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D - Gasteinertal/Dokumentation: Geschichte - Religionsdeputation 1731
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Geheime Religionsdeputation 1731

Protestantenvertreibung, Gasteiner Auswanderer Bereits Ende Juli 1731 war Erzbischof Firmian über den starken Zustrom zur neuen Lehre in den Gebirgsgegenden unterrichtet. Die ausgesandten Kommissionen hatten sich eingehend über die Lage der Dinge orientiert und nach Salzburg berichtet. Ein bewaffneter Aufstand der Bauern war nicht zu befürchteten, Hilfe durch das Corpus Evangelicorum kaum anzunehmen, trotzdem wollte man dem Kaiser und dem Reichstag glaubhaft machen, dass eine Rebellion drohte. Kaiser Karl IV. wurde in eine schwierige Lage gebracht. Beide Parteien hatten ihn wiederholt als Schiedsrichter angerufen. Dieser versuchte, beiden gerecht zu werden.
Pfarrer Ekkehart Lebouton schreibt in seinem Büchlein "Die Lutherischen in Gastein" ebenso wie Sebastian Hinterseer im Buch "Die Geschichte Gasteins" wie die Vertreibung der Protestanten aus dem Land Salzburg vorbereitet wurde.

» Ortspfarrer Dr. theolog. Thomas Wagner «
Aber nicht nur die Salzburger Regierung, sondern auch einzelne Gerichtbezirke und Pfarreien halfen mit. Ortspfarrer Dr. theolog. Thomas Wagner (1728 - 1735) fühlte sich mehr als Herr denn als väterlicher Hirte. Er erklärte sich mit dem unbarmherzigen Vorgehen gegen die "Ketzer" einverstanden und scheute sich auch nicht, seine Mitarbeiter bei der Obrigkeit anzuschwärzen. Die Gasteiner hassten ihn und baten mehrmals den Erzbischof um einen anderen Pfarrherrn, weil Wagner "nit die mindeste Lieb" zu ihnen trage.
Im Gegensatz dazu war der Vikar vom Wildbad Johann Leopold Steppuchner (1729 - 1738) ein sehr milder Seelsorger. Wiederholt verteidigte er seine Pfarrkinder der Regierung gegenüber und behauptete, dass die meisten gute Katholiken seien.

» Die Liste des Bergwerksoffiziers Josef Geisler «
Ende Juli 1731 hatten die Bauern mehrmals in Schwarzach Zusammenkünfte, um neuerlich eine Gesandtschaft mit einem Hilferuf und einer Namensliste aller Protestanten nach Regensburg und zum Kaiser zu schicken. Auch in Gastein hatte man zu diesem Zwecke durch einzelne Zechleute Gelder und Unterschriften einsammeln lassen, die man auf eine genaue Namensliste setzte. Die Liste, die von dem gewesenen Bergwerksoffizier Josef Geisler in Dorfgastein angefertigt wurde, zeigte die Namen von 728 Personen. Wie sich später herausstellte, waren darunter auch Namen angeführt von Leuten, von denen man die persönliche Einwilligung hiezu nicht erhalten hatte, die man aber für Gesinnungsgenossen hielt. Diese lehnten sich später auch, weil sie als gute Katholiken gelten wollten, dagegen auf.

» Der Große Rath - Schwarzacher Salzlecken «
Am 5. August 1731 fand trotz des Versammlungsverbotes des Erzbischofs noch einmal eine große Versammlung der Protestanten in Schwarzach (etwa 150 Personen) in der "Schwarzacher Tafern" statt, die man ihrer Bedeutung wegen auch den "Große Rath" oder den "Landtag" nannte. Wiederum nahmen auch mehrere Gasteiner daran teil. Genaue Berichte darüber liegen nicht vor, jedoch wurde beschlossen, von nun ab keinen katholischen Gottesdienst mehr zu besuchen, die Kinder selbst zu taufen, die Toten daheim in den Gärten ohne geistliche Beistand zu beerdigen und überdies auch die geplante Absendung von Vertretern nach Regensburg zu beschleunigen. Man war teilweise sogar für bewaffneten Widerstand. Wie man sich letztlich verhalten solle, wenn erzbischöfliche Truppen eintreffen blieb unbeantwortet. Da man sich nicht einigen konnten, zogen sich aus jedem Gericht ein oder zwei Männer in eine Stube zurück. Die Beschlüsse dieser Männer wurden nie bekannt. Zur Bekräftigung ihrer Abmachungen und zum Zeichen der unzertrennlichen Schicksalsgemeinschaft wurden die Schwurfinger in Salz eingetaucht und abgeleckt (Schwarzacher Salzlecken).

» Verhaftung der Abgesandten «
Tatsächlich wurden 2 Tage später bereits 23 Männer auf den Weg nach Regensburg und Wien geschickt. Sie wurden in Oberösterreich, wohin sie sich gewandt hatten, um die schwerbewachte Grenze nach Bayern zu umgehen, verhaftet. Sie kamen nach einer vorübergehenden Freilassung nach Linz zu einem scharfen Verhör.
Unter ihnen war auch der Dorfgasteiner Wolfgang Langprantner, der freimütig den Zweck seiner Reise gestand und dass er von den Gasteinern ausgeschickt wurde, weil der Pfarrer sich nicht dazu verstehen wollte, die Kinder in Gegenwart eines lutherischen Gevatters zu taufen, den Kranken die Kommunion zu reichen und die Toten in geweihtes Erdreich zu bestatten. Die Liste mit 17.764 Namen (Regensburger Liste) wurde den Gefangenen abgenommen und diese später dem Erzbischof ausgeliefert, der die Leute bis zu Mai 1732 in der Festung einkerkern ließ.

» Hofkanzler Hieronymus Christiani von Rall «
Nachdem die Mission erfolglos geblieben und die Kommission nach Salzburg zurückgekehrt war, entschloss man sich dort endgültig zur gewaltsamen Ausrottung der lutherischen Lehre. Dies musste schnell geschehen und unter dem Vorwande der Rebellion. Die Berichte der Pfleger über Zusammenrottungen, Bewaffnungen und Gefahren wurden entsprechend aufgebauscht um auch nach außen hin gewappnet zu sein. Der Hofkanzler Hieronymus Christiani von Rall war die Seele des Emigrationswerkes. Mit unerhörter Energie nahm er sich der Sache an. Unter seiner Leitung wurde am 6. August 1731 in Salzburg die geheime Religionsdeputation gebildet und von nun an von dieser Stelle aus alle religiösen Belange geregelt. Da der Erzbischof selbst nicht über genügend Truppen verfügte, um jeden Widerstand unterdrücken zu können, trachtete er solche von auswärts zu bekommen, dessen Zusage er vom Kaiser auch erhielt. Auch der Bitte Firmians um Ausstellung eines kaiserlichen Patentes wurde willfahren. Darin wurden die Salzburger vom Kaiser aufgefordert, Gehorsam und Ruhe zu bewahren. Den Bauern hatte er aber überdies zugesichert, "frey, sicher und ungehindert" sich mit ihren Beschwerden an den Kaiser zu wenden. Der Erzbischof veröffentlichte allerdings diesen Nachsatz nicht. Nach Festlegung genauer Bedingungen und nochmaligem Besprechen, dass die Truppen nur zur Sicherung der Ruhe verwendet würden, rückten diese Ende September mit 1000 Mann Fußvolk und 200 Reitern im Salzburgischen ein und wurden auf die größeren Orte des Pongaues und Pinzgaues verteilt. Den Pflegern aber wurde befohlen, die katholischen Bauern schon vorher nach einheitlichem Plan militärisch sowohl in Verteidigung als auch im Angriff auszubilden.

» Verhaftung alle Rädelsführer am 26./27. September 1731 «
Bereits Ende Juli 1731 hatte der Erzbischof vorsorglich 200 Mann eigene Soldaten in das Gebirge geschickt und die Pässe und wichtigen Orte von ihnen besetzen lassen. Ende September ging an alle Pfleger der geheime Befehl, in der Nacht vom 26. auf den 27. mit Hilfe des Militärs alle Rädelsführer zu verhaften und die protestantischen Bauern zu entwaffnen. Dies gelang auch mit List ohne weiteres. "33 an der Zahl wurden mit verbundenen Mäulern wohl verschlossen nach Salzburg gebracht und dort auf die Festung eingekerkert." Die Entwaffnung gelang ohne den leisesten Widerstand, ein Beweis, dass die Protestanten nicht an bewaffneten Aufruhr gedacht hatten. Ein Beweis hierfür war auch der Zustand der abgenommenen Waffen, die sich in denkbar mangelhaften Zustande befanden und vollkommen unzureichend waren. In Gastein betraf der Verhaftungsbefehl Josef Wagenbichler Vater und Sohn, Georg Gruber und Mathäus Lechner.
Die Verhaftung der Rädelsführer am 27. September 1731 wird damit gerechtfertigt, dass sie "nicht der Religion halber", sondern wegen "Rebellion und Störung des allgemeinen Landfriedens und Empörung gegen den rechtmäßigen Landesfürsten ins Gefängnis gebracht worden seien". Der Erzbischof betrachtete es daher als seine Pflicht, den Religionserlässen seiner Vorgänger den gehörigen Nachdruck zu verleihen.

» Regensburger Liste «
Anfang Oktober 1731 erging von der geheimen Religionsdeputation an die Pflegegerichte der Befehl, über Stand, Vermögen, Besitz an Grund und Boden aller in den Regensburger Listen eingetragenen zu berichten. Am 31. Oktober 1731 erließ Kanzler Rall das Edikt, indem hieß es u. a. : Alle unangesessenen Lutheraner über 12 Jahren müssen binnen 8 Tagen auswandern; alle angesessenen, je nach Größe und Vermögen, nach 1, 2, oder 3 Monaten das Land verlassen. Diese Frist werde ihnen zum Verkauf ihrer Güter gewährt. Nachher ist ihnen das Betreten des Erzstiftes für alle Zeiten verboten. jeder Bauer darf bis dahin nur je einen Knecht oder eine Magd evangelischen Glaubens bei sich beschäftigen.

Protestantenverfolgung 1732, Gedenktafel Bad Hofgastein » Protestantenvertreibung - Gedenkfeier im Kurpark Bad Hofgastein 2017 «
Zum Gedenken an die Vertriebenen fand am 24. Juni 2017 im Kurpark Bad Hofgastein eine Gedenkfeier statt, wobei sich zahlreiche Vertreter der Evangelischen Kirche, Gemeindevertreter, Einheimische und Gäste einfanden. Ein Serpentinstein mit einer Gedenktafel soll auch in Zukunft an die Protestantenvertreibung 1732 aus dem Salzburger Land und insbesondere aus dem Gasteinertal erinnern.

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Emigrationspatent -
  - Protestantenverfolgung - 16. / 17. Jh.
Siehe auch die Seiten:
  - Protestanten - 16./17. Jh. in Gastein
  - Vertreibung der Lutheraner -

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Die Lutherischen in Gastein" von Ekkehart Lebouton, 1981 - und dem Buch "Geschichte Gasteins" - von Sebastian Hinterseer - entnommen. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben.

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© 22.12.2007 by Anton Ernst Lafenthaler
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