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Christoff Weitmoser

Neue Forschungen mit quellenmäßig belegten Details sollen nachfolgend einen Überblick über den Stand der Weitmoser-Forschung geben, bezugnehmend auf die Ausführungen von Fritz Gruber, im Buch "Christoff Weitmoser und seine Zeit" von Heinz Dopsch, Salzburg 2009.

Weitmoserwappen "Weitmoser" ist ein typischer Herkunftsname: "der Mann, der von Weitmoos sein Herkommen hat". Was den von "Weitmoos" hergeleiteten Personennamen "Weitmoser" betrifft, so weist, ganz allgemein, dessen allererstes Auftauchen auf Gastein, und zwar auf den damaligen Bauernweiler Gadaunern, südlich von Bad Hofgastein, und auf das Jahr 1480, denn damals saß ein Erasmus Weitmoser auf dem - Neureitgut - Für die Gasteiner Urheimat spricht weiter, dass in den ersten zwei Dezennien des 16. Jahrhunderts außer Hans und Erasmus Weitmoser noch ein Lienhard, ein Veit und ein Laurenz überliefert sind. Im Übrigen werden in Gadaunern bäuerliche Weitmoser noch um das Jahr 1600 genannt, so dass es nicht ganz abwegig erscheint, dort Wurzeln und Frühgeschichte der Familie zu vermuten. Diese und alle weiteren Ausführungen entstammen dem bereits genannten Buch: "Christoff Weitmoser und seine Zeit" von Heinz Dopsch.

Wurzeln und Frühgeschichte der Familie Weitmoser

Ein Veit Weitmoser, dem Christoff Weitmoser testamentarisch eine Summe Geld zukommen ließ, lebte um die Mitte des 16. Jahrhunderts als Bauer in Unterberg. Seine Person ist urkundlich bestens dokumentiert, erwarb er unter anderem doch ein Gut, das durch die Flucht einer bäuerlichen Wiedertäuferfamilie frei geworden war. Aus der Zeit zwischen 1550 und 1620 gibt es eine ganze Reihe von definitiven Beweisen, dass die bäuerliche Verwandtschaft im Tal eine Rolle spielte, darunter zwei Vertreter mit dem Namen "Christoff".
Als erster bergmännischer Weitmoser lässt sich, um 1497, der kostknecht weyttenmoser nachweisen. Er lebte im Haushalt des Bauern Peter Leutold zu Wieden. Es ist gut möglich, dass dieser "Kostknecht Weitenmoser" niemand anderer war als der junge Erasmus Weitmoser, also Erasmus der Zweite, wenn man den Gadaunerer Bauern von 1480 als Erasmus den Ersten sehen will (Quelle: Fritz Gruber, 2009).
Heinrich von Zimburg, 1948 schreibt dazu: In der Liste des "gemeinen Pfennigs", einem Abgabenverzeichnis aus dem Jahre 1497 scheint der Name Weitmoser erstmalig im Gasteinertale auf und zwar heißt es dort bei den Ortschaften Stain und Wydn: "Peter Lewtholt u. s. Hausfrau, Peter sein Knecht, sein Kostknecht Weyttnmoser."

» Verwandtschaftsverhältnisse der Familie Weitmoser «
Der alte Eramus Weitmoser zu Gadaunern hatte unter seinen Söhnen einen Erasmus junior und einen Hans. Bewiesen ist das nicht, aber doch sehr wahrscheinlich. Gesichertes lässt sich dann über die weitere Entwicklung sagen, dass Erasmus der Zweite und Hans miteinander verwandt waren. Dies ist weitgehend gesichert, da zum Beispiel Christoff, also der Sohn des Hans und Neffe des Erasmus, als Besitznachfolger des Erasmus bei einem Stollen im Siglitzer Revier nachweisbar ist. Es gibt aber noch weitere Hinweise. Christoff Weitmoser I. war mit letzter Sicherheit der Sohn des Hans Weitmoser. Das ergibt sich aus einer ganzen Reihe von eindeutigen schriftlichen Nachweisen. So heißt es zum Beispiel bei einer offenen Schuld des verstorbenen Hans in einer Randnotiz von 1526: "beim Christoff zu versuechen".
Übrigens steht in der "Gasteinerischen Chronika" aus dem Jahr 1540: "dass Hans zu dieser Zeit von hinnen wich". Er flüchtete aber kaum nach Tirol, wie manchmal vermutet, sondern hatte wahrscheinlich sein Totenbett in der Pfarre Hofgastein. Zitat dazu aus der Gasteiner Chronika, 1540 (Originaltext aus Zimburg): Der Weitmoser hat das Bergwerch allhie in Gastein von Hansen Mäthnberger zu Salzburg erkauft, im Jahr 1512, darbei er ein Weil Glück und Segen gehabt bis auf das lester Kriegjahr, als er von wegen des Kriegs von hinnen wich, daselbst als er etwo bei 10 Tausent Gulden schuldig war, und seinen Sohn Christophen hinter ihm liesse, welcher als junger sich um das Bergwerch annehmen miesst.

» Hans hieß nicht mit zweitem Namen "Erasmus" «
Dass Hans mit zweitem Namen, quasi mit Vulgo-Namen, "Erasmus" hieß, ist in der Literatur weit verbreitet aber anscheinend unausrottbare Fehlmeinung. Beide, Hans und Erasmus, sind selbstverständlich zwei eigenständige Personen und als solche bestens dokumentiert. Beide finden in einem Freiungsbuch von 1521 als Hans und Erasmus auf derselben Seite Erwähnung und im Gastein-Rauriser Fronverzeichnis von 1525 sind ebenfalls beide gleichzeitig genannt. Erasmus Weitmoser als der mit hoher Wahrscheinlichkeit Bruder von Hans, war Spätestens im Jahre 1521 in den Rang eines besitzenden Gewerken aufgestiegen.

» Weitmoser als Anführer der Salzburger Aufständischen «
Seine führende Rolle im Bauernkrieg ist für das Jahr 1525 bestens durch die Quellenedition der Briefe aus dem Lager der Aufständischen dokumentiert. Auf der Vorarbeit des alten Wilhelm Zimmermann fußend, erwähnt Friedrich Engels in seiner "Geschichte des deutschen Bauernkriegs" ausdrücklich auch "den Weitmoser als Anführer der Salzburger Aufständischen". Friedrich Engels und Karl Marx würden sich wohl sehr gewundert haben, wenn sie das Schicksal des "frühkapitalistischen", da immens reichen Christoff Weitmoser als Neffen ihres glorifizierten Bauernführers gekannt hätten. Etliche Fragen bleiben aber offen, etwa jene, weshalb Erasmus offensichtlich nicht Abbitte leistete, Hans hingegen sich entschuldigte und vom Landesherrn Matthäus Lang ebenso wieder aufgenommen wurde wie unter anderen etwa auch Martin Zott als einer der Anführer des Aufstands, in dieser Funktion mit Erasmus Weitmoser gleichrangig.

» Hans Weitmoser als beauftragter Kommissär im Namen des Erzbischofs «
Hans Weitmoser ist ab 1518 als Besitzer verschiedener Grundstücke nachweisbar, wie z.B. das Eliasgütl und das Maurachlehen zu Hundsdorf, wo Christoff Weitmoser als Besitznachfolger genannt wird. Im Jahr 1518 agierte er sogar als beauftragter Kommissär im Namen des Erzbischofs, und zwar in einer bergmännischen Streitsache.

» Hans Weitmoser ließ seinem gleichnamigen Sohn Hans ein Wappen meißeln «
Im Jahre 1521 ließ Hans Weitmoser in den Grabstein seines Sohnes Hans ein Wappen meißeln. Es ist ein bürgerliches Wappen, ein nach links steigendes Pferd. Sohn Hans, starb im Alter von 11 Jahren im salzburgischen Gmünd in Oberkärnten, wo er auch begraben liegt. Wahrscheinlich besuchte er dort die Lateinschule.

» Das holde Glück am Radhausberg «
Die beiden ersten bergmännischen Weitmoser, nämlich Hans und Erasmus (II.), brachten es in ihrer Lehenschaft mit Unternehmergeschick und mit einer Portion Glück zu Geld und konnten sich Grubenanteile kaufen. Hans scheint mit dem Vortrieb seiner Stollen auf dem Radhausberg besonders großes Glück gehabt zu haben. Dieses den Weitmosern anscheinend besonders holde Glück übertrug sich in der Folge auch auf Christoff Weitmoser, auch wenn er nach dem Tod seines Vaters, nachdem er den Bergbau übernommen hatte, im Jahre 1526 und somit im 21. Lebensjahr, zunächst wirtschaftliche Probleme gehabt zu haben schien. In der Historia Salisburgensis von 1692 berichten die Brüder Mezger davon, dass der Landesherr dem jungen Christoff damals mit einem Kredit von 100 "Imperialen" half.

» Die Sage vom Brautschleier und der Bettlerin «
Fritz Gruber schreibt: "Es fehlen übrigens jegliche noch so kleinen Indizien, dass Christoff Weitmoser zu dieser Zeit überhaupt schon verheiratet war. Die behauptete erste Ehe mit einer Elisabeth von Moosham entzieht sich beharrlich allen Aufklärungsversuchen. Wahrscheinlich gab es damals einfach keine Ehe mit einer Mooshamerischen und es liegt eine Verwechslung mit jener Elisabeth von Moosham vor, die am 26. August 1576 Christoff Weitmoser, den Zweiten (!), heiratete." - Es bleiben lediglich die Wandersagen mit dem Versetzen des Brautschleiers - Not und Aufstieg - oder jene vom - Fluch der Bettlerin - mit dem Ring.

Aufstieg und Niedergang der Familie Weitmoser

» Christoff Weitmoser übernimmt den Bergbau «
Heinrich von Zimburg, 1948 schreibt dazu: Christoph (I.) Weitmoser (geb. 1506, gest. 2. Mai 1558 Hofgastein war 1522 an der Universität Freiburg in Breisgau immatrikuliert. Er übernahm in jungen Jahren den verschuldeten Bergbau seines Vaters (Sebastian Hinterseer berichtet von rund 10.000 Gulden Schulden). Um weiterbauen zu können, gewährte ihm der Erzbischof unter günstigen Bedingungen einen größeren Kredit. Als nun Christoph um 1530 den Stollen "zu unserer Frau" am Radhausberg anschlug, stieß er bald auf reiches Erz, sodass er nicht nur in wenigen Jahren seine Schulden begleichen, sondern jährlich einen erheblichen Reingewinn erzielen konnte.

» Christoff Weitmoser stieß im Jahr 1530 auf extrem goldreiches Erz «
Die Gasteinerische Chronika, 1540 berichtet: "Der Weitmoser hat das Bergwerch allhie in Gastein von Hansen Mäthnberger zu Salzburg erkauft, im Jahr 1512, darbei er ein Weil Glück und Segen gehabt ..." - und weiter: Also bis auf das 30. Jahr viel Not litte, danach aber, als er die Gruben unser Frau am Rathaus belegt, ist ime daselbst bald Ärzt zuegestanden. Also dass mit Hilf des Landsfürsten von wegen seiner Schuld auf ein Zeit ein Vertrag gemacht, dass von jedem Stuck Silber, so Weitmoser machen würde, hundert fl. zur Bezahlung der Schulden und Glaubiger soll aufgehebt werden. Also hat Weitmoser alle Raidtung von Tausent bis 2, 3, 4 Tausent Kibl abgetailt, und ein Kibl Ärzt in der Gruben über 30 Kr. nit cost, welches wohl bis auf 3, 4 oder 5 fl. wert gewest. Als hat er in 2 Jahren alle Schulden bezalt und seither andere Örter paut, und hat nun ein Zeit her bis auf jetzt etwo 5 Jahren alle Monat ein Stuck Silber bei 200 March und darüber gemacht, hat an gehauten Ärzt, Kolln, Blei, Traidt und Wein in allem einen großen Vorrat gehabt. Es habens ihm gute Leute nachgerait, dass er ein Jahr mehr den 13 Centen Silber und Gold gemacht und erobert, die bis in die 70 Tausent wohl wert gewesen, so ime nit über 25 Tausent Gulden hierauf erloffen und aufgangen, dass er nun also vom 34. bis auf das 40. Jahr, dass er alle Jahr bei 40 Tausent Gulden Überschuss gehabt, das man ihm seine guete Bergwerk und andere Vorrät, dann Häuser, Gründ und Lechen, auch Barschaft und Kleinodien, in allem zusammen auf 3 mal hunderttausend Gulden reich war; wie lang es aber bleibt und bestehet, das waiss Gott. - Quelle: Gasteinerische Chronika, 1540 - Herausgeber Heinrich von Zimburg
Christoff Weitmoser musste so sicher auch zahlreiche Streitigkeiten mit anderen Gewerken durchstehen. Seine schärfsten Gegner waren die Gewerken Strasser, die auch den Bau des Neuweges, geplant von Weitmoser zu verhindern versuchten.

» Reichtum und Geldgeschäfte des Christoff Weitmoser «
Christoff Weitmoser konnte pro Jahr in der Zeit von 1554 bis 1560 jährlich rund 300 kg Gold und etwa 1200 kg Silber gewinnen. Diese beiden Edelmetalle würden als durchschnittliche Jahresmengen heute nach den jüngsten Edelmetallpreisen einen Wert von annähernd 5,1 Million Euro ergeben. Als Reinertrag, also nach Auszahlung der Lehenschafter und der Herrenarbeiter, scheint eine Summe von mindestens 2,5 Millionen Euro als ein realistisches Minimum,
Hinzu kamen Christoff Weitmosers Besitzungen und sonstigen Geldgeschäfte, wie die zahlreich gewährten Darlehen. Zu seinen Großschuldner zählten unter anderem Erzherzog Ferdinand von Tirol, der Bruder Kaiser Karls V., sowie Herzog Ernst von Bayern. Alle Kredite lagen durchwegs so um die 10.000 bis 20.000 Gulden.
Zur Versorgung der Bergleute mit Lebensmitteln hatte Christoff Weitmoser ein ganzes Lieferanten-Netz aufgezogen mit Bevorschussungen für Getreide- und Viehlieferungen. Konnten die Bevorschussungen und Kredite nicht mehr zurückgezahlt werde, so endete dies mit der Überschreibung von Grund und Gut an die Weitmoser. Dasselbe taten auch die anderen Gewerken.

» Christoff Weitmoser in den Adel gehoben «
Christoff Weitmoser war unbestritten der größte und reichste Gewerke. Die Familie Zott und Strasser, ebenfalls reiche Gewerken waren aber zudem noch Adelige. Die Strasser gehörten zum Salzburger Altadel, die Familie Zott stand im Dienste des Habsburger Herrscherhauses. Im Jahre 1552 bekam Weitmoser den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen, konnte aber nicht die Aufnahme in den Salzburger Landtafel finden, auch wenn er bereits durch den Erwerb der Hofmark Winkl ein bayerischer Adeliger war.
Im Jahre 1555 schrieb er ein formelles Ansuchen an den Salzburger Landesherrn, worin er seinen Wunsch äußerte, Erzbischof Michael - "wellen mir zu sonndern gnaden mich und mein Namen und Stammen für einen Landtmann in E.F. G. Landtschafft, des Standts der Ritterschafft und Adels ... genedigist annemen ... und mit sondern Gnaden bewilligen." - Den Bemühungen blieb der ersehnte Erfolg nicht versagt. Es wurde zu seinem Ansuchen vermerkt: "Christoff Weitmoser ist an Eritag nach der Heyligen dreyer Khünigen tag 1555 Jar in die Saltzburgische Lanndtafel zum Stanndt der Ritterschaft und Adl angenommen und daselbsthin einzuschreiben bevolhen worden.".

» Christoff Weitmoser starb am 2. Mai 1558 «
Christoff Weitmoser heiratete um 1531 Elisabeth Vötzl, deren Verwandtschaft in Tirol und Berchtesgaden lebte. Von den zwölf gemeinsamen Kindern erreichten nur sieben das Erwachsenenalter. Christoff Weitmoser starb am 2. Mai 1558. Seine drei Söhne erbten den Montanbesitz, seine vier Töchter fanden durch das in sehr zahlreichen zeitgenössischen Abschriften erhaltene Testament mit Geld reichliche Bedienung, insgesamt mit 320.000 Gulden.
Geldabflüsse in solchen Dimensionen waren natürlich ein schwerer Schlag . . .

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Lender Gesellschaften - Lend/Gastein
  - Gewerken Gasteins - Besitzungen
  - Gewerkschaft Radhausberg - Neubeginn 1866
  - Oberbergrat Imhof - Gewerkschaft Radhausberg
Siehe auch die Seiten:
- Geschichte - Peilsteiner - und Herren von Goldegg
- Menschenwerke - Goldbergbau - in Gastein

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Anmerkung: Die Informationen wurden überwiegend dem Buch - "Christoff Weitmoser und seine Zeit" von Heinz Dopsch, Salzburg, 2009 - ebenso an wenigen Stellen dem Buch: "Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales" von Heinrich von Zimburg, 1948 - entnommen. Die Textauszüge wurden teilweise unverändert wiedergegeben.

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© 12.12.2012 by Anton Ernst Lafenthaler
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