Ehevertrag sichergestellt «
Das gemeinsame Baden für beide Geschlechter war anfangs auf die Angehörigen einer Familie beschränkt, dürfte sich dann aber allgemein eingebürgert haben. Von Erzbischof Paris Lodron, der 1621 die Kur gebrauchte, wurde das gemeinsame Baden verboten, kam jedoch bald wieder auf. Manche Scherze wurden über die jungen Frauen gemacht, die zum "Kinderkriegen" oder wegen angeblicher Leiden ins Bad kamen. Es wird bei ihnen bezweifelt, dass die Quelle die ersehnte Schwangerschaft herbeigeführt hat, und man vermutete eher, daß sie ihren Männern dort eine "waxene Nase andrehn". Manche Braut ließ sich, als die Wildbäder mehr in Mode kamen, die jährliche Badereise im vorhinein im Ehevertrag sicherstellen (Gerke, 1946).

» Langeweile im Gasteiner "Pad" «
In Bezug auf die Langeweile hat sich das Gasteiner Bad von anderen größeren Bädern Deutschlands und der Schweiz wesentlich unterschieden, denn dort wurde in den größeren Freibädern viel Wert auf Unterhaltung während der Kuren gelegt. Es wurde viel geschmaust, gezecht, getanzt, gescherzt, musiziert und viel geschäkert.
Durch seine entferntere Lage von einer größeren Stadt, durch die Umgebung der Berge, die der damaligen Zeit noch Schauer und Bedrückung einflößten und von einer "ungünstigen und wahrhaft furchtbaren Lage" des Wildbades sprechen ließen, durch die großen Schwierigkeiten der Reise, der nur wirklich Kranke sich unterzogen, hat sich in Gastein das sonst übliche frohe und allzu frohe Badeleben nie so entwickelt. Es hat immer einen ernsteren Charakter beibehalten. Für das Vergnügen der Kurgäste war nur wenig gesorgt. Lediglich die Bergknappen aus Böckstein brachten mit ihrer Musik durch Begrüßung bei der Ankunft und Abreise bemittelter Kurgäste etwas Leben in das Einerlei. Während der Kur wurde in Gastein immer auf eine ruhige Lebensweise Wert gelegt, was auch wohl darauf zurückzuführen war, dass die Bäder von vielen alten Leuten aufgesucht wurden.
Der Dichter Blumauer, der sich nicht gar lobend über die primitiven Verhältnisse im Wildbad geäußert hat, versöhnt sich mit einem zweiten - Gedicht - im Ehrungsbuch.

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Bader, Wundärzte - in Gastein
  - Gasteiner Kur, Diätetik - Eble, 1834
  - Gasteiner Kur, Krankheiten - Eble, 1834
  - Gasteiner Heilstollen - Stollenkurhaus
Siehe auch die Seiten:
  - Ärzte im Wildbad -
  - Thermalwasser - Radon

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 - sowie dem Buch: "Gasteiner Badebüchlein" von Dr. Otto Gerke, 1946 - entnommen.

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© 1.12.2010 by Anton Ernst Lafenthaler
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