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Sebastian Hinterseer beschreibt in seinem Buch "Bad Hofgastein und die Frühgeschichte Gasteins" die ersten Funde, die darauf hinweisen, dass bereits in der Jungsteinzeit hier Menschen durch das Gasteinertal gezogen sind. Die gefundene Tonschale, die mit Kupferschlacke gemagert ist beweist, dass schon 1700 v. Chr. Menschen im Gasteinertal lebten. Aus der späteren Eisenzeit sind keine weitere Spuren sichtbar und es wurde auch mit Ausnahme einer Fibel aus der Hallstattzeit bisher nichts gefunden. Münzfunde und die Römerstraße über den Mallnitzer Tauern wie dem Korntauern belegen dann mit Sicherheit die Anwesenheit der Römer.
» Serpentin-Lochaxt vom Radhausberg «
Den frühesten Fund aus dem Gasteiner Tal stellt eine grünlich und bräunlich, wie Schlangenhaut
gefleckte Serpentin-Lochaxt dar, welche 1910 vom Lawinenwächter der Gewerkschaft Radhausberg,
Gruber, am Nordrand des Kreuzkogels knapp unterhalb des Gipfels des Radhausberges in einer Höhe
von rund 2600 m gefunden wurde. Der Fund beweist, dass Menschen bereits in der späten Steinzeit
in das Gastein Tal gekommen waren.
Dr. h.c. Martin Hell beschreibt die Lochaxt vom Radhausberg folgendermaßen: "Die Axt vom Radhausberg
wurde im Jahre 1910 am Radhausberg gefunden, und zwar am Kreuzkogel (2683 m) in einer Höhen von 2600 m
auf der sogenannten Keuche, unterhalb des Gipfels neben dem Touristenweg, der vom Hieronymusberghaus
über die Grubachalpen auf den Kreuzkogel führt. Die Lochaxt ist aus Serpentin, das Bahnende ist gerundet,
die Schneide etwas beschädigt, der Querschnitt ein stark ausgerundetes Rechteck. Die Länge beträgt 9,5 cm,
die Breite 3 cm, die Höhe in Richtung des Loches 3,6 cm. Das Schaftloch ist leicht konisch und hat auf der
Vorderseite 1,7 cm, auf der Rückseite 1,5 cm Lichtweite. Das Gewicht beträgt 178 Gramm. Die Axt ist also
sehr klein, sehr schmal und von geringem Gewicht. Es handelt sich also nicht um ein Werkzeug, sondern um
eine Waffe, deren dünner Stiel vielleicht auch die Elastizität des Holzes zur Wirkung kommen ließ.
Seiner Form nach ist es als jungsteinzeitlich anzusprechen."
» Die Axt vom Korntauern «
Die Axt vom Korntauern hingegen wurde einige Jahre vor 1945 von Herrn W. Uhlir am
Passübergang des Korntauern (2463 m) gefunden. Dieser Übergang verbindet das Seebachtal
in Kärnten mit dem salzburgischen Anlauftal bzw. Gasteiner Tal. Der eigentliche Fundplatz
befand sich etwas nördlich des Passes in ungefähr 2000 m Höhe im sog. Lärchenboden, oberhalb der Waldgrenze.
Die Axt ist aus dunklem, graugrünen Hornblendeschiefer, das Bahnende flach gerundet,
und die Länge beträgt 8,8 cm, die Breitee 4,4 cm, die Schneidenlänge 4,8 cm.
Das leicht konische Schaftloch hat vorne eine Lichtweite von 2,2 cm und hinten eine solche von 2 cm.
Die Vor- und Rückseite ist fast eben, die seitliche Begrenzung ausgewölbt. Die Form wirkt
massig und gedrungen. Die Axt konnte sowohl als Werkzeug als auch als Waffe Verwendung gefunden haben.
Sie ist der späteren Jungsteinzeit zuzuordnen.
Die gegenseitige Entfernung beider Fundorte beträgt nur etwa 5,5 km.
Es sind die beiden höchstgelegenen Steinbeilfunde der Ostalpen.
399.0 – Beide Funde sind als Zeugnisse für eine Überschreitung der Hohen Tauern
in jungneolithischer Zeit aufzufassen.
» Steinzeitlicher Fund aus Bad Gastein aus dem Jahre 1951 «
Anfangs Juni fand der Bundesbeamte Josef Heuberger am Nordabfall der Pyrkershöhe in Bad Gastein
eine Steinkeule mit doppelseitig gebohrtem Stielloch, welche der Landesarchäologe Dipl. Ing. M. Hell,
Salzburg, der Jungsteinzeit zuschreibt. Die Keule, welche eine unregelmäßige prismatische Form hat,
ist aus kieseligem Sandstein. Das Schaftloch hat einen Durchmesser von 1,5 cm.
Die Oberfläche dieser Wurfkeule ist mit unregelmäßigen Strichfurchen verziert.
Das Fundstück, das älteste bisher bekannte aus Bad Gastein, ist deshalb von besonderer Wichtigkeit,
weil es beweist, dass der Mensch der Jungsteinzeit das Gebiet von Bad Gastein schon betreten hat.
Bekanntlich wurde schon im Jahre 1910 am Radhausberg bei Böckstein in einer Höhe von 2600 m ein
Serpentinbeil gefunden, so dass die eben gefundene Wurfkeule das zweite jungsteinzeitliche
Fundstück aus dem Gasteinertal darstellt. Das Fundstück ist im Gastein Museum, Bad Gastein ausgestellt.
» Steinbeil aus Hornstein «
Fundort: Felsen unterhalb des Hotel Straubinger, in der Nähe des Fledermausstollen wurde dieses Beil
aus Hornstein gefunden. Es wird der Jungsteinzeit zugeordnet.
» Altbronzezeitliche Tonschale «
Etwa vor 2000 Jahren begann man in Europa vom Steinwerkzeug zum Metallwerkzeug überzugehen
(im Zwischenstromland des Euphrat und Tigris kannte man den Metallguss schon 1000 Jahre früher).
Wie Gräber und Gruben, sog. Pingen, sowie sogar vorgetriebene Stollen besonders im Gebiet von
Bischofshofen beweisen, wurde jedenfalls schon seit etwas der gleichen Zeit ausgiebig Kupferbergbau betrieben.
Dass das Gasteiner Tal schon in dieser Periode ebenso wie das vorgelagerte Salzachtal besiedelt war,
beweist auch der Ende 1955 zutage getretene neueste Fund, eine altbronzezeitliche Tonschale, die bei
Kelleraushubarbeiten im Hause Hofgastein Nr. 5 (Kaufhaus Franz Brandner) in einer Tiefe von 2 m zum
Vorschein kam. Es ist dies eine Tonschale, die mit freier Hand aus derbem Ton geformt,
mit Kupferschlacke gemagert ist. Ihre Form ist konisch, die Mündung 14 cm, der Boden 6,5 cm weit, die Höhe 5 cm,
die Farbe fleckiggrau bis braun. Unter dem Rande der Schale sitzt außen eine kleine Öse,
zum Durchziehen einer Schnur.
Wie Dr. Hell feststellt, gehört dieser Fund der ältesten Bronzezeit um etwa 1700 v. Chr.
an und dürfte entweder aus einem Grab oder aus deiner Wohnstätte stammen. Dieser Fund beweist
die urgeschichtliche Kupfergewinnung außerhalb des Tales und weiter den längeren Aufenthalt
von Menschen in diesem Tale, wenn nicht gar eine Besiedlung.
» Älteste Funde aus der Römerzeit «
Das Gasteiner Tal selbst besitzt nur 4 Funde dieser geschichtlichen Periode und zwar
eine Bronzemünze des Kaisers Trojan (98 – 117 n.Chr.), eine solche des Kaisers Alex.
Severus (222 – 235 n. Chr.), einen bronzenen Schreibgriffel und eine sehr gut
erhaltene Gewandspange (gefunden November 1955 bei einer Anlage eines Neubaues
westlich des Roseggerheimes, Hofgastein auf dem Grunde von G. Möschl), eine
Fibel vom Aucissa-Typus der frühen römischen Kaiserzeit.
Ing. v. Wurmb, der Erbauer der Tauernbahn, fand im Jahre 1884 auf der Höhe der
Mallnitzer Tauern eine römische Lanzenspitze (scheint verloren gegangen).
| - Funde aus der Römerzeit - | ||
Quelle: " Bad Hofgstein und die Geschichte Gasteins "
von Sebastian Hinterseer, 1977


Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" - von Sebastian Hinterseer, 1977 - entnommen, sowie teilweise den Textstellen, die den Fundstücken im Gastein Museum beigelegt sind. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben.
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Gastein im Bild - Dokumentation
Frühgeschichte - Frühe Funde
© 12.5.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
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