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D - Gasteinertal/Dokumentation: Fahrt von Klammstein bis zum Wildbade, 1830
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Dokumentation . Gasteinertal

Verkehrswege

Albert von Muchar, 1830
Den Weg von Lend in die Gasteiner Klamm beschreibt Muchar nach seinem Besuch in Gastein im Jahre 1828 einleitend: "In der Lend theilt sich die Straße; rechts an der Salzache fort leitet ein Weg über Oberlend in das Pinzgau hinauf; die andere Straße führt über die Salzach hinüber und am äußersten Fuß der westlichen Gebirgskette des Gasteinerthals aufwärts in langer Krümmung zur schauerlichen Klamme. Nach einer Stunde erreicht man die grause Schlucht, aus deren finsterer Tiefe die schäumende Ache heraufbrüllet . . ." Als Muchar die Reise durch die Gasteiner Klamm antrat, war er wohl von Angst und gleichzeitig von Faszination durchdrungen. Die Fahrt von Klammstein bis zum Wildbade dann ist eher ein Lobgesang.

Muchar beschreibt dabei auch das Unglück im Jahre 1212, wo im Winter Propst von St. Zeno bei Reichenhall, Pabo IX. tödlich abstürzte. Er erwähnt das Steinhäuselwirthshaus, welches von einer Schneelawine erfasst wurde und das Wegmacherhäuschen. Nicht unerwähnt lässt er ein Wachthaus am engsten Punkte schon vor dem Jahre 1450, welches den Weg absperrte; sowie die "verfallene Burg" auf dem Felsstock bei Klammstein.
Nachfolgend ein Auszug aus dem Buch von Dr. Albert von Muchar "Das Thal und Warmbad Gastein", 1834.

Weg von St. Johann im Pongaue bis in die Lend

. . . und weiter nach Klammstein

Muchar (1834) beschreibt die Fahrt durch die Gasteiner Klamm wie folgt, nachdem er in Lend eingetroffen war:
Lend und die Gasteiner Klamm
In der Gegend zu Gigerach, wo drei Bauerngehöfde stehen, mag man zum ersten Mahle hinein- und hinabschauen, in die tiefe schwarze Kluft, in welche man hinein, durch welche man hindurch muß, um zu den Heilquellen der Wunderbades zu gelangen. Unter einer überhangenden Felsenwand immer höher hinan führt der furchterregende Weg; vorüber an der Stelle, von welcher vor wenig Jahren eine donnernde Schneelawine das sogenannte Steinhäuselwirthshaus zerschmetterte;
vorüber am Wegmacherhäuschen, immer steiler hinauf bis zur Kapelle, zum Kreuze. Hier steht man auf dem Puncte der hohen Klamme; hier werden auch die in der Lend erhaltenen Vorspannspferde ausgeheftet; und von selbst reißet es den erstaunten Wanderer während dieser kurzen Rast hin, die schaudererregenden Umgebungen näher zu betrachten, und zu bewundern des Elementes unwiderstehliche Kraft und des Menschen Alles besiegenden kühnen Geist, die sich beide durch den grausen Felsenriß ihren Weg gebrochen haben, und ihn im Kampfe durch Jahrtausende behaupten. Vom Abhange rechts stürzen zahrleiche kristallhelle Bächlein pfeilschnell dem Abgrunde zu, und druchrieseln die Straße, welche hier in eitel Felsgestein eingesprengt ist, bald über bebende Brücken führt, und dort auf festen, aus der Tiefe aufgeschichteten Mauern ruhet. Links springt ein großer Felsstock vom Alpengebirge hervor, und fällt mit einer langen senkrechten Steinwand jäh in die furchtare Tiefe bis zum aufgischtenden Wogenschaume der Ache hinab. Wundersam bewegt es das Herz, dennoch zu schauen dort oben lichtgrüne Matten, Saatfelder und Wohnungen am Rande des Acherons hängen; tief im Abgrunde zu sehen hart am Rande des donnernden Kataraktes ein Mühlchen, und zu hören den Klang der Glocken am Halse der sorglos weidenden rothbraunen Kühe, Frieden tönend zum Gebrülle der kämpfenden Wogen tief unten . . .
Nun führt der ebenso meisterhaft als fest und kühn gebaute Weg hinein in die eigentliche Klamme, tiefer und tiefer sich hinabsenkend in die düstere, feuchte Kluft. Haben weiter außen noch der Ache tosenden Katarakte, die schauerliche, jäh abstürzende große Felsenwand, und die schwindelnde Tiefe einen großartigen Anblick gewährt, Bewunderung und Erstaunen in jedem fühlenden Busen aufgeregt, so erfüllen jetzt die umstrickende Enge und Dunkelheit der Kluft, die schwarzgrauen Felsenwände der immer dunkler werdenden einförmigen Wildnis, das dröhnende Murren des Stromes und die kühlfeuchte gruftartige Luft das Herz des Wanderers mit geheimen Grauen und mit ängstigendem Bangen. Mühsam zwischen Felsenwänden und dem Strom windet sich der Weg von einer Ecke um die andere hinüber. Am engsten Puncte stand ehemahls (schon vor dem Jahre 1450) ein Wachthaus, welches den Weg recht eigentlich absperrte. Später weilte hier ein alter Invalid als Wächter der Klamme, welcher allen herzu- und abfahrenden Fremden die Thore öffnete, und sie mit ihren Namen und Charakter aufzeichnen mußte. Die hochaufgeschwollenen Fluthen der Ache haben am 30. Mai 1821 diese Clausengebäude fast gänzlich zertrümmert. Durch diese dunkle Schlucht herein wird dem Wanderer ob der öden grauenvollen Wildnis das Auge trüb und - starr! - endlich springt ihm ein fremdlicher Lichtstrahl von grünen Bergwiesen und bebauten Abhängen durch die Wipfel und bebarteten Aeste der schwarzgrünen Fichten als Erlösungsbothe entgegen.
Nun schwingt sich die Straße über eine Brücke vom linken auf das rechte Ufer der Ache hinüber; bald erscheinet ein beinahe freistehender Felsenstock mit Gestrippe und schwarzen Waldbäumen bewachsen, aus welchen die Trümmer einer alten Burg hervorstechen. Die Ruinen des Schlosses Klamme oder Klammstein sind es, einer ehemahls für das ganze Thal sehr wichtigen Burg. Sie wurde höchst wahrscheinlich schon im XI. Jahrhunderte erbaut: auf dem trefflichsten Puncte, um den Ein- und Ausgang dieses verborgenen Thales zu bewachen. Hier war durch Jahrhunderte der Sitz des Landgerichtes von Gastein. Seit dem Jahre 1536 ungefähr wurden die Mauern dem Verfall preisgegeben. Hundert Jahre später (1608) baute man im Raume des alten Burghofes Getreide an. Vor wenigen Jahren standen noch einige Gewölbe; jetzt steigt das wilde Gestrippe über die gebrochenen Mauern und umhergeworfenen Trümmer empor. Bei Klammstein betritt man das eigenliche Gasteinerthal. -
Dieses nun ist der schauerliche Weg durch die berüchtigte Klamme. Seit undenklichen Zeiten schon war durch diese finstere Schlucht ein Steig für Menschen und Saumthiere gebahnt, welcher oft nur unter großen Gefahren konnte betreten werden. Im Jahre 1212 ritt der Propst von St. Zeno bei Reichenhall, Pabo IX., von einem Klosterbruder begleitet durch diese Klamme. Auf den eisigen Pfade glitten die Reitthiere aus, und Beide fanden im tiefen Schlunde in den Fluthen der Ache ihr Grab.
Erst der Erzbischof Leonhard von Keutschach (1495 bis 1519) lies diesen gefährlichen Weg breiter aussprengen und mehr sichern, und eine fahrbare Straße wurde hier den Felsen und dem tosenden Elemente abgezwungen durch den allthätigen Oberhirten Matthäus Lang im Jahre 1534. Die heute vortreffliche Straße ist das wohlthätigste Werk der preiswürdigsten Regenten, des Großherzogs Ferdinand und Sr. Majestät, Kaiser Franz I. Von Klammstein bis zur Mündung in der Lend durchläuft die Ache einen Fall von 530 Pariser Fuß.
Anmerkung: Die alte Schreibweise (Rechtschreibung) wurde beibehalten (ohne Gewähr).
Das Wegmacherhäuschen bzw. Wegmacherhaus wurde zwecks Straßenverbreiterung 1928 abgetragen. Die Wegmacherbrücke wurde 1920 errichtet.
Steinhäuselwirthshaus (Steindlwirt), ein Einkehrhaus, in dem sich die Fuhrleute und ihre Pferde sowie die Reisenden stärkten. Es befand sich kurz vor der jetzigen Einfahrt in den Klammtunnel.

Fahrt von Klammstein bis zum Wildbade

. . . mit besonderer Berücksichtigung des Straßenverlaufes im Tal

Muchar (1834) beschreibt die Fahrt von Klammstein bis zum Wildbade wie folgt, nachdem er die Gasteiner Klamm überwunden hatte:
Die Straße von Klammstein bis zum Wildbade
Ueber Klammstein hinein öffnet sich zum Theile das Gasteinerthal nach seiner ganzen Breite. Wiesen bedecken die Ebene, welche mit zahlreichen kleinen Heuscheunen besäet sind. Zerstreut liegen Dörfer und Bauerngehöfde auf allen Abhängen von Büschen und Bäumen umsäumt. Das erste Gehöfde an der trefflichen Heerstraße ist die Taferne in der Brandstadt, eine zum Schlosse Klammstein vormahls gehörige Herberge oder Meierei. Sie ward im Jahre 1386 vom Herrn Haug von Goldeck an die Kirche St. Veit bei Goldeck verkauft, und heute noch genießt diese uralte Taferne die Befreiung von der Abgabe des Futterhafers gegen die Verbindlichkeit, den Wanderer bei stürmischer Jahreszeit durch die wilde Klamm zu geleiten.
Weiter führt die Straße durch die fruchtbaren Gegenden von Maierhofen und Mühlbach, welchen auf der anderen Thalsseite das fruchtbare Gefilde von Unterberg gegenüber liegt, bis nach Dorfgastein hin. Zur linken hat man die Maierhoferalpen, das Arleck und den Schuhflickerspitz, über welchen ein Weg in das Großarlerthal führet; rechts erhebt sich von den Bergrücken der drei Waller der hohe Bärenkogl, bis zum höchsten Gipfel mit grüner Matte bekleidet . . .
Dorfgastein ist von Klammstein eine Stunde entfernt; ein kleines, stilles Dörfchen, aus hölzernen Häuser. Bald folgt die Gegend von Haarbach; außer Latterding drängt sich die Straße näher an den hervortretenden Ingelsberg und führt duch die gesegneten Gefilde des großen Gehöfdes Krailhof.
Der uralte Markt Hofgastein biethet im Inneren wenig Schönes dem Blicke dar; er ist finster und eng zusammengebaut, zeigt an seinen vielen, hohen, meistens schon in Trümmer zerfallenden Häusern der alten, reichen Privat-Gewerken kaum noch die letzte Spur des früheren Reichthums und des Lebens alter Herrlichkeit. Hier ist die Postverwaltung, welche die Reisenden bis in das Wildbad befördert. Gute, reinliche Einkehr und Bedienung findet man beim Bräuer und beim Lackenwirth.
Jenseits des Marktes Hof führt die Straße noch eine Strecke am rechten Ufer der Ache fort bis in die liebliche Gegend Felding; hier theilt sie sich in den alten und neuen Weg, oder die Fürstenstraße. Der erstere behält seine Richtung auf der östlichen Thalseite, und führt über die schönen Gefilde von Heissing, Gadaunern, Remsach, Kötschachdorf nach Badbrücke, und von dort, jenseits des Kötschachbaches am Badberge steil aufwärts in das berühmte Wildbad hin. Durch viele Jahrhunderte führte früher dieser Weg allein zum Wildbade, und in allen eben bezeichneten Orten bestanden, wie heute noch an der Badbrücke, große Tafernen.
Der andere, der neue Weg, oder die Fürstenstraße ist erst im Jahre 1554 durch die reichen Bergwerksherren, Christoph Weitmoser und Joseph Zott, gebrochen und eröffnet worden; und zwar anfänglich zum Hauptzwecke, um die am Rathhausberge, Bockharte und im Naßfeld gewonnenen Erze leichter in das Thal herab und an die Schmelzwerke in der Lend zu bringen.
Heut zu Tage ist der alte Weg bereits abgekommen, und der neue oder Fürstenweg die Hauptstraße in das Wildbad geworden. Sie geht bei Felding quer über die sumpfige Thalsfläche, setzt über die Ache, läßt das Weitmoserschlößchen rechts auf den grünen Matten von Hundsdorf liegen, geht bei Laven über den vom Angerthale herabkommenden, und aus einer finsteren Kalkfelsenschlucht reißend hervorstürzenden Angerbach. Da liegt rechts auf den Wiesen von Dietersdorf das große Gehöfde des Stubners auf dem Boden, und jenseits des Angererbaches links auf grünen Matten die große Hofstatt des Zietrauers auf dem Boden, zwei der größten Bauerngüter des Thales, mit vielen Vorwerken und den ausgedehntesten Alpenflächen. Hier erreicht der Weg den Fuß des großen, waldichten Stubernkogls, auf dieser Seite Schneeberg genannt, an welchem er sich anfänglich fast eben, dann aber immer höher sachte hinanzieht . . .
Außen im Thale, auf der Ecke des Badberges, das einsame Kirchlein St. Niklas auf grünem Abhange mit altergrauen Mauern! - Wie man diesem Kirchlein gegenüber auf gleicher Höhe fährt, stechen die Wipfel schwarzer Waldung aus dieser Schlucht empor, die Straße wendet sich, ein dumpfes Murren, dem fernsten Gewitterdonner ähnlich, dröhnt um das lauschende Ohr, und je weiter man kommt, immer stärker und tiefer scheint es zu grollen.
Nun theilt sich die Straße; rechts hebt sie sich den waldichten Felsberg hinan, und führt über die Höhe des Felsstocks, der den Badberg mit dem Stubernkogl verbindet, hinauf in das anmuthige Thal Hinterbaden oder Böckstein; links senkt sich der Weg durchs Straubingerthor hinein, und führt an den Busen des bezeichneten Felsenstockes hinüber. Nun überschaut man den dort am Bergabhange zerstreut hingeklebten Ort des Wildbads. Der grollende Donner des brausenden Achefalles schlägt nun mit Allgewalt an des Wanderers Ohr, man übersetzt eine über den grausesten Schlund geworfene, und von dem unaufhörlich aufspritzenden Gischt und Staubregen der zerschellten Fluthen umdampfte Brücke, und hält am Platze zwischen dem Schlosse und dem alten Straubingergasthause stille . . .
Anmerkung: Die alte Schreibweise (Rechtschreibung) wurde beibehalten (ohne Gewähr); die Textauszüge sind gekürzt.
Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Wanderwege - Muchar, 1830
  - Frühe Straßen -
Siehe auch die Seiten:
  - Alt-Straßen - in Gastein

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Anmerkung: Der Text wurde überwiegend dem Buch "Das Thal und Warmbad Gastein"
von Dr. Albert von Muchar, Grätz, 1834 entnommen.

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© 20.12.2010 by Anton Ernst Lafenthaler
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