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D - Gasteinertal/Dokumentation: Die Gasteiner - Burkart Eble, 1830 in Gastein
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Dokumentation . Gasteinertal

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Dr. Burkart Eble, 1834
Burkart Eble, 1834 schreibt in seiner Vorrede im Buch "Die Bäder zu GASTEIN" sich mit seinem kleinen Büchlein - " ... mit den eigentümlichen und höchst merkwürdigen Eigenschaften des Gasteinerbades genauer, als bisher geschah, auseinanderzusetzen, die zahlreichen Mängel dieses Badeortes aufzudecken, und die erst neu errichtete Filial-Badeanstalt zu Hofgastein gegen unsinnige und erbärmliche Verläumdungen zu schützen." - und weiter lässt er nicht unerwähnt, dass : " die durch diese Umstände neu angefachte Rivalität zwischen dem Wildbad und Hofgastein sehr viel zur baldigen Abstellung mancher Gebrechen beitrug.".
Nachfolgend soll das "Dreizehnte Hauptstück" welches sich mit dem Charakter, der Gewohnheiten und der Lebensweise der Gasteiner befasst, auszugsweise in Original-Abschrift festgehalten werden. Siehe dazu auch das - Bäuerliche Leben - im 19. Jahrhundert.

Die Gasteiner um 1830

Eble (1834) beschreibt die Gasteiner als einfache, fromme, redliche, gutmütige, fröhliche, höfliche, gescheite und verständige Leute.
Neben der eigenwilligen Tracht sieht er eine besondere Beziehung zu Blumensträußen und Blumen im Allgemeinen,
die zahlreiche Kleidungsstücke und andere Gegenstände zieren.

Textauszug von Dr. Burkart Eble, "Die Bäder zu GASTEIN", 1834 - Dreizehntes Hauptstück:
Die Gasteiner p. 261 - 262
Die "heutigen" Bewohner des Gasteinerthales ...
Ich bin schon da und dort in Gebirgen, und namentlich in der so vielgerühmten Schweiz gereist, habe aber nirgends einfachere, frömmere, redlichere, gutmüthigere, fröhlichere, höflichere, und dabei so verständige Leute unter dem Bauervolk getroffen, als hier. In der letzten Beziehung ist bemerkenswerth, dass die Gasteiner selbst bei den Bewohnern der übrigen nahe gelegenen Alpenthäler vorzugsweise für gescheite Leute gelten. Das Gemüthliche der Alpenbewohner überhaupt, und also auch der Gasteiner, spricht sich unter Andern auch durch ihre grosse Vorliebe für Blumensträusse aus. In Gastein bekommt nicht allein jeder Kutscher vor seiner Abfahrt von der Kellnerinn ein Sträusschen für den Hut; sondern Gross und Klein schmückt sich jeden Sonn- und Feiertag, ja die Wirthinnen, und vorzüglich die Kellnerinnen, jeden Tag mit Blumen, die sie entweder hinter dem Ohre, oder am Busen, oder auf dem Kegelhute tragen. In der Wirtbsstube prangt fortwährend ein bunter Strauss mitten auf dem Tisch; und wer von den Gästen besonders beliebt ist, wird jeden Tag mit einer Rose oder Nelke beschenkt. Nach vollendeter Badekur unmittelbar vor der Abfahrt bringt die Kellnerinn, das Stubenmädchen und die Köchinn ihren Strauss zum Wagen, um diesen damit zu schmücken.
- Sogar die Namen gewöhnlicher Blumen haben hier ihre eigene sinnreiche Bedeutung; so hörte ich die Reseden Beieinanderbleibblümmel, eine Art Gartenranunkel Rückkehrzublümel, und die Adonis autumnalis den Blutstropfen nennen; und auf letztere wurde ein besonderer Werth gelegt, indem die Geberinn gleichsam von ihrem eigenen Blute einen Tropfen bereitwillig schenken wollte. Zu den oben erwähnten lobenswerthen Eigenschaften der Gasteiner kommt noch eine gewisse Heiterkeit, Lebhaftigkeit, und besonders beim weiblichen Geschlechte ein sehr ansprechender Grad von Empfindlichkeit. Sehr auffallend ist es, dass die Gasteiner, da doch dieses Thal alljährig von vielen Städtern, und von hohen Standespersonen besucht wird, trotz der unvermeidlichen häufigen Berührung mit diesen, noch in ihren Sitten so unverdorben, in der Unterhaltung so naiv, und in ihren Wünschen rücksichtlich der Lebensgenüsse so mässig sind. Wahrhaft beneidenswerth ist aber die Zufriedenheit mit ihrer, in unsern Augen höchst dürftigen Lage, und ihr gutmüthiger Sinn spricht sich besonders auch dadurch aus, dass man bei öffentlichen Unterhaltungen, wo stets tüchtig getanzt und getrunken wird, doch höchst selten Zank und Hader, noch weniger thätliche Streitigkeiten und Raufereien in den Wirthshäusern bemerkt. - Ausser dem, dass junge Mädchen mit Alpensträusschen, und Knaben mit Mineralien in die Zimmer kommen, um selbe zum Verkauf anzubieten, trifft man höchst selten Bettler an.
- Originaltext, ohne Gewähr.

Aussehen und Kleidung

Als ein gesundes Bauernvolk bezeichnet Eble die Gasteiner, selten mit dicken Bäuchen, oft aber mit Kropf.
Die Frauen sind eher von großem Wuchs, mit weißer Haut und rosa Backen, lange Haare und flinken Gang.
Die Männer haben kurz geschorene Haare, sind nicht allzu groß und weisen einen charakteristischen Bergsteigergang auf.
Hingewiesen wird wieder auf die besondere Tracht mit dem Kegelhut, dem Brustfleck und dem buntfarbigen Halstuch.

Textauszug von Dr. Burkart Eble, "Die Bäder zu GASTEIN", 1834 aus dem Dreizehnten Hauptstück:
Die Gasteiner p. 263 - 264
Aussehen und Kleidung ...
Es dient zum Beweis des gesunden hiesigen Klima, dass es so viele hochbejahrte Leute gibt, welche ihr ganzes Leben hindurch nie krank gewesen; ferner, dass die Ehen besonders fruchtbar sind (der Bräuer Moser hat zwölf gesunde und starke Kinder gezeugt, welche noch alle am Leben sind). Merkwürdig ist es auch, dass mir in der ganzen Gastein noch kein Dickbauch zu Gesichte gekommen ist.
Dagegen begegnet man vielen Kröpfen, insbesondere beim (bejahrten) weiblichen Geschlechte, welches überhaupt im hohen Alter ein hässliches Ansehen bekommt. Desto ausgezeichneter ist die jugendliche Gasteinerinn durch ihren schlanken, verhältnissmassig zum Manne grossen Wuchs, feine, weisse Haut, rosige Backen, lebhafte, meist braune oder blaue Augen, schöne Zähne, lange kastanienbraune oder blonde Haare, ferner durch ihren eigentümlichen flinken Gang, freundliches Zuvorkommen, naive Neugierde, offene Herzlichkeit, Hang zum Frohsinn und durch einen hohen Grad von angebornem Witz.
Weniger vorteilhaft ist der Schädel- und Gesichtsbau bei den Männern, unter welchen, wie ich zu wiederholtenmalen bei öffentlichen Prozessionen bemerkte, eine fast wunderbare Ähnlichkeit in dieser Hinsicht besteht. Ihre Gesichtszüge tragen starke Spuren der slavischen Abkunft, und werden durch die lang herabhängenden, oben aber kurz geschornen Kopfhaare noch wilder. Obschon stark und abgehärtet erreichen die Männer doch selten eine Grösse von 5 ½ - 6 Schuh, wie man diess z. B. im Pinzgau häufig trifft, sind meist mittlerer Statur, von magerem Körperbau und bräunlicher, in der Jugend nach dem 12ten Jahre mehr blasser, als blühender Gesichtsfarbe. Übrigens haben sie denselben Bergsteigergang, und dieselbe grobe Kleidung, welche Hals und Knie Sommer und Winter hindurch unbedeckt lässt, wie alle Alpenbewohner des salzburgischen Hochlandes. Der kegelförmige Hut mit gelben (auch wohl goldenen) kleinen Quasten ist beiden Geschlechtern gemein; denn hier gibts keine Hauben oder französischen Hüte bei den Mädchen und Frauen; alle tragen den schwarzen, aus Stroh geflochtenen Kegelhut den ganzen Tag, bei allen ihren Geschäften, und legen ihn nur des Nachts bei Seite. Auch wird man vergebens nach Locken suchen; frei ist das ganze heitere Gesicht, die Haare rückwärts gekämmt, in zwei lange, dicke Zöpfe geflochten, und am Hinterhaupt zu einem Wulst zusammengewunden, durch welchen horizontal ein metallener mit Steinen besetzter Spiess (Haarnadel) gesteckt wird. Farbige Bänder sind in die Zöpfe mitgeflochten , und flattern ellenlang in der Luft, oder hängen über den Rücken hinab. Nebst Kegelhut, Haarzöpfen und Haarnadel gehört noch zur nationalen Eigenthümlichkeit ejn, meist aus buntem hochfarbigem Stoff gemachter Brustfleck (Brustleibchen), welcher sich an den schwellenden Busen anschmiegt, und von dem ebenfalls buntfarbigen seidenen Halstuch, nachdem dieses in der Mitte durch einen Ring kreuzweise geschlungen, beiderseits grösstentheils bedeckt wird. Sowohl in diese, als auch in die übrige Kleidertracht hat sich indess bei den wohlhabendem Bürgersfrauen und Mädchen bereits schon etwas städtischer Putz, beurkundet durch Mieder und Corsett, Filzhut, Goldschnüre und Silberketten, Perlen, Granaten, Ringe und schwere Seidenstoffe, eingeschlichen.
- Originaltext, ohne Gewähr.

Viehzucht . Ackerbau . Essgewohnheit

Der Gasteiner lebt von der Viehzucht und dem Feldbau. Bürgerliche Gewerbe findet man fast nur in Hofgastein. Das ganze Tal besteht aus 2261 Joch Acker, 300 Joch Moorgründen, 28110 Joch Weideplätze, und 7497 Joch Wiesen. Auf den Bergen befinden sich 705 Alpenhütten und mehr als 5000 Scheunen und Stadeln.
Der Viehbestand im Gasteinertal umfasste damals 330 Pferde, 50 Ochsen, 4124 Kühe, etwa 180 Rinder und Stiere, über 3000 Schafe, 1000 Ziegen und Böcke und etwa 200 Stück Schweine. Jedes Jahr werden bei 1000 - 1200 Zentner Schmalz, und bei 3000 - 4000 Zentner Käse erzeugt.
Der Gasteiner isst fünfmal am Tags und zwar: Saure und süße Milch, Käse, grobe, stark geschmalzene Mehlspeisen, Milchkoch, "Muess", Wassernudeln, Sauerkraut, Suppe und schwarzes Brot. Fleischspeisen sind selten, und wenn, dann Schaf-, Ziegen- oder Bockfleisch.
Textauszug von Dr. Burkart Eble, "Die Bäder zu GASTEIN", 1834 aus dem Dreizehnten Hauptstück:
Die Gasteiner p. 264 - 267
Viehzucht und Feldbau ...
Wie schon früher gesagt, nährt sich der Gasteiner von der Viehzucht und dem Feldbau. Bürgerliche Gewerbe findet man fast nur in Hof in grösserer Anzahl. Im Ganzen ist das Erdreich des Gasteinerbodens ziemlich fruchtbar, hat, besonders in den niedern Anhöhen des Thals grasreiche Wiesen und fette Felder für Sommer - und Winterkorn, Sommer - und Winterweitzen, Hafer und Gerste, einige Hülsen- und Knollenfrüchte; (man trifft besonders die sogenannten Saubohnen, aber auch mitunter sehr schmackhafte, mehlige Erdäpfel). Auch Klee und andere Futterkräuter werden, obgleich in geringer Anzahl gebaut. Was die Gärten liefern, wurde schon früher gesagt. Aber nicht minder wichtig, als diese gesegneten Thalgründe, und die vielfach bewachsenen tiefern Bergabhänge sind für den Gasteiner die fetten Triften und weidereichen Alpen, welche sich weit in die höchsten Höhen hinaufziehen. Überall ist üppiger, wasserreicher Grasboden, wahrhaft erfrischende Weide; und zwischen den hohen Alpen und den noch bewohnten Bergesanhöhen schmiegt sich zahlreiches Gebüsch und dunkler Wald längs den Bergen dahin. Doch mangelt es wie schon gesagt, nicht an sumpfigem Moorgrund, wie aus folgender Übersicht erhellt: Das ganze Thal besteht aus 2261 Joch Acker, 300 Joch Moorgründen, 28110 Joch Weideplätze, und 7497 Joch Wiesen. Auf den Bergen befinden sich 705 Alpenhütten, weiter herab, und grösstentheils im Thale selbst mehr als 5000 Scheunen und Stadeln.
Merkwürdig ist es, wie schnell in diesem Alpenthal die Vegetation voraneilt, sobald der Schnee im Frühling geschmolzen; es scheint, als wolle die Natur das durch den langen Winter Versäumte emsig nachholen und ersetzen. Auf der ändern Seite erblickt man auch im Feldbau nirgends kahle Steppen; sondern kaum ist die Ernte vorüber, zeigt sich der Fruchtboden schon wieder grün. Denn hier herrscht durchgehends die sogenannte Ehegartcultur, und demgemäss gibt es keine Brache, sondern jedes Feldstück bleibt gewöhnlich 3 Jahre als Ehgart für den Heuwuchs bestimmt, alsdann wird es fünf Jahre nacheinander mit Weitzen oder Korn, selten mit Hafer bebaut. Auf den Mittelgebirgen sprossen die Kräuter erst im Juni, und in den hohen Alpen erst im Juli hervor. Desshalb treibt man das Vieh immer höher und höher hinauf, und zieht es im September nach und nach wieder in die Ebene herab.
Was den Ackerbau insbesondere betrifft, so bleibt die Wintersaat 11-13 Monate lang der Erde anvertraut, ehe die Halme reifen. Das Sommerkorn, die Gerste, und besonders der Hafer werden häufig beschneit, und die Feldbohne erliegt oft dem Frost und Reife. Im Ganzen reicht der Ertrag kaum zum eigenen Bedarf hin; für die Bergleute muss sogar, und zwar grösstentheils aus Kärnthen (über den Mallnitzertauern) Getreide zugeführt werden. An Gemüse und Hülsenfrüchten wird nur das nöthigste gezogen; doch nimmt der Kartoffelbau immer mehr zu.
Die Obstkultur hat hier, mit Ausnahme der schon Von jeher hier einheimischen, und besonders am Faschingberg wildwachsenden, Kirschenbäume, erst seit dem Jahre 1799 Wurzel gefasst. Gegenwärtig wird sie hauptsächlich durch die Pfarrer, Schullehrer, einige Bürger (Weissgärber Hampel, Moser und die beiden Landärzte) und Bauern verbreitet. >br> Der Viehstand der ganzen Gastein begreift 330, meist dickköpfige, aber dauerhafte Pferde, gegen 50 Ochsen, 4124 Kühe, etwa 1800, den Winter hindurch sehr schlecht genährte Rinder und Stiere, über 3000 Schafe, 1000 Ziegen und Böcke, und etwa 200 Stück Schweine. Alljährig am 21. September wird in Hofgastein Viehmarkt gehalten.
Die Alpenwirthschaft liefert eine ziemliche Ausbeute an Butter und Schmalz, doch ist der eigene Hausbedarf dieser Artikel so gross, dass im Durchschnitt nur wenig Überschuss bleibt. Im Ganzen mögen in der Gastein alle Jahre bei 1000 - 1200 Centner Schmalz, und bei 3000 - 4000 Centner süsse und saure Käse erzeugt werden. Doch erreichen diese Käse niemals die Güte der Schweizerkäse.
Die Nahrung der Gasteiner besteht grösstentheils aus den Lactitien, welche der gemeine Gasteiner selbst dem Fleische vorzieht. Er isst des Tags fünfmal, aber nach unserm Sinne immer schlecht. Saure und süsse Milch, Käse, grobe, stark geschmalzene Mehlspeisen, Milchkoch, Muess, Wassernudeln, Sauerkraut, Suppe und schwarzes Brot ist die gewöhnliche Nahrung. Fleischspeisen sind selten, und selbst dann nicht so leicht Rind- oder Kalbfleisch, sondern Schaf-, Ziegen-, Bockfleisch.
Ihr Getränk ist Wasser, Milch, kräftiges gutes Bier, sehr selten Wein, aber leider um so häufiger und in grossem Masse Branntwein, welchen die Landleute fast allgemein aus wild wachsenden Beeren zu bereiten verstehen.
- Originaltext, ohne Gewähr.

Dienstbothen . Volksbelustigungen

Zahlreiche Berufe gibt es heute mehr. Die Arbeiten, welche der Melker (oder die Melkerin, auch Sennerin), Kuhbub, Geißer oder Ochsner (der Kuh- oder Geißhirt), Schafler, (Schafhirt), Rosshirt, Schosser oder die Schosserinn, Bauknecht, Mahder, Stadler, Werfer, Zimmerer, Schopper, Laufer, Pirscher, Schinnagl, Garberin, Gschossdirne u. a. - verrichteten, werden heute größtenteils von Maschinen übernommen. Scheiben- und Eisschießen waren schon damals beliebt. Perchtenlaufen, Anklöckeln oder der Schwerttanz auch heute noch. Der Aberglaube von damals hingegen ist wohl verschwunden, auch wenn heute noch an das "Verschreien" geglaubt wird.
Textauszug von Dr. Burkart Eble, "Die Bäder zu GASTEIN", 1834 aus dem Dreizehnten Hauptstück:
Die Gasteiner p. 267 - 268
National-Volksbelustigungen ...
Man erstaunt über die grosse Anzahl von Dienstbothen, welche ein, nur mittelmässig begüterter Bauer halten muss. Sie sind in Bezug auf Feld - und Alpenwirthschaft folgende: der Melker (oder die Melkerinn, auch Sennerinn), der Kuhbue, Geisser oder Ochsner (der Kuh- oder Geisshirt), der Schafler, (Schafhirt), Rosshirt, der Schosser oder die Schosserinn (reinigt die Geschirre), der Bauknecht, Mahder, Stadler, Werfer, Zimmerer, Schopper, Laufer, Pirscher, Schinnagl, die Garberinn, Koch in n, Gschossdirne etc,
Anmerkung. Zu den im Gasteinerthale häufigsten, zum Theil endemischen Krankheiten gehören: Entzündungen überhaupt, Kröpfe, Wechselfieber, Wassersüchten und die Lungensucht. Auch die Syphilis hat bereits hier Wurzeln geschlagen. Krätze ist nicht so häufig, als im übrigen salzburgischeu Hochlande.
National-Volksbelustigungen sind im Sommer das Scheibenschiessen, und im Winter das Eisschiessen; (auf 150 Schritt wird oft der innerste Kreis, ja selbst das Centrum getroffen). Zur Neujahrszeit und im Fasching stellen das Perchtenlaufen und das Kühtreiben possierliche Maskenzüge bei Tag und zur Nachtszeit dar. Im Advent und zu Weihnachten ist noch das Anklöckeln, sonst auch wohl das Pirosseln üblich. Der Schwerttanz, welchen die lustigen Bergknappen ehedem häufig aufführten, und der noch bei den salzburgischen Salzbergleuten fortlebt, ist hier ausser Gebrauch gekommen. Dasselbe gilt von dem Hosenrecken, welches ehedem auf den 3 Wallern mit grossem, allgemeinem Antheil und mit einer gewissen Feierlichkeit geübt wurde.
Vom Tanze habe ich schon angeführt, dass er eine blutsaure Arbeit ist. Im Ganzen ist es eine Art Walzer, jedoch nach steyrischer Art mit allerhand Wendungen; die Bursche springen dabei in die Höhe, stampfen mit den Füssen, dass der Boden durchbrechen möchte, und schlagen mit diesen und mit den Händen aus. Abwechselnd werden die Dientln (Dirnen) wie beim Walzen in die Arme gedrückt, dann wieder auf manchfache Art wie ein Kreisel gedreht, jetzt weggeschleudert, und dann wieder in die Arme aufgenommen. Kurz es ist der grösste und lärmendste Durcheinander, den man sich nur immer denken kann. In den langen Winterabenden wird viel erzählt, gesungen, auch Karten gespielt, und Reime (Spottreime) gesagt. Bei allen diesen Vergnügungen spielt die ländliche, ungeheuchelte Liebe bei beiden Geschlechtern eine Hauptrolle.
An Aberglauben und allerhand Volkssagen fehlt es hier natürlich auch nicht. Doch hat sich, wie Koch-Sternfeld sagt, der alte Rumorgeist mit dem Bergsegen verflüchtigt; und das Leben der jetzigen Knappen sticht sehr ab von jenem lustigen, muthwilligen Treiben der frühern Jahrhunderte.
Der Glaube an Berg- und Alpengeister, Zwerge, die bösen Geister Butz , Dusel, die Prechtl, Klage, der Todtenvogel, dann das Verschreien, Verzaubern, Nestelknüpfen, Loseln u. d. gl. sind Beweise dafür.
- Originaltext, ohne Gewähr.
Weiterführende und verwandte Themen :
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Anmerkung: Der Text wurde überwiegend dem Buch "Die Bäder zu GASTEIN" von Burkart Eble, 1834 - entnommen.
Die alte Schreibweise (Rechtschreibung) wurde ohne Korrektur beibehalten (ohne Gewähr).

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Die Gasteiner - Burkart Eble, 1834
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