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D - Gasteinertal/Dokumentation: Architektur - Gerhard Garstenauer
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Projekt-Gastein

Architekt Gerhard Garstenauer

Im Buch "Interventionen" von Gerhard Garstenauer ist im Kapitel Bauten und Projekte im Gasteinertal 1965-75 zu lesen, das ab Mitte der sechziger Jahre intensive Bemühungen um eine Revitalisierung Gasteins eingesetzt haben, wobei hierbei die Erneuerung der Kur- und Erholungseinrichtungen vorrangig war. Aufgrund der in den Hohen Tauern auftretende extremen Witterung und noch mehr die Nutzung durch Massenbesuch und Massengebrauch macht klar, dass die Verantwortung dafür, dass der Verschleiß dieser Anlagen in Grenzen gehalten wird, den genannten öffentlichen Stellen aufgetragen werden musste. Gesichert sollte jedenfalls sein, so der Architekt G. Garstenauer, dass Fachleute und interessierte Laien erfahren, wie diese architektonischen Formen erdacht und in ihrer Primärphase entwurfsgetreu realisiert wurden.
Und weiter im Buch "Interventionen": Alles läuft heute auf "Massenproduktion" zu, nur selten ist die Rede von Sachlichkeit und rechtem Maß. Die Siedlungsräume werden zu eng bebaut, die Häuser zu groß, die Frequenzen zu hoch - zu dichte Straßennetze, zu enge Tunnel, zu viele Lifte, zu schnelle Bahnen, zu volle Kabinen, Gondeln und Lifte. In diesem unübersichtlichen Feld kippt der Gegenstand um in Unsachlichkeit und Maßlosigkeit, in Rücksichtslosigkeit, am Ende in Ungepflegtheit und Hässlichkeit - Angemessenheit wäre das Ziel.
Das Gastein-Projekt der 70er-Jahre beinhaltet das - Felsenbad - in Bad Gastein, das Kongresszentrum in Bad Gastein, die Sonnenbadeanlage in Dorfgastein und das Projekt-Sportgastein mit den Kugelbauten und der Badeschlucht. Das "vergessene" Gastein-Projekt soll nachfolgend stichwortartig skizziert werden. Die Textpassagen werden teilweise unverändert dem Buch entnommen, um deren Sinn nicht ungewollt zu verfälschen.

» Kongresshaus und Felsenbad international gewürdigt «
Wie im Buch "Interventionen" beschrieben, zählen Kongresshaus und Felsenbad zu den ganz wenigen Beispielen aus Stadt und Land Salzburg, die internationales Ansehen genießen. Sie wurden in der vom Architektur Zentrum Wien konzipierten Ausstellung der besten Bauwerke der letzten hundert Jahre: Architektur im 20. Jahrhundert/Österreich - 1995 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt und später in St. Pölten besonders gewürdigt. Für das Felsenbad und die Bauten in Sportgastein gab es die so genannte Bauherrn-Ehrung der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, für die Seilbahngondeln auf den Stubnerkogel (längst abgebrochen und verkauft) den Staatspreis für gute Form und für das Kongresszentrum in Bad Gastein erhielt Garstenauer den Salzburger Architekturpreis - erstmals 1976 verliehen.

» Stilles Aufgehen in der Natur - Betonung des Gegensatzes «
Einen wichtigen Platz im Gasteinertal nehmen Einrichtungen für das Baden und für den Wintersport ein und der Architekt ist aufgefordert, sich ins Einvernehmen mit der Natur zu setzen, ihr Angebot zu bestmöglicher Geltung zu bringen. Wie ist es nun möglich, zur Natur die rechte Einstellung zu finden? Als Möglichkeiten bieten sich zwei Extreme an: 1 - Stilles Aufgehen in der Natur (entsprechend der Begriffe: berücksichtigen, tarnen, sich unterordnen, angleichen) und 2- die bewusste Betonung des Gegensatzes (womit der Natur eine künstliche Gestalt entgegengesetzt wird, was einer oppositionellen Haltung entspricht), was letztlich bedeuten soll, sich ins Einvernehmen mit der Natur setzen, um ihr Angebot Best möglichst zur Geltung zu bringen.
Architektur kann sich nicht in Selbstverleugnung üben und das Formenrepertoire der Natur übernehmen. Wohl aber ist es der Architektur möglich, auf Angebote der Natur einzugehen und mit ihr auf verschiedenen Ebenen zu kooperieren. Wenn es gelingt, das rechte Maß zu finden, kann auch die spannungsvolle Balance zwischen Natur und Architektur gewagt werden.

» Die Bauidee: Felsenbad «
Schon im Namen - Felsenbad - schwingt der enge Naturbezug mit. Bestimmend für die Bauidee war beim Felsenbad unter anderem die Platznot. Die große Badehalle, der Hauptraum der gesamten Anlage, konnte auf der vorhandenen Baufläche keinen Platz finden und musste deshalb aus dem anstehenden Felsrücken herausgebrochen werden. Allerdings wurde hier der rohe Fels - harter Tauerngneis - nicht ängstlich schützend verkleidet, sondern als natürliche Raumbegrenzung in die Gestaltung des Bauwerkes miteinbezogen. So kommt es zum harmonischen Zusammenspiel zwischen den beiden natürlichen Elementen, dem Fels und dem Wasser. Schon im Namen - Felsenbad - schwingt der enge Naturbezug mit. Natur und Technik sind integriert in einer gemeinsamen Aufgabe und beide bewahren dabei ihre Eigenständigkeit.
So ergeben beispielsweise erst der natürliche Geländeverlauf mit seinen verschiedenen Ebenen zusammen mit der strengen horizontalen Gliederung des Baukörpers die angestrebte Komposition. Zur innigen Verbindung mit der Natur gehören auch die Öffnung des Baukörpers nach dem Süden, die vorgelagerten Sonnenterrassen und die Außenbadeanlagen, die wegen der natürlichen Wärme des Wassers auch während des ganzen Winters benützt werden können. Auf diese Weise ist in den Erlebnishorizont des Gastes, der sich hier aufhält, auch die Schönheit der umgebenden Landschaft miteinbezogen.

» Die Bauidee: Solarbad «
Das Prinzip: Orientierung am Sonnenkreis. Denn nur, wenn dies geschieht, ist der Sinn des "Solarbades" erfüllt, der darin besteht, Energie zu sparen und die kurze Badesaison möglichst weit auszudehnen. In Dorfgastein schmiegt sich das Solarbad in eine Sonnenmulde, deren Fokus von einem Warmwasserbecken im Freien gebildet wird. Die Baukörper sind als Kombination von Kreisringen in den Hang hineingestaffelt. Das Innere des Bades, wo sich eine Sauna befindet und ein großes Solarium, das den Treibhauseffekt nützt, ist mit dem Freibad durch einen Schwimmkanal verbunden. Mit Terrassen, Rampen und Treppen binden die Baukörper an das Gelände an. Das Bad kapselt sich gegen die Außenwelt hin nicht ab; insbesondere vom Solarium aus bietet sich ein einmaliger Blick auf das Bewegungsbecken und auf das Gebirgspanorama des Gasteinertales.

Felsenbad in Bad Gastein 1968

Das Felsenbad wurde 1967/68 von Gerhard Garstenauer geplant und am darauffolgendem Jahr gebaut mit Fertigstellung 1968. Seinem Namen verdankt das Felsenbad der Platznot die es notwendig machte, die große Badehalle aus dem Bergrücken herauszubrechen und den rohen Fels im Inneren der Halle als Raumbegrenzung sichtbar zu belassen.

» Felsenbad: Das architektonische Konzept «
Das architektonische Konzept, Materialien und Details der Konstruktion sollen hier unverändert aber gekürzt dem Buch "Interventionen" entnommen werden. Die Detailbeschreibungen scheinen das Verständnis der Architektur noch mehr zu vertiefen.
Originaltext: Ein von West nach Ost verlaufender, horizontal gegliederter Hauptbaukörper bestimmt die Gestalt der Gesamtanlage. Ihm sind im Süden breite, abgetreppte Sonnenterrassen und das eigentliche Freibad mit herrlichem Blick auf die Hohen Tauern vorgelagert. Wesentlichster Teil dieses Baukörpers ist die nach Norden in den Felsrücken gesprengte Badehalle. Im Osten, direkt in den Hang hineingebaut, liegt als niedriger Quertrakt die Ruhehalle, von der aus sich wiederum eine prächtige Aussicht auf die Hänge des Stubnerkogels bietet.
Der Hauptbaustoff - Konstruktion und Oberfläche in einem - ist schalreiner Beton. Charakteristisch für die Konstruktion ist, dass alle horizontalen Elemente - der Deckenträgerrost - über Metalllager frei beweglich auf den Stützen liegen und dass die vertikalen Elemente vollkommen getrennt von raumabschließenden Teilen, wie Holz- oder Glaswänden, frei vor diesen liegen und somit ihre Funktion sichtbar zum Ausdruck bringen. Diese Art der Konstruktion brachte es auch mit sich, dass die Deckenbalken vom Außentemperaturbereich in den Innenbereich ohne Taupunkterscheinungen durchstoßen mussten.
Alle Fußböden und feuchtigkeitsbeanspruchten Wandflächen im Innenbereich wurden mit weißem Glasmosaik belegt, für rutschgefährdete Zonen wurde eigens ein gleitsicheres Bodenmosaik - so genannte Noppenfliesen - entwickelt. Die befestigten Freiflächen wurden mit Waschbetonplatten belegt, und zwar jeweils ohne Gefälle; die Entwässerung erfolgt über offene Fugen auf einer zweiten Ebene darunter. Alle übrigen Wandflächen wurden als mehrschichtige, beiderseits mit naturbelassenem Lärchenholz verschalte Wände ausgebildet. Lärche fand auch für den Decken-Lichtraster in allen Räumen des Felsenbades Verwendung. Der Raster bringt vollkommenen Blendschutz, die Lärche korrigiert die Lichtfarbe der Leuchtstoffröhren. Ebenso wurde das steil einfallende Tageslicht durch weit vorspringende Dachüberstände abgeblendet; in der Badehalle selbst bringen Oberlicht-Kuppeln eine bessere Lichtverteilung und machen das durch die südliche Glaswand einfallende Licht erträglicher. Akustische Maßnahmen (Lärmdämmung) waren in allen Großräumen wie Badehalle, Ruheraum und Grillraum nötig. Metall kam als eloxiertes Aluminium für die verglasten Außen- und Innenelemente zur Anwendung und als verzinktes Eisen für die sonstigen metallischen Bauteile wie Auflagerplatten, Geländerstützen und Brüstungsabschlüsse. Alle Wege innerhalb des Gebäudes, die barfuß begangen werden, bekamen eine Fußbodenheizung. Für die Beheizung der großen Badehalle wurde die Masse der den Raum begrenzenden Felswände als Wärmespeicher herangezogen und die Glasfront im Süden durch ein Klimaschild gegen Kältestrahlung abgeschirmt.

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Solarbad in Dorfgastein 1978

Das Solarbad in Dorfgastein wurde 1976/77 von Gerhard Garstenauer geplant und am darauffolgendem Jahr gebaut mit Fertigstellung 1978. Dieses Solarbad gilt als Prototyp eines Freibades für Erholungsorte im Gebirge. Es ist den topografischen Gegebenheiten gut angepasst mit Sauna und Solarium
Gerhard Garstenauer urteilt heute selbst - Zitat: "Der heutige Zustand des Bades ist durch laienhaft durchgeführte Veränderungen im Inneren und im ganzen Außenbereich mit der ursprünglichen Qualität der Anlage nicht mehr zu vergleichen."

» Solarbad: Das architektonische Konzept «
Das architektonische Konzept des Solarbades in Dorfgastein wird wie folgt beschrieben:
Originaltext: Die Badeanlage in Dorfgastein stellt ein kombiniertes Bad dar, bestehend aus einer Damen- und Herren-Sauna, einem Solarium mit Schwimmkanal zu zwei Warmwasserbecken im Freien sowie dazugehörigen Garderoben, Sanitäranlagen und einem kleinen Restaurant. Für den Betrieb während des Sommers kommen ein Schwimmer-/Nichtschwimmerbecken, ferner ein Kinder-Wasserspielplatz hinzu. Der überdeckte Vorplatz sieht Schiabstellmöglichkeiten vor, denn der Eingang zur Badeanlage ist zugleich Endpunkt einer Schiabfahrt (Kombination der Sportarten).

Kongresszentrum in Bad Gastein 1970

Das Kongressgebäude in Bad Gastein wurde 1966/69 von Gerhard Garstenauer geplant und am darauffolgendem Jahr innerhalb 4 Jahren gebaut mit Fertigstellung 1974. Es dient als Mehrzweckgebäude und bildet die neue Ortsmitte nahe dem Wasserfall. Der bestehende großstädtischen Konzeption inmitten einer hochalpinen, steilen Landschaft mit den hochragenden Hotelbauten wird eine Horizontale hinzugefügt.
Gerhard Garstenauer schreibt dazu: "Den hochragenden Hotelbauten wurde eine Horizontale - sichtbarer Ausdruck eines Ortes der Begegnung - entgegengesetzt. Die Anlage staffelt sich so nach unten, dass den Besuchern stets die Aussicht auf Tal und Gebirge erhalten bleibt."

» Kongresszentrum: Das architektonische Konzept «
Das architektonische Konzept soll hier unverändert aber gekürzt dem Buch "Interventionen" entnommen werden, denn nicht besser kann man es charakterisieren als der Erbauer selbst.
Originaltext: Das Bauwerk wurde am Steilhang des Talschlusses unterhalb der Hauptstraße so situiert, dass die volle Länge von 130 Meter zwischen den Hotels Sponfeldner und Weismayr ausgenützt werden konnte. Es entstand ein siebengeschossiges "Tiefhaus", das in seinem Mittelteil 14 Meter über die nördliche Fluchtlinie der genannten zwei Hotels wie ein mehrreihiger Balkon in die Felsschlucht vorspringt. Auf diese Weise wurde ein Bauareal von über 50 Meter Breite erreicht. Von besonderer Bedeutung ist dies für das Geschoss auf dem Niveau der Straße, denn hier wurde durch entsprechende Gliederung der Hauptplatz und ein Zentrum ausgebildet, das dem Ort bis dahin abgegangen war. Der ganze, rund 30 Meter hohe Bau wurde im Baukastensystem aus Stahlbeton-Fertigteilen über einer Stützebene in Ortbeton errichtet Die Außenwände wurden aus Glas und Holz gefertigt, aus Glas nicht zuletzt deshalb, weil sich vom Standort des Gebäudes aus eine prachtvolle Fernsicht in das Gasteinertal bietet. Ringsumlaufende Terrassen, zu denen sich die dahinter geschützt liegenden Räume öffnen und auf denen man entlang wandern kann, erschließen einen gesteigerten Eindruck der Umgebung. Die Eingangshalle wurde allseitig verglast, um den Blick von der Straße aus ins Tal freizuhalten und einen Anreiz zum Betreten des Gebäudes zu geben.

» Kongresszentrum: Das Programm «
Nicht nur der Gesamteindruck des Bauwerkes fasziniert, auch die Funktion im Einzelnen soll nicht unerwähnt bleiben, zumal es das architektonische Konzept wohl wesentlich bestimmt. Die vorgesehenen Geschäftsräume wurden wie geplant besetzt, ebenso das Spielcasino, welches schon lange vorher diesen Platz innehatte. Die Ebenen und deren Funktion:
Auf der Terrassenebene (Originaltext): Im Zentrum eine gläserne Trinkhalle für Kurzwecke, versehen mit Nebenräumen und von drei flachen Wasserbecken umgeben. Im Osten ist ein Blumenmarkt und ein Kinderspielplatz vorgesehen, im Westen ein Terrassencafe mit windgeschützten Sitzplätzen. Im Zentrum ein freier Platz für Veranstaltungen. Im Norden die Eingangshalle mit den beiden Haupttreppen und vier Liften. Im Osten ein Geldinstitut und zwei weitere Geschäftslokale. Im Westen die Eingangshalle für das Restaurant, für Spielcasino, Geschäftslokale und für das Cafe Gastein.
Im Galeriegeschoss (Originaltext): Galerie des Mehrzwecksaales, umgeben vom Foyer mit mobilen Garderoben. Im Norden das Foyer mit den Haupttreppen und den Liftgruppen. Im Süden der Verbindungsgang unter der Gasteiner Hauptstraße zum Haus Austria und zur Parkgarage. Im Osten Kongressräume mit mehreren Kongressbüros. Im Westen das Casino sowie Nachtlokal mit gemeinsamer Eingangshalle - mehrere WC-Anlagen.
Auf der Saalebene (Originaltext): Im Zentrum der Mehrzwecksaal, dessen Fußboden je nach Bedarf in Einzelsegmenten der Höhe nach verstellbar ist; die Wände des Saals sind zum umlaufenden Foyer hin zu öffnen. Im Norden liegt das Foyer mit den Haupttreppen und den Liftgruppen. Im Süden schließen an den Saal Dolmetsch- und Technikkabinen an. Im Osten das Sekretariat, vier Künstlergarderoben, Waschräume, Räume für Arzt, Friseur, Polizei und Feuerwehr sowie eine weitere WC-Gruppe. Im Westen ist das Kongress-Restaurant mit der Küche und allen erforderlichen Nebenräumen angeordnet.
Im Depotgeschoss ist die Vorrichtung zum Heben und Senken der einzelnen Saalbodensegmente montiert. Weiter finden sich Aufenthaltsräume für das Personal, eine Werkstätte, große Lagerräume etc.

Kongresszentrum, Bad Gastein Kongresszentrum, Bad Gastein
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Kugelformen für Schiliftstationen

Die Kugelformen für Schiliftstationen in Sportgastein wurden 1971 von Gerhard Garstenauer geplant und am darauffolgendem Jahr gebaut und montiert. Sie sollten die Maschinentechnik der Schilifte symbolisieren und ein Versuch der Erneuerung der Region Sportgastein sein.
Gerhard Garstenauer schreibt dazu: "Die Basis für das ringsum zu erschließende Gelände in Sportgastein ist das Nassfeld auf einer Höhe von 1600 Meter. Damit ist bereits ausgedrückt, dass sich die Architektur hier in einer Art Niemandsland bewegen muss. Es gibt in dieser Höhe keine vorgegebenen Formen, an denen sie sich orientieren könnte."

» Kugelformen: Das architektonische Konzept «
Extreme Einflussfaktoren wie hohe Windgeschwindigkeiten, Schneelasten, extreme Temperaturen und die Unmöglichkeit einer späteren Pflege der einzelnen Bauteile sind die Herausforderung. Zudem kommen als Konstruktionselemente nur leicht transportable Bauteile wie in diesem Fall Aluminium in Frage.
Die Konstruktion entspricht einer Netzwerkkuppel mit horizontalen Hauptkreisen mit fachwerkähnlichen Stabverbindungen. Die Kugel bietet größtes Volumen bei kleinster Oberfläche. Der Schnee bleibt darauf kaum liegen. Die Windströmungsverhältnisse sind so, dass auch die unmittelbare Umgebung der Kugel fast schneefrei bleibt.

Gondeln der Stubnerkogelbahn

Die Gondeln der Seilbahn auf den Stubnerkogel, geplant von Gerhard Garstenauer wurden 1972 gebaut. Im Jahre 1973 wurde Gerhard Garstenauer dafür der Staatspreis für gute Form verliehen. Zwanzig Jahre später wurde die Seilbahn ausgebaut - die Gondeln sind seitdem verschwunden.

» Die Gondel - eine Superellipse «
Die Gondeln mussten einem vorhandenen Seilbahnsystem angepasst werden und sollten weitgehend eine Rundsicht ermöglichen. Das Problem wurde mathematisch gelöst durch die Superellipse, eine Ellipse, deren Gleichung Exponenten aufweist, die zwischen 2 und 3 liegen. Eine gelungene Form, in technisch-konstruktiver wie ästhetischer Hinsicht war gelungen.

Gondel, Stubnerkogelbahn Bad Gastein, Stubnerkogelbahn Gondel der Stubnerkogelbahn, Bad Gastein
Stubnerkogelbahn

" Geplantes Projekt-Gastein - Sportgastein "

Die Schareck-Gletscherbahn 1972 konnte ebenso wenig realisiert werden, wie die Badeschlucht in Sportgastein 1972. Grundlage für das Projekt Sportgastein war die Überlegung, dass sich das Angebot Bad Gasteins nicht länger einseitig an den Heil- und Kureinrichtungen orientieren konnte. Im Wintersport - bei gesicherter Schneelage - und im Sommerschilauf hoffte man dieses neue Element gefunden zu haben, wozu sich das Nassfeld besonders Anbot. Eine mautpflichtige Straße mit mehreren Tunnels von Böckstein ins Nassfeld gab es bereits. Geplant war eine Großkabinenbahn auf das Schareck mit drei Stationen und eine Badeschlucht, welche quer unter einer Gruppe von Hochbauten verläuft. Beide Projekte, die das Gastein-Projekt vervollständigen sollten wurden nicht realisiert.

» Badeschlucht: Das architektonische Konzept «
Garstenauer schreibt: Wenn das Schwergewicht hier eindeutig dem Schisport zukommt, so wären doch für jene, die nicht im Leistungssport, sondern in der Erholung ihr Ideal sehen, Alternativen vorzusehen. Es war naheliegend, in diesem Zusammenhang an ein Bad zu denken. Das Äquivalent zu einem Hallenbad in der topografisch extremen Situation Sportgasteins ist eine in den Fels gesprengte Badeschlucht. Diese verläuft quer unter einer Gruppe von Hochbauten, welche Restaurants und andere Einrichtungen beherbergen. Die Klamm mündet am Fuße der Hochbauten in ein großzügiges Freibecken. An mehreren Punkten der Klamm führen Aufgänge zur Sauna und in das darüber liegende Restaurant.

» Badeschlucht: Die Raumvision «
Das Konzept Raum (Originaltext): Die Talseite - breit geöffnet - gibt den Blick frei ins Tal und aufs Gebirge. Die bergwärts liegende Stirnseite - stets im Gegenlicht erscheinend - wird von einem Wasservorhang gebildet, der - gleichsam als Wasserfall - in den Raum stürzt und als offenes Gerinne an einer der Felswände entlang frei durch den Raum fließt. Das unvergleichliche Raumgefüge entsteht dadurch, dass die Badeschlucht dort, wo sie am engsten ist, die größte Höhe hat und dass sie breiter werdend in einer großen Geste gleichsam ins Freie mündet. Alle notwendigen Einbauten, Stiegen, Decken etc. sind aus Holz und treten diskret zurück. Andererseits ist für den Raum fließendes Wasser ein wichtiges dynamisches Element. Vielleicht könnte man sagen, dass die Badeschlucht ihre eigene Raumdramaturgie hat. Sie vermittelt als archaische Höhlung ein Gefühl der Geborgenheit, weitet sich dann aber mehr und mehr aus, um in totaler Öffnung zu enden. Dem Raumkonzept liegt ganz bewusst der überraschende Wechsel von der Enge zur Weite zugrunde: Erreicht der Badegast das Freie, bietet sich ihm ein faszinierender Ausblick auf den Tauernhauptkamm mit Höhen über 3.000 Meter.

» Schareck-Gletscherbahn: Das architektonische Konzept «
Eine Seilschwebebahn auf das Schareck sollte in der Hochregion Salzburg/Kärnten das Außerordentliche darstellen. Das für den Sommerschilauf geeignetes Gelände sollte dabei der Wurtenkees sein.
Garstenauer schreibt dazu: Die Basisstation befindet sich in lawinengeschützter Lage auf einer Höhe von 1.606 Meter, die Mittelstation auf 2.290 Meter und die Bergstation unterhalb der Baumbachspitze, in unmittelbarer Nähe des Schareckgipfes, auf 3.081 Meter.
Die Ankunft des Besuchers in der Bergstation verläuft so, dass er sich vorerst geborgen fühlen soll. Ein relativ kurzer Tunnel führt von der Station auf die andere Seite des Berges, von wo die Abfahrt auf dem Gletscher beginnt. Der Tunnel selbst verfügt über übereinanderliegende Ebenen, von zwei denen die eine Besuchern zu Fuß und die andere den Schifahrern vorbehalten ist. Ein Erlebnis besonderer Art stellt also der plötzliche Wechsel von der Enge des Tunnels zur Weite des Hochgebirgspanoramas und des Gletschers dar und - der Tunnel hat auch eine andere Funktion: er fungiert als eine Art Bergeraum im Falle eines überraschenden Schlechtwettereinbruchs. - Die drei Stationen sind als Kuppeln gedacht. Von nicht geringerer Bedeutung ist die Tatsache, dass bei der Kuppelform das Aus- und Einmünden der Gondeln an jeder Stelle ohne Formkompromisse, ohne Deformation also, möglich ist. Dass die kristalline Kuppelform, die bereits zu einem Zeichen für das neue Gastein geworden ist, auch bei der für die Region so wichtigen Schareck-Gletscherbahn wiederkehrt, war nicht als Prämisse vorgegeben, sondern ist folgerichtiges Ergebnis der Konzeption.

» Der Name zum Projekt Sportgastein «
Das Nassfeld, bisher eher schwer erreichbar wurde durch eine Straße erschlossen, um dem seit langem bestehenden Angebot an Erholungs- und Kureinrichtungen auch einen sportlich orientierten Aufenthalt, besonders den Ganzjahresschilauf, möglich zu machen. Der Begriff "Sportgastein" sollte dabei zum Ausdruck bringen, das Nassfeld als besonders geeignetes Geländes zur Entfaltung sportlicher Aktivitäten auszuweisen und gleichzeitig die Zugehörigkeit zur Gasteiner Region auszudrücken.

» Das Dreiphasen-Konzept Sportgastein «
Erste Phase - Erschließung des Hochtals mit einer Straße und Schaffung der Einrichtungen für den Schilauf auf den Kreuzkogel und den Wurtenkees mit der Gletscherbahn bis zur Baumbachspitze. Als Liftstationen dienen kugelartige Konstruktionen, die den extremen Anforderungen am besten entsprechen. Das "Dorf" selbst sollte aus mehreren Hotels, Wohnbauten und mindestens einer Jugendherberge, aus Restaurants und Geschäftslokalen bestehen. In Verbindung mit den Wohnbauten war an die Schaffung eines kombinierten Hallen-Freibades gedacht, in diesem Fall an eine in den Fels gesprengte Badeschlucht. Zusätzlich sollten Auto-Abstellflächen und Anlagen, die alternative Sportmöglichkeiten bieten geschaffen werden. In der zweiten Phase kam dazu Kritik auf.
Zweite Phase - Das Konzept für Sportgastein ist um einen Großteil der Wohnanlagen reduziert worden, denn diese sollten in Bad Gastein selbst errichtet werden.
Dritte Phase - Das Konzept erfuhr wieder eine Ausweitung. Sportgastein sollte mit angrenzenden Talschaften und mit einer Reihe von Nachbarorten verbunden werden durch Wiedereröffnung und Instandsetzung des Imhofstollens (Kleinbahn), weiter eine Anbindung über den Wurtengletscher nach Kärnten und den Bau einer Hangstraße mit Tunnel im Bereich des Mallnitzer Tauern. Sportgastein sollte innerhalb der Hochregion Salzburg/Kärnten eine zentrale Rolle als Ausgangspunkt und Ziel sportlicher Unternehmungen werden.

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Gastein-Projekte - Bauten nach 1945
Siehe auch die Seiten:
  - Ladislaus Pyrker - Filialbadeanstalt
  - Angelo Comini - Baumeister
  - Gerhard Garstenauer - Architekt

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "INTERVENTIONEN" von Gerhard Garstenauer, Salzburg 2002 - mit Beiträgen von F. Achleitner, A. Großschädl, O. Kapfinger, N. Mayr und D.M. Steiner - entnommen.

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Architektur - Gerhard Garstenauer
© 29.10.2013 by Anton Ernst Lafenthaler
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