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D - Gasteinertal/Dokumentation: Kunstgeschichte - Adolph von Menzel in Hofgastein
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Kunstgeschichte

Adolph von Menzel

Für Hofgastein erhielt der Aufenthalt eines berühmten Malers, nämlich Adolph Friedrich Erdmann von Menzel (1815 - 1905), besondere Bedeutung. Er kam 1872 bis 1874 und 1879 nach Hofgastein, wo er im Hause des ihm befreundeten Bankiers Magnus Herrmann und dessen Schwiegersohns, des Malers Albert Hertel aus Berlin mit der Familie seiner Schwester, wohnte. In dieser Zeit schuf Menzel vor allem Studien des Ortes und seiner Umgebung.
Während seines späteren Aufenthaltes in Hofgastein 1879 wählte Menzel ein anderes Thema. Nach seinen Beobachtungen der ländlichen Bevölkerung und ihrer Lebensgewohnheiten rückte er das - Thema der Arbeit - in den Vordergrund. In der - Schmiede zu Gastein - zeigt das Innere einer Dorfschmiede, gemalt in Deckfarben im Jahre 1879 in Hofgastein - beschäftigte er sich mit dem traditionellen ländlichen Handwerksbetrieb und beeindruckt besonders durch die meisterhafte Beherrschung des Helldunkels. Auf einem zwei Jahre später vollendetem Ölbild sieht man denselben Schmied, der auf jenem Bild bei einem Wasserhammer steht, umgeben von Kunden und Gehilfen an einem Schleifstein - Schleiferei in der Schmiede zu Hofgastein.
Im Jahre 1936/37 wurde Menzel zu Ehren durch Ing. Wiener am Haus Nr. 63, dem ehemaligen Gärtnerhaus, eine Gedenktafel angebracht.

In der Festschrift, herausgegeben von der Marktgemeinde Hofgastein anlässlich der Hundertjahrfeier 1928, schildert Agathe Hermann, die Tochter des Bankiers Magnus Herrmann, den Aufenthalt Menzels in Hofgastein und seine Tätigkeit hier.

» Agathe Hermann berichtet in einer Festschrift . . . «
"Damals, es war im Jahre 1872, ließ sich Hofgastein nicht träumen, daß es bestimmt sei, einst zu den segensreichsten und besuchtesten Badeorten zu gehören. Es war ein lieber, schlafender Marktflecken, beseligend durch den Duft der Romantik, der märchenhaften Schönheit der gigantischen und doch so lieblichen Natur. Wir fuhren in zwei behäbigen Postwagen, Eltern, Kinder, Hauslehrer und Gouvernante, von Salzurg nach Gastein. In Golling oder Werfen wurde übernachtet. Der Wagenschlag wurde heruntergelassen und die Laterne des verschlafenen Hausknechtes leuchtete aus dem Dunkel der gewölbten Torbogen und begleitete uns hinauf in den Gasthof. Wie selig empfand mein Backfischherz alles Romantische! Am nächsten Morgen ging es durch die malerische Klamm, die brausende Ache tief unten zwischen den ausgewaschenen Felsen. Diesen Weg war schon Humbold und Franz Schubert gefahren und alle Potentaten, denn es gab nur diesen Weg über Lend nach Gastein, der übrigens an manchen Stellen steil und ungemütlich schmal war.
In den Jahren 1872 bis 1874 war Menzel mit seiner Schwester und seinem Schwager, Musikdirektor Krigar und deren Kinder, einem Sohn und einer Tochter bei meinen Eltern in der Villa Carolina, die mein Vater kurz vorher von dem Gatten der Prinzessin Caroline von Hohenzollern, einem Oberstleutnant von Steger-Waldorf, gekauft hatte. Duftende Rosen rankten sich zwischen wildem Wein bis hinauf zum Dach, wo noch heute die beiden Wappen der geschützten - Rosette der Villa - prangen. Menzel bewohnte mit den Seinen das sogenannte Gärtnerhaus, in dem mein Vater ein großes Atelier bauen hatte lassen, aus dessen Fenster Menzel den bekannten 'Blick auf Hofgastein' malte. Mehrere Sommer hindurch war Menzel mit seiner Familie unser lieber Gast in Gastein. In dem kleinen Nest ist wohl kein Winkel, keine alte braune Holzhütte, kein Brunnen, kein malerischer Zaun, kein eigensinnig knorriger Baum, den der stets spähende, unermüdlich leidenschaftlich Schaffende, nicht studiert und gezeichnet hätte. Wenn er zurückkehrte, hatte er stets die Welt erlebt, war angeregt und frisch, in allem voller Liebenswürdigkeit teilnehmend. Er ging bei Wind und Wetter aus; bei einem gar zu tollen Regenguß kam er einst in das Musikzimmer, wo meine beiden kleinen Schwestern vierhändig die Serenade von Haydn spielten. Kinder, ich will den schönen alten Kronleuchter zeichnen, rief er ihnen zu, spielt mir dabei etwas vor. So wahrte er ihre Unbefangenheit und machte die charakteristische malerische Porträtzeichnung von ihnen, mit der er später meine Eltern beglückte. In Hofgastein entstanden die eingehenden figürlichen und architektonischen Studien für die 'Prozession in Hofgastein'. Er war oft in der alten Schmiede, studierte die Arbeiter, zeichnete Werkzeuge und Lichteffekte. Eine herrliche Zeichnung des Weitmoserschlößchens, das alte Tonnengewölbe des Militärspitals, unsere Villa aus der Vogelperspektive, der interessante Kopf eines Bettelmönchs entstanden damals neben vielen anderen Zeichnungen. Unser lieber Freund, Oberstleutnant Betz von Bardenhain, der damalige Kommandant des Militärkurhauses, wurde auch von Menzel porträtiert. Auch zwei Porträts von Agathe Hermann entstanden in dieser Zeit, die zu den schönsten Werken des Meisters zählen . . .
Ein kurzes intensives Gewitter, das wir erst vom Balkon aus genossen, zwang uns, auf den Besuch des schönen Weitmoserschlößchens diesmal zu verzichten und vereinigte uns dann alle im Musikzimmer. Herr Musikdirektor Krigar spielte Klavier, mein Bruder Paul Cello, mein Vater die Geige. Wir waren alle in rechter Mozartstimmung und so klang die schöne Geige unseres Vaters mit besonderer Wärme, und Menzel, trotz des Vollgenusses an der Musik, zückte seinen Zimmermannsblei und zeichnete die Spieler . . .
Menzel hatte den Hofgasteiner Wasserfall und als Gegenstück dazu für den Geburtstag unserer geliebten Mutter, Frau Hedinger, der ausgezeichneten Malerin, der geist- und charaktervollen und so liebenswürdigen Frau, das große herrliche Stilleben mit dem Korb voll gemähter Wiesenblumen gemalt, das noch heute in seiner reizenden Frische und Naturwahrheit den schönen Raum unseres Treppenhauses schmückt. 1872 ging noch alles im gemütlichen Tempo. Alle hatten Zeit, die Bauern mit ihren Frauen und Kindern an der Hand, die in ihrer alten Kostümen von ihren hoch oben gelegenen Gehöften herunterkamen zur Kirche, sie waren anziehende, charaktervolle Motive, würdig in der Erscheinung und der Treue der Trachten, die ihnen seit Jahrhunderten überkommen waren von den Vorfahren. Aber dann erreichte die Zivilisation auch Hofgastein. Plötzlich plätscherten die alten Baumrindenbrünnlein andere Melodien aus der neuen Wasserleitung, die alten Laternen machten hellem elektrischem Licht Platz, in jedem Kuhstall selbst, und die wackelnde alte Post wich der einst von den meisten gefürchteten Eisenbahn . . ."

Rosette Villa Carolina » Das Gärtnerhaus und die Villa Carolina «
Das Gärtnerhaus, ehemals Haus Pleschberger, heute - Appartements - befand sich neben der Villa Carolina bzw. der Villa Hermann, dem frühen ehemaligen Tischlerhaus Nr.64. Das Tischlerhaus erwarb H. Oberstltn. J. Stäger v. Waldburg und seine Frau Caroline, Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen am 9. 11. 1856 vom Tischlermeister Jos. Lackner. Es wurde anschließend demoliert und in der Folge der Spatenstich zu der an dieser Stelle errichteten Villa Hermann - "Villa Carolina" - am 26. 8. 1856 gesetzt. Davor, also der Straße zugekehrt befand sich zu dieser Zeit wohl ein Ziergarten; am Platz des ehemaligen Haus Nr. 62, dem Unterstainerhaus. Am 6. 7. 1875 kauft H. Magnus, Bankier, Berlin 1875 das Haus - ehemals: Villa Hermann, heute: Hotel Regina - Haus Nr. 144.

» In Hofgastein entstandene Werke von Adolph von Menzel «
In Hofgastein entstanden die Ölbilder - Küche in Hofgastein - gemalt 1873 und - Fronleichnamsprozession - 1880, sowie die Deckfarbenbilder - Bauernhof in Hofgastein - 1874 und Schmiede zu Gastein - 1879. Das Bild - Blick auf Hofgastein von der Villa Herrmann - ist auch im Buch von S. Hinterseer "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" abgebildet.

Fronleichnamsprozession, Adolph von Menzel Küche in Hofgastein Bauernhof in Hofgastein
- Bild-Galerie -

Die beiden Gouachen - Bauernhof in Hofgastein (1874) und Schmiede zu Gastein (1879) - galten nach Ende des 2. Weltkrieges als vermisst, konnten aber im September 2004 aufgrund eines Hinweises des Auktionshauses Christie's, bei dem sie versteigert werden sollten, identifiziert und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zurückgegeben werden (Pressemeldung vom 10. Juli 2006).

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Dr. Gustav Pröll - Arzt im Wildbad
  - Bader in Gastein - Wundärzte
Siehe auch die Seiten:
  - Ladislaus Pyrker - Filialbadeanstalt
  - Kurgäste Gasteins - 19./20. Jh.
  - Ärzte im Wildbad -

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" - von Sebastian Hinterseer, 1977 - entnommen.
Die Textauszüge wurden hier überwiegend unverändert wiedergegeben.

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© 22.2.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
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