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D - Gasteinertal/Dokumentation: Heilquellen im Wildbad, 1828
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Heilquellen im Wildbad

Albert von Muchar, 1834
Albert von Muchar beschreibt in seinem Buch, 1834 "Das Thal und Warmbad Gastein" die im 19. Jh. benützten warmen Quellen in Bad Gastein mit Angabe der Lokalisation, der Wassertemperatur und der Besitzverhältnisse. Auch das der Berghang, unterhalb des Reichebenwaldes, der "Badberg" immer wieder ins Rutschen kam und gar so manche Quellen verschüttete, scheint durch Angaben von Jahreszahlen belegt. Muchars Ausführungen geben so ein gutes Bild über die damals bekannten und genützten Quellen und schreibt:

. . . Heut zu Tage sprudeln die berühmten Quellen des Gasteiner Wildbades am rechten Acheufer, an der Ostseite des Hauptthales, am Fuße des Reichebenberges, ungefähr 2750 Pariserfuß über den Meeresspiegel erhoben, an sechs verschiedenen Stellen und in einzelnen mächtigen Bornen, deren jeder einen besonderen Namen trägt, hervor; die Fürstenquelle, die Doctorsquelle, die Franzensquelle (vormals Straubingerquelle) , die Hauptquelle, die Wasserfallsquelle, und am linken Acheufer die Grabenbäckerquelle. Die vier ersten Quellen brechen nahe aneinander auf einer Fläche von ungefähr Hundert Quadratklaftern hervor; enfernter liegt die Waserfallsquelle, und am entferntesten die Quelle bei dem Grabenbäckerhause. Mit Ausnahme der Doctorsquelle hatten alle ihre Mündungen aus dem Gerölle des mürben Bergabhanges, bis man seit dem Jahre 1807 begonnen hat, ihre Adern bis unmittelbar an den harten Gneißfelsen zu verfolgen und durch Stollen zu versichern.

Die warmen Heilquellen des Wildbades

. . . "Jenseits der Schloßgrabenbrücke, am Badberge, oder am westlichen Fuße des Reichebenberges sprudeln aus dem Steingerölle und dem brüchigen Abhange die berühmten Heilquellen des Gasteiner Wildbades hervor. Wie weit vor Jahrtausenden die Gewässer des unteren Wildsees im Gasteinerthale durch die heutige Schlucht der Ache bei St. Nikolaus an den Badberg und und gegen die Schreck herauf gestanden seyen? - vermag keines Menschen Finger mehr nachzuweisen. Möglich wäre es, daß damahls die Mündungen der Wunderquellen von den Fluthen des Wildsees gedeckt gewesen sind. Höchst wahrscheinlich sind sie bei dem erschütternden Durchbruche der Ache oberhalb der Schreck, als der durchweichte Abhang des brüchigen Badberges abrollte, und die Fluthen der Wildseen ihren reißenden Abfluß in das tiefe Salzathal hinaus nahmen, zum ersten Mahle gelüftet worden. Bei dieser schrecklichen Katastrophe erwachte die in der tiefesten Grotte des Gneißberges seit Jahrtausenden schlummernde Hygieia, und sprang im krystallhellen Wunderborne ihrem jugendlichen Bräutigam, dem sonnichten Frühlingstage in die Arme, zum Heile und Segen Derjenigen, für welche eigentlich die Allkraft der Natur Licht und Leben geschaffen hat. Unbeachtet, ungekannt von Menschen und ungenützt, vielleicht vom scheuen Wilde allein nur instinktmäßig heimgesucht, rieselten die wunderkräftigen Bornen hinab über die grüne Bergmatte, wo an dem längern und frischern Leben der Blumen, an dem stärkeren und frischeren Wachsthume und an den schmelzvolleren Farben derselben sich ihr belebender Geist allein nur kund geben konnte, der eiskalten, in die dunkle Schlucht hinabtosenden Ache zu.

Vormahls drangen die Wunderquellen aus dem mürben Gerölle des Reichebenbergers rauchqualmend in verschiedenen zerstreuten Oeffnungen hervor. Sie schienen durch Jahrhunderte in Gefahr, wieder verschüttet zu werden, bei dem stäten allmähligen Nachhinken des mürben Bergabhanges, und bei so vielen und schrecklichen Elementar-Revolutionen durch Schneelavinen, Hochgewitter und Erdbeben, vorzüglich in den Jahren unserer Zeitrechnung 786, 1348, 1403, 1493, 1569, 1572, 1598, 1608, 1619, 1690, 1747, 1784, 1789, 1794, 1808, 1812, 1817, 1819 u.s.w., in welchen die Oeffnungen der Heilquellen durch einige Zeit ganz verschüttet, verschoben, verengt und erweitert, und stets so verändert worden waren, daß selbst auch der Wärmegrad des Heilwassers verändert und bedeutend herabgedrückt worden ist.
Gegen solchen Unfälle sind jetzt diese unschätzbaren Heilquellen mächtig und für immer geschützt - durch jenen starken Steindamm auf der Höhe hinter dem Schloßfelsen, welcher den Hauptstrom auch bei dem größten Wasserstande das Eindringen in den Schloßgraben wehret; wodurch also auch der lange Bergabhang um die Heilquellen her nicht mehr kann unterwaschen und zu sehr durchweicht werden; - und daß man von den ehemaligen Mündungen der Quellen durch das Steingerölle des Badberges eigene Schachten so tief eingeschlagen, und durch Mauerwände versichert hat, bis man jede Quelle unmittelbar da auffassen konnte, wo sie aus dem Kerne des festen Gneißgesteines selbst heraussprudelt. Aus wie vielen Oeffnungen ehemahls die Heilquellen des Wildbades aus dem Gerölle des Badberges hervordrangen, kann weder durch die Sage, noch durch schriftliche Nachrichten nachgewiesen werden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß mehrere der älteren und ältesten Mündungen durch Schnee- und Erdlavinen, bei Wassergüßen und Erdbeben, verschüttet, eingesenkt und auf andere Weisen im Laufe von Jahrhunderten gänzlich vernichtet worden sind. Gegenwärtig zeigt es sich unwidersprechlich, daß der ganze Fuß des Reichebengebirges, der Badberg, vom warmen Mineralwasser durchdrungen und geschwängert sey, - vorzüglich in der Umgebung des Schlosses, des Zimmerwärterhauses, und bis an die Mündungen der dermahligen Quellen selbst hin. Hinter dem neuerbauten Dunstbade dringt auf allen Seiten warmes Wasser aus dem Berge hervor, und überall kann man dort das Badewassermoos oder die dunkelgrüne Ulva therminalis bemerken.
In der Wohnstube des Zimmerwärters ist der Fußboden in der Nähe des Ofens zu jeder Jahreszeit auffallend warm; natürlich von einer darunter aus der Erdschichte auftreibenden warmen Quelle. Da, wo neben dem Zimmerwärterhause eine Stiege an den Bergabhang hinaufleitet, bleibt in jedem Winter immerzu ein Erdflecken schneelos, gerade so wie zunächst an den Hauptquellen selbst. Als man den Grund zu dem neuen Zimmerwärtergebäude und zur neuen Waschküche ausgrub, stieß man überall auf vieles warmes Wasser; und unterhalb der Brücke, welche zum Zimmerwärterhause führt, bricht ein Quell laulichten Wassers hervor. Auf der Bergseite hinter dem Schlosse bei der Kegelbahn erhält sich kein Schnee lange, er schmilzt schnell hinweg vor den aufsteigenden Dünsten, wahrscheinlich jener heißen Quelle, welche aus einer Mündung mitten im Achestrome oberhalb der Straubinger Brücke emportreibt.

Eine Übersicht gibt die Bilddokumentation - Thermalquellen in Bad Gastein - . . .

Die warmen Heilquellen

Fürstenquelle

Von Muchar (1830) wird die heutige, durch den Straßenbau schwer bzw. nicht mehr einsehbare Fürstenquelle wie folgt beschrieben:
Die Fürstenquelle, oder: die Schloßquelle
Die Fürstenquelle hat diesen Namen von dem ehemaligen Landesherrn und Fürsterzbischofe, Hieronymus Grafen von Colloredo, erhalten, welcher das Schloß, oder die Fürstenwohnung erbaut hat. Dieser Born war durchaus den Bädern des Schlosses vorbehalten und für dieselben auch benützt worden. Ihrer Lage nach oberhalb der Straße ist diese Quelle die Höchste aus allen übrigen 65' 5” über der untersten und von ihr ungefähr 42' seitwärts gelegen. Sie ist im Jahre 1807 auf Kosten des Acrariums in einen ausgemauerten Stollen von ungefähr 9° aufgefaßt und ihr Wasservorrath mittelst einer Hebemaschine in das Schloß hinaufgetrieben worden. Dermahlen führt zu ihrem Ursprunge hinter der neuerbauten Waschhütte Straubingers ein Stollen von ungefähr 12 Klaftern, der mit Holzstämmen ausgezimmert ist, zu einem Dunstbade benützt, und gewöhnlich mit einem Gitter verschlossen wird. Das Gestein des Berges ist hier größtentheils Kalksinter und vom Tage tief hinein mürbe und brüchig. Am Feldorte hört man noch tiefer in den Berg hinein rauschen, was die Fortsetzung der Felsenkluft in das innnere des Berges veräth. Das Heilwasser dieser Quelle fließt dermahlen größtentheils unbenützt ab; und nur ein kleiner Theil wird zur Doctorsquelle hinabgeleitet und mit derselben für die Schloßbäder verwendet. Um dieses Wasser bis zur Höhe des Schlosses zu bringen, stand früher an der Stelle des neuerbauten Waschhauses nahe an der Oeffnung des Schachtes eine Hebemaschine; welche aber abgebrochen und durch eine neue, von der wir gleich sprechen werden, ersetzt worden ist, Im Jahre 1827 wurde oberhalb der Fürstenquelle ein neuer Stollen durch das Gneißsteingerölle 16 Klafter weit eingetrieben. Das Gebirge zeigte starken Druck von ober her. Auf dem dermahligen Feldorte sind Gestein und Bergwasser warm: ein Beweis, daß tiefer innen noch eine Hauptader heißen Quellwasser sich befinde.
Emil's Reisehandbuch: Im letzten Decennium des verflossenen Jahrhunderts wurde im Schotter nachgegraben, in der Hoffnung, das warme Wasser so hoch oben im Berge zu finden, um es ohne Druckwerk in das Schloß leiten zu können. Allein man stand von der Arbeit ab, da die Hitze und der warme Dunst so heftig wirkten, daß der Athem der Arbeiter beengt und das Kerzenlicht ausgelöscht wurde. Man fand bey diesen Nachgrabungen sehr schöne weiße Stalactiten oder Eisenblüthen (Koch-Sternfeld).

Doktor-Quelle Nr.VI

Von Muchar (1830) wird die Doktorquelle, unweit der Schloßquelle gelegen wie folgt beschrieben:
Die Doctorsquelle
Diese Quelle liegt viel tiefer als die Fürstenquelle, unterhalb des Weges und der Schloßgrabenbrücke, 20' 7” über dem untersten Born erhaben und von demselben über 22 Klafter seitwärts entfernt, hart an dem über die neue Hebemaschine aufgeführten Gebäude. Sie heißt Doctorsquelle, weil vor mehreren Jahren noch über ihrer Mündung ein, dem vormahligen Badearzt, Doctor Riederhuber, gehöriges Gebäude gestanden hatte, in welchem auch diese Quelle zu einem Dunstbade benützt worden war. Dieses Gebäude wurde jedoch ganz abgebrochen und an dessen Stelle die gegenwärtige neue Hebemaschine erbaut. Diese sehr einfache, aus einem Wasserrade und zweien Druckstiefeln bestehende Maschine wurde durch die k. k. kreisämtliche Bauinspection mit Beiziehung des im Maschinenwesen ganz besonders erfahrenen und verständigen k. k. Oberwerksmeisters in der Lend, Gaintschnig, im Jahre 1827 ausgeführt, und im Jahre 1828 zum ersten Mahle in Gang gesetzt. Durch einen mäßigen Wasserstrahl wird ein oberschlächtiges, großes Rad getrieben, welches die zwei massiven Stempel in Bewegung setzt, durch welche das Wasser in die Röhren getrieben und durch eine Strecke von mehr dann 30 Klaftern bis in die Wasserbehälter bei den Schloßbädern hinaufgeschoben wird. Bei der Zimmerwärterswohnung nehmen diese Röhren eine beinahe senkrechte, 4 Klafter hoch aufsteigende Richtung. Die Metallstiefeln, Stempel und Röhren sind von dem Glockengießer, Gugg, in Salzburg verfertiget. Diese Quelle bricht an der rechten Seite neben dem Eingange zu der Maschine unmittelbar aus dem harten Gneißfelsen mächtig hervor; und sie wird dermahlen, durch einen Theil der Fürstenquelle vermehrt, ganz allein nur für die Schloßbäder verwendet.

Franzensquelle

Von Muchar (1830) wird die Franzensquelle, etwas höher als die Doctorsquelle gelegen und vormals Straubingerquelle genannt, wie folgt beschrieben:
Die Franzensquelle
Dieser Born hieß vormahls die Straubingerquelle; seit dem Jahre 1807 aber trägt er von Sr. Majestät unserm allergnädigsten Kaiser und Herrn, Franz I., mit vollem Rechte den Nahmen Franzensquelle. Denn durch das Wüthen der Elemente war in jenem Jahre der alte Dorfweg mehrere Klafter weit, und um diese Quelle umher der Bergabhang in die Tiefe des Schloßgrabens hinabgestürzt. Se. Majestät ließen aber schnell wieder die zerstörte Straße herstellen, diese Quelle durch einen Klaftertief eingetriebenen Schacht vor künftiger Zerstörung sichern, den Schacht selbst durch ein gemauertes Gebäude decken und durch eine Thüre schließen. Ueber dem Eingange derselben verkündiget annoch eine in Marmorstein eingemeißelte Inschrift die vorsichtsvolle Gnade des Kaisers mit den Worten:
"Durch gütige Fürsorge Franz I. im Jahre 1807."
Diese Quelle liegt oberhalb des Dorfweges hart an dem neuerbauten Dunstbade, 39' 3” über der untersten Quelle, und von derselben 15 ¾ Klafter entfernt, ungefähr 6 Klafter höher als die Doctors- und die Hauptquelle. Innerhalb der Thüre steigt man auf einer hölzernen Treppe zur Quelle selbst hinab, welche unter einem Gneißblocke hervorrieselt, und in einem kleinen, hölzernen Kasten aufgefangen wird. Sie ist eben nicht sehr wasserreich, und ungefähr seit dem Jahre 1812 bedeutend geringer geworden. Von diesem kleinen Bassin fließt das Wasser ungefähr zwei Klafter weit hinaus in einen unter der Straße angebrachten Behälter, in welchem sich auch noch zwei andere rechts und links hervorbrechende Seitenadern vereinigen, und so alle drei zusammen die einzige Franzensquelle bilden. Sie wird in hölzernen Röhren über den Schloßgraben geleitet, und in die sämmtlichen, zum alten und zum neuen Straubingerhause gehörigen Solitär- und Gemeinbäder vertheilt, welche dadurch auch reichlich versehen werden.
- Unterhalb der Straubingerquelle und der Straße stehet die Schröpfbadhütte, welche dem Landarzte im Wildbade zugehört, und die auch von dieser Franzensquelle mit den nöthigen Heilwasser hinreichend versehen wird. Man behauptet aber auch, daß nur zwei Adern die Franzensquelle bilden, und daß in ihre Nähe noch eine dritte abgesondert hervorkomme, welche in das Schröpfbad (ehemals Krückenbad genannt) einfließe und mit demselben ein Eigenthum des Landartzes im Wildbade seye.

Elisabeth-Quelle Nr.IX

Von Muchar (1830) wird die Elisabeth-Quelle, vormals Hauptquelle genannt, wie folgt beschrieben:
Die Hauptquelle
Diese Quelle, ihrer Lage nach die unterste und tiefeste, liegt unterhalb des Dorfweges, unter dem Schröpfbade und der Doctorsquelle, und in der tiefen Bergkammer gerade unterhalb des neuerbauten Dunstbades. An Wasser ist sie aus Allen die reichste, und sie trägt daher mit vollem Rechte den Namen Hauptquelle. Man begann im Jahre 1819 schon diese Quelle in einem gemauerten Stollen aufzufassen.
Seit den Jahren 1821 bis 1823 wurde die Wasserader in dem mürben Gerölle des Bergabhanges noch weiter verfolgt und der Stollen immer fortgesetzt, um das unschätzbare Heilwasser von dem Zuflusse des von oben herab vorzüglich dringenden kalten Bergwassers rein zu bewahren, Von der Oeffnung führt ein 13 Klafter langer Stollen bis zum Feldorte dieser Quelle, wo sie an zwei Stellen unmittelbar aus einer schiefrigen Quarzkluft sehr mächtig hervorsprudelt. Dieser Schacht, besteht auf feiner Sohle aus festem Felsen, zu beiden Seiten und am Himmel ist er mit festem Mauerwerke und Gewölbe gesichert. Gerade über dem hervorqualmenden Wasser ist oben durch den Himmel ein senkrechter Schacht von ungefähr 18 Klaftern aufgeschlagen, durch welchen der hier außerordenlich stark aufqualmende warme Dampf des heißen Quellwassers in das im Jahre 1827 - 1829 neuerbaute, leider! nicht brauchbare Dunstbad hinaufsteigt. Am Feldorte der Quelle ist das feste Gneißgestein überall rein; am Stollengewölbe aber, über welchem ganz mürbes Erdgerölle liegt, lösen die durchsinternden Tagwässer den Kalk und andere Theile beständig auf, wozu auch die den ganzen Schacht erfüllenden, unaufhörlichen warmen Dämpfe der Quelle das Ihrige beitragen mögen, und überziehen das ganz Gewölbe mit einer weißgrauen, krystallartigen Rinde, aus welcher unzählige Stalactitenspitzen herabstechen, und welchen gegenüber an der Sohle die von denselben stets herabfallenden Wassertropfen gleichfalls Stalactitenknöpfe bilden.
Diese unaufhörlich reich und mächig strömende Quelle versieht nicht nur die Gemein- und Solitärbäder des Mitterwirthes, des Grabenwirthes, das Gemeinbad des unteren Krämers und jene des Spitals; sondern ein großer Theil dieses unschätzbaren Mineralwassers floß ehedem in einem stets aufqualmenden, und besonders bei kühler oder regnerischer Witterung stark aufdampfenden Bächlein durch den Schloßgraben unbenützt ab; wird aber jetzt zur Leitung nach Hofgastein aufgefangen. Die Herstellung des 30 Schritte tief in die Bergfwand eingetriebenen Stollens war für alle Arbeiter wegen der großen Hitze und dem dichten, warmen Dampfe eine sehr beschwerliche Arbeit. Sie konnten nie lange im Stollen verweilen, mußten stets, um frische Luft zu schöpfen, abwechseln, bekamen eine leichenblaße Farbe, und den Körper so voll Ausschlag, wie Aussätzige. Zum beständigen Wechseln der durchnäßten Kleider wurden daher eigene Hütten hart an der Mündung des Sollens erbaut.
- Hinter dem Dunstbade rechts bricht eine laulichte Quelle hervor, welche höchst wahrscheinlich mit der Franzensquelle in Verbindung stehet. Der Druck des Berges ist sowohl hier, als über dem Schacht der Hauptquelle sehr stark.
Anmerkung zur Austrittsstelle der Quellen:
Dieser Quarz ist im Gneiße gelagert, hat grünlich-weiße Glimmerblättchen, Feldspath und Spuren von Schwefelkies-heraedern. In diesem Gneise kommt auch Quarz vor, der calcedonartig wird, und gerne Flußspathoktoedern und Stilpitkrystalle von weißer Farbe und tafelartiger Gestalt mit sich führt.
Anmerkung zum neu erbauten Dunstbad:
Früher war hier eine Pumpe angebracht, welche der Bräuer von Hofgastein hatte herstellen lassen, um von dem Born der Hauptquelle unmittelbar das Heilwasser heraufzuheben und dasselbe zu Wannen-Bädern nach dem Markte Hof hinabzuführen.

Wasserfall-Quelle Nr.III

Von Muchar (1830) wird die Wasserfall-Quelle, im brausenden Sturze der Ache der Ache gelegen, wie folgt beschrieben:
Die Wasserfallsquelle
Jene warme Quellader, welche zu dem dermahligen straubingerischen Pferdebad benützet wird, - ist eine der bewunderungswürdigeren Merkwürdigkeiten des Wildbades. Dieser heiße Born sprudelt unmittelbar aus dem Gneißgestein mitten im Bette und im brausenden Sturze der Ache empor zwischen dem neuen straubingerischen Stallgebäude an der Brücke, und der an der Terrassenmauer des Schlosses stehenden Wagenremise. Der Felsenriß, aus welchem diese Quelle hervortreibt, ist im Sommer und bei höherem Wasserstande nicht sichtbar. Sie wird unter den darüber hinstürzenden Fluthen der Ache mittelst einer eisernen Röhre aufgefaßt, hart an der Wagenremise am rechten Ufer in hölzernen Röhren herab, unter der Straubingerbrücke hindurch, an der großen Stallung vorüber, und hin in das mit behauenen Steinen ausgelegte Bassin geleitet, um dort als Pferdebad zu dienen. Eine sehr interessante Erscheinung. So mögen auch in der Urzeit die Bornen der anderen Heilquellen von der Wassermasse des aus dem unteren Thale zwischen dem Reichebenberge und des Stubnerkogels gegen die Felsenterrasse der Schreck heraufgestandenen Sees verdeckt gewesen, unbekannt und ungenützt abgeflossen seyn. - Hier scheint es, als wolle die tosende Ache diesen letzten Naturschatz in ihrem Felsenbecken sorgsam verwahren, und durch das schauerliche Brausen ihrer schäumend stürzenden Wogen jede verwegene Menschenhand schon von Ferne zurückschrecken. Jedoch - der aus den tosenden Fluthen der brausenden Wächterinn aufsteigende Dunst der verborgenen Hygieia - verrieth selbst die hier im Felsen verschlossene Danae, und des Menschen Geist, kühnes Wagen und Gold fanden gar bald durch die tobende Fluth den sichern Weg, und entwanden dem wühtendsten Elemente ihren letzten Schützling. Endlich müssen wir noch auf eine, am rechten Acheufer hervorbrechende, bisher zu wenig gekannte und untersuchte warme Quelle aufmerksam machen. Diese entspringt unterhalb des Grabenwirthes, bei einem nordwestlich vom Hause stehenden Lerchenbaume, nicht fern vom Ufer der Ache. Sie hat eine laulichte Temperatur; ihre Wassermasse ist nicht sehr bedeutend; weßwegen sie auch nicht benützt wird.
Bei niederem Wasserstande im Herbste und im Winter wird an dieser Stelle das Felsenbett der Ache immer mehr ausgesprengt, um den durch den schrecklichen Katarakt aus den zerstobenen Fluthen unaufhörlich erzeugten, die ganze Straubingerbrücke einhüllenden, Alles umher befeuchtenden und den vorüberwandelnden Badegästen nachtheiligen Wasserstaub zu vermindern. Dadurch wird auch nach und nach die Wasserfallsquelle immer mehr aufgedeckt und zum Gebrauche gesicherter werden.

Grabenbäcker-Quelle Nr.XIV

Von Muchar (1830) wird die Grabenbäcker-Quelle - wie folgt beschrieben:
Die Grabenbäckersquelle
Aus allen dermahlen bekannten Heilbornen des Gasteinerwildbades ist diese die einzige Quelle, welche auf dem linken Ufer der Ache hervorbricht. Ihre Mündung ist auf der sogenannten Bäckersmahde oder Bäckerswiese, von dem Hause des Grabenbäckers ungefähr 16 Klafter weit entfernt, und unmittelbar aus einer Spalte des unter dem Rasen befindlichen festen Felsens. Sie wird in hölzernen Röhren aufgefaßt, in das, an der südlichen Seite des Bäckerhauses befindliche, kleine Gemeinbad geleitet, und hält bei stets gleich mächtigen Abflusse aus dem Badebassin immer denselben gleichen Wärmestand von 29°. Der Feldort dieses Bornes ist schlecht verwahrt, eben so die Leitung. Auch diese Quelle kömmt zuverlässig aus den tiefesten Bergkammern des Reichebengebirges und aus demselben Zentralborn mit allen anderen Quellen des Wildbades; denn vor ungefähr 45 Jahren sah man nicht ferne von und etwas oberhalb der dermahligen Mündung der Grabenbäckersquelle, mittem in Strombette der Ache, eine Ader warmen Mineralwassers bei geringerem Wassetrstande und insbesondere im Winter aufdampfen. Heut zu Tage ist zwar nichts mehr davon zu bemerken; man hielt aber damahls allgemein diesen aufdampfenden Born für eine und dieselbe Ader, welche auf der Mahde des Grabenbäckers hervorbrach
Dr. Barisanis Abhandlung (1785). In einer Kupfertafel werden folgende Quellen genannt:
1) Erste Quelle hinter dem Straubingerhause. 2) Zweite Quelle, als die eingeschlossene. 3) Dritte Quelle, als die ergiebigste, aus welcher das Badwasser in verschiedene Bäder vertheilt wird. 4) Eine warme, und zur Winterzeit sichtbare Quelle mitten im Wasserfalle, den sie unterirdisch durchkreuzt, und welche nahe beim Grabenbäcker wieder hervorquillt.
Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Thermalquellen - im Wildbad
  - Thermalwasserleitung - nach Hofgastein
Siehe auch die Seiten:
  - Thermalwasser - Radon
  - Heilquellen - in Gastein
  - Brunnen - im Gasteinertal

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Anmerkung: Der Text wurde überwiegend dem Buch "Das Thal und Warmbad Gastein"
von Dr. Albert von Muchar, Grätz, 1834 - entnommen.

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