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TAIDINGE

"Gemeinde-Verordnungen"

Taidinge bzw. Weistümer, beschreiben ein geltendes Gewohnheitsrecht, welches im Spätmittelalter durch Festlegung und Verkündung auf der Gemeindeversammlung (Taiding) beschlossen und seit dem 14./15. Jahrhundert auch aufgezeichnet wurden. Seit dem 13. Jh. sind Nachrichten von verschiedensten Salzburger Rechtssatzungen bekannt. Betreffen die Landtaidinge geltende Normen und gesetzlichen Regelungen für das ganze Land, so gab es auch davon unabhängige nur für dafür bestimmte Gemeinden oder Bezirke gesetzlich geregelte Vorschriften. Diese "Weistümer" (mündlich überliefert oder während einer Verhandlung protokolliert) hatten aber selten aktuelle Bedeutung, sondern waren mehr uralte, erstarrte Gepflogenheiten, welche insbesondere durch die konservative Bauerschaft aufrechterhalten wurden. Auf Viehmärkten und am Kirchtag, wo große Menschenansammlungen mit einer ebenso großen Zuhörerschaft die Regel waren, wurde für eine ausreichende Verbreitung gesorgt. Dabei gab es Fragen und Antworten zwischen der Obrigkeit und den Untertanen - die meist unter freien Himmel oder in sog. Gerichtslauben stattfanden. Danach wurden die Taidinge verlesen und aktuelle Verfügungen bekanntgegeben, wirtschaftliche Angelegenheiten geregelt, vorgeschrieben, wie Maße und Gewichte zu prüfen seien usw. - Bis ins 15. Jahrhundert war die Abhaltung der jährlichen Taidingen als öffentlicher Akt der gesetzlichen Ordnung nur mündlich überliefert - ab dem 16. Jh. aber auch schriftlich.
Aus dem 17. Jahrhundert sind derartige Rechtssatzungen schriftlich überliefert und werden hier als Abschrift einer handschriftlich vorliegenden Kopie, welche S. Hinterseer in seinem Buch: Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins - öffentlich gemacht wurde wiedergegeben.

Ehehafttaidinge oder "Weisthümer"

Es ist wohl anzunehmen, dass im Gasteiner Tal schon zu sehr früher Zeit solche Taidinge abgehalten wurden.
Den Fragen und Antworten zwischen der Obrigkeit und den Untertanen folgte anschließend die Verlesungen der Rechtsordnung.
Nach einer handschriftlichen Aufzeichnung (Landesarchiv Salzburg) ist aus dem 17. Jahrhundert
eine derartige "Ehehafft oder Landttättüng" überliefert, wo es zu Beginn heißt:
"Demnach vor Alters gebreichig gewesen, daß man Ihro Hochfürstliche Gnaden Unnseren Genedigisten Fürsten und Herrn . . .
Jährliches Ehehaffttättüng öffentlich halte."

"Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 p. 345
Ehehafft oder Landttättüng
Demnach frag Ich Landtrichter Euch alß hiezu bestelten Procurator, des Rechtens, ob es sey an weill Und Zeit, an Tag Und Stundt, daß ich alß Verordnete Hochfst. Obrigkeit den Stab in die handt nemben, Und höchstgedacht Ihro Hochftsl. Genaden etc freyes Landtrecht eröffnen, Und alles das ergehen Laßen möge, Wie der Hochftsl. Pflög Clambstain Und Landtgericht Gastein gebrauch: Und von alter Herkhommen ist Und ob ich alß obrigkheit alßdann den Stab niderlögen Und wider aufhöben dörffe.
Antworth: Voll Edler Gestrenger Hochfürstl. Herr Landt- und Perckhrichter gebietter und Herr, auf Euch . . . Beschechene gerichtliche Anfräg - sich wider sözen, den . . .burgig freyes Ehehafftthätüng Unnd Lanndtricht auf heutigen Tage wie vor alter Herkhommen ist, besiezen Und darbey alle gebüerunde notwendigkhait handlen solle Und müget.
Die Annder Frag: Ich frage Euch des Rechtens ob der Ambtmann nit billich gehört werde, ob er meinem genedigisten Fürsten Unnd Herren etc. die Ehehafftthätüng Zu Rechten weile Unnd Zeit beruefft habe, wie vor alter Herkhommen.
Anndtwortt: Hierüber Spruch Ich Zurecht, Das der Gerichtsdiener schuldig sein solle, mir dreyen Ehrlichen Männeren Zu beweisen, Das er das Ehehafftthätüng, bei allen dreyen Creiztrachten des Thals Gastein Zu Rechter weil Unnd Zeit öffentlich verruefft Unnd menniglich wißhafft gemacht, Auf das sich des ausbleibens khainer Zuentschuldigen habe.
Die dridte Frag: Obe sich befündt, das den Ambtman des Ehehaffthätüng Zu rechter weill Unnd Zeit beriefft hat, das Rechtens zu fragen, was ainer darumber hat verbrochen, Der meinem genedigisten Fürsten und Herren etc Zu dißem Ehehafftthätüng oder nur als diß Orths Lanndtrichter, es beschehe Zu was Zeit es wolle Ungehorsamb erschin Und aussenblibe.
Anndtworth: Hierauf erkhenne Ich Zurecht, das Zwar der Geistliche Stanndt, unnd hochfürstl. Officier auch der Ald Unnd Bürgerschafft, so wollen die Ehemüllner und Pöckhen aus bewegliche Ursachen, bei den Ehehafftthätüngen Zuerscheinen nit verpunten sein. Wann aber aus den den anderen angeseßenen Urbars- Unnd Lanndtgerichts Undterthonen ainer oder mehr ohne erhebliche Ursachen außenbliben Und nit erscheinen wurdten, so solle derselb Umb seines Ungehorsambs willen durch die Hochfürstl. Obrigkheit gestrafft werden.
Die Vüerte Frag: Seitemallen der Gerichtsdiener probietermassen das Ehehafftthäting Zu Rechten weill Und Zeit Menigelichen Wißhafft gemacht hat, Als Frag Ich euch obs nit billich das meine genedigen Fürsten und Herren als Lanndtsfürsten alle Freyhaiten ordentlich Verlesen werden sollen, darnach mann sich weiß Zurichten wie es von alter Herkhommen sey. Und wann meines gen. Fürsten und Herren Freyhaiten verlessen und vernommen worden, ob dieselbs nit billich gehalten Unnd ghandthabt, auch die Verprechen zu Yederzeit darumben sollen gebürlich abgestrafft werden, wie vor alter Herkhommen ist.
Anndtworth: Auf die Frage erkhenne Ich Zurecht, weillen die gewondliche Zeit vorhanndten, das mann mit eröffnung Und Ablesung der Lanndtsrechten und Hochfürstlichen Freyhaiten verfaren mag, Wann nun dasselbe beschechen, Unnd Mennigelichen Wißhafft gemacht würdet, so soll ein yeder demselben in allen puncten Und Articulen nachgekhumen verobligiert, widerigen fahls aber der Übertreter Der nach gestaldt seines verprechens abgestrafft werden.
Die fünffte Frag: (Hinfür diße Frag auszulassen.) Ob nit billich seye, wann es sich Zuetrige, das mann mit dem Hochwürdigen Sacramente fürgieng oder wann ein nambhaffter Herrschafft fürzaiget, das Ich auf stundt unnd demselben Reverenz thett, Item da ein Prunst, aufruher, Wolckhenpruch oder annder dergleichen Unglickh fürkhämen, Deßgleichen auch ob Ich schwach würdte oder die Pannckh Undter mir niederginge, das mir der Gerichtsstab aus der Hanndt fielle, ob Ich als Richter nit macht hette, soliches Unglickh souil mir müglich Zu retten Unnd demselben Zuentweichen Volgennts wann soliches fürüber widerumben nüdersizen Unnd ferner Zehandeln was Recht und billich.
Anndtwordt: Auf Yetztgemelte Frag sprich Ich Zu recht, ob mann mit dem Heiligen Hochwürdigen Sacrament fürgiennge oder Ritte, Item ob ein Lanndtsfürst oder annderer würdiger Herrschafft durchziechen thette, so mügt ihr als Lanndtrichter aufstehen deme alle gebürende Reverenz Unnd Ehr erweisen, ob sich auch ein Prunst, Ramor, ein Ungewitter Zuetrieg oder ein Lanndtsfeindt auskhäme, so müget Ihr gleichfahls aufstehen Und das alles zu Rhue helffen bringen, Item ob Ihr schwach würdet, Unnd euch der Gerichtsstab entfielle So müget Ir alle Zeit wider niedersizen, den Stab in die Hanndt nemen Und ergehen lassen was Recht ist, Unnd sollen alle benannt Unnd unbenannte verzieckte Articul und gefähr auf heutigen Tage ab Undt Todt sein.
Anmerkung: Abschrift ohne Gewähr.

Landrecht und "Weistum"

Nach dem feierlichem Wechselgespräch von Frage und Antwort folgt die
Verlesung von - Landrecht und "Weistum"

Textauszug : "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 p. 346 - 355
Ehehafft oder Landttättüng
Volgen die Granitzen des Lanndtgerichts Gastein
Nr. 1. Daß Lanndtgericht Gastein scheidet sich nach der Wassersait, das wert her gegen Rauris Und gegen Empach, herauf an die Hechenwarter Alben, da ist ain Schidegg haist das Herndl, vom Schidegg wider herab auf den Stinckhofen, wie es die Taxenpacher in Irem Lanndtbrief oder Lanndtordnung haben, sje zaigen auch Stinckhofen an, haltens auch also Innen Von bemeltem Stinckhofen Über das Wasser auf St. Veiterseiten, da ist Unnsere Lanndtpruggen. Da rünnt ain Pächl Über ain Khläpfl, hebt sich am Schiddeg an, geht hinauf an ain Alpen, Haißt Haßegg, Und St. Veiter habens auch in irem brauch, bis an das Khläpfl, Alßdann ligt dißes Thall Gastein zwischen beeden Lanndtgerichten Rauris Unnd Großarl Und erströckht sich nach beederseits gepürgen Über alle Hoch ein: Und ein, bis auf den Naßfelder- und Hocheh Thauern, darein auch der Annger, Und die Khetschach, auch Annlauf und anndere nebenligende selten Thöller geschlossen sein.
Hierauf Volgt die Fürstliche Freyhait, die ein yeder Herr und Lanndtsfürst
in disem Pfleg- und Lanndtgericht hat.
Nr. 2. Alle Schwarzwäldt gehören sein Hochfürstl. Genaden zue, doch mit der Beschaidenhait, das ein yeder angesessener er sey Reich oder armb sein Hausnottdurfft daraus Zu hilzen hat, aber ainer dem annderen nichts Zuuerkhauffen.
Nr. 3. Alle gefundtene Schäz, es sey Gold oder Silber oder Edl Gestain Perckwerch das gehört seinen Hochfürstl Genaden zue.
Nr. 4. Alle Neue Fündt, unnd neue Grünndt soll khainer empfachen, oder aufschlachen, oder einnemen, ohne Vorwissen Ihrer Hochf. Genaden oder derselben anwäldt Unnd derselben Nachbarschafft die an solichen orthen gemain unnd Thaill haben.
Nr. 5. Die Vischwaiden und Wässer gehören Ihrer Hochf. Genaden Zue Und wann ain gewitter oder Morttsgewaldt auskombt Und einen Pruch in ein wißen oder Ackher, so soll der dem der Grundt zuegehört wöhren, souil es Ime hintragen hat, das soll er wider einnemen Unnd khain Wöhrwerch weiter ins Wasser röckhen als sein gestath ist und wie ers vorhin mit werch Ingehabt und sein gewesen ist.
Nr. 6. Die Lanndtstraßen soll man weit genueg lassen Und soll ain yeder seine zuegeteilten Wegörther, nach ausweisung der Gasteinerischen Weegeordnung fleißig Innhaben und bewahren, damit die Armen und Reichen gehendt und Reittendt deßgleichen die Füerleith Unnd alle Lanndtfarer mit Iren Hanndlung bewarth und sicher hin und wider handeln mügen. Da aber aus Ursache der schlechten weeg Unnd Straßen ainer oder mer in schaden khämen, sollen es die Jenigen so den weeg Unndterhalten müessen Zu piessen schuldig sein.
Nr. 7. Alle Khürchen sein gefreit, von Unnserem Genedigisten Herrn als Obrister Zechmann. Zu allen Khürchen soll mann nichts darvon versez oder verkhumern oder ain neuerung machen ohne Ehrhaffte noth Und ohne wissen Ihrer Hochfürstl. Genaden.
Nr. 8. Wann ain angesessener Starbt Unnd Khünder verläßt, die nit alle Vogtbar- und noch Unerzogen seien, so sollen die Vogtbaren Und die negsten freundt darob sein, das sye von Iren Vätter Und Müetterlichen Fürderen ernört werden, Unnd die Jungen Khünder so Unvogtbar: denen Vätter und Muetter entfallen seyen, mit Todt abgehen, so soll man die Guetter unverrückht lassen. Unnd sollen die Freundt Vatterhalben ain Gerhaben aus Innen fürnemen, Unnd die negsten freundt Guetterhalben den ändern Gerhaben aus Innen, Und die Herrschafft den driten Gerhaben geben.
Notdurfft des Lanndts;
Nr. 9. Nun volgen die Notdurfft des Lanndts; alle Paum-Zeün sollen Zu St. Geörgentag gemacht werden, Und daran khain mangel sein. Unnd die felder, so mit fruchten stehen, sollen wündter und somer bewahrt Und befrüdt sein, sy sollen auch Zu dem Pau bewarth sein, mann mag auch fahren mit Pfluege und Eißen aus ainem feldt in das Annder wo mann ain Luckhen aufthuet, soll man thann wider Zuemachen. Und so mann Paut, unnd ausgesät hat, so soll mann die Hienner und Hennen 14 Tag nach dem Pau gleichermaßen Zum Schnidt 14 Tag Innenbehalten Und nit ausgehn lassen.
Nr. 10. Wann ainer sein feldt oder sein Wißen einfächt, das sein gemach Zein, die Steckhen von Im soll Er Zum March sezen, die Güerten Unnd der annder Steckhen soll auf seinem Grundt stehen.
Nachtbarschafft
Nr. 11. Nun Volgt, wo ain Nachtbarschafft ist, sy seye groß oder Clain, die Iren Fürperg in Friden, Marchen Häusern und Zein haben, unnd die Albmen negst daran haben, so soll khainer am selben fürperg Zu khern haben, als wie Ze Gelegenhait ist, unnd er mit seiner aigenen Fuehr fuehren unnd Überwündtern mag. Auf der Alben soll ain sazung sein und die Albben sollen den Fürperg ohne nachtl und entgeltnus Ires Pluembgesueches Ezen, bei der Straff.
Nr. 12. Daß Naßfeld sambt allen Khären, nichts ausgenommen, sy ligen hoch oder nider, die gehören alle zu dem Naßfeldt unnd das Naßfeldt sambt seiner Zueghörung gehört der gannzen gemain in der Gastein Zue. Also das ain yeder hinein kheren darf. Er mag auch ain hitten neben der annderen Pauen, wo es Im geföldt. Dieweillen auf nunmehr vill Jahr hero über gemeltes Naßfeldt Zwenn ordentliche Albherren gestöldt, destwegen ordentliche Verträge und sazungen gemacht unnd aufgericht worden sein Also soll sich ain yeder demselben vertrag unnd altem Herkhommen gemeß verhalten.
Nr. 13. Es ist auch verpoten die Überrechte Stier Roß unnd Wider, die Über drey Jahr alt sein, deßgleichen Krezen Unnd Unfrisches Vich nit hineinzutreiben, bei der schwären straff des Gerichts wo mann ainen Überförth.
Nr. 14. Auch soll ainer den annderen nit Überzeinen, auf gemainen fürhaubten nit Überzillen oder Übermarchen, oder ainer dem anndern auf schaden Zeinen, Die gemain Strassen in ainem Yeden Dorf haben allezeit die obrist Unnd Undteristen ieder halben Thaill Zuscharen.
Nr. 15. Der waldt am Ynglsperge ist ain Panwaldt gewesen wann derselbe ins Khomftige widerumben verwäxt, soll er gehaydt werden, auf das wann der Pruggen zu Hof brach oder ain plaickhen Unndter dem Ynglsperg herabgienge, so het mann der notdurfft Zu nemen aus dem Ynglsperger waldt.
Nr. 16. Der waldt von der Padtpruggen an nach dem Wasser ist auch ain Panwaldt gewest so aber seithero schier gar verharkht worden Unnd Ihren Hochfstl. Genaden Zuegehörig ist, auch Zu weege und stege, deßgleichen das Erlenholz an der Schröckh ist auch ain Panholz, das soll mann Zu weege und steeg hayen, derwegen mann dise beede örther inns khonnfftig wider verwaxen lassen solle.
Nr. 17. Die Zigeiner Zu passieren seind gannz verpotten, dahero die Unndterthonnen weliche sy haimblich oder öffentlich auffhallten Unnachlessig gestrafft werden sollen.
Zu Vermerkchen Hernachvolgundte Ardicul,
Zu Vermerkchen Hernachvolgundte Ardicul, unnd Bevelchen den samentlichen Unndterthonnen im Erzstift Salzburg fürzu hallten anbeuolchen Und Zuwissen notdürfftig, darob alle Fürstliche obrigkhaiten Irer Pflicht unnd habenden Bestallung nach Ernstlich Zu halten schuldig sein, unnd gegen den Verprechern mit straff zuverfahren, darüber sich der Unwissenhait Niemant Zuentschuldigen hab Unnd selbst vor schaden Zupießen wissen.
Nr. 18. Erstlich sollen all und yede Gerichtsunndterthonnen des Pfleg- und Lanndtgerichts Gastein der alten wahren Christlichen Catolischen Römischen Khürchen und glaubens sein, dabei verharren, und sich nit verfieren lassen, die Jenigen so darvon abweichen, die sollen hiemit Zur Widerkherung Unnd Catolischen Gehorsamb threulichen gewarnt sein, dann wer sich aus halsstarriger Weis nit bekheren und darwider thuen wurdte, sich durch seinen ordentlichen geistlichen Seelsorger auf der Canzl oder ansonsten guetlich nit erweisen laßen wolte, dieselben wurdten der Hochftsl. obrigkhait Unnserem genedigisten Herrn zu Salzburg vermüg seiner Bestallung Nambhafft ze machen nit umbgehen khünen.
Nr. 19. Zum Anndern sollen sich die Gerichtsunndterthonnen aller Sectischen Piecher und dergleichen verdammten und verpottenen Schrifften wie auch der haimblichen Winckhlpredigten und Zusammenkhonfften gennzlichen enthalten auch khain verdechtiger noch verfirerische Persohnen beherbergen oder undterschlaipf geben sondern der Obrigkheit angzaigt werden.
Nr. 20. Dridtens soll khaine Persohn vor vollentung des Gottsdienstes aus der Khürchen gehen noch heraußen auf dem freithof oder annderen orthen in den Winckhlen von Iren weltlichen geschäfften und Händeln röden, oder auswarten sondern vor allen Dingen das Reich Gottes am Ersten besuechen, dem gebeth unnd Gottesdienst fleissig beiwohnen sich vor dem hochverpotenen Gottslestern unnd greilichen scheltn, gleichfahls in der Fasten unnd annderen verpotenen Zeiten des Fleischspeisens gennzlich enthalten.
Nr. 21. Vierttens soll das Pranndtwein ausgeben und drinnckhen vor und unndter Khürchzeit in den Würtshäusern auch in den offenen Läden abgestöldt und verpoten sein, welcher darüber betretten und hierwider thuen wirdet, sollen die verprecher sowoll als Ausgeber und drinnckher darumben gestrafft werden.
Nr. 22. Fünfften soll khain Ehemann oder Eheweib bei einer anndern persohn vertachtlicher weis nit wohnen, darauf dann sonnders aufmerckhen besteht und die Jenige so es sechen oder wissen soliches nit anzaigen sollen gleichfahls gestrafft werden. Danebes die Eheleith unnd anndere Persohnen mit Ernst gewarnt sein, daß sie sich vor dem Laster des Ehepruchs verhietten sollen.
Nr. 23. Sechsten sollen Ebenmessige den ledigen Persohnen unehelich beiwohnen, Item Junghfrau schmächen, Khuplereyen auch soll annderer öffentlich und haimliche Unzucht kheineswegs geduldt, sondern unnachlessig gestrafft werden. So auch aine Erbare wolberiembte Frau oder Junckhfrau von ainer Mannßpersohn gwalttätiger weis zum werckh der Unrainigkhait gezwungen wurdte, so solle sy alsobalden mit Zerraufftem Haar, wie sy vom Thätter herkhommen, Zu den negsten Richter lauffen, Ime die erlittene Schmach anzaigen, der solle alßdann dem Thätter nach stellen und so er Ime bekhombt denselben Zu Mallefizrechten fürstellen.
Nr. 24. Sibendten sollen die Unndterthonnen khaine ausgenommen auf der fürstlich nachgesetzten Obrigkhait begeren Zu fürfallenter noth, den ungehorsamben Thätteren, so sich der Obrigkhait freventlichen widersezten gefenckhlichen anzunemen Yederzeit als starkh sein Threuen Beistandt thuen und laisten, die ungehorsamben so vil müglich Zue Gehorsamb bringen helffen und nit aus der obrigkheit gewalt nemen, bei der Straff an Leib und Guett.
Nr. 25. Achtens da Zigeiner, Mardtente, Landtsknecht oder anndern mießiggehenden argwenigen Persohnen haimblich oder öffentlich in das Gericht khomen die Undterthonnen betrangten oder beschwären wurdten In weliche Zech oder Roth soliches zum Ersten wargenommen wierth, das soll die Gerichtsleith unnd Unndterthonnen der Obrigkhait alßbaldt Zu wissen machen unnd nit verhalten.
Nr. 26. Neunten wenn ein Gerichtsmann sechen oder hören wurdte, daß dem Lanndtfürsten und seiner fürstlichen Genade nachgesetzte Obrigkhaiten an schwarzwäldten, Behilzungen, Wildpännern, Forsten, Wassern, Fischwaiden Nüzung und Verwaltungen ainicher eingrif oder schaden Zuegefuegt wurdte, Das sollen sie ebenmessig bei Iren pflichten der Obrigkhait anzuzaigen schuldig sein und welicher soliches verschwaigen wurdte, soll darumben gestrafft werden.
Nr. 27. Zechentes soll sich niemat unterstehen von Unnseres genedigen Fürsten und Herren Frey ohne Vorwissen der Obrigkhait etwas einzefangen und welicher also bisher etwas Innen gehabt der soll es widerumb freylassen wo nit die straff gewarten.
Nr. 28. Ainlifften soll khainer ainich Kholholz noch das so sich in den Trifften bei den Hochwässern an das Landt aufgesetzt nit auffangen noch hinweckhbringen und welicher darwider thuet der soll vermüg außgangener Mandat gestrafft oder da er die Straffe nit vermag aus dem Lanndt geschafft werden.
Nr. 29. Zwelfften soll niemannt Reißer noch Prenndt oder annder Holz Zu negst ob und bei der Straßen und Fahrweeg hochwassers und Pächen zu schaden nit schlagen, die Reißer sollen im dridten Jahr widerumben ausgelassen auch hierin ohne der Obrigkheit Vorwissen nichts gehanndelt oder fürgenommen werden sonnderlich sollen die Herberigsleith und Tagwercher khaine Reißer noch Prendt machen sondern dem Tagwerchen abwarten.
Nr 30. Dreizechenten sollen die Unndterthonnen weliche Raiß haben wöllen vermüg fürgenommener Bevelch den Hoch- und Schwarzwäldtern wie auch der Nachbarschafft ohne schaden auf Iren Guettern Khaine mer als Er Überwündtern mag nit halten und um die übrigen gestrafft werden.
Nr. 31. Zum Vierzechenten solle sich khainer unterstehen der Raißer machn oder annderes Holz niderschlagen will seinen negsten Zunachendt auf sein Zeun oder Hög hinzu Hackhen sondern alle Achtung geben damit Ime wenigstens 5 Claffter Hagrecht gelassen werden.
Nr. 32. Fünfzechenten sollen die Jeingen so Zuemas, Loden und Thuech Zuuerkhauffen haben mit nichten aus dem Gericht, sondern aintweders in den fürstliche Hanndl, Item der Bürgerschafft oder annderen, die im Gericht vonnetten haben Umb die gebürliche bezalung erfolgen lassen.
Nr. 33. Sechzechenten sollen sich Mennigerlich und ain yeder Innsonder halt die Unbeheyraten und unangesessenen persohnen des Hochverpotenen beschwärlichen fürkhauffs im Vieh, Traydt, Leibath, Löder, Loden, Haimmos(?) oder annder dergleichen Victualien aus dem Lanndt Zuverfiren oder Zuverkhauffen genzlichen enthalten bei der Straff nach gestalt des verprechens.
Nr. 34. Sibenzechenten soll Mennigelich und ain yeder seine aigene oder angenommene Sackhtrager Hundt der notturfft nach Priglen Unnd in guetter Verwahrung halten daß sy khainem Wildtpret oder annder Vich schedlich sein mügen sonderlich nit gehen Holz noch an das Pürg gefüert werden der das widerthuet die Verprechen nach Unngenaden gestrafft und dem Jenigen-hierdurch schaden geschiecht den Uncosten abzutragen verschafft werden.
Nr. 35. Achtzechenten sollen yede die Schwein wie gebreichlich zu verhiettung fürfallenter schäden Zu rechter frielings Zeit geringelt und gekhampt werden auch die Alben Zeit nit bei dem Hauß behalten, sondern gegen Alben getriben und niemannt damit beschwerth werden.
Nr. 36. Neunzechenten soll sich Mennigelich allerlay Wildpret Schießens und fangen auch Fischens (deme es durch obrigkhait nit bewilligt) gennzlich enthalten und an verpothenen orthen, als zu Pürg, Holz, Feldern, Auern und Wassern mit Püxen, Armprüst, Stächln, Rohr und Fischzeug nit betreten lassen. Item die Wildtkhölber so erst gefallen sein nit aufhöben auch den gefligl zur Zeit in Prueth und Zichten nit nachstellen oder fangen Deßgleichen die Wildtpann nit verharkhen schwendten, Räumen noch Reitten gleichfahls die Khranawetstauden nit abmaißen noch Pöhr zum ausbrennen nit abnehmen sondern stehen lassen auch bey schwärer Straff die Vöglpörpaumb nit abhacken.
Nr. 37. Zwainzigisten soll weder im Marckht noch auf dem Lanndt yemanndt gestadt werden sondern verpotten sein Herberigesleith oder annderer persohnen ohne der obrigkhait vorwissen einzenemen oder aufzehalten. Welicher dergleichen hette, die nit abschidt, Khundschafften Herbrigs Zetln fürzelegen haben und soliche weiter aufhalten auch bei der obrigkhait nit anmelden wurdten soll yeder Thaill ernstlich gestrafft werden und welicher hinfüran Herbrigsleith Einnemen oder aufhalten wierdet derselbige soll gegen der obrigkheit und dennen so soliche persohnen schaden zuegefüegt wurdten versprechen und Pürg sein auch ob ainer mer gar Volckh in seiner behausung het, die im schein als ob es Eheleith weren bei einander wohnten, Dieselben soll ain yeder der obrigkhait alßbaldt nambhafft machen wo nit der straff gewartten Unnd soll hinfüran dergleichen Persohnen niemannts Einnemen und Khainsweegs gestadt werden.
Nr. 38. Ainundzwainzigisten sollen khaine Hochzeiten wider die Ordnung und ohne der Obrigkheit vorwissen gehalten Beinebens auch die Hochzeit Mallzeiten wider altes herkhomen nit Zu hoch angedingt und hierdurch die Hochzeitpersohnen nit übermäßig beschwärt werden.
Nr. 39. Zweenundzwainigisten soll allerlay briefliche Urkhundte als Heyrat-Schuldtbrief Verträge auch Khundtschafften quitung und dergleichen was mit Urbarsachen oder Guetter betreffen allain bei den lanndtgerichtlichen obrigkhaiten aufgerichtet und verferttigt werden. Dann ob dergleichen von außer Gerichts Wie auch das Jenig so auf die Spän gechiten geförttigt Item Spalt Zetln fürkhomen wurdten das Gericht soliche Contract nit handthaben oder darauf schaffen wirdet, gleichfahls was Fravelsachen Persohnlich und allerlay Sprich oder anforderungen sein. Dieselben bei dem Lanndtgericht anhengigmachen und khainer verhalten solle. Da es aber nit be-schäche, soll der Verprecher darumben gestrafft werden. Die Jüngstlich aufgerichten Receß aber werden deren Inhalt genieß hieda Aufgenommen.
Nr. 40. Dreyundzwainzigisten Welche fürohin bei Gericht den Partheyen Röden oder Ihr notturfft fürbringen Wöllen demselben Procuratores soll khainesweegs gestadt werden, die Thaill ungebirlicher weis umbzefiren noch auch Falschlistigkhait zu gebrauchen. Und die gerichtliche Process Zuuerlangen und soll hinfüran niemants Zu ainem Rödner Zuegelassen werden. Er thue dann Zuuor der Hochfürstlichen Obrigkhait destwegen Vermüg geschribener Ordnung gewondliche glib auch das er sich yederzeit dem Gericht gethreu, gewertige und gehorsamb sein, auch die Partheyen mit dem Lohn oder Zehrung nit überladen wolle.
Nr. 41. Vierundzwainzigisten sollen die Burger allhie auch alle Gottsheuser und Dörffer zu fürfallenten Feuersnöthen mit gueten Laitern und Häggen versechen sein und wenn Prunsten auskhämen soliche der obrigkhait so baldt man es khann Unverzögentlich Zuwissen machen und sich nach dero Ausweisung der neuen Feuerordnung halten.
Nr. 42. Fünfundzwainzigisten soll weder in dem Marckht noch auf dem Gey khainerley Hanndtwercher Es seyen Arzt, Pader, Schlosser, Müllner, Pöckh, Schneider, Schuechmacher, Schmidt und anndere Zuegelassen noch angenommen werden. Er habe dann sein Hanndtwerch ordentlich erlernet und dessen glaubwürdige Urkhundt fürzeweisen. Gleichfahls sollen die Jenigen so sich aus annderen Gerichten hereinziechen wöllen Khundtschafften bringen wo und wie er annderer Orthen abgezogen sey. Niemants außgenommen.
Nr. 43. Sechsundzwainzigisten soll sich ain yeder Müllner nit allein befleißen, sondern auch verpundten sein das Mallerrecht redlich und threulich zu Fiehren, niemants wider das gebürliche Malten beschwären und sich der Uhralten billich maß gebrauchen Und sich ferner begniegen lassen.
Nr. 44. Sollen die Jenigen so an dem Marckht und auf dem Gey wierdtschafft halten, Wein und anndere Trannckh ausgeben gerechte Khanndln haben Und Maßerey, brauchen gleichfalls mit dem Guettermaß also mit irem ausgeben wider die gebne Niemants Übernemen.
Nr. 45. Achtundzwainzigisten soll die Jenigen so Wein einlegen Yede Sorten vermüg der fürstlichen Instruction dem verordneten Umbgelter fleißig ansagen Unnd hierinnen khainen falsch noch unthreu brauchen. Welicher darwider betratten wurdet, der soll darumben gestrafft werden.
Nr. 46. Neunundzwainzigisten Da Metzger im Gericht offene Fleischpenckh haben und Fleisch ausgeben wollen, die sollen gerechte saubere Wagen und gewichtstain haben und der obrigkhait verordneten Bschau und dem Saz nach ausweisung der schäzung Unndterworffen sein.
Nr. 47. Dreißigisten sollen die Pöckhen auch gerechtes Gewicht und Maß gebrauchen, Das Proth nach billichen Khauf Pachen, Die Hilzenen Wagen sollen bei Innen abgeschafft sein.
Nr 48. Ainundtreißigisten sollen alle Crammer und die Jenigen Unndterthonnen im Marckht und auf dem Gay, so nach dem Gewicht Ellen und Maß, es sey verkhauff en sich ebenmessig gerechter gewicht Ellen und Maß gebrauchen und hierein ainichen Vorthail nach betrug nit suechen dann die Übertretter gestrafft werden sollen.
Nr. 49. Zwayundtreißigisten Wann etwann zween Erbare Nachtbarn umb gemainer Sachen willen miteinander Zukhriegen khämen, so missen sie sich mit Zuegeben der Obrigkhait selber miteinander vergleichen oder anndere frombe Leith zwischen Innen ainen Vergleich machen lassen, war aber an der Sachen was sträffliches gehanndthabt so solle es bei Gericht angzaigt werden.
Nr. 50. Dreyundtreißigisten Ain Haußman oder Herberigs Persohn, so bloß ain Zimer oder Gaden besteldt hat, der soll im Gericht nit mer Gerechtigkhait haben als was er verdingte herberig betrifft. Es soll auch ain yeder Haußher für seinen Haußmann versprechen und veranntworten ausgenommen es wurdte ein annderer vom Haußmann ge-fräfelt. Das solle der Haußmann selbst Zuverantworten schuldig sein.
Nr. 51. Vüerundtreißigisten wann ainer betratten wierdt, der gestolenes guet khaufft und verpoten ist zu khauffen und dasselbe wissentlich ist Es sey ungewuntner Traidt, gebrauchter Zeig, Pluetige Claider oder annderer verdechtigen gestollen Guetter nichts ausgenommen, derselbig ist der Herrschafft und Gericht in die Straff Leib und Guetts und dem Verlierer umb seinen schaden und uncosten verfallen.
Nr. 52. Fünfundtreißigisten da ein Unndterthonn bei nächtlicher weill ain anndere Persohn verdechtigen und ohne Ursach bei versperte Thür und nach riechendem Feuer in seinem Hauß begreiffen thette so solle der Hauß Vatter Ime fragen was sein gescheft seye, Wann er sich entschuldigt, er sey zu seiner Dirn hineingegangen, so soll sich der Haußherr deßen erfragen. Wierdt sich nun die sache also befündten, so soll er Ime von dem Hauß abweißen und derneben untersagen Das Er soliches fürkhonnftig unndterlaßen solle. Wann aber diß nit beschäch, sonndern noch ainsmals begriffen wurdte, solls der Hauß Vatter der Obrigkhait anzaigen.
Nr. 53. Sechsundtreißigisten solln die Unndterthonnen wissen, wann verlohren unbekhanntes Vich füerkhombt, wie es damit gehalten werden solle.
Nr. 54. Als Nemblichen das Ründer Vich soll auf aller Heilligen tag frey sein, Schaf und Geiß auf Martinitag (später durchgehend alles auf Martini) Roß und Schwein auf Weihnachten. Und wer dergleichen Vich fündt und Inhat der soll es nit gerißen und verporgener weis Inhalten, khombt aber der Rechte dem soll ers lassen. Edoch das er sich nach Gelegenhait mit deme der das Vich Inne hat vergleicht und ergezligkhait thue. Khombt aber niemant, so soll man es ainem Lanndtrichter zuebringen, der soll sich dessen Unndterwündten, khombt aber der Rechte darnach so soll der Lanndtrichter demselben das Vich gegen gebürliche Vergleich wider geben.
Nr. 55. Sibenundtreißigisten Als Nemblichen von ainem Hengst oder Feldin sol mann Fürfanng geben 32 d von ainem Follen 72 d von einem Oxen 32 d von ainer Khue und allen Clainen Rundem 16 d von Schäfin und Gaißen von ainem Stuckh 12 d von ainem verstollenen Huet der ain Schnurr hat soll fürfanng daran geben werden 7 2 d von ainem Huet der Khainen Schnurr hat 3 d. Was aber alles anndere verstollenes Halßgewandt betrifft ist das schneiderlohn das Fürfang.
Erz und Trätten
Nr. 56. Achtundtreißigisten Wer ain Vich auf seinem schaden fündt, der soll dasselbe Einthuen und alßbaldt er den Spärl fürthuet, soll ers dem sagen, dem das Vich zuegehört. Lest ers mit einem Pfandt, so soll Er Ime das Vich lassen, das Pfandt zu Gericht bringen und soll den schaden mit gueten Ehrlichen Leithen besichtigten, wolt Er aber das Vich nit ledigen, so soll er solches nit lennger behalten als Über nacht und Volgents an die Gerichtsobrigkhait bringen, die solle Ime den Schaden abthuen. Entgegen ist das Vich des Richters. Khombt aber der Herr, nach dem das Vich ist gewesen und wolt es wider laßen so solle er alle daraus erfolgten schaden widerkheren und ist dem Richter umb den Frävel das Er das Vich nit hat leßen wöllen in der Straffe gefahlen.
Nr. 57. Neunundtreißigisten ist Volgentes Vich für Albmessig Zu halten Alß Roß und Oxen das seinen Tag verdienen mag, Item Schaf, Schwein und Geiß seind albmaßig. Wer aber nit Albm hat zu den Schweinen Undt sie dahaimbt haben mueß, der soll sy khämpen Und die Khampe soll drey örther haben Und yedes orth ainer Daumblanng machen, soll sye darzue auch Rüngeln, der aber dasselbig nit thuet, notturfftig darumben gestrafft werden.
Nr. 58. Vierzigisten wann ain verdechtige Persohn fürkhombt, das soll man alßbaldt an die Obrigkhait bringen Auf den Fahl mann aber das Gericht nit haben mag, soll ain Nachbar dem anndern ansagen, daß mann denselben gefenckhlich annemb und dem Gericht antworten, wer aber nit helfen woll, der weer dem Richter nach Beschaffenhait der Sache in die Straff verfallen. Da sich aber aine soliche ungerechte Persohn nit fachen laßen woll, das mann Ime zu Todt miest schlagen, dessen solin die Landleith und Unndterthonen unentgolten sein an Leib und Gueth. Es soll auch ain yeder Unndterthonn seiner gethonnen Pflicht nach damit er Ihren Hochfürstl. Genaden verpundten wenn die Sache das sich ainer der Obrigkhait widersezen und nit gehorsamben wolte schuldig sein, da es gar nit begert wurdte derselb soviel miglich Beistanndt Zu laisten.
Reißgejaider
Nr. 59. Ainundvüerzigisten alle die Undterthonnen so Reißgejaider haben sollen alles was sie Sachen einem Lanndtrichter Zuebringen bei schwärer Straff.
Nr. 60. Zweyundvüerzigisten soll niemant merer Vich an die Heimbgesuech treiben Allein was Er auf seinem Lechen über wündter fuehren mag so woll auch an khaimen Heimbgesuech Über den Nachtbarn willen khain Reith machen.
Holzrisen
Nr. 61. Dreyundvüerzigisten solle die Holzrise verschlagenen Innegehalten und widerumb Zu rechter Zeit auf gethonn, auch der Jenigen Über welichen man mit Holz oder hey fahren mueß ohne schaden gehalten werden.
Nr. 62. Vüerundvüerzigisten soll niemant in den Schwarzwäldtern außerhalb des Undterwaldtmeisters oder Pergrichters willen Reitter machen, deßgleichen khain Uhrmaiß anzinten und wer in den Forsten Impan oder Pein fündt, der soll es der obrigkhait anzaigen, so seint sie des, der es da fundten hat, und halben Thaill der Obrigkhait.
Nr. 63. Fünfundvüerzigisten Wer ainen mit ainem Stain würfft, der ist dem Richter Sechzig und fünt pfundt pfenning zu wanndl schuldig doch stehet es auf genadt und des Richters Meßigung.
Verpotene Wöhr
Nr. 64. Sechsundvüerzigisten Deßgleichen war ainem mit ainem Mößer würfft oder mit ainer verpotenen Wöhr schlecht, der ist vermüg außgangenen Hochfst. Bevelch umb 32 fl. gestrafft oder da ers nit im Vermug hat, soll er aus dem Lanndt geschafft werden.
Fravel
Nr. 65. Sibenundvüerzigisten Wer ainen fravelt mit wordten oder Werckhen, der soll es alßbaldt auf die negst darauf volgente Verhör der Obrigkhait anzaigen, wo es nit beschicht, beede Thaill darumben gestrafft werden.
Khrieg von einer Gmain wegen
Nr. 66. Achtundvüerzigisten Da ainer von der gemain wegen in Stridt und Irung khombt soll niemant darumben Khundschafft geben Er seye dann ordentlich darzue verschafft oder gefordert worden.
Ciag an Landtättüng
Nr. 67. Neunundvüerzigisten Welche Undterthonnen nit zu dem Landtättüng oder wenn Er durch den Gerichtsdiener Zu was zeit das beschäche Zu Gericht gefordert wurdte nit erscheinet und sich nit entschuldigen läßt, der ist umb ain halb pfundt pfenningen wanndl gestrafft.
Gewalt
Nr. 68. Fünfzigisten Item der ainen mit willen Zu nachtlicher zeit özet(?) oder wer ainem gewaldt thuet mit worthen oder werckhen der ist mit Recht Zu wanndl schuldig sechzig und fünf pfundt pfenning.
Zörung bey den wierdten
Nr. 69. Ainundfünfzigisten Der bey ainem Wüerth einkhert Zört und nit Zallen will den mag der Wüerth umb sein Zörung was er Ime rödlich schuldig ist woll pfanndten.
Von Wässern
Nr. 70. Zweyundfünfzigisten soll man alle Wasser unverzwungenlich Rünen laßen, das der, aller müd ist als woll dervon gespeist und getrennckht werden, als aller obrist Es seye dann in ainer Schneefleg das überflißiges Wasser ist, so mag ain yeder der Ennten angelechent ist ain gewondliches Wasser thuen, das seinem Nachtbarn auch steeg und weeg ohne schaden sey.
Nr. 71. Dreyundfünfzigisten Wer an den Haimbgesuechen Reitter schlecht der soll für alles Vich hagen, allain für die Meiß nit, die sollen Iren unzen Fietter haben, damit sie behuet sein und niemants schaden bringen.
Nr. 72. Vüerundfünfzigisten Ferner wo ain rechter gewohnlicher Fueßweeg über ain Gueth gehet Und die annderen Über ihn fahren mießen solle mann die Roß an der Hanndt hinüberfüehren aber annder Vich das hinübermueß, das soll man mit guetter Huet hinübertreiben, geschachen aber schäden die ungewöhnlich weeren, dieselben schäden solle er gebürlich ablegen.
Nr. 73. Fünfundfünfzigisten (Fahlthör) soll nit weniger alle Fallthör auf der Lanndtstraßen förttig sein, wann sie ainer aufthuet dassie nach Ime Zuegefahlen, földt es aber nit zue, so ist ainer der auf hat thann khain schaden schuldig. Spreizet er aber dasselbe auf, und ließ also stehen Und geschäch schaden dardurch, wie die genenndt wurdten der ist schuldig daß er dieselbigen schäden nach gebürlichen Dingen ablege.
Nr. 74. Sechsundfünfzigisten soll ain yeder Landmann in dem Länsing sein Vich für seine Gassen kheren, Darnach soll ers gehen lassen an den gemeinen gesuech umbezwungenlich alles Vich was er hinzukheren hat und über wündter füehren mag.
Nr. 75. Siebenundfünfzigisten Was für Obst von ainem Paumb so auf aines anndern Grundt stehet herüber földt auf seines Nachtbarn Grundt soll derselb das obst macht aufzuheben haben, doch daß er den driten Thaill zum Stamb lege.
Nr. 76. Achtundfünf zigisten Item wenn ainer bei Tage oder Nacht in ain Paumgarten khäm dardurch ain weeg ging, oder Zu negst derbey weer Und bräch ain obist ab dasselbe, unerlaubt mit Ime trieg zum Fahl ers Zum Lust für Ime und sein Haußfrau thette soller zu des Besützers Hauß gehen und darumb bitten so Er aber den Hauß Vatter nit bei Hauß fundte, mag er etliche Öpfel und Peeren mit lust eßen und nemen. So aber ainer das Obst bei der Nacht in einem Erbling oder Söckhen oder Kherben oder im Puesen voll von dannen trieg, so ist es ain Diepstall und darumben voll Zustraffen.
Haimbliche Zusamen khonfften
Nr. 77. Neunundfünfzigisten sollen auch die Undterthonnen wissen, das alle haimblichen Zusamenkhonfften es tröffe an was das wolle, gannz und gar abgeschafft und verpoten sein. Und wer sich fürderhin ainiche Zusammenkhonfften oder Rottierungen begeben und soliches der Obrigkhait nit Ze stundt an khundt gethonn wurdte, solle alle die Jenigen so mit und beigewest auch alle die wissen darumb gehabt und der Obrigkhait nit offenbart nit allein am Guett, sonndern auch am Leib gestrafft werden. Sintemallen aus dergleichen Zusamenkhonfften und der Aufruehrer Radtschlege die sich gemainelich der Obrigkhait widersezen nichts als Übel zu versechen und der Unschuldige des Schuldigen enthalten müeß darnach hat sich ain yeder zu richten und vor schaden zu hietten.
Nr. 78. Lestlichen ist das Recht erfundten worden, wann ainer gemain ain Stridt fürkhann der nit wider Gott auch Unnseren Genedigisten Herrn und Lanndtsfürsten oder dero nachgesetzten Obrigkhaiten, solle mit Vorwissen der Obrigkhait zu befürderung gemaines nuz angesehen Das yederzeit deme, was die Obrigkhait auch die merern und verstendigern für guet halten gevolgt werden solle.
Anmerkung: Abschrift ohne Gewähr.

Waldrecht und Gerechtsame des Landesherrn

S. Hinterseer schreibt in seinem o. genannten Buch (S. 325): Zu der schon in sehr früher Zeit, vielleicht schon Ende des 13. oder
Anfang des 14. Jh. in Gebrauch stehenden "Ehehafft oder Landdtättinge" für Gastein zählen unter den fürstlichen "Freyheiten"
auch die Waldrechte, Jagd- und die Fischereirechte.

Textauszug : "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 p. 325 - 326
Waldrechte, Jagd- und Fischereirechte
"Alle Schwarzwaldt gehören seine hfstl. Gnaden zue, doch mit der Beschaidenhait das ein yeder ange seßener, er sey Reich oder Armb, sein Hausnotturft daraus zu hilzen hat, aber einer den annderen nicht zu verkhauffen" - ... - "Wenn ein Gerichtsmann sehe oder selbst höre, dal den Hochfstl. Besitzungen wie Wald, Wasser usw. schaden geschähe, solle er sofort angezeigt werden und wer es verschweigt, solle darum gestrafft werden." - .. - "Es darf auch niemand aus der Hochfstl. Frey etwas einfangen, soll kheine Khole holen, noch das siel in den Triften bei den Hochwässern ansammelnde Holz auffangen und wegbringen." - ... - "Niemand soll Reiser oder Brände oder anderes Holz zunegst, ob und bei den Straßen und Fahrwegen, Hochwasser und Bächen zu Schaden nicht schlagen."
. . . Gerechtsame der Landesherren . . .
1. Das Recht der Gesetzgebung nach Rücksicht auf öffentliches Wohl und Forstökonomie.
2. Das Recht der Forstoberaufsicht, u. zw. ohne Rücksicht auf Besitzer und Grundherrschaft. (Es gab dazu Waldmeister und Waldaufseher, welche von den Landesherren eingesetzt wurden und diesen verantwortlich waren.)
3. Das laut Landesverfassung bestehende Vorrecht, alle Wälder für die Bergwerke zu nützen, mit Berücksichtigung der Hausnotdurft der Besitzer gegen eine bestimmte geringfügige Vergütung (diese Bestimmungen wurden mit der Säkularisation des Erzstiftes 1807 außer Kraft gesetzt).
4. Die Benützung der innerhalb der privateigentümlichen Alpen befindlichen Wälder - in denen dem Bauer wohl der Boden nutzrechtlich zustehe, das Holz aber dem Erzbischof gehöre, außer er habe gesondert Brief und Siegel dafür und die Waldungen seien "ausgelackt". Die Benützung der auf dem Almboden wachsenden Hölzer waren ebenso wie später die der "Mahder" und "Äster" nur mit Vorwissen des Landesherren gestattet.
5. Der Erzbischof behielt sich auch die Holzbedarfsrechte für Wege, Stege, Brücken, Verwehrungen u. dgl vor, ebenso wie die Schlägerung von Eichen- und Lärchenholz, die Sammlung von Pech, Terpentin, von Speik, Würzen und Beeren, wie gewisse Beschränkungen des Weidgenusses, der Laub- und Waldstreunutzung, der "Verhagungen" (= Einzäunungen) usw., wie die der Bauholzentnahme, der Bauführung (Feuerpolizei, Baupolizei), der Wasser- und Flußrechte.
Freiberge und ihre Weiden
1524 erlaubte man die Rodung von Dorngebüsch, Stauden und Poschen, 1563 wurden Poschen von dieser Regelung ausgenommen, ebenso Lärchen, Ahorne, Ilben, anderes Zeugholz und erwachsene Fichten. Größer gewordenes Holz durfte auch auf Almen nicht mehr geschwendet werden von dieser Zeit an und schon gar nicht dort, wo ehemals "Schwarzwald" gestanden hatte.
1659 wird das Reutbrennen noch weiter eingeschränkt, 1755 schließlich gänzlich verboten und nur dann gestattet, wenn ein wirklich vorhandenes Weiderecht dieses ausdrücklich anerkannte. Auch jede Aufführung von Grundhagen (Zäunen, die den Grundbesitz abgrenzten), Weideschutzhagen und Gefällshagen (Zäunen an gefährlichen Abbruchen und Felsen) wurde genauestens festgelegt.
Privatrechtlichen Abmachungen zw. Bauern und Landrichter bzgl. der Nassfeldalm
1583 kam es so in bezug auf die Nassfeldbenützung zwischen den Bauern und dem Landrichter einerseits und des Wolfgangen Laittreitters "Wirt in der Taxen" und weillandt Erasm Voglers selig hinterlaßenen Khindern bzw. deren Gerhaben anderntheils" zu einem Vergleich. Nach einer Beschwerde vom 3. April 1570 befasste sich mit dem Alprecht auf dem vorderen und hinteren Nassfeld ein eigener Ausschuss, der festhielt, wie es künftig mit dem Käse, mit der Größe desselben, der Verzinsung des Viehs und Zahlung der Zinsen gehalten werden solle. Demnach war das Mähen dort wo das Vieh Zugang hatte hinfüran verboten. Wer einen Käser aufrichten wollte, sollte es aber tun dürfen mit Ausnahme der Söllhäusler. Für die Abgaben bezüglich der Viehhaltung wurde nunmehr festgelegt, daß jährlich am Bartholomäustag dem Almbesitzer für ein Ross 12 Pf., ein Rind (klein oder groß) 8 Pf., für jedes Haupt eines Kleinviehs 2 Pf. abgeliefert werden. Die "Einfahrt" (also der Almauftrieb) aber sollte erst erfolgen, wenn dieser verkündet wird. Das Vieh mußte überdies gekennzeichnet werden. Der genannte Vertrag wurde 1575 aufgesetzt und 1583 vom Erzbischof ratifiziert.
Anmerkung: Abschrift ohne Gewähr.
Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Bewohner Gasteins - Muchar, 1830
  - Landrecht von Gastein - 18. Jh.

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Anmerkung: Der Text wurde ausschließlich dem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 - entnommen. Die Rechtschreibung sollte dabei in der Abschrift unkorrigiert bleiben.

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