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Gasteiner Krampuslauf

» Der nächtliche Perchtenlauf der ersten Rauhnacht «

Der Gasteiner Krampuslauf ist heute noch unumstritten der am tiefsten verwurzelte Brauch in der Gasteiner Bevölkerung und begründete sich im Glauben, dass die Nähe der Geister in den Rauhnächten stark spürbar sind und die finsteren Mächte in dieser Zeit besonders Macht haben.
Besondere Macht haben sie in den Rauhnächten u. a. am Nikolaustag, dem Christfest, dem Neujahrstag und dem Dreikönigstag. Das Abbrennen von Räucherwerk am Christabend und in der Neujahrsnacht, als alter Domänenvertreibungskult, ist einer der vielen Bräuche aus heidnischer Vorzeit. Das Krampuslaufen, als letzter Rest des nächtlichen Perchtenlaufes findet in der ersten Rauhnacht statt, vom 5. zum 6. Dezember.
Heinrich von Zimburg schrieb in seinem Buch "Der Perchtenlauf in der Gastein" Perchtenfiguren, Perchtenläufer, Krampuslaufen und deren Hintergründe, ebenso wie Horst Wierer im Buch "Die Gasteiner Passen" - Verlag Hochwarter, Ursachen, Entstehung und Weiterbestehen des Gasteiner Krampuslaufes beschreibt. Auszugsweise und teilweise gekürzt sollen hier einige Textstellen wiedergegeben und kommentiert werden.

» Horst Wierer : Perchten- und Krampuslauf bis ins 17. Jh. in der Gastein «
"Bis ins 17. Jh. gab es im Gasteinertal zwischen den Perchtenläufen und dem heutigen Klaubauflaufen am 5. und 6. Dezember keinen Unterschied. Die Jugend vermummte sich in den Tagen des Advents, besonders in den Rauhnächten und zog, ausnahmslos nur in der eigenen Ortschaft von Haus zu Haus durch die Dunkelheit. Im Gegensatz zu heute, wo die Passen teilweise mehrere Ortschaften aufsuchen, war dies bis Anfang des 19. Jhs. unmöglich. Beim Überschreiten dieser Dorfgrenzen kam es zu großen Raufereien, Verletzungen waren nicht selten und sogar Totschlag. Die sogenannten Perchtenkreuze zeugen davon. Auch fand sich beim Perchtenlauf für Mädchen und Burschen Gelegenheit im nächtlichen Perchtentreiben einander zu treffen . . ." - was zu dieser Zeit, wie eine Verordnung des Gasteiner Landrechts aus dem Jahre 1792 nachzulesen ist, keine Selbstverständlichkeit war. Die Larven waren bis ins ausgehende 18. Jh. dabei immer tierähnlich und hatten bis Anfang des 20. Jahrhunderts. fast immer nur 2 Hörner und zudem menschliche Gesichtszüge. Dabei liefen die Perchten nicht nur am 5. und 6. Dezember, sondern mehrmals bis zum 6. Jänner. Es gab also keinen Unterschied zwischen Krampus- und Perchtenlauf.

» H. Wierer / W. Zimburg : Nikolaus und Engel werden in die Passen aufgenommen «
"In Tirol gab es die sog. Nikolospiele, die meist in Form von Theateraufführungen vorgetragen wurden. Aber auch einzelne Dörfer und Gehöfte wurden vom Hl. Nikolaus und Vorgeher, Engel, Teufel und Tod aufgesucht. Der Hl. Nikolaus prüfte dabei die Religionskenntnisse und wirkte immer auch belehrend. Diese Spiele und Umzüge wurden von der katholischen Kirche sehr gefördert. Da die nächtlichen Perchtenläufe nicht kontrollierbar waren und man deren Treiben auch im Gasteinertal nicht Herr werden konnte, versuchte die Obrigkeit den Hl. Nikolaus mit Engel in die einzelnen Passen zu integrieren. Dies war deshalb ohne Schwierigkeiten möglich, da die so genannten Paradeisspiele (paradeisos= Paradies), welche bereits im 16./17. Jh. in diversen Chroniken verzeichnet sind, bei der Bevölkerung in Gastein überaus beliebt waren und die Bauernburschen gerne die populären Figuren dieser Stücke in ihre Pass integrieren wollten. Die Passen zogen sich dadurch das Wohlwollen der kirchlichen Behörden zu und der Obrigkeit gelang eine gewisse Kontrolle des nächtlichen Treibens. Nur die von dieser Zeit an verfemte und auch verfolgte Kötschachtaler/Kötschachdorfer-Pass hielt an den alten Traditionen fest und verweigerte die Einverleibung von Engel und Nikolaus bis zur letzten Rauhnacht am 6. Jänner. Aus dieser Pass ist letztlich der Gasteiner Perchtenlauf in der heutigen Form entstanden."

» 18./19. Jh. - Verbot der Nikolo-Spiele und der Klaubaufläufe «
"Bei den Paradeis-Spielen als eine der bedeutendsten religiösen Volksschauspielen nahmen als Hauptfigur der Hl. Nikolaus, Luzifer (Teufel), Tod, Engel und Vorgeher teil. Ende des 18. Jh. wurden dann alle Nikolausspiele, inklusive das Paradeis-Spiel und die Klaubaufläufe verboten. Die Passen blieben aber unbeeindruckt und wegen der Abgeschiedenheit des Gasteinertales konnten die Behörden das Verbot auch nicht durchsetzen und blieb wirkungslos. Die Klaubaufgruppen in ihrer heutigen Form, sowie die Sprüche des Hl. Nikolaus sind so als ein letzter Rest dieser einst häufig aufgeführten Volksschauspiele zu sehen."
Zimburg schreibt in seinem Buch: "Der Perchtenlauf in der Gastein" - das der Perchtenlauf als ein Rest des heidnischen Volksglaubens angesehen wurde und deshalb die Salzburger Erzbischöfe mehrfache Verbote gegen diesen Brauch erließen. So verbot ein Hofgerichtsbefehl vom 12 . Februar 1730 das Perchtenlaufen zu Heiligen Drei Königen, "damit die Schranken christlicher Zucht und Ehrbarkeit nicht überschritten werden". Bemerkenswert ist ein salzburgischer Militärakt aus dem Jahre 1763, der besagt: "Peter Kalsleitner von St. Martin bei Radstadt wurde laut Rekrutenliste vom Jahre 1763 wegen verbotenen nächtlichen Perchtenlaufens assentiert." Auch ein - Schriftstück - des Pflegers von Mittersill aus dem Jahre 1818 zeigt, mit welchem Unverstand man behördlicherseits das Perchtenlaufen auszurotten versuchte. Besonders erfreulich ist es, dass das Kreisamt in Salzburg diese Ansicht des Landesrichters nicht teilte, was aus dem - Antwortschreiben - hervorgeht. Im Revolutionsjahr 1848 erließen die salzburgischen Landesgerichte ein generelles Verbot des nächtlichen Perchtenlaufes. Noch Ende des 19. Jh. bestand in Hofgastein ein derartiges Verbot.

» Körbeltrager / Guazltrager - der Vorgeher der Paradeis-Spiele «
"Der Vorgeher der Paradeis-Spiele wurde ebenfalls in die Klaubaufpassen integriert und wurde - gleich gekleidet wie bei diesen - zum Körbel- oder Guazltrager (Guazl= Gasteiner Ausdruck für Süßigkeit). Diese Figur war besonders notwendig, da es sich beim Gasteiner Krampuslaufen um einen Heischebrauch handelt. So musste eine Person vorhanden sein, um einerseits Süßigkeiten im Korb mitzutragen und andererseits Speck, Würste und dergleichen von den Besuchten entgegenzunehmen. Der Begriff - Heischebrauch - findet man bereits in Chroniken aus dem 17. Jh. und meint damit, dass das Erbitten von Gaben wesentlicher Teil des Brauches ist. Anstatt Naturalien gibt man heute Geldgaben."

» 20. Jh. - Aufhebung der Verbote «
Mit Ende des 19. Jhs. wurden alle Verbote das Perchten- und Krampuslaufen betreffend aufgehoben, dennoch gibt es von der Gemeinde erlassene Vorschriften. Auch die - Krampuslaufordnung - von 1913 gibt uns einen Einblick über derartige Vorschriften. Auch heute noch müssen alle Klaubaufpassen bei der Gemeinde gemeldet sein."

Siehe weiter im - Doku-Archiv - zu diesem Thema:
  - Krampusregeln und Verbote -
  - Gasteiner Perchtenlauf -
Siehe auch die Seiten:
  - Krampuslauf - in Gastein
  - Klaubaufpassen - im Gasteinertal
  - Perchtenlauf - Geschichte

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Anmerkung: Die Informationen wurden auszugsweise dem Buch - "Der Perchtenlauf in der Gastein" Heinrich von Zimburg, 1947 - sowie dem Buch "Die Gasteiner Passen" von Horst Wierer, Bad Hofgastein, Verlag Hochwarter 2002 - entnommen. Die Textauszüge wurden hier teilweise unverändert wiedergegeben.

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Gastein im Bild - Gasteiner Krampuslauf
© 2.7.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
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