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Gasteiner Heilstollen

Radhausberg-Unterbaustollen

Im Buch "Tauerngold" beschreibt Wilhelm Günther u. a. auch die Gründung der Gasteiner Heilstollen GmbH, nachdem der Unterbaustollen Radhausberg (Paselstollen) mit Kriegsende 1945 still gelegt wurde. In den Anfängen der Heilstollenkur waren es Baracken und ein Zug, bestehend aus Grubenhunten. Erste Einfahrten in den Gasteiner Heilstollen bzw. "Böcksteiner Wunderstollen" erfolgten bereits 1945. Die Patienten werden auf einem steilen Fahrweg mit Pferdegespannen von der Astenalm zum Stollen gebracht. Nach und nach konnten die Baracken durch ein modernes Stollenkurhaus und der einstige Grubenhuntenzug durch bequeme Waggons ersetzt werden. Heute gilt die Heilstollenkur als weltweit etabliert und einzigartig. Nachfolgend die chronologische Darstellung der Entwicklung zur heutigen "Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen Betriebs-GmbH", ehemals Heilstollen-Betriebs-GmbH.

» Der Radhausberg-Unterbaustollen wurde 1944 mangels geringer Erzvorkommen stillgelegt «
Mit dem Radhausberg-Unterbaustollen wollte man die verschobene Fortsetzung der berühmten Erzgänge am Radhausberg unter der nach Westen neigenden Hauptfäule bzw. Hauptstörung finden, d. h. das quer zu dem nach Nordnordosten verlaufende Gangsystem, um auf diese Weise die Fortsetzung der Erzgänge in der Tiefe zu treffen. Der Radhausberg-Unterbaustollen, nach dem Geheimen Bergrat Dipl. Ing. Dr. Pasel, Leiter der bergwirtschaftlichen Abteilung im Reichswirtschaftsministerium im Berlin benannt, wurde im - Jänner 1940 - in der Asten im Nassfeld in 1.280 m Höhe angeschlagen. Der Aufschlagspunkt befand sich mitten im Wald am Fuß einer steilen Bergsturzhalde. Mit Rücksicht auf die Neigung des Geländes mussten zunächst die gesamten Betriebsanlagen in einer langen Baracke untergebracht werden. Erst mit Fortschreiten der Vortriebsarbeiten konnte eine Aufschüttung geschaffen werden, von der später ein kurzer Schrägzug zur Straße in das Nassfeld führte. Der Stollen wurde mit 2.425 m Länge nach Südosten getrieben. Bei Stollenmeter 1.240 bis 2.200 m wurden mehrere steil nach Süden neigende Gangklüfte angefahren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Fortsetzung der Golderzgänge des Radhausberges darstellen. Vorgefundene Erzspuren führten aber nur geringe Gehalte an Gold und Silber.
Der Radhausberg-Unterbaustollen war eine große Enttäuschung und führte am - 30. Juli 1944 - zur Stilllegung des Bergbaubetriebes. Die Betriebsanlagen, Baracken etc. wurden verkauft. Der Kraftanschluss und die Lokomotive samt Ladestation blieben.
- Quelle: Das Buch vom Tauerngold von Paar/Günther/Gruber
Um die Bauarbeiten am damaligen "Pasel Stollen", heute "Gasteiner Heilstollen", durchführen zu können, benötigte man zunächst eine Hilfsbahn, die als Standseilbahn (von der Abzweigung zur unteren Astenalm ausgehend) steil nach oben führte. Von dieser Werks-Standseilbahn ist heute nichts mehr zu sehen. Die erste Fahrstraße führte links davon, am Rand der Abraumhalde, sehr steil nach oben. Sie konnte nur mit Pferdewägen befahren werden.
- Quelle: Fritz Gruber

» Der Radhausberg-Unterbaustollen wies hohe Gesteinstemperaturen auf «
Beim Stollenvortrieb der Hauptstrecke stellte sich eine ungewöhnliche hohe und dabei sprunghafte Zunahme und dann wieder eine Abnahme der Gesteinstemperatur ein. Die Temperatur stieg ab Stollenmeter 1.240, wo die erste größere Gangkluft angefahren wurde, zuerst langsam, dann zwischen Stollenmeter 1.520 und 1.670 rasch an. Die höchsten Gesteinstemperaturen wurden zwischen Stollenmeter 1.635 und 1.888 mit 44°C, besonders am Ende des südlichen Kluftauslängens mit 45°C gemessen. Bereits beim Stollenvortrieb zeigte die Belegschaft eine auffallend geringe Anfälligkeit für Verkühlungen und rheumatischen Erkrankungen, die im Beruf des Bergarbeiters häufig auftreten. Diese Beobachtungen führten dazu, dass die Stollenluft auch medizinisch überprüft wurde. Noch 1944 konnte durch das Radiuminstitut in Wien eine darin enthaltene, überdurchschnittliche hohe Radiumemanation bzw. Konzentration an Radon festgestellt werden, die größer war als in den Quellstollen der Gasteiner Therme. Mangels kriegswirtschaftlichen Interesses folgten keine weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen.
- Quelle: Das Buch vom Tauerngold von Paar/Günther/Gruber

» Ein 25 Mio. alter Erzgang bringt heiße Luft in den Stollen «
Während der alpidischen Gebirgsbildung wurden die Kristallingesteine des "Alten Daches" und der Habachserie, entstanden zwischen 270 und 310 Mill. Jahren (Karbon/Perm) verschiefert und metamorph überprägt bei Temperaturen um 550-600°C und Drucken von über 5 kbar. Die dabei entstandenen granitische Gneise wirkten bei der alpidischen Gebirgsbildung (verursacht durch die Kontinentalplattenkollision Afrika gegen Europa) wie starre Körper, während die Gesteine der oberen Schieferhülle teilbeweglich reagierten und sich deformieren ließen. Die Bewegungen waren dabei von Süden nach Norden gerichtet, was zu Nord gerichteten Auffaltungen und Überschichtungen führte. Dehnungsprozesse und Druckentlastung beim Aufreißen tiefer Gangspalten ermöglichten ein Aufsteigen und Absetzen sulfidischer Metallerze aus den unterlagernden alten Schiefern der Habachformation. Die alpidische Gebirgsbildung begann vor rund 80 Mill. Jahren (Kreide) und endete zunächst am Beginn des Tertiär. Im Eozän kam es neuerlich zu Subduktionsprozessen, was eine zweite jungalpidische Phase der Gebirgsbildung zur Folge hatte. Am Ende der letzten europäischen Eiszeit versickerte große Mengen an Schmelzwasser entlang jüngerer, unvererzter Spalten in den Berg, welche die ca. 3 km mächtige Gneisabfolge bis zum darunterliegenden Schieferboden durchwässern. Die hohen Temperaturen im Berginneren lassen das heiße Wasser dann wieder dampfförmig nach oben steigen, wobei sich das Wasser mit Spurenelemente des Gneises wie Radium, Fluor und Chrom anreichert. Aus dem im heißen Wasser gelösten Radium entsteht Radon.
Der in den 1940er Jahre angeschlagene Paselstollen wurde etwa 200 m über dem Talboden angeschlagen. Man traf dabei auf eine leere, Erz freie Gangspalte, aus deren Tiefe heißer, radonhaltiger Wasserdampf aufstieg und die umgebenden Steine auf bis zu 40°C aufwärmte.

» Die "Hitzeklüfte" im Radhausberg-Unterbaustollen «
Den E-fallenden Klüften im Radhausberg-Unterbaustollen entströmt Wärme, Radium-Emanation und wahrscheinlich auch Wasserdampf. Die Gesteinswärme im Bereiche der E-fallenden Klüfte erreichte während des Stollenvortriebes bis 43°C und beträgt auch heute noch über 41°C. In der geraden Hauptstrecke des Radhausberg-Unterbaustollens nimmt die Wärme bergeinwärts der Kluftzone wieder ab, obwohl die Gebirgs-überlagerung zunimmt. Der Feldort der geraden Hauptstrecke unter dem Honigleitenkopf hat bereits eine Gebirgsüberlagerung von 1.080 m, jedoch zeigte er während des Stollenvortriebes bloß 32,5°C Gesteinstemperatur. Die Untersuchungen des Forschungsinstitutes Gastein unter der Leitung von Prof. F. Scheminzky erbrachten den Nachweis, dass sowohl die Wärme als auch die hohe Radioaktivität der Stollenluft dem E-fallenden Kluftsystem entweichen ("Hitzeklüfte"). Es konnte nachgewiesen werden, dass die Radiumemanation vor allem bei fallendem Luftdruck aus den Hitzeklüften ausströmt. Die relative Feuchtigkeit der Stollenluft beträgt 90 bis 100%.
Das Niveau des Radhausberg-Unterbaustollens befindet sich etwa 300 m über dem Austritt der Gasteiner Thermen (Bad Gasteiner Talstufe) und etwa 5 km von diesen entfernt. Die Hitzeklüfte des Radhausberg-Unterbaustollens streichen den im Felsgerüst von Bad Gastein sichtbaren Klüften parallel. Alle folgen der NNE-Richtung. Allerdings trifft die Haupt-Hitzekluft, wenn man sie sich nach NNE fortgesetzt denkt, nicht genau die Thermalquellen in Bad Gastein, sondern zieht östllich von Bad Gastein durch. Dementsprechend meint J. Stini (1951 a), dass die Bad Gasteiner Thermen ursprünglich weiter östlich austraten und erst später durch den Graukogel-Bergsturz (Talzuschub) nach W in ihre heutige Lage abgedrängt worden wären. Den Untersuchungen von F. Scheminzky und Mitarbeitern ist es zu danken, dass der Radhausberg-Unterbaustollen heute als Heißluft-Emanatorium (Kombination der Radium-Emanationstherapie mit Überwärmung) zu einem wertvollen zusätzlichen Gasteiner Heilmittel geworden ist. Der Stollen wird deshalb auch als Heilstollen - eine Zeit lang nannte man ihn auch - Thermalstollen - bezeichnet. Im Großen und Ganzen besteht heute Einmütigkeit in der Auffassung, dass zwischen Gasteiner Thermen und Hitzeklüften im Radhausberg enge Zusammenhänge wahrscheinlich in dem Sinne bestehen, dass in tieferen Teilen der Hitzeklüfte Gasteiner Thermalwasser zirkuliert und Wärme, Radium-Emanation und wahrscheinlich auch Dampf in den Radhausberg-Unterbaustollen abgibt.
- Quelle: "Geologische Karte der Umgebung von Gastein" von Christof Exner, Wien 1957

» Die Österr. Mineralölverwaltung AG wird Hauptgewerke der Gewerkschaft Radhausberg «
Am - 5. November 1945 - wurde das Montanunternehmen seitens der US-Militärregierung unter Verwaltung der amerikanischen Vermögenskontrolle gestellt. Die bisher im Betrieb verbliebenen reichsdeutschen Werksangehörigen mussten in kürzester Zeit Böckstein in Richtung Deutschland verlassen. Die inländischen Aktiva und Passiva der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG in Berlin wurden verstaatlicht und gemäß der Durchführungsverordnung der Auffanggesellschaft der Dora Erdöl GmbH in Wien zugeordnet. Als treuhänderischer Verwalter wurde Bürgermeister Franz Wagnleitner aus Bad Gastein eingesetzt und am 9. Mai 1947 das Unternehmen an die Österreichische Bundesregierung übertragen.
Die Gesellschaft wurde aufgrund des Verschmelzungsvertrages vom 10. Februar 1956 mit 13 anderen Unternehmen zur Österr. Mineralölverwaltung AG in Wien verschmolzen. Seit der Eintragung der Verschmelzung im Handelsregister am 3. Juli 1956 war die Österr. Mineralölverwaltung AG in Wien Hauptgewerke der Gewerkschaft Radhausberg.

» Erforschung und Heilkraft ab 1947 «
Die Beobachtung der Heilwirkung bei den Bergleuten (Besserung von Erkältungskrankheiten und rheumatischer Beschwerden) führte dazu, dass 1946 der öffentliche Verwalter der Gewerkschaft Radhausberg, Bürgermeister Franz Wagnleitner aus Bad Gastein, dem wiedererrichteten Forschungsinstitut in Gastein nahelegte, sich eingehend mit diesem im Radhausberg-Unterbaustollen, genannt Paselstollen, beobachteten Phänomen zu beschäftigen. Dem international bekannten Fachmann, Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Scheminzky, Leiter des Forschungsinstitutes Gastein der österr. Akademie der Wissenschaften in Wien, Vorstand des Physiologischen und Balneologischen Institutes der Universität Innsbruck wurde der Auftrag erteilt, die vermutete therapeutische Verwendbarkeit des Stollens als natürliche Radoninhalatorium zu überprüfen und wissenschaftlich sicherzustellen. Die zu lösenden Probleme betrafen die hohen Gesteins- und Lufttemperaturen und die damit verbundene hohe Luftfeuchtigkeit. Die ersten systematisch, physiologisch-balneologischen Untersuchungen hatten 1947 eingesetzt. Die Ergebnisse bzgl. der Frage nach dem Heilwert des Stollens wurde im Rahmen eines Gutachtes von 1951 folgend beantwortet: "Der Behandlung im Stollen sei tatsächlich ein Heilwert zuzusprechen, der den üblichen Gasteiner Thermalbadekuren gleich kam und bei einer beachtlichen Anzahl von Patienten den Wert aller bisher gebräuchlichen, auch der modernen Behandlungsmethoden übertraf."
Die Untersuchung ergab u. a. bis zu 4,5 nCurie/L Stollenluft, eine Lufttemperatur von 38 bis 41°C und eine Relat. Luftfeuchte von 70 - 95%.
- Quelle: Das Buch vom Tauerngold von Paar/Günther/Gruber
S. Hinterseer schreibt dazu: "Die Entstehung des "Böcksteiner Wunderstollens" hat eine eigene merkwürdige Vorgeschichte. Als man 1940 mit dem Anschlag des Stollens begann, waren allein bergmännische Überlegungen maßgebend. Das vorgefasste Ziel wurde aber nicht erreicht, und man musste den weiteren Stollenbau, der durch Schichten von Gneis, Syenit und Granit bereits bis in eine Tiefe von 2.400 m vorgetrieben war und eine nördliche Querabzweigung hatte, 1944 wieder einstellen. Dafür aber fand man die eigenartige, seither so berühmt gewordene Strahlen-und Wärmewirkung, über die man sich damals noch kein genaues Bild machen konnte. Als dann 1946 auf Betreiben des Bad Gasteiner Bürgermeisters Wagnleitner mit Forschungsarbeiten begonnen wurde, stand man vor einem völligen Neuland. Mit Liebe und Eifer aber gingen nicht nur die Wissenschaftler unter Führung des Leiters des Gasteiner Forschungsinstitutes Univ.-Prof. Scheminsky an ihr Werk, sondern wiederum auch die Betriebsgemeinschaft der Böcksteiner Gewerkschaft. Versuchsweise begann man 1945 mit den ersten Kuren."
- Quelle: S. Hinterseer, Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins

» Am 20. Mai 1952 erfolgte die Gründung des Heilstollen Betriebsgesellschaft «
Neben der Gewerkschaft Radhausberg konstituiert sich 1952 eine eigene "Betriebsgesellschaft". Ab nun gibt es regelmäßige, ärztlich betreute und somit "offizielle" Einfahrten in den Heilstollen. Dessen Radon-Emanation wird bergrechtlich zunächst so gehandhabt, als wäre es ein Abbauprodukt aus laufendem Bergbau-Produktionsbetrieb. - Quelle: Fritz Gruber
Unter dem ersten Präsidenten Landesrat Sepp Weißkind, ferner dem Bürgermeister von Bad Gastein, Franz Wagnleitner und den beiden gleich berechtigten Geschäftsführern, Kommerzialrat Alois Rainer und Direktor Hans Holleis, mit der besonderen Unterstützung der Landesregierung, unter Landeshauptmann Dr. Josef Klaus, konnte die Nutzung des neuen Heilverfahrens beginnen. Als Gesellschafter wurde die Gemeinde Bad Gastein mit 26,67%, die Credit-Anstalt Bankverein 26,67%, die Gewerkschaft Radhausberg mit 20%, das Bundesland Salzburg mit 13,33% und der Hauptverband der Österr. Sozialversicherungsträger mit 13,33% nominiert. In der Folge entschloss sich die Gemeinde Bad Hofgastein, der Heilstollengesellschaft mit 20% Stammkapital als Gesellschafter beizutreten.
- Quelle: Das Buch vom Tauerngold von Paar/Günther/Gruber

» Nur Baracken vor Errichtung des Stollenkurhauses 1953/54 «
1952 startet der Kurbetrieb in das Innere des Radhausberges. Als Pionier zu bezeichnen ist der damalige Arzt Dr. Otto Henn, der vom Vorstand des Physiologischen Institutes der Universität Innsbruck, Univ. Prof. Dr. F. Scheminzky, mit der medizinisch-wissenschaftlichen Erforschung es radioaktiven "Wunderstollens" beauftragt wurde.
Zunächst gab es kein Stollenkurhaus und keine entsprechenden Einrichtungen. Die alten Bergbaubaracken aus dem Zweiten Weilkrieg dienten provisorisch als ärztliche Untersuchungszimmer, als chemische Labors und als Ruheräume für die Patienten. Eingefahren wurde mit den alten, umgebauten Grubenhunten. Das Umkleiden folgte noch im Stollen selbst, 600 m vom Stollenmundloch entfernt. Schwer bewegliche Patienten mussten mit dem Pferdewagen herangebracht werden. Erst 1950 kam eine kleine klinische Sonderstation, eingerichtet im Badehospiz in Bad Gastein dazu. Die Anlage einer eigenen Zufahrtsstraße und erste Pläne zur Errichtung eines Stollenkurhauses wurde 1953/54 verwirklicht.
Im selben Jahr erfolgte ein weiterer Stollenvortrieb und der Ausbau einer Stollenschleife, wodurch sich das bisher notwendige Rangieren und Umstellen der Akku-Grubenlokomotive des Stollenzuges erübrigte. Die Grubenhunte wurden durch bequeme Sitzwägen ersetzt und zusätzlich konnten schwer behinderte Patienten auf Liegewägen transportiert werden.

» Erstes Stollenkurhaus 1954 eingeweiht «
Mit den Baumaßnahmen wurde die Firma Franzmair (Bad Gastein) betraut. Im Zuge der Baumaßnahmen musste die Firma Franzmair zunächst eine Straßenverbindung herstellen, ehe sie mit dem Bau des Behandlungsheimes mit seinem charakteristischen Pultdach beginnen konnte, welches ab 1954 die provisorischen Patienten-Holzbaracken ersetzte. Architekt des neuen Stollenkurhauses war Arpad Domokos - Quelle: Lorenz Krisch.
Im Beisein der Ehrengäste Landeshauptmann Dr. Josef Klaus, Weihbischof Johannes Filzer, Bürgermeister Josef Wagnleitner wurde das neu erbaute Stollenkurhaus am 12. Juni 1954 eingeweiht.
Dazu schreibt S. Hinterseer (Text unverändert): "Nachdem es der Heilstollenbetriebsgesellschaft mbH mit dem Bad Gasteiner Bürgermeister Wagnleitner unter ihren besonders verdienstvollen Geschäftsführern Kammerrat Alois Rainer (Bad Hofgastein) und Hans Holleis (Bad Gastein-Böckstein) gelungen war, die nötigen Gelder aufzubringen, konnte im August 1953 mit dem Bau (des Stollenkurhauses) begonnen werden. Die Arbeiten an dem Kurhaus - Entwurf, Planung und Ausführung - wurden von der Baufirma Fr. Franzmair, durchgeführt. Das Kurhaus steht, einschließlich des Seitentraktes, der die Ärzteküche und die Hausmeisterwohnung einschließt, auf riesigen Betonpfeilern. Der vierstöckige Gesamtbau hat eine Ausdehnung von 25 Meter Länge und 14 Meter Breite. Das Parterre beherbergt die große Empfangshalle, die Aufnahme-und Warteräume mit Büfett und Toiletten sowie den Ärztetrakt mit Untersuchungszimmern und Schwesternraum. Ein Chefarzt und vier besonders ausgebildete Ärzte versorgen hier mit den Schwestern die Patienten, die sich alle vor der Einfahrt in den Stollen einer besonderen Untersuchung unterziehen müssen. Das erste, zweite und dritte Stockwerk umfasst insgesamt 96 Umkleidekabinen, 7 Ruheräume mit 46 Betten, 2 Massageräume, 8 Brausen, 1 Labor des Gasteiner Forschungsinstitutes, einen Personalessraum und die nötigen Speicherräume. Ein Selbstfahrlift verbindet die Geschosse, die auch durch modernst eingerichtete Lichtsignalanlagen miteinander in Verbindung stehen. Der Stollenbahnhof wurde direkt an das Kurhaus angebaut, so dass den Patienten, die dazu aufgerufen werden, der direkte geschützte Zugang zum geheizten Bahnsteig möglich ist. Das früher in einer Tiefe von 600 Meter bei 20 Grad Wärme im Stollen selbst durchgeführte unbequeme Umkleiden wurde dadurch hinfällig. Jeder Zug, der von Akku-Loks gezogen wird, besteht aus fünf besonders konstruierten Sitzwaggons mit je 8 Plätzen und drei Liegewaggons, die seitlich geöffnet werden können, so dass den bewegungsunfähigen Kranken auch während der eigentlichen Kur der Aufenthalt darin möglich ist. Bei 4 Turnussen können auf diese Weise täglich 184 Personen in den Heilstollen einfahren. Das bislang nötige Rangieren wurde durch die Neuanlage einer hufeisenförmigen Umfahrung vermieden."
- Quelle: S. Hinterseer, Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins, 1977

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» Die IV. Therapiestation wurde 1955 geschaffen «
Sebastian Hinterseer schreibt (Text unverändert): "Im Winter 1955/56 wurden in einer Tiefe von 1.880 bis 2.250 Meter mehrere hundert Meter neu angeschlagen, die beiden südlich bereits bestehenden Strecken damit zu einer Schleife verbunden und dazwischen in verbesserten und vergrößerten Querschlägen eine vierte Therapiestation errichtet. Diese Untertagarbeiten wurden von den Männern der Gewerkschaft Radhausberg unter den beiden Betriebsleitern Karl Zschocke und Ing. Florentin durchgeführt. Während man seinerzeit in der Tiefe von 1.880 m, dort, wo jetzt eine Ausweichstelle für die anfahrenden Züge geschaffen ist, einen Stollen ohne Ergebnis etwa 900 Meter weit in Richtung Böckstein vorgetrieben hatte (es fehlen hier noch rund 600 Meter zu einem Ausgang nach Böckstein, der infolge des nicht zu überwindenden Gefälles nicht vollendet werden kann), traf man in dem oben genannten, nach Süden zu angelegten Quergang auf diese merkwürdigen, heilwirkenden Wärmeerscheinungen."
- Quelle: S. Hinterseer, Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins, 1977

» Die Gewerkschaft Radhausberg wird 1960 zur Erzbergbau Radhausberg GmbH umstrukturiert «
Nach den Bestimmungen des Österr. Berggesetzes aus 1954 wurde 1960 die bisherige Gewerkschaft Radhausberg in die Erzbergbau Radhausberg GmbH mit Sitz in Böckstein umstrukturiert. Gesamtprokuristen wurden Hans Holleis aus Böckstein und Dr. Alfred Rußwurm aus Wien. Als Betriebsleiter fungierte wie bisher Dipl.Ing. Ferdinand Florentin-Blumfeld und Markscheider Karl Zschocke aus Böckstein.

» Gemeinsamer Aufsichtsrat der Gasteiner Heilstollengesellschaft und der Erzbergbau Radhausberg GmbH «
Am - 2. Jänner 1968 - schloss die Gasteiner Heilstollengesellschaft einen Vertrag, der den Erwerb der bisherigen Anteile der Österr. Mineralölverwaltung AG in Wien an der Erzbergbau Radhausberg GmbH zum Inhalt hatte. Zugleich wurde die Bildung eines gemeinsamen Aufsichtsrates der Gasteiner Heilstollengesellschaft und der Erzbergbau Radhausberg GmbH beschlossen. Die damit übernommenen Grundstücke umfassten 91,30% des Gesamtbesitzes und ein Areal von ca. 340 ha. Darüber hinaus gehörten zum Besitz die alten Bergbauanlagen, der Radhausbergunterbau- bzw. Paselstollen, der Imhof-Unterbaustollen und die vorhandenen Betriebsanlagen, darunter eine Wasserkraftanlage im Nassfeld, alle Wasser- und Holzbezugsrechte ebenso wie die im Nassfeld vorhandenen Objekte und darüber hinaus ein Sägewerk und ein Gasthausbetrieb und weiter 12 Wirtschafts- und Wohngebäude in Böckstein.
- Quelle: Das Buch vom Tauerngold von Paar/Günther/Gruber

» Seit 1972 auch im Winter geöffnet «
Zwischen 1969 und 1971 erfolgte der weitere Ausbau und die Modernisierung aller Betriebsanlagen und die Erweiterung des Stollenkurhauses auf die doppelte Größe. Nach Entfernung der alten Holzbaracken wurde 18970/71 auch neue, nicht medizinische Anlagen zur Aufnahme der für den Bergbaubetrieb notwendigen Einrichtungen, wie Werkstätte, errichtet. Am - 17. Juni 1971 - werden im Heilstollen-Gebäude und im Heilstollen die durch die beabsichtigte Einführung eines Ganzjahrbetriebes notwendig gewordenen Umbauten abgeschlossen. Am - 14. Februar 1972 - wurde dann erstmals auch der Winterbetrieb im Gasteiner Heilstollen aufgenommen. Voraussetzung hierzu war der Bau einer wintersicheren Straße von Böckstein aus, die Modernisierung und bauliche Umgestaltung des Stollen-Kurhauses für den Winterbetrieb und die Verbesserung der Einfahrtseinrichtungen (Stollenbahnhof und Stollenbahn) neben dem Ausbau der eigentlichen Stollenstationen. In den Jahren - 1988/89 - erfolgte die Generalsanierung des Stollenkurhauses. Im Jahr 1992 wurde ein neuer Patientenzug mit drei Akkulokomotiven, 14 Sitzwaggons, einen Notwaggon und fünf Liegewaggons in Betrieb genommen.

» Betriebsleiter und Geschäftsführer der Heilstollen GmbH «
Bis 1982 fungierten als Geschäftsführer Hans Holleis, KR Alois Rainer (1954 - 1972), Ing. Walter Rud (1970 - 1982) und Hans Stuhler (1973 - 1982). In weiterer Folge trat als Geschäftsführer Dipl.Ing Peter Rainer (1982 - 1993) auf. Er wurde 1994 durch Dkfm. Dr. Franz Hartlieb abgelöst. Mit dem Tod von Dipl.Ing. Ferdinand Florentin-Blumfeld als Betriebsleiter trat 1965 Dipl.Ing Hans Welser und in weiterer Folge 1978 Dipl.Ing Peter Rainer auf. Interimsmäßig fungierte als Betriebsleiter 1994 und 1995 Dipl.Ing. Peter Walser, gefolgt von Dr. Peter Brandmaier und zuletzt Dipl. Ing. Christoph Köstinger.
Am 1. Juni 2002 erfolgte die Verpachtung des Heilstollens an die neu gegründete "Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen Betriebsges.m.b.H." an der ausschließlich Gasteiner Hoteliers, Betriebe und Personen beteiligt sind. Die betriebliche Reorganisierung mit Dipl. Ing. Christoph Köstinger und Ausarbeitung eines neuen medizinischen Konzeptes durch Dr. Gudrun Lind-Albrecht konnte die rückläufige Entwicklung gestoppt werden. Eine Modernisierung des Kurhauses in den Jahren 2006/07 folgte.

» Leitende Ärzte sein Beginn des Kurbetriebes im Heilstollen 1952 «
Dr. Otto Henn 1952 - 1971 •l
Dr. Beate Sandri 1971 - 1982 •
Dr. Carl Kammel 1982 - 1988 •
Dr. Walter Schuster 1988 - 1993 •
Dr. Helmut Barth 1993 - 1994 •
Dr. Albrecht Falkenbach 1994 - 2004 •
Dr. Josef Kovács •
Dr. Gudrun Lind-Albrecht 2004 - 2007 •
Dr. Bernhard Kürten 2007 - 2009 •
Dr. Bertram Hölzl seit 2009 ärztlicher Leiter im Gasteiner Heilstollen gemeinsam mit Dr. Elenma Martea als Oberärztin.

» Heilklima durch Wärme, Luftfeuchte und Radon «
Die heilbringende Kombination von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Radioaktivität (bis 4,5 nCi/Liter Stollenluft) scheint in ihrer Zusammensetzung einzigartig. Dabei finden sich je nach Therapiestation im Stollen unterschiedliche Temperaturen. Die - Therapiestation I befindet sich bei Stollenmeter 1.880 m und weist mit +37°C die geringste Lufttemperatur auf bei einer Luftfeuchte von 75%. Die - Therapiestation Ia unweit der Station I zeigt hingegen schon +39°C und 80% Luftfeuchte. Die - Therapiestation II entspricht einem Verbindungsgang und weist bereits +40,5°C und die - Therapiestation III bereits +41°C. Die - Therapiestation IV mit +41,5°C und 100% Luftfeuchtigkeit beschert einem dann schon ein beinahe unerträgliches Hitzegefühl. Der Radongehalt weist im gesamten Therapiebereich im Stollen lt. Angabe des Betreibers 44 kBq/m3 Luft auf (Durchschnittswert).
- Quelle: Informationsbroschüre der Gasteiner Kur-, Reha- und Heilstollen Betriebsges.m.b.H. - 2015

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» THEMENWEG seit 2012 «
In Form von Schautafeln sollen dem Wanderer und Kurgast Geschichte und Wirkung des Heilstollens nahegebracht werden. Dazu wurde 10 Schautafeln beginnend bei der Evianquelle am Wegesrand positioniert. Die letzte Schautafel befindet sich nahe dem Parkplatz des Heilstollengeländes. Die Tafeln wurden anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums im Juni 2012 erstellt.

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Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Projekte Gasteins - G. Garstenauer
  - Gastein Projekte nach 1945 -
Siehe auch die Seiten:
  - Montanzentrum Angertal -
  - Projekt Paselstollen - Karl Imhof

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Tauerngold" von Werner H. Paar, Wilhelm Günther und Fritz Gruber - Verlag Anton Pustet, 2006, dem Buch "Geologische Karte der Umgebung von Gastein" von Christof Exner, Wien 1957 und dem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977- entnommen. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben. Dokumentation, Gastein
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© 23.9.2015 by Anton Ernst Lafenthaler
Rev. 6.11.2016
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