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D - Gasteinertal/Dokumentation: Geschichte/Goldbergbau - Gewerkschaft Radhausberg, Karl Imhof
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Gewerkschaft Radhausberg

Oberbergrat Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof

Im Buch "Tauerngold" beschreibt Wilhelm Günther (mit Beiträgen von Werner H. Paar) im Kapitel "Die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse des Edelmetallbergbaues in Salzburg im 19. und 20. Jahrhundert" das Wirken des Bergdirektors Oberbergrat Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof, auf dessen Initiative 1907 der Goldbergbau in Gastein wieder aufgenommen werden konnte. Die Aufschlussarbeiten sollten aber nicht wie bisher im Bergbaurevier am Radhausberg, sondern im Bereich der Siglitz-Pochkar-Erzwies und am Hohen Goldberg in Kolm-Saigurn situiert werden. Als Initiator des gesamten Montanunternehmens leitete Karl Imhof bis zum 30. Juni 1925 die Gewerkschaft Radhausberg mit dem Titel eines Direktors.

» Die Gründung der "Zweiten" Gewerkschaft Radhausberg «
Während der Erbauung des Tauerntunnels von 1901 bis 1909 fand Dipl. Ing. Karl Imhof Gelegenheit, das altbekannte Goldfeld im Bereich des Sonnblickmassivs in den Hohen Tauern zu studieren. Gemeinsame Vorstudien mit Dipl. Ing. Dr. Richard Canaval, Berghauptmann der k.k. Berghauptmannschaft Klagenfurt führten zur Überzeugung, dass im Bergbaurevier Siglitz-Pochkar-Erzwies Aufschlussarbeiten gewinnbringend bergmännisch erschlossen werden könnten. Man nahm daraufhin Kontakt mit der kapitalschwachen Gewerkschaft Radhausberg auf.
Als Finanzier trat zunächst der Großunternehmer und spätere Hauptgewerke Fritz Meyer-Fierz aus Zürich auf, der die Mehrheit der Kuxe bzw. Anteile der bisherigen Gewerkschaft Radhausberg erwarb. Auf Initiative von Dipl. Ing. Karl Imhof erfolgte am 22. Mai 1907 die Gründung einer neuen, der "Zweiten Gewerkschaft Radhausberg" mit schweizerischen, österreichischen und deutschen Interessenten.

» Aufschlussprogramm 1911 «
Beim Gewerkentag am 25. Juli 1911 legte der neu ernannte Direktor der Gewerkschaft Radhausberg, Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof, eine Denkschrift über den bisherigen Stand und den Fortgang der Schürftätigkeiten in den beiden Bergbaurevieren am Radhausberg und im Nassfeld bzw. in der Siglitz-Pochkar-Erzwies vor, wobei zwei Projekte zur Diskussion standen, nämlich ein Stollen durch das Erzrevier vom Nassfeld aus und ein Stollen durch das Erzrevier von Angertal aus. Letzteres wurde aber von den Gewerken abgelehnt.
Vom Nassfeld sollte nun der Siglitz-Unterbaustollen (später Imhof-Unterbaustollen) in 1625 m vorgetrieben werden und ein weiterer zwischen den beiden Pochkarseen (Bockhartseen), nämlich der Pochkar-Unterbaustollen in 1.985m Höhe. Diese 2 km entfernten Stollen mit einem Höhenunterschied von 360 Meter sollten durch einen Verbindungsschacht verbunden werden. Darüber hinaus war ein Neuaufschluss der Erzgänge am Radhausberg, vom Hieronymusstollen aus, vorgesehen.

» Zunächst wurde der Goldbergbau am Radhausberg in Angriff genommen «
Nach Fahrbarmachung der bestehende Straße zum Hieronymusberghaus für Pferdefuhrwerke wurde das desolate Berghaus instandgesetzt und umgebaut. Zur Sicherung gegen hohe Schneelagen und Lawinengefahr stand der Hieronymusstollen durch Schneekrägen mit dem Hieronymushaus in Verbindung. Vorgesehen war der Stollenvortrieb im Hieronymusstollen in 1920 m, mit dem Versuch, den tief im Berginneren durch eine Fäule abgeschnittenen Radhausberger Hauptgang auszurichten, was nicht gelang. Auch der Kreuzkogelquerschlag Richtung Osten traf auf Fäulen.
Nun wurde 1911 der Hieronymusstollen ab 1260 Meter gewältigt und bis 2080 Meter Stollenlänge vorgetrieben. Er sollte in das Weißenbachtal münden. Auch ein Querschlag im Sigismundstollen gegen Südosten, um den Kniebeißgang zu erreichen, der als Fortsetzung des Radhausberger Haupterzganges in Betracht kam, war erfolglos. Die Aufschlussarbeiten im Bereich des Hieronymusstollen wurden 1924 eingestellt.

» Nachweis reicher Erze bis unter die Talsohle des Siglitztales «
Mehr Erfolg hatte Imhof bei der Gewältigung alter Stollen im Siglitz-Pochkar-Erzwieser Bergbaurevier. 1909/1910 erfolgte die Gewältigung des Georgstollens in 1725 m Höhe und die Sumpfung eines seit 1570 mit Wasser gefüllten Gesenkes. Hier fanden sich 34 Gramm Gold pro Tonne Hauwerk und mehr. Der Nachweis reicher Erze bis unter die Talsohle des Siglitztales bestärkte die damalige Ansicht, dass die Erzführung weit in die Tiefe reiche. Der bekannte Geologe aus Berlin Univ. Prof. Dr. Paul Krusch stellte in einem Gutachten fest, dass derber Arsenkies Träger des Goldes sei, bis zu 45,4 Gramm Gold pro Tonne im erzhältigen Hauwerk. Dies gab den Anstoß, das später als Imhof-Unterbaustollen benannte Siglitz-Projekt zu realisieren.

» Der Imhof-Unterbaustollen wurde im Juli 1912 angeschlagen «
Im Juli 1912 wurde im nördlichen Bereich des Nassfeldes der Imhof-Unterbaustollen angeschlagen. Der Ansatzpunkt des Mundloches lag im Felsbereich in 1624 m Höhe westlich des Naturfreundehauses. Der Stollen war in westlicher Richtung parallel zum Siglitztal in einem Abstand von ca. 200 m vorgesehen. Die großzügig in Angriff genommenen Vortriebs- und Abbauarbeiten mussten durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges infolge Rekrutierung mehrerer Ingenieure und Belegschaftsmitglieder im August 1914 unterbrochen werden. 1915 konnte der Bergbaubetrieb mit zahlreichen zugeteilten russischen Gefangenen wieder aufgenommen werden. Neben den Aufschluss- und Abbauarbeiten wurde die Straße von Böckstein in das Nassfeld ausgebaut und die Kesselfallbrücke (Russenbrücke) errichtet. In der 1916 im Nassfeld probeweise errichteten, kleinen Erzaufbereitungsanlage wurden bereits ab Juni 1916 die im Imhof-Unterbaustollen abgebauten Erze verarbeitet.

Karl Imhof selbst stand vom 20. Mai 1915 bis Juli 1918 in militärischer Verwendung, zunächst in Salzburg, dann als Leiter des Kriegsmetallbergbaues in Serbien. Im November 1918 wurde er neuerlich zum Direktor der Gewerkschaft Radhausberg in Böckstein bestellt. Das Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 brachte die vorübergehende Stilllegung sämtlicher Betriebsanlagen. 1919/20 hatte der Imhof-Unterbaustollen eine Länge von 1890 m erreicht.

» Der Pochkar-Unterbaustollen wurde Juni 1912 angeschlagen«
Im Juni 1912 wurde zwischen den beiden Pochkarseen (Bockhartseen) in 1984 m Höhe der Pochkar-Unterbaustollen angeschlagen mit der Absicht, die Erzgänge des Bergbaurevieres am Pochkar zu unterfahren und zu queren und neue Angriffspunkte für einen Abbaubetrieb zu schaffen. Unmittelbar im Stollenbereich standen eine kleine Wasserkraftanlage, eine Kompressoranlage für die pneumatisch betriebenen Flottmann-Bohrhämmer, eine Schmiede, eine Werkstätte und eine gemauerte Wohnbaracke zur Verfügung. Die Förderung geschah händisch mittels eiserner Grubenhunte. Nach einer teilweisen Betriebsstilllegung während des Ersten Weltkrieges 1914 - 1918 wurden 1922/23 die Vortriebsarbeiten wieder aufgenommen und der Pochkar-Unterbau 418 Meter weit vorgetrieben. Insbesondere wurden die Erzgänge des Schachthalden- und des Pochkar-Hauptganges unterfahren. Mangels finanzieller Mittel mussten die Vortriebsarbeiten aber im November 1923 eingestellt werden.

» Die Unterbaustollen benötigen viel elektrische Energie «
Das von Karl Imhof propagierte Tiefenaufschlussprogramm, das einen Bergbaubetrieb mit modernsten technischen Einrichtungen vorsah, machte eine ausreichende Versorgung mit elektrischer Energie unumgänglich. In Böckstein bestand bereits ein kleines Elektrizitätswerk. Zwei kleine Wasserkraftanlagen wurden 1908 im Siglitztal und 1912/13 im Bereich des oberen und unteren Pochkarsees errichtet. Den größten Stellenwert hatte die - Wasserkraftanlage - aus 1912/13 im Nassfeld, was die Vergrößerung des Fassungsvermögens des als Ausgleichsweiher dienenden Pochkarsees notwendig machte. Die Staumauer wurde erhöht und zeigte letztlich eine maximale Höhe von 5,5m. Die bisherige Wasserführung wurde durch eine Druckstollen ersetzt. Die Maßnahmen bewirkten eine Erhöhung des Wasserspiegels um ca. 3,13 m. Im Zuge des Anschlages des Pochkar-Unterbaustollens wurde zum Betreiben der technischen Anlagen ein Wasserkraftwerk errichtet, wobei das Abflusswasser des Oberen Pochkarsees ausgenutzt wurde.

» Die Kuxe der Gewerkschaft Radhausberg sollte verkauft werden «
Die zwischen 1907 und 1911 angestrengten bergmännischen Versuche am Radhausberg schlugen fehl. Stattdessen richteten sich ab 1908 die bergmännischen Untersuchungen auf die ehemaligen Gold- und Silberbergbaue des Siglitz-Pochkar-Revieres und führten zum Erwerb der im Besitz des Barons Alexis May des Madiis aus Villach befindlichen Schürfrechte. Auf dem Gewerkentag vom 25. Juli 1911 wurde nicht nur das von Karl Imhof gutgeheißene, großzügig angelegte Tiefenaufschlussprogramm beschlossen, sondern auch festgelegt, die zur Verfügung stehende Kuxe der Gewerkschaft Radhausberg um 325.000 Kronen zu verkaufen, wobei auch an österr. Kapital gedacht war.
Zunehmende Meinungsverschiedenheiten in der Finanzierungsfrage und zur Person Karl Imhofs sowie mangelndes Vertrauen zum Projekt führten 1916 zur zunehmenden Distanzierung des Hauptgewerken Fritz Meyer-Fierz, der 1917 starb. An seine Stelle traten die österr. Industriellen Max und Rudolf Gutmann und Bernhard Wetzler aus Wien als neuen Gewerken in der Gewerkschaft Radhausberg ein.
Mit dem Tod des Präsidenten des Gewerkenrates, Dipl. Ing. Kuppelwieser, 1919 und der Nominierung des neuen Präsidenten Dr. Josef Blauhorn, der mit Sektionschef Dipl. Ing. Otto Rotky von der obersten Bergbehörde in Wien befreundet war, traten schwere Differenzen in der Finanzierungsfrage auf. Ein von Karl Imhof gutgeheißenes Kaufangebot von 30 Kuxen wurde vom Präsidenten des Gewerkenrates, Dr. Josef Blauhorn abgelehnt. Man bewarb sich um eine Beteiligung des Österreichischen Bundesstaates. Unter der Amtsführung von Sektionschef Dipl. Ing. Otto Rotky übernahm 1920 das Montanärar ein Drittel der 128 Kuxen der Gewerkschaft Radhausberg, wobei die Verpflichtung bestand, die Geldmittel für den Ausbau nach den Plänen Karl Imhofs zur Verfügung zu stellen. Als Beteiligung des Österr. Bundesstaates waren 1,8 Mio. Schweizer Franken vorgesehen. Dies entsprach der Hälfte des damaligen Investitionswertes.

» Verleihung des Titels "Oberbergrat h.c." 1922 vom Bundespräsidenten «
Dipl. Ing. Karl Imhof war (1921) davon überzeugt, dass die Adelsführung der Erzgänge sich in der Tiefe unverändert fortsetzt und dort noch mächtiger werden. Sein unternehmerischer und persönlicher Einsatz für ein großes Bergbauunternehmen, welches zentral geleitet werden sollte war ungebrochen. Seine großen Verdienste um die Wiederinbetriebnahme des Gold- und Silberbergbaues in den Hohen Tauern führten 1922 zur Verleihung des Titels "Oberbergrat h.c." vom Bundespräsidenten. Darüber hinaus promovierte Dipl. Ing. Karl Imhof 50-jährig 1923 an der Technischen Hochschule in Wien zum Doktor der Technik.

» Betriebseinstellung 1927 «
Am 8. Juni 1926 legte Oberbergrat Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof die Betriebsführung nieder. Seine Leistungen wurden mit einer kärglichen Pension abgefunden. Die Übernahme durch das Montanärar erfolgte nahtlos am 8. Juni 1926 in Anwesenheit von Gewerkschaftsdirektor Karl Imhof als Übergeber und Ministerialrat a. D. Ing. Alexander Brettschneider als Übernehmer.
Eine vom Finanzministerium des Österreichischen Bundesstaates in den Vertrag von 1920 aufgenommene, kaum beachtete Valutenklausel führte dazu, das der Österreichische Bundesstaat der Gewerkschaft Radhausberg nur mehr einen Teil des Pflichtbetrages zuführen musste, sodass nunmehr Zahlungen von insgesamt 534.000 Schweizer Franken anfielen. Dadurch konnte das Ziel, ein leistungsfähiges Großbergbaubetrieb zu schaffen und die Erzaufbereitungsanlage im Nassfeld auszubauen nicht mehr realisiert werden. Nachdem weder inländisches noch ausländisches Kapital aufzutreiben war, wurde das gesamte Montanunternehmen am 31. März 1927 stillgelegt.

» Karl Imhof propagiert 1937 ein neues Aufschlussprogramm «
Der ehemalige Direktor Oberbergrat Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof, verfolgte über viele Jahre seit der Stilllegung des Montanbetriebes beharrlich das Ziel, durch zahlreiche Veröffentlichungen über das Goldfeld der Hohen Tauern Geldgeber zu finden, um neuerlich den Edelmetallbergbau zu aktivieren. Er hatte die Edelmetallgewinnung während des Mittelalters und der Neuzeit genau studiert und anhand der alten Bergbauhalden und den noch vorhandenen Schmelzschlacken die abgebauten Erzmengen rekonstruiert und statistisch ausgewertet mit dem Ergebnis, dass nördlich und südlich des Tauernhauptkammes die Erzmengen auf bis zu 2 Tonnen zu schätzen seien, bei einem durchschnittlichen Goldgehalt von 23 und 26 Gramm pro Tonne. Neuzeitliche Schätzungen ergaben einen wahrscheinlichen Erzvorrat von ca. 30 Mio. Tonnen Fördergut für das gesamte Goldfeld der Ostalpen.

1938 verkündet Karl Imhof die These, dass die Zukunft des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern in der Großproduktion liege und ein Kleinbetrieb keine Rentabilität erzielen könne. Karl Imhof hat 1937 ein neues Aufschlussprogramm propagiert. Dabei sollte neben dem weiteren Vortrieb von querschlägigen Revierstollen an drei Stellen des riesigen Goldfeldes mehrere 1000 m Stollenauffahrungen und Aufbrüche an den bereits aufgeschlossenen Erzgängen nach einem bestimmten System vorgegangen werden. Die Aufschlussbaue seien bereits ansatzmäßig durch den Unterbaustollen im Pochkar, den Imhof-Unterbaustollen und den Augustinstollen am Hohen Goldberg gesetzt worden.

» Wiederaufnahme des Montanbetriebes durch die Unternehmergruppe Edron Trust Limited 1937 «
Im Herbst 1937 interessierte sich auf eine Anregung des Österreichischen Finanzministerium hin die englische Unternehmensgruppe Edron Trust Limited in London für den stillgelegten Montanbetrieb. Das Unternehmen schloss am 18. Dezember 1937 mit der Gewerkschaft Radhausberg einen Optionsvertrag, gültig ab 1. Jänner 1938 für die Dauer eines Jahres.
Die Österr. Bundesregierung hat dabei verschiedene Begünstigungen zugesagt. Dazu zählte die Befreiung der Körperschaftssteuer, der Stempel- und Rechtsgebühren und gebührenfreie Übertragung des Kuxe, des Landesabgaben, freie Einfuhr von Maschinen und Einrichtungen, die in Österreich nicht erhältlich sind, ermäßigte Tarife für Sprengmittel und schließlich die Freiheit der Ausfuhr von Gold und Kapitaldienst und Gewinnausschüttung. Übriges Gold war der Nationalbank in Wien anzubieten.
Direktoren der Edron Trust waren Sir Ronald Waterhouse und Mr. Edmund W. Janson aus dem Finanzhaus Tarbutt & Co. in London. Die Rechtsvertretung hatte Rechtsanwalt Dr. Karl Wagner aus Salzburg inne. Bevollmächtigter und technischer Leiter des Pachtbetriebes war der Zivilingineur Colonel Georg Maitlant Edwards.

» Die Preußische Bergwerks- und Hütten AG nimmt die Bergbautätigkeit am 12. März 1938 auf «
Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich am 12. März 1938 erhielt die Preußische Bergwerks- und Hütten AG in Berlin den Auftrag, die Bergbautätigkeit auf Gold und Silber in den Hohen Tauern wieder aufzunehmen. In einem Vertrag zwischen der Preußische Bergwerks- und Hütten AG und der Edron Trust verzichtete die Edron Trust Limited in London auf die weitere Fortführung des Montanbetriebes am 20. Juni 1938 und die Preußische Bergwerks- und Hütten AG verpflichtet sich, für die bisher getätigten Aufwendungen aufzukommen.

» Die erhofften Erzaufschlüsse beruhten auf folgenden Annahmen «
Die Hoffnung, vom Imhof-Unterbaustollen entsprechende Erzaufschlüsse zu tätigen, beruhte auf drei von Karl Imhof erfolgten Annahmen:
1. Die Erzführung der Erzgänge sollten unverändert auf eine große Länge nach Norden unter dem Siglitz-Pochkar-Erzwieser-Bergbaurevier, als auch nach Süden unter dem Massiv des Scharecks in gleicher Weise anhalten.
2. Bei weiterem Vortrieb des Imhof-Unterbaustollens sollten zwischen 2,7 und 3,8 km die nördlichen Fortsetzungen der fünf Hauptgänge des Hohen Goldberges gekreuzt werden.
3. Zwischen 2,2 und 2,7 km sollten noch weitere, bisher unbekannte Erzgänge angetroffen werden.
Die Annahme von Oberbergrat Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof, dass die Erzführung der einzelnen Erzgänge sowohl nach Nordosten in Richtung Pochkar und Erzwies als auch nach Südwesten Richtung Schareck weithin unverändert anhalte, hatte sich nicht erfüllt. Die nach Norden verfolgten Erzgänge waren nach 200 bis 400 m taub und zersplitterten bzw. keilten aus.

» Der Befehl des Reichswirtschaftsministerium, den Betrieb einzustellen kam 1944 «
Als keine Aussicht mehr bestand, weitere Erzgänge anzufahren und abzubauen, kam am 1. August 1944 aus Berlin der Befehl des Reichswirtschaftsministerium, den Betrieb einzustellen.
Der Imhof-Unterbaustollen wurde aber noch bis nach Kolm-Saigurn bei Rauris durchschlagen. und im Jänner 1945 konnte der erste Mannschaftszug in Kolm-Saigurn bei Rauris in 1656 m Höhe den Stollen verlassen. Der Stollenvortrieb des Imhof-Unterbaustollen betrug 2745 m, die Querschläge kamen auf 2558 m, Stollen im Bereich der Erzgänge kamen auf 6231 m. Die bauwürdigen Erzzonen wurden abgebaut. Die Gangklüfte bzw. Erzgänge, die in die Tiefe setzten, waren zum Teil sehr unregelmäßig ausgebildet. Eine Exploration unterhalb des Imhof-Unterbaustollenniveaus wurde bis heute nicht durchgeführt.

Quelle: "Das Buch vom Tauerngold" von Paar/Günther/Gruber
Verlag Anton Pustet - 2006

Erzaufbereitung und Werksanlagen

Die Werks- und Erzaufbereitungsanlagen im heutigen Alt-Böckstein und insbesondere im Nassfeld wurden im Zuge der Anlage des Imhof- und Pochkar-Unterbaustollens weiter ausgebaut, was auch modernste technische Einrichtungen vorsah, da dieses Vorhaben mit hohem Energieverbrauch verbunden war. Dazu wurden zwei kleine Wasserkraftanlagen, 1908 am Siglitzbach im hintersten Siglitztal beim Wasserfall und 1912/13 im Gebiet zwischen dem oberen und unteren Bockhartsee errichtet. Gleichzeitig bestand auch das Kraftwerk im Nassfeld. Eine Hochspannungsleitung wurde vom Hieronymusstollen weiter zum Siglitz-Unterbau- und Imhof-Unterbaustollen und letztlich zur Erzaufbereitungsanlage im Nassfeld geführt. Um genügend Betriebswasser in die Kraftzentrale Nassfeld zu bekommen, wurde das Fassungsvermögen des unteren Bockhartsee vergrößert, indem man die Staumauer auf eine maximale Höhe von 5,5 m brachte und so den Wasserspiegel des Bockhartsees auf 3,13 m erhöhen konnte. Die oberhalb gelegene Wasserkraftanlage wurde vom oberen Bockhartsee gespeist, wie im Kapitel - Pochkar-Unterbaustollen - beschrieben.

» Erzaufbereitungsanlage Nassfeld «
Im Jahr 1916 wurde probeweise im Nassfeld eine Erzaufbereitungsanlage errichtet, um die im Imhof-Unterbaustollen gewonnenen Erze zu verarbeiten. Dabei waren zahlreiche Arbeiter und Angestellte beschäftigt; im Jahr 1921 waren es 197 Mitarbeiter. Geldentwertung und Inflation in den Jahren 1922/23 führten aber zu beträchtlichen finanziellen Einbußen. Zwischen 1924 und 1926 wurde die Belegschaft auf 98 Angestellte und Arbeiter reduziert. Der durchschnittliche Goldertrag lag pro Jahr bei etwa 24 kg, sowie 121 kg Silber, 70 Tonnen Arsen, 112 Tonnen Schwefel und etwas Blei. - Quelle: Buch vom Tauerngold, 2006 S. 415
Die Erzaufbereitungsanlage im Nassfeld war im Jahr 1915/16 als kleine, nass arbeitende Anlage mit einer Durchsatzkapazität von 25 bis 30 Tonnen erzhältigem Hauwerk pro Tag nicht wirklich rentabel. Das Erzaufbereitungsgebäude zeigte einen auf Betonfundamenten aufgebauten Holzwerksbau im hangartigen Gelände unterhalb des Imhof-Unterbaustollens, wo das erzhaltige Hauwerk mittels eiserner Grubenhunte und einer Benzinlokomotive direkt vom Imhof-Stollen eingebracht werden konnte. Das taube Hauwerk wurde den Hang hinuntergekippt. Die Einrichtung bestand aus einer Steinbrecheranlage, einem fünfstempeligen Pochwerk, einem Amalgamationstisch und zunächst aus drei bzw. in weiterer Folge aus sechs Schüttelherden. Im Anschluss an die Anlagen waren mehrere Klärteiche im Ausmaß von je 19,6 Meter Länge und 10 Meter Breite aus Stampfbeton zum Absatz der feinen Erzschliche situiert, die über eine Spülrohrleitung abgeführt wurden. Während des Probebetriebes vom Juni 1917 bis 30. April 1927 werden bei einem täglichen Durchsatz von 25 bis 30 Tonnen erzhaltigen Hauwerkes 237 kg Gold, 1148 kg Silber, 246 Tonnen Arsen, 1199 Tonnen Schwefel und wenig Blei gewonnen. - Quelle: Tauerngold, 2006, S. 422
Neben der Erzaufbereitungsanlagen gab es weiter Gebäudekomplexe, wie ein Kanzleigebäude, eine Schlosserei samt Schmiede und Wagnerei, eine Kantine, ein Arbeiterberghaus samt Küche, eine Waschküche und mehrere Baracken und ein Wasserkraftwerk.

» Grund- und Gebäudebesitz der Zweiten Gewerkschaft Radhausberg «
Mit der Gründung der Zweiten Gewerkschaft Radhausberg 1911 wurden auch die in Böckstein befindlichen Anlagen wie ein Elektrizitätswerk, eine Säge, ein Wohngebäude, mehrere Kanzleien, ein Laboratorium, einige Magazine, Stallungen und Schuppen übernommen, neben den Besitzung am Radhausberg und im Nassfeld. In weiterer Folge kam in Böckstein ein Kanzleigebäude, zwei Wohnhäuser, ein Magazin, ein Sägewerk, ein Elektrizitätswerk und sonstige Betriebsgebäude hinzu.
Nach der Betriebseinstellung 1944 blieben die gesamten Wohn- und Betriebseinrichtungen im Besitz der Gewerkschaft Radhausberg. So berichtet uns Fritz Gruber in seiner Broschüre "Die letzte Betriebsperiode des Gasteiner- und Rauriser Goldbergbaues 1938-1945" (Text unverändert): "Die Direktion und Verwaltung des Bergbaues befand sich seit jeher in Böckstein. Hier stand das Verwaltungsgebäude, das Hauptmagazin, ein Erzschuppen für die zum Versand kommenden Konzentrate der Aufbereitung, die Stallungen, ein Säge- und Elektrizitätswerk und zahlreiche Wohnhäuser für Werksangehörige. Ein Teil der Gebäude stammte aus alter Zeit und war schon höchst überholungsbedürftig. Andere, aus der Betriebszeit Imhofs stammend, standen noch unfertig im Rohbau. Fertigstellung der Letzteren und Umbau und Modernisierung der Ersteren mußten 1958 ebenso vordringlich in Angriff genommen werden, wie Vergrößerung und Ausgestaltung der Magazine und Werkstätten. Teilweise wurde dabei auch der Verwendungszweck des Hauses geändert. So wurde z. B. der Werksgasthof zu einem Wohnhaus, das alte Erzmagazin zu einem Gasthof umgebaut und ein neuer Erzschuppen dafür errichtet. Neu erbaut wurde eine Krankenbaracke und in vielen Häusern wurden Bäder und Zentralheizungen eingebaut. An der Errichtung von Siedlungshäusern war der Bergbau beteiligt. Das Sage- und Kraftwerk wurde nach einem Brand vergrößert wieder aufgebaut und ein leistungsfähigeres Vollgatter angeschafft. Der Fuhrpark an Pferden, Wagen und Schlitten wurde wesentlich vergrößert und 2 LKW und 2 Personen-Kraftwagen in Dienst gestellt."

Erzaufbereitungsanlage Nassfeld, Gasteinertal Abraumhalde Nassfeld, Gasteinertal Erzaufbereitungsanlage Nassfeld, Gasteinertal Werksanlage Böckstein, Gasteinertal Werksanlage Böckstein, Gasteinertal Mundloch Paselstollen, Gasteinertal
- Böckstein : Nassfeld -
Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Alt-Böckstein - Siedlungsgeschichte
  - Lender Handel - Bergbau
Siehe auch die Seiten:
  - Montanzentrum Angertal -
  - Projekt Karl Imhof - Unterbaustollen

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Tauerngold" von Werner H. Paar, Wilhelm Günther und Fritz Gruber - Verlag Anton Pustet, 2006 - entnommen. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben.

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© 2008 by Anton Ernst Lafenthaler
Rev.: 2018
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