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D - Gasteinertal/Dokumentation: Frühgeschichte - Frühe Funde
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Dokumentation . Gasteinertal

Frühgeschichte 1

Steinzeit . Bronze . Eisenzeit

Sebastian Hinterseer beschreibt in seinem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" die ersten Funde, die darauf hinweisen, dass bereits in der Jungsteinzeit hier Menschen durch das Gasteinertal gezogen sind. Die gefundene Tonschale, die mit Kupferschlacke gemagert ist beweist, dass schon 1700 v. Chr. Menschen im Gasteinertal lebten. Aus der späteren Eisenzeit sind keine weitere Spuren sichtbar und es wurde auch mit Ausnahme einer Fibel aus der Hallstattzeit bisher nichts gefunden. Münzfunde und die Römerstraße über den Mallnitzer Tauern wie dem Korntauern belegen dann mit Sicherheit die Anwesenheit der Römer.
Der neueste Fund stammt aus dem Jahr 2006 (Anlauftal) - ein Fragment eines spätbronzezeitlichen Kammhelms, volkstümlich als "Keltenhelm" bezeichnet.

Die ältesten Funde im Gasteinertal

Steinbeil vom Radhausberg » Serpentin-Lochaxt vom Radhausberg «
Den frühesten Fund aus dem Gasteiner Tal stellt eine grünlich und bräunlich, wie Schlangenhaut gefleckte Serpentin-Lochaxt dar, welche 1910 vom Lawinenwächter der Gewerkschaft Radhausberg, Gruber, am Nordrand des Kreuzkogels knapp unterhalb des Gipfels des Radhausberges in einer Höhe von rund 2600 m gefunden wurde. Der Fund beweist, dass Menschen bereits in der späten Steinzeit in das Gastein Tal gekommen waren. Dr. h.c. Martin Hell beschreibt die Lochaxt vom Radhausberg folgendermaßen: "Die Axt vom Radhausberg wurde im Jahre 1910 am Radhausberg gefunden, und zwar am Kreuzkogel (2683 m) in einer Höhen von 2600 m auf der sogenannten Keuche, unterhalb des Gipfels neben dem Touristenweg, der vom Hieronymusberghaus über die Grubachalpen auf den Kreuzkogel führt. Die Lochaxt ist aus Serpentin, das Bahnende ist gerundet, die Schneide etwas beschädigt, der Querschnitt ein stark ausgerundetes Rechteck. Die Länge beträgt 9,5 cm, die Breite 3 cm, die Höhe in Richtung des Loches 3,6 cm. Das Schaftloch ist leicht konisch und hat auf der Vorderseite 1,7 cm, auf der Rückseite 1,5 cm Lichtweite. Das Gewicht beträgt 178 Gramm. Die Axt ist also sehr klein, sehr schmal und von geringem Gewicht. Es handelt sich also nicht um ein Werkzeug, sondern um eine Waffe, deren dünner Stiel vielleicht auch die Elastizität des Holzes zur Wirkung kommen ließ. Seiner Form nach ist es als jungsteinzeitlich anzusprechen."

Axt vom Korntauern » Die Axt vom Korntauern «
Die Axt vom Korntauern hingegen wurde einige Jahre vor 1945 von Herrn W. Uhlir am Passübergang des Korntauern (2463 m) gefunden. Dieser Übergang verbindet das Seebachtal in Kärnten mit dem salzburgischen Anlauftal bzw. Gasteiner Tal. Der eigentliche Fundplatz befand sich etwas nördlich des Passes in ungefähr 2.000 m Höhe im sog. Lärchenboden, oberhalb der Waldgrenze. Die Axt ist aus dunklem, graugrünen Hornblendeschiefer, das Bahnende flach gerundet, und die Länge beträgt 8,8 cm, die Breite 4,4 cm, die Schneidenlänge 4,8 cm. Das leicht konische Schaftloch hat vorne eine Lichtweite von 2,2 cm und hinten eine solche von 2 cm. Die Vor- und Rückseite ist fast eben, die seitliche Begrenzung ausgewölbt. Die Form wirkt massig und gedrungen. Die Axt konnte sowohl als Werkzeug als auch als Waffe Verwendung gefunden haben. Sie ist der späteren Jungsteinzeit zuzuordnen. Die gegenseitige Entfernung beider Fundorte beträgt nur etwa 5,5 km. Es sind die beiden höchstgelegenen Steinbeilfunde der Ostalpen. Beide Funde sind als Zeugnisse für eine Überschreitung der Hohen Tauern in jungneolithischer Zeit aufzufassen.

Steinkeule von Bad Gastein » Steinzeitlicher Fund aus Bad Gastein im Jahre 1951 «
Anfangs Juni fand der Bundesbeamte Josef Heuberger am Nordabfall der Pyrkershöhe in Bad Gastein eine Steinkeule mit doppelseitig gebohrtem Stielloch, welche der Landesarchäologe Dipl. Ing. M. Hell, Salzburg, der Jungsteinzeit zuschreibt. Die Keule, welche eine unregelmäßige prismatische Form hat, ist aus kieseligem Sandstein. Das Schaftloch hat einen Durchmesser von 1,5 cm. Die Oberfläche dieser Wurfkeule ist mit unregelmäßigen Strichfurchen verziert. Das Fundstück, das älteste bisher bekannte aus Bad Gastein, ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil es beweist, dass der Mensch der Jungsteinzeit das Gebiet von Bad Gastein schon betreten hat. Bekanntlich wurde schon im Jahre 1910 am Radhausberg bei Böckstein in einer Höhe von 2600 m ein Serpentinbeil gefunden, so dass die eben gefundene Wurfkeule das zweite jungsteinzeitliche Fundstück aus dem Gasteinertal darstellt.

Flintbeil von Bad Gastein » Steinbeil aus Hornstein «
Fundort: Felsen unterhalb des Hotel Straubinger. In der Nähe des Fledermausstollens wurde dieses Flintbeil aus Hornstein gefunden, welches auf das 4. Jahrtausend v. Chr. datiert wird. So wird aufgrund ihreer außerregionalen Herkunft und wegen des speziellen Fundortes als Votivgaben an Quellgötter gedeutet, woraus eine Nutzung der Heilquellen abgeleitet werden kann und möglicherweise eine Besiedlung im Ortszentrum von Bad Gastein bestanden hat.

» Altbronzezeitliche Tonschale «
Etwa vor 2000 Jahren begann man in Europa vom Steinwerkzeug zum Metallwerkzeug überzugehen (im Zwischenstromland des Euphrat und Tigris kannte man den Metallguss schon 1000 Jahre früher). Wie Gräber und Gruben, sog. Pingen, sowie vorgetriebene Stollen besonders im Gebiet von Bischofshofen beweisen, wurde jedenfalls schon zur gleichen Zeit ausgiebig Kupferbergbau betrieben. Dass das Gasteiner Tal schon in dieser Periode ebenso wie das vorgelagerte Salzachtal besiedelt war, beweist auch der Ende 1955 zutage getretene neueste Fund, eine altbronzezeitliche Tonschale, die bei Kelleraushubarbeiten im Hause Hofgastein Nr. 5 (Kaufhaus Franz Brandner) in einer Tiefe von 2 m zum Vorschein kam. Es ist dies eine Tonschale, die mit freier Hand aus derbem Ton geformt, mit Kupferschlacke gemagert ist. Ihre Form ist konisch, die Mündung 14 cm, der Boden 6,5 cm weit, die Höhe 5 cm, die Farbe fleckig grau bis braun. Unter dem Rande der Schale sitzt außen eine kleine Öse, zum Durchziehen einer Schnur.
Wie Dr. Hell feststellt, gehört dieser Fund der ältesten Bronzezeit um etwa 1700 v. Chr. an und dürfte entweder aus einem Grab oder aus einer Wohnstätte stammen. Dieser Fund beweist die urgeschichtliche Kupfergewinnung außerhalb des Tales und weiter den längeren Aufenthalt von Menschen in diesem Tale, wenn nicht gar eine Besiedlung.

» Älteste Funde aus der Römerzeit «
Das Gasteiner Tal selbst besitzt nur 4 Funde dieser geschichtlichen Periode und zwar eine Bronzemünze des Kaisers Trojan (98 - 117 n.Chr.), eine solche des Kaisers Alex. Severus (222 - 235 n. Chr.), einen bronzenen Schreibgriffel und eine sehr gut erhaltene Gewandspange (gefunden 1955 bei der Anlage eines Neubaues westlich des Roseggerheimes, Hofgastein auf dem Grunde von G. Möschl), eine Fibel vom Aucissa-Typus der frühen römischen Kaiserzeit.
Ing. v. Wurmb, der Erbauer der Tauernbahn fand im Jahre 1884 auf der Höhe der Mallnitzer Tauern eine römische Lanzenspitze, die jedoch leider verloren gegangen ist.

» Kammhelm im Anlauftal - Fund 2006 «
Fritz Gruber schreibt: - Gefunden wurde das Fragment eines zweischaligen Kammhelmes, so die richtige Bezeichnung für das, was im allgemeinen Sprachgebrauch unter "Keltenhelm" bekannt ist. Es stammt aus der Zeit um 1050-1100 vor Chr. und ist somit rund 3.000 Jahre alt. Dieses wertvolle Stück wurde von Herrn Erhard Tschitschko im Anlauftal auf der Höhenkote von 1.210 m gefunden. Mit diesem Fund steht nun zweifelsfrei fest, dass bestimmte Menschen und vielleicht Menschengruppen den Übergang über den Korntauern bereits vor rund 3 000 Jahren benützten. Es handelt sich aber nicht etwa um ein Verlustgeschehen in grauer Vorzeit, sondern um eine bewusste Deponie-Votivgabe als Bitte an den Wetter- und Berggott um gute Überquerung des Passes. (A. Lippert) - Die wissenschaftlichen Untersuchungen führte Univ.-Prof. Dr. Andreas Lippert durch. (Quelle: "Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins" von Fritz Gruber, 2012)

Schreibgriffel Bronzemünze Bronzemünze Silberdenar, Bad Gastein Bronzemünze Bronzemünze
- Funde aus der Römerzeit -
Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Besiedlung Gasteins - Tauernübergänge
Siehe auch die Seiten:
  - Sagenweg - Sagen Gasteins
  - Frühgeschichte -

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" - von Sebastian Hinterseer, 1977 - und dem Buch "Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins und seiner Salzburger Umgebung" von Fritz Gruber, Eigenverlag Gastein 2012 - entnommen, sowie teilweise den Textstellen, die den Fundstücken im Gastein Museum beigelegt wurden. Die Textauszüge wurden teilweise unverändert wiedergegeben.

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© 12.5.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
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