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D - Gasteinertal/Dokumentation: Klima im 19. Jahrhundert
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Dokumentation . Gasteinertal

Klima im 19. Jahrhundert

Literarische Textauszüge
Zahlreichen Textpassagen von Literaten, insbesondere des 19. Jahrhunderts beschreiben mehr oder weniger objektiv das Klima der von ihnen besuchten Regionen. An vorderster Stelle die blumenreiche Sprache von Muchar, welcher 1828 das Wildbad besuchte und dessen Buch "Das Thal und Warmbad Gastein" herausgegeben 1834, das Klima zu dieser Zeit dokumentiert. Zudem finden sich auch Angaben über den damaligen Wildtierbestand und der Flora in Gastein, welche an anderer Stelle auszugsweise vorgestellt werden soll.

Des Gasteinerthales Oberfläche, Pflanzen- und Thierreich, Klima und Witterung

Dr. Albert von Muchar, 1834

Im Buch "Das Thal und Warmbad Gastein" von Dr. Albert von Muchar, 1834 findet sich auf den Seiten 36 - 39 folgender Originaltext:
Des Gasteinerthales Klima und Witterung
Alle klimatischen Eigenheiten theilt Gastein mit dem ganzen Tauerngebiethe im Allgemeinen, und zunächst mit den benachbarten Thälern Großarl und Rauris. Die Luft ist rein, gesund und erquickend; trocken den größten Theil des Tages hindurch, feuchter und merkbar kälter, auch durch dichteren Nebel in den Thalstiefen durchzogen, am Morgen und bei sinkendem Abend. Der Winter ist auf diesen Hochgebirgen ganz zu Hause, und vorzugsweise der längere, der Frühling, Sommer und Herbst, der kürzere, schnell einander verdrängende Jahrestheil. Die Kälte und der oft bis über 20° unter dem Gefrierpuncte getriebene Frost dauert von der Hälfte des Octobers bis zu des Mays Anbeginn; während welcher Zeit Berge und Thäler fast durchaus mit Schnee bedeckt sind. Im tiefen Winter erreichen die Schneemassen auch auf dem Böcksteiner- und Gasteinerthalsboden, theils im natürlichen Herabfallen, theils durch die stürmischen Winde zusammengeworfen, eine kaum glaubliche Höhe von 6 und 8 Schuhen, ja auf der Mulde des Naßfeldes gar eine Höhe von 14 bis 16 Schuhen, und oben auf der Gletscherregion hat sich manchmahl schon die Schneelast in 48 Stunden auf 40 Schuhen erhöht. Demungeachtet thauen diese Schneemassen mit Eintritt des Frühlings, besonders auf den Mittelbergen und Voralpen, sehr schnell weg; worauf dann und fast durchgehends gleichzeitig die Vegetation eintritt, und Flora die Mittelgebirge mit den Thalsflächen im Juny, die hohen Alpen aber und die Schultern der Tauern im July, mit ihrem schmelzreichen Blumenkleide schmücket, daß sie, vom Vorhauche des eigentlichen Hausherrn im Tauerngebiethe, des Winters, in der zweiten Hälfte September eilfertig wieder einzieht.
Da die Felsengebirge im Süden und Südosten bis unter 8000' Meereshöhe mit großen, breiten Eis- und Schneefeldern überdeckt sind, so streichen von diesen Gegenden her oft mitten im heißen Sommer schneidendkalte Winde in Thal herab, und werden dem des Klimas hier ungewohnten Wanderer oft augenblicklich nachtheilig. Gerade aber über die wolkennahen Gipfel der Tauern her fallen nicht selten auch sehr warme, schwüle Südwinde, Chirokkos, vor deren warmen Hauche die Eis- und Schneemassen der Kahre und Gletscher an der Tauernkette schnell schmelzen, hunderte von Schneelavinen donnernd abstürzen, alle Wildbäche hoch aufschwellen, so, daß die Anlauf, die Ache, die Kötschach, der Angerbach weit über ihre Ufer hinauswogend, mit ihren trüben, verheerenden Fluthen die Thäler bedecken und die Saaten verheeren. Diese alljährigen, warmen, oft auch drückend schwülen Winde mildern aber auch die gewöhnlich lange Winterkälte dieses Hochthales, und sie bringen im Frühjahre die Vegetation in eine außerordentliche Regsamkeit. Gewöhnlich ist daher das Gasteinerthal viel wärmer, und es hat öftere Thauwetter, als die tieferen Gegenden, oder das Land, außen im Pon- und Pinzgau, welche der breitere Wasserstrom der Salzach viel frostiger macht, und länger unter Schnee und Eis gefesselt hält. Ost- und Südwinde erhalten in diesem Hochthale gewöhnlich anhaltend schönes Wetter, so wie die Winde von Westen und Südwesten, vom Weisbachhorn, Glockner, Venediger her, die Nordwest- und die Landwinde aber schweres, trübes Wetter plötzlich bringen, so, daß unglaublich schneller Wechsel der Charakter der Witterung dieses Thales ist. Grollende Donnerwetter sind unglaublich und mit ganzer Macht da. Selbst in heißen Tagen fallen oft plötzlich kalte Regen und Schneegestöber ein, sodaß nach einer halben Nacht die grünen Triften und Saaten des Böcksteinerthales, die Höhen um das Wildbad, ja des tieferen Thales Fläche selbst in Schnee eingehüllt des Morgens erscheinen. Gewaltig und schnell treibt hier ihr großes Spiel die Allkraft der Natur, und wörtlich: Informes hyemes reducit Jupiter. - Idem submovet! Alle Jahre werden vom May bis October die Höhen der umherliegenden Bergketten einige Mahle mit frischem Schnee bedeckt, dessen hellstrahlendes Weiß dann im Contraste mit dem üppigen Lichtgrün der Bergmatten und Wiesen die Naturschönheit des Thales wundersam erhöhet. Der sicherste Vorbothe, und der ganz gewöhnliche Begleiter einer lange anhaltenden, naßkalten und regenströmenden Witterung ist das Stürmen der Nordwinde. Gewöhnlich ist dann auch die nördliche Thalsschlucht am Bärenkoglgebirge und über die Klamme hinaus mit schwerem Gewölke gedeckt, und erblickt man von der Höähe des Wildbades aus, auf der sogenannten Wetterwand an den Gebirgen des ewigen Schnees, in der Urslau des Haberthals hinter der Dienten, diese Nebelmassen; so darf man sicher baldige und anhaltende Regen erwarten. Schärfere Sinne wollen endlich auch vor jeder bedeutenden Wetterveränderung stärkeres Aufdampfen der warmen Heilquellen und an diesem flüchtigen Dampfe auffallenderen hepathischen Geruch im Wildbade bemerken. Zugleich senken sich dann auch an der südlichen Tauernkette, vorzüglich über das hohe Scharreck herab, und dann unglaublich schnell über den Rathhausberg, Tisch, Feuersäng, Reicheben, Gamskahrkogl und die Türchelwände bis tief in die Mittelgebirge die finsteren Nebelmassen.
Dieser Witterungsverhältnisse und wegen der hohen Lage ihres Thales überhaupt, achten sich die Bewohner der Gastein mit günstiger Jahreswitterung beglückt, wenn ihre Saaten in einer Höhe von 2700' bis gegen 4000' übers Mittelmeer in elf Monathen zur Reife gelangt sind. Gewöhnlich stehen daher, besonders im Anger- und Kötschachthale und in Hinterbaden, Korn und Weizen des einen Jahres noch auf der Wurzel, während die neuen Saaten fürs künftige Jahr dem aufgebrochenen Boden vertraut werden. Es ist endlich in den Gasteinergebirgen eine gewöhnliche Erscheinung, daß es Höhen und Schluchten, wie auf dem Kessel- und Tischkahre, am Ankogl und Plattenkogl, am Höllkahr, auf der Schlapperebene und der ganzen Naßfeldertauernkette gibt, wo der Winter seinen ewigen Eis aufgeschlagen hat, und stets Herr im Hause bleibt; wo ihn nie, weder Frühling noch Herbst verdrängt, und der Sommer nur einige Tage mit milden Strahlen über den ewigen Schnee und die Gletscherfelder hinweggleitet; dagegen git es aber auch Stellen, wo der Frühling, Sommer, Herbst und Winter im brüderlichen Vereine beisammen wohnen; indem man dort Felsenschlünde findet, welche im Juli und August noch mit Schnee ausgefüllt sind, an dessen schmelzenden Rande die Sodanella alpina, der Ranunculus alpestris, die Dentaria enneaphylla u. dgl., die Erstlinge der Alpenflora, blühen ...
Anmerkung: Die alte Schreibweise (Rechtschreibung) wurde beibehalten (ohne Gewähr).
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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Das Thal und Warmbad Gastein" von Dr. Albert von Muchar, 1834 - entnommen.
Die Textauszüge wurden hier unverändert wiedergegeben.

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