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Dokumentation . Gasteinertal

Kirchenbeschlüsse

Einfluss der Kirche auf das öffentliche Leben

Im gesamten Raume von Bayern, Salzburg und damit Gastein, wurde der christliche Glaube vom Frankenreiche aus verbreitet. Nach Gastein wurde der christliche Glaube von der Maximilianszelle (heute Bischofshofen) aus ins Gasteinertal getragen, worüber uns die Gasteiner Chronik aus dem 16. und 17. Jh. (Dr. Aug. Härdtl) folgendes mitteilt: "Anno 678 nach der gnadenreichen Geburt Jesu Christi alß St. Rueprecht der 1. Bischoue zu Salzburg gewesen, ist daz ganze gepürg zu dem christlichen Glauben bekhert vnnd erstlich dises Thall Gastein gefondten worden, welches vormahls mit Holz verwaxen vnnd auff dem Poden vnnd beeden Seiten der Perg ain großer Wald gewesen ..." -
Im Jahr 790 scheint Karl der Große, der die Grenzgaue besonders gegen die Avareneinfälle zusammenfassen wollte, das Besitztum der Salzburger Kirche bestätigt zu haben, wie S. Hinterseer in seinem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" (S. 171) schreibt und weiter heißt es: Bis 1100 waren die Landkirchen fast überall noch Eigentum ihrer geistlichen oder weltlichen Gründer. 1219 überwies Erzbischof Eberhard II. seinen geliebten Brüdern, den Kanonikern der Salzburger Erzkirche das - Gozhaws zu Gastune - zum ewigen Besitze. Erst 1228 aber kommt Gastein nach einem längeren Streite mit den Bayernherzögen wirklich an den Salzburger Erzbischof. In dieser Zeit wurden weitere Beschlüsse gefasst, betreffend das kirchliche Leben wie z. B. die Pflicht jährlich zu beichten (Laterankonzil 1208). In weiterer Folge wurde die Fronleichnamsprozession, die jährlichen Bitt- und Kreuzgänge, sowie das Ave-Läuten eingeführt und im Jahr 1417 das freitäglichen Schiedungsläuten. "Am 13. November 1333 befreyt EB Friedrich die Kirche zu UL Frauen in Castuna, welche n. einer alten Gewohnheit dem Provinzialrichter auf ewig."
Mit der Zunahme des kirchlicher Besitztümer durch Nachlass und Stiftungen kam es zu einem gewaltigen Machtzuwachs der Kirche und damit auch zu immer mehr Abgaben, um die prunkvolle Hofhaltung der Erzbischöfe, ihre Abgaben nach Rom und vieles mehr zu finanzieren, was letztlich 1492 erstmals zur offenen Rebellion der Pinzgauer und Pongauer Bauernschaft im Gebirge führte - mit der Besetzung des Pass Lueg. Als Ergebnis konnte lediglich die Weihsteuer erfolgreich verhandelt werden. Die hohen Abgaben für seelsorgerische Tätigkeit und die Tafernen in Pfarrhöfen, wo Hochzeiten Tauf- und Totenschmaus abgehalten werden mussten blieben.
Viele Geistliche frönten weiter irdischen Genüssen und hielten sich keineswegs an die Lehre Christi, verlangten aber von den Untergebenen eine gegenteilige Haltung und forderten von ihnen, ihren religiösen Pflichten nachzukommen. Über deren Lebensführung gibt folgender Bericht vom Landrichter (1613) Auskunft: "Hr. Pfarrer Stefan Spekher hat seine Köchin sambt den damit erzeigten Söhnl und Töchterl noch bey sich, gleichfahl ist sein Gselpriester Hr. Hans N. sambt seiner Dienerin und mit drei Kindern von Mittersill anher kummen." Die Missstände im niederen Klerus, der für jede seelsorgerische Tätigkeit hohe Geldforderungen stellte, führten letztlich zu den Bauernkriegen von 1525 und 1526. Dabei werden mit - 14 Punkten - Forderungen gestellt, wo es einleitend heißt: "Zu vermerkhen die beschwerungen gemainer landtschafft zu Gastein, mit denen sy lange Zeit her von geistlicher und weltlicher herrschafft vberladen."

Erste Beschlüsse nach einer Kirchenversammmlung im Jahre 799

Das damalige kirchliche Leben am Beginn der Christianisierung des Gasteinertales
kann durch die Beschlüsse vom 20. August 799 nach einer
in Reispach in Niederbayern stattgefunden Kirchenversammlung unter Erzbischof Arno
in groben Zügen hier umschrieben werden.

"Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 p. 172
Beschlüsse vom 20. August 799
1. Man soll in der Khürchen nit plappern oder spazieren geen, kainer soll, ehe der Gottesdienst für ist aus der Khürchen gen.
2. Man soll kainen vor 30 Jahren zum Priester weihen.
3. Am Mittwoch und Freitag solln die Geistlichen nit Fleisch essen, noch Wein trinken, ausgenumben die täg von Weihnachten bis auf Hl. drey Königstag und von Ostern bis auf Pfingsten und auch Unserer Lieben Frau Tag, St. Johannes zu den Sunnabenten, die zwelf botten Täg, St. Michael, St. Martin oder wann ainem ain guetter Freund khombt, denen aber in Krieg aufm Land oder den Krankhen wird kain Maß in essen und trinken, stund in seinem willen, doch sollt sich yeder huetten, damit er sich nit vollsauffet oder fräß.
4. Ain yeder soll Klaider tragen, wie der gmain Brauch ist.
5. Bischoff, Aebt oder Geistlichen sollen nit an sich ziehen noch bringen die Guetter der Edelleut.
6. Zehenden sollen gethaillt werden, der erst Thail dem Bischof, der ander den Priestern, der dritt den Armen, von dem viert Thail des Zehends soll man die Khürchen erhalten.
7. Die Bischoue sollen nach allem irem Vermögen ob Wittib und Waysen, blinden, lamen und armen leuten halten. Man soll niemand betteln lassen, ain jeglich Stadt und Gegend soll ire armen Leut aushalten.
8. Zauberer, Senger und Wahrsager solln sich entschuldigen mit ainem glüenden eysen und brennhaissen wasser, so sie das mit bloßen Henden anrüren und darein greiffen, wanns ihnen unschädlich ist, sollen sye entschuldigt seyn (Gottesurteil).
9. Es soll khainer khain Gugel (Mantel mit Kapuze) tragen, er wer dann ain Münich oder es wer kalt.
10. Kain Münich soll khain Pfarr haben, khain Bischoff khain Abtey.
11. Khain Prälat oder Geistlicher soll an sich bringen oder ziehen Guetter, so Lechen vom Reiche (Reichslehen) und auf den Adel geordnet und gewidmet seyn.

Verordnungen der Erzbischöfe im 16. Jh.

Die verschiedensten Verordnungen der Erzbischöfe griffen entscheidend in das Privatleben der Bewohner ein.
Sie wurden mit besonderer Strenge und Härte durchgesetzt, auch wenn es
zwischenzeitlich immer wieder Erleichterungen gab.
Aufgrund der raschen Verbreitung der Lutherischen Lehre kam es dann letztlich
zu besonders drastische Verordnungen und Maßnahmen.

"Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 p. 179-180
Landtagsordnung unter Erzbischof Johann Jacob de Kuen 1582
Punkt 2: Man soll die Kreuzgänge nicht unterlassen, aber in den Kirchen nicht nach Willkür deutsche Lieder singen, sondern nach dem singen, was der Pfarrer singt.
Punkt 8: Alle Untertanen sollen alle ihre Bücher, auch Gemälde, Gesänge und Reime, sie seien gedruckt oder geschrieben zu Handen ihrer Obrigkeit innerhalb 8 Tagen erlegen. Was darunter verführerisch ist, auch die Schandgemälde, Gesänge und Reime, solle die nachgesezte Obrigkeit bei Handen behalten und dem Erzbischof überschicken, und zwar ohne jeden Widerstand.
Punkt 16: An den gebotenen Feiertagen darf während des Gottesdienstes bei Verlust des Gewerbes und Konfiszierung des Getränkes kein Branntwein verabreicht werden.
Emigrationspatent unter Erzbischof Wolff Dietrich von Raittenau 1588
Viele Familien, vor allem aus der Stadt Salzburg, wurden, nachdem ihnen der Lutherische Glaube nachgewiesen wurde zur Auswanderung gezwungen. Die Gasteiner Bergknappen waren zunächst von diesem Emigratonspatent nicht betroffen, weil sie zur Aufrechterhaltung der Bergbaubetriebe gebraucht wurden.
Strenge Verbote kamen dann wieder unter EB Markus Sittikus, welcher zur Belehrung des Volkes Kapuziner-Missionare ins Gebirge entsandte.
Am Anfang des 17. Jahrhunderts kam es dann zunehmend zu Geld-, Leibstrafen und Landesverweisungen, insbesonere unter EB Markus Sittikus und im großem Ausmaße mit dem - Emigrationspatent - 1731

Sittenordnung von 1736

Die Sittenordnung aus dem Jahre 1736, erlassen von Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian und
erneuert im Jahr 1756 von Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach wurde
wegen der zunehmenden Verbreitung der Lutherischen Lehre immer strenger gehandhabt und immer weiter verschärft.
Im Zuge der "neuen" strengen Sittenordnung wurde nun auch das gemeinsame Nacktbaden von Mann und Frau
im Gasteiner Bad verboten, nachdem Fürsterzbischof Paris Graf Lodron 1621 die Badekur absolvierte und
nachfolgend die strikte Trennung beider Geschlechter und eine "ehrbare" Bedeckung im Bad forderte.

"Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins" von Fritz Gruber, 2012 p. 166, 175
Nacktbaden
Zwar erging 1621 erstmals das Verbot, das Männern und Frauen untersagte, gemeinsam nackt zu baden. Nach der Badekur des Fürsterzbischofs Paris Graf Lodron im Jahr 1721 stellte er die Forderung auf, "dass hinfüran, nicht wie vorher beschehen, Mann- und Weibspersonen durcheinander baden können,
zu unterscheiden und die geschwebte Unordnung bei Straf abzuschaffen." - Das Baden ohne "ehrbare" Bedeckung sowie das gemeinsame Baden von Frauen- und Mannspersonen ist mit 25 bis 50 Reichstalern zu bestrafen. Im Jahr 1759 (schreibt Fritz Gruber im o. genannten Buch) konnte Bürgermeister Ignaz Anton Weiser als Gasteiner Badegast in seine Heimatstadt Salzburg melden, dass alle ohne Ausnahme "in gleichgeformtem Kleide" ins Wasser stiegen. Männer mussten weiße Leinenhemden tragen, darüber von weißem Flanell ein bis zur Mitte des Leibes herabreichendes "Bademäntelein, wie die Pilgramen". Sogar eine Kopfbedeckung sollte nach den Vorstellungen des damaligen Badearztes während des Aufenthaltes im Bad obligatorisch sein.
Vorschriften für das morgendliche Verlassen der Betten
Männern durften nicht ohne Hemd und Hose aufstehen, Weibspersonen nicht ohne Hemd und Unterrock. Ganz allgemein mussten die Hosen über die Hüfte hinaufreichen und "vorne ehrbar geschlossen" sein, die Weiberröcke und Kittel mindestens bis zur halben Wade reichen. Bei den Frauen galt für die Hemden, Mieder und Brustflecke die strenge Vorschrift, so breit angefertigt zu sein, dass sie "gehörig übereinander schließen und den Leib ehrbar bedecken". Im "Betretungsfall" mussten "falsche" Kleider sofort zerschnitten werden. Schneider und Näherinnen, die "falsche" Kleider anfertigten, verloren ihre Berechtigung und mussten Strafe zahlen.
Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Grundherren und Leibeigene - bis 1848
  - Taidinge -

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Anmerkung: Der Text wurde dem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 und dem Buch "Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins und seiner Salzburger Umgebung" von Fritz Gruber, Eigenverlag Gastein 2012 - entnommen.

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Gastein im Bild - Dokumentation
Kirchenbeschlüsse - Einfluss der Kirche auf das öffentliche Leben
© 21. 01. 2019 by Anton Ernst Lafenthaler
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