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Thermalquellen

Quellenfassung

Die Quellaustritte des Thermalwassers liegen am Fuße des Graukogels, am westlichen Teil des Reichebenberges unweit des Bad Gasteiner Wasserfalles. Den Römern scheinen die Quellen nicht bekannt gewesen zu sein. Aufzeichnungen aus 1540 von einem unbekannten Chronisten verweisen auf die Auffindung der heißen Quellen in das 7. Jh. und es wird vermutet, dass die Quellaustritte erst durch Abschwemmungen des Gesteins, durch Erdbeben oder Schneelawinen freigelegt wurden.
Geologe Prof. Exner bestätigt die Vermutung, dass Felsgleitungen vom Graukogel herab eine alte Talung verschüttet haben, in welcher die Heilquellen schon in vorgeschichtlicher Zeit zutage traten. Später hat die Gasteiner Ache diese abgerutschten Fels- und Erdmassen ausgeräumt und mehrere Quellaustritte wieder freigelegt (Quelle: Lorenz Krisch). Die - Quell-Tabelle - am Ende der Seite soll den unterschiedlichen Emanationsgehalt der Quellaustritte aufzeigen.

Quellen im Wildbad

Die Liebfrauenkirche zu Hof war seit 1023 Mutterkirche und Pfarre für das ganze Tal. Die Hauptquelle hieß St.-Preims-Brunnen (Standort der jetzigen Pfarrkirche St.-Preims). Sebastian Hinterseer schreibt in seinem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins": Der Kern des Ortes Badgastein mit den Heilquellen gehörte damals (sehr wahrscheinlich schon seit dem 11. Jh.) zum Pfarrwidum und teilweise auch zur Pfarrkirche Hofgastein. Dieser Ortskern mit der Preimbskirche und ihrer Umgebung wird um 1330 als "ze Pad" genannt. Der erste literarische Hinweis auf das Bad in der Gastein findet sich in einer Schrift von Hans Foltz, welche um 1480 in Nürnberg gedruckt wurde, mit dem Titel: "Dieses Büchlein saget uns von allen paden, die von natur heiß sein."

» Ersten Badeeinrichtungen im Wildbad «
Die Entstehung der ersten Badeeinrichtung kann urkundlich nicht nachgewiesen werden, war aber sicherlich nahe der Quellaustritte gelegen. Eine erste, unmittelbar an den Quellen liegende Behausung scheint 1350 in der Gasteiner Leibsteuerliste auf. Die Nennung der Preimskirche 1333 als Bad bleibt unklar. Eine erste Taferne wird urkundlich erst 1401 belegt und heißt später Mitterbad bzw. Mitterwirt. Trotz großer Beschädigungen bei dem schweren Erdrutsch 1789 blieb dieses Haus bis 1865 bestehen und musste erst dann dem Kirchenbau weichen.
Schon 1401 wird aber eine zweite Taferne, das Niederbad (heute Grabenwirt) genannt. Eine dritte Taferne mit Bad folgte in den Jahren 1456 - 1462, dem Mittereck (seit 1596 - 1980 im Besitz der Familie Straubinger). Eine vierte Taferne folgte (an Stelle des Gasteiner Hofes). In der Folge entstanden viele Söllhäuser und eine geschlossene Ortschaft entstand (Quelle: Lorenz Krisch).

» Erster moderner Badebetrieb in Bad Bruck - gescheitert «
1753 - Da im Bereich der Quellaustritte in der Schlucht am Wasserfall der Bau von Häusern kaum möglich war, befasste sich Erzbischof Sigismund III., Graf von Schrattenbach, ernstlich mit der Errichtung eines modernen Badebetriebes in Bad Bruck. Zu diesem Zweck ließ er in den Jahren 1753 bis 1755 das Thermalwasser in Holzröhren von Bad Gastein hinableiten und einem neuerrichteten Haus, welches 12 Personen aufnehmen konnte zugeführt. Die Betreuung der Anlage wurde dem dort wohnenden erzbischöflichen Jäger übertragen. Die Anlagen verfielen aber nach und nach und letztlich musste 1771 das Projekt aufgegeben werden (Quelle: Zimburg).

» Eine Verlegung des Kurortes Bad Gastein aus der Schlucht ist unerwünscht «
1776 - Dass alle Projekte, welche eine Verlegung des Kurortes Bad Gastein aus der Schlucht in eine Gegend, welche bauliche Erweiterungsmöglichkeiten zulassen würden, immer wieder scheiterten, ist auch den ansässigen Wirtstafernen und Badebetrieben zuzuschreiben, welche aus Konkurrenzgründen diese ablehnten, wie Zimburg schreibt.
Als Wortführer dieser Einsprüche fungierte Anton Straubinger, der im Jahre 1786 von seinem Vater Hans III. die Taferne am Mittereck übernommen hatte und bis zum Jahre 1815 seinen Besitz wesentlich vermehren konnte. So besaß er schon im Jahre 1776 in Bad Gastein die Taferne am Mittereck samt "Einfang" (Thermalquellen), die Gemachmühle, die Wetzlmahd und Wetzhalt, ein Grundstück, welches die "Poser" genannt wurde, ein Gut Greimsburg in Hinterschneeberg, das Gut Hirschau (Hinterbaden) und eine halbe Alpe am Nassfeld.

» Pferdethermalbad am Straubinger Platz «
1786 - errichtete Straubinger oberhalb seines Hauses mittels einer hölzernen Zuleitung aus der Wasserfallquelle ein Pferdethermalbad, in welchem alle nach Gastein fahrenden Postpferde in die Schwemme getrieben wurden. Das Bad wurde später auf das linke Achenufer verlegt, wo es bis zur Errichtung des Hotels Austria in Betrieb war (Quelle: Zimburg).

» Neuerrichtung des 1489 gestifteten Armenspital «
1751 - Das einzige Projekt, das verwirklicht werden konnte, war die Neuerrichtung des 1489 gestifteten Armenspitals. Mit Dekret vom - 28. Mai 1745 - bewilligte der - "Stadtsindikus Bürgermeister und Rat zu Salzburg, daß zur besseren Absonderung deren Manns- und Weibspersonen beim Wildbad Gastein anstatt des dermaligen ein anderes bequemeres Spitalhaus erbaut werden konnte". wie Zimburg schreibt.
Dieser Antrag kam erst 1751 zur Ausführung. Das neue Armenspital wurde an der Stelle des heutigen Hotels Gasteinerhof (Oberhaus) und des alten Armenbadspitals (das heutige Unterhaus dieses Hotels) errichtet. In der 1751 erbauten Form blieb das Armenbadspital stehen, bis es im Jahre 1893 dem Neubau des Hotels Gasteinerhof weichen musste.

Besitzverhältnisse an den Quellen

Nachdem Salzburg österreichisch geworden war, kamen die ehemals erzbischöflichen Quellen und das von Hieronymus erbaute Badeschloss an den Staat. Kaiser Franz I. gab nach 2 Jahren seiner Amtszeit den Auftrag, dem Ursprung der Thermen durch Errichtung von schützenden Stollen entgegenzufahren. Bisher waren diese Quellen nur notdürftigst so weit gefasst, dass eine Ableitung in die Bäder ermöglich werden konnte. Gegen Regenwasser und Verunreinigungen aber blieben sie ungeschützt.
Durch den Schönbrunner Frieden kam das Land Salzburg im Jahr 1810 an Bayern, welche aber den Ausbau trotz vorhandener Pläne nicht vorantrieben. Die Errichtung verschiedener Neubauten, insbesondere des Straubinger-Neubaues im Jahre 1826 und die bevorstehende Leitung des Thermalwassers nach Hofgastein, machten es später notwendig, die Rechtsverhältnisse des Thermalwasserbezuges zu regeln, was im Jahre 1831 auch geschah (Quelle: S. Hinterseer).

» Quellen in Privatbesitz «
1791 - Straubinger überließ im Jahre 1791 Erzbischof Hieronymus seine Straubingerquelle, welche in das Badeschloss geleitet wurde. Der Erzbischof ließ dann die Quelle auf seine Kosten ordentlich fassen und durch einen Stollenbau sichern. Der Thermenursprung erhielt nun die Bezeichnung "Fürstenquelle" - heute "Rudolfsquelle".
Dass die Quellen in Privatbesitz waren, bildete ein bedeutendes Hindernis für die Entwicklung des Badeortes. Auch die Landesherren hatten sich, wenn auch im Besitz des Bergrechtes, wenig um das Wasserregal gekümmert. Veit Straubinger erhielt daher ohne weiteres die Erlaubnis, die Quelle bei seinem Hause zum Schutze gegen Verunreinigungen zu fassen.

» Stollenbau zum Schutz der Quellen «
1807 - Kaiser Franz I. kam im 2. Jahr seiner Regierung nach Gastein - 3. Oktober 1807 - und veranlasste, dass die Quellen vermittels Stollenbau angefahren und neu gefasst werden. In den folgenden Jahren - 1819 bis 1827 - mauerte man diese Stollen dann verschiedentlich neu aus. Ab 1829 - finden sich endgültige Abmachungen über die Rechtsverhältnisse des Thermalwasserbezuges. In den Jahren 1853 - 1863 verwaltete der Böcksteiner Bergverwalter Karl Reißacher die Gasteiner Thermen. Von ihm stammt auch die vollständige Ortung und Bezeichnung der einzelnen Quellen.

» Das Land Salzburg ewirbt die Quellen «
Im Jahr - 1869 - erwarb das Land Salzburg vom Finanzärar um den Betrag von 75.000 Gulden "das Badeschloß samt Zubehör und Fahrnissen, dann die Thermen in Wildbad Gastein, ferner den ärarischen Bergwerksbesitz in Böckstein samt den betreffenden Fahrnissen und Werksgerätschaften unter Übernahme der auf letzteren Entität derzeit noch haftenden Last für das Vikariat Böckstein". Dieser Besitzwechsel war für Bad Gastein von größter Bedeutung, denn nunmehr mussten die Investitionen zur Verbesserung der Badeeinrichtungen nicht mehr vom österreichischen Staate, sondern vom Salzburger Landtag bezahlt werden. (Quelle: Zimburg, 1948). Zwischen 1882 und 1884 erfolgte der Bau einer neuen Thermalwasser-Hebemaschine (wo heute das E-Werk steht).

» Der "Allerhöchste Familienfonds" erwirbt die Gasteiner Thermalquellen «
1886 - Die Finanzlage des Landes verschlechterte sich zusehends, so dass man trachten musste, Besitz abzustoßen. Dies veranlasste eine ganze Anzahl von Banken dazu, an das Land Salzburg mit dem Ansuchen heranzutreten, die Gasteiner Thermalquellen zu verkaufen. Um zu verhindern, dass die Thermalquellen an Finanzinstitute fällt, entschloss sich der damalige Bad Gasteiner Bürgermeister Carl Straubinger, mit einer Abordnung von Gasteinern nach Wien zu fahren, um dem Kaiser selbst den Ankauf der Thermen vorzuschlagen. Tatsächlich ging der Kaiser auch auf diese Bitte ein, und so erwarb der "Allerhöchste Familienfonds" am - 16. April 1886 - die Gasteiner Thermalquellen mit dem Badeschloss und anderen Grundstücken um den Betrag von 550.000 Gulden zusätzlich 5 Prozent Zinsen.

» Gemeinde kauft Thermalquellen «
1912 - Im Jahre 1897 pachtete dann die Gemeinde die Heilquellen vom kaiserlichen Familienfonds, so dass sie selbst über das Heilwasser nach Gutdünken verfügen konnte und erwarb diese schließlich im Jahre 1912 um 2,500.000 Kronen.

» Servitut für öffentliche Thermalwasser-Brunnen «
Schon im 19. Jh. wurden den Gästen Thermalwasser-Trinkkuren von den Ärzten verordnet. Dazu stand 1837 ein Trinkbrunnen am Straubingerplatz (existiert nicht mehr) und eine Trinkbrunnenanlage in der ebenfalls nicht mehr bestehenden Wandelhalle.
Seit - 1927 - besitzt die Kurverwaltung Bad Gastein ein Servitut für öffentliche Thermalwasser-Brunnen. Dazu wurde ein Brunnen in der Eingangshalle des alten Kurhauses errichtet (jetzt im ersten Stock des Thermalkurhauses), im alten Kriegerdenkmal am Mozartplatz, im - Quellpark - unterhalb des Hotels Straubinger und in Badbruck vor dem Kurhaus.
1984 wurde, über Anregung der Freunde des Gasteiner Museums, von der Gemeinde und der Kurverwaltung auf dem Platze vor dem neuen Kur- und Kongresshaus ein - Thermalwasser-Trinkbrunnen - aufgestellt, der von dem Wiener Bildhauer Prof. Hubert Wilfan gestaltet wurde. Die Aufstellung eines weiteren Thermalwasser-Brunnens erfolgte 1989 in der zuvor renovierten Bad Gasteiner Bahnhofshalle. Die aus Adneter Marmor gefertigte - Brunnenschale - befand sich ursprünglich in der Wandelhalle (Quelle: S. Hinterseer/Lorenz Krisch, Geschichte Gasteins).

Thermalwasser-Analysen

Erklärungsmodelle, wie das Thermalwasser seine Heilwirkung hervorbringt, Thermalwasseranalysen und die heilbringende Wirkung kleinster Radondosen werden auf der Seite - Thermalwasseranalysen - beschrieben. Nachfolgend eine Quelltabelle, zusammengestellt von den Physikern Ruschitzka und Wallner;
- entnommen dem Badebüchlein von Dr. Gerke, 1946 - welche insbesondere den höchst unterschiedlichen Emanationsgehalt der Quellen aufzeigt.

Quell-Tabelle : Ruschitzka und Wallner
Quelle Quell-
austritte
10E10 Curie/l Mache-E. Temp. °C Ergiebigkeit
m³/24 h
Franz-Josephs-Stollen 20 47-335 13-92 37.2-46.3 220
Rudolfs-Stollen 2 160-248 44-68 47.0 - 47.2 428
Lainer-Stollen 2 338-346 93-95 47.3-47.4 156
Wasserfallquelle 1 426 117 36.4 352
Doktorquelle 2 175-480 95 44.5 95
Franzens-Quelle 2 2 0.7 41.7 14
Elisabeth-Stollen 11 146-743 40-204 44.1-46.7 2502
Fledermaus-Stollen 3 1097-1420 301-390 37.1 11
Reissacher-Stollen 3 688-973 189-267 39.2-41.2 474
Mitteregg-Quelle 1 55 15 36.8 14
Kanalquellen 3 18-357 5-98 26.2-33.8 92
Sophien-Quelle 1 933 256 38.0 108
Grabenbäcker-Quelle 1 710 195 36.8 114
Mesnil-Quelle 1 714 196 35.7 88
Quell-Tabelle entnommen dem Gasteiner Badebüchlein von Dr. Otto Gerke, 1946, S.116 -
- siehe auch die - Quellanalyse 1978 - zum Vergleich . . .

Dr. Gerke stellt weiter fest, dass der Tabelle die in großen Untersuchungsserien im Rahmen des Forschungsinstituts durchgeführten Messungen zugrunde liegen, die eine Bestätigung und Erweiterung der 1904 und 1920 von Mache selbst vorgenommenen Bestimmungen darstellen. Durch die Quellneufassung der Elisabeth-Südquelle wurde eine 2-5fache Steigerung des Radongehaltes gefunden. Die erstmalige Messung kleinerer Quellaustritte ergab den höchsten bisher gefundenen Radongehalt bei der Fledermaus-Quelle (400 ME.) und eine fast fehlende Aktivität bei der Franzens-Quelle.
Ruschitzka und Wallner haben in der Folge das gesamte Quellsystem in zwei große Gruppen eingeteilt. Das obere Quellgebiet (Franz-Josephs-, Rudolfs- und Lainer-Stollen) weist höhere Temperaturen und niedrigeren Radongehalt auf, das untere Quellgebiet (Reissacher-, Sophien-, Grabenbäcker-, Mesnil-Quelle) hat niedrigere Temperaturen und ist radonreicher. Am Schnittpunkt der beiden Gruppen liegt die Elisabeth-Quelle.

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Filialbadeanstalt - Hofgastein, Briefe
  - Trinkkur - von Dr. Gustav Pröll
Siehe auch die Seiten:
  - Thermalquellen -
  - Kurgäste Gasteins -

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" - von Sebastian Hinterseer, 1977 - dem Buch "Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales" von Zimburg und dem Buch "Gastein und seine Geschichte" von S. Hinterseer/L. Krisch, Verlag F. und Ch. Feichter Badgastein 1996 - entnommen. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben.

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