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EE20 - Gasteinertal/Ereignisse: Marathonlauf Hofgastein-Paris
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Gasteinbilder . Ereignis

Marathonlauf . Hofgastein-Paris
Peter Rathgeb

Der Marathon nach Paris in Begleitung von Peter Perc
- im Tagebuch notiert -

Bramberg/Weyer Kaltenbach Innsbruck Schönwies Dalaas
Buchs Bilten Rotkreuz Huttwil Böetigen
?? Valdehon Bugnay Dijon St. Marc
Bar-sur-Seine Romilly-sur-Seine Landgegend PARIS Arc de Triomphe

1. Etappenziel : Bramberg/Weyer

Peter Rathgeb, Marathonlauf Bad Hofgastein
Sonntag 4. 10. 1. Tag

Start um 9 Uhr in Hofgastein. Unter den Klängen der Musikkapelle ("muß i denn zum Städtele hinaus") sprach Bürgermeister Duxner einige motivierende Worte. Nach ca. 40 km Mittagspause (Essen und Massage) am Straßenrand nahe Zell am See. Ende der Etappe (Weyer-Bramberg), da der ursprünglich anvisierte Etappenort Mühlbach keinen Zeltplatz zur Verfügung stellen konnte? Diese Etappe umfaßte 79 km, wovon die ersten 60 problemlos waren. Die restlichen 19 wurden sehr hart. Nachdem Peter das Zelt aufgeschlagen hatte, gingen wir noch in ein Gasthaus, um die Eindrücke dieser ersten, langen Etappe nochmals Revue passieren zu lassen. Hier im Pinzgau wußten die Leute teilweise aus den Zeitungen Bescheid und da und dort standen einzelne Leute oder Gruppen am Straßenrand und feuerten mich an und klatschten. Hat mich eigenartig berührt. Mein Freund und es Arbeitskollege Roman Portenkirchner hat sich sogar in Reitdorf spontan aufs Motorrad gesetzt, als er es in der Krone gelesen hat und ist mir nachgefahren um mir Glück zu wünschen. Da sieht man die wahren Freunde.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

2. Etappenziel : Kaltenbach

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Montag 5. 10. 2. Tag

6 Uhr Tagwache. Nach Kräutertee und Müsli Start um 7.15 Uhr. Leider haben wir die Mitteilung im Radio nicht gehört, da wir sie am falschen Sender erwarteten. Die heutige Etappe von Weyer (bei Mühlbach im Pinzgau) bis Kaltenbach im Zillertal umfaßte 62 km und fiel mir etwas leichter als diese am Vortag. Der Wetterbericht hat sich gottlob als falsch herausgestellt, wir hatten den ganzen Tag Sonne statt Regen. Wir haben einen netten Campingplatz mit Duschgelegenheit gefunden, welche wir sofort ausnutzten. Jetzt am 19 h sitzen wir gemütlich bei einen Glas Bier und hoffen, dass alles so weiterläuft.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

3. Etappenziel : Innsbruck

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Dienstag 6. 10. 3. Tag

Nach obligatorischem Frühstück und einer naßfeuchten Nacht (Zelt undicht) Start bei herrlichem Wetter durchs schöne Zillertal. Anschließend ging es über Schwaz und Hall nach Innsbruck. Ich hatte den Eindruck, als würde die Stadt niemals enden, doch jetzt befinden wir uns an einem schönen, aber teuren Zeltplatz (104,- S) etwas außerhalb von Innsbruck. Die morgige Etappe wird uns in die Nähe von Landeck bringen. Wir nähern uns also dem Arlberg. Alles in allem würde ich die heutige Etappe als mittelschwer bezeichnen. Sie betrug übrigens exakt 60 km.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

4. Etappenziel : Schönwies

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Mittwoch 7. 10. 4. Tag

Tagwache um eine halbe Stunde auf 5.30 h vorverlegt. Start um 1/2 7 h bei strömendem Regen, welcher aber nach ca. 3 Stunden aufhörte. Vorbei am schönen Stift Stams in herrlicher Landschaft und über Imst führte uns der Weg zum heutigen Etappenziel "Schönwies" (ca. 10 km vor Landeck). Die Etappe, welche wie die des Vortages 60 km ausmachte, war relativ leicht zu bewältigen, wenn mich nicht während des ganzen Tages Schmerzen im rechten Sprunggelenk geplagt hätten. Diese habe ich allerdings auch schon des Öfteren während des Trainings verspürt und messe ihnen daher keine größere Bedeutung bei. Habe gerade meine Mahlzeit (Rindsgulyas) beendet. War sehr gut.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

5. Etappenziel : Dalaas

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Donnerstag 8. 10. 5. Tag

Tagwache wiederum um eine halbe Stunde auf 5 Uhr vorverlegt (dabei bleiben wir). Nach Kräutertee (sehr angenehm zu trinken) und Müsli (Milch war sauer geworden, mir war ziemlich schlecht) Start in Schönwies um 6 Uhr. Um 12.50 Uhr war St. Anton am Arlberg erreicht und um 16.40 Uhr war die "Königsetappe" beendet. Im direkten Vergleich muß ich sagen, daß mir der Gerlospaß mehr zugesetzt hat als der Arlberg. Hoffentlich liegt das aber auch zum Teil an aufsteigender Form. So alles glatt läuft ist es möglich, morgen nach Durchquerung von Lichtenstein schon die Schweiz zu erreichen. P.S. Der Etappenort hieß Dalaas am Arlberg. Die heutige Etappe betrug 62 km. Heute haben wird insgesamt 1/4 der Strecke bewältigt.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

6. Etappenziel : Buchs (CH)

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Freitag 9. 10. 6. Tag

Tagwache um 5 Uhr. Zelt trotz Imprägnierungsspray weiterhin durchlässig. Start um 6 Uhr. Über Bludenz und Feldkirch gehts hinein ins Fürstentum Lichtenstein, von wo aus wir nach gut einer Stunde die Schweiz (Buchs) erreichten, wo wir auch unsere Zelte aufgeschlagen haben. An sich bereitet mir außer dem überreizten Sprunggelenk, welches mich den ganzen Tag regelrecht peinigte (ich bin geschwollen und hinke) nichts Schwierigkeiten. Ich kann nur hoffen, daß es sich irgendwann etwas beruhigt. Die heutige Etappe betrug 59 km. Peter und ich hatten ausgemacht, an der Grenze zwischen Lichtenstein und Schweiz zu filmen (möglichst mit Grenzbeamten u.s.w) mußten aber feststellen, dass es sich hier um eine "offene" Grenze handelt. Es gibt da keine Grenzstelle.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

7. Etappenziel : Bilten

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Samstag 10. 10. 7. Tag

Wie üblich Tagwache um 5 Uhr. Nach Müsli und Kräutertee Start um 6 Uhr von Buchs. Über Sorgans, Flums (Marie Therese Nadig), Walenstadt (See) und Niederurnen ging es bei Regen zum 61 km entfernten Bilten. In Ermangelung eines Zeltplatzes hat Peter das Zelt im tiefen Wald aufgeschlagen. Es regnet noch immer. Heute hatte ich eine Auseinandersetzung mit der Polizei (ich ging an einer Autoschnellstraße ohne Gehsteig), welche sehr lustig verlief. Mein Fuß machte heute gottlob keine größeren Schwierigkeiten. Hoffentlich bleibt es auch in Zukunft so. Heute haben wir 1/3 der Gesamtstrecke erreicht.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

8. Etappenziel : Rotkreuz

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Sonntag 11. 10. 8. Tag

Start um 6 Uhr. Es hat die ganze Nacht geregnet und Peters Schlafsack ist waschelnaß. Hoffentlich verkühlt sich keiner von uns. Heute hatte ich den ganzen Vormittag mit strömenden, sintflutartigen Regenfällen und unglaublichen Windböen zu kämpfen (Gegenwind). Auf der Straße stand das Wasser teilweise 10 cm hoch. Meine Schuhe sind triefend naß. Das Zelt hat Peter wieder auf einer Wiese aufstellen müssen (kein Zeltplatz). Hoffentlich regnet es nicht zu stark. Habe mir gerade einen Vorderzahn ausgebissen. Sieht abenteuerlich aus. Habe eben mit Herrn Bieri (30 km entfernt) telefoniert. Wir sind morgen mittag zum Essen eingeladen. Anschließend gehen wir baden und dann gehts am selben Tage weiter. Heutige Etappenlänge 61 km. Der Etappenort heißt Rotkreuz.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

9. Etappenziel : Huttwil

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Montag 12. 10. 9. Tag

Tagwache 5 Uhr. Start um 6 Uhr. Es regnet schon wieder sehr stark. Mein Allwetteranzug ist zwar gut, aber nach Stunden im Regen läßt er doch etwas durch. Heute um 9.45 Uhr erreichten wir Hellbühl (Bieri), wo wir erst um 1/2 2 Uhr (nach Filetsteakessen und Wärmebad) wieder weiterkamen. Die Bieris waren furchtbar nett. Um nicht den Etappenort Huttwil (61 km) in totaler Finsternis zu erreichen mußte ich stark forcieren, was mir mein rechter Oberschenkel offenbar übelnahm (sehr starke ziehende Schmerzen). Mittlerweile hat mir aber "Spezialmasseur" Peter durch gekonntes Recken den Schmerz gelindert bzw. vertrieben. Morgen sollten wir normalerweise Biel erreichen, wo ich mit Peter einen kleinen nostalgischen Bummel durch die Altstadt zu machen gedenke.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

10. Etappenziel : Büetigen

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Dienstag 13. 10. 10. Tag

Start bei Regen. Nach ca. 1 Stunde begann mein rechter Oberschenkel dermaßen zu schmerzen, daß ich mich nur humpelnd fortbewegen konnte (sicher eine Folge des Vortages). Nachdem mich Peter einigermaßen fitmassiert und mit der Elastickniebinde versehen hatte, ging es halbwegs erträglich weiter. Peter hat mir übrigens vorübergehendes Laufverbot erteilt, da dieser Beanspruchung nach über 600 km die gesamte Muskulatur nicht mehr gewachsen ist. Heute Vormittag habe ich aufgrund der Verletzung (Zerrung oder Überreizung) ungefähr 10 km verloren, von denen ich am Nachmittag nur noch 5 km aufholen konnte. Daher betrug die heutige Etappe nur 55 km. Peter hat einen Zeltplatz bei unheimlich netten Bauern gefunden. Etappenname Büetigen.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

11. Etappenziel : ?

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Mittwoch 14. 10. 11. Tag

Die kälteste Nacht bisher (Reif). Ich hatte ungefähr bis 11 h trockenes Wetter, aber dann setzten Regenfälle ein, die schwer zu beschreiben sind und welche zur Stunde noch anhalten. Seit mir Peter letzte Nacht während der Massage ca. 1/4 - 1/2 Liter Franzbranntwein hinaufschüttete (Verschluß war abgegangen), kenne ich auch das Gefühl einer Frau in den Wechseljahren. Mein Oberschenkel meldete sich zwar wieder 2-3 mal ordentlich, aber es gelang jedesmal ihn halbwegs zu beruhigen. Durch den stundenlangen Marsch im Regen würde ich die 61 km betragende Etappe als schwierig apostrophieren. Spät aber doch habe ich das Packerl für Miriams Geburtstag fertig und Peter schickt es morgen ab. In Ermangelung von Handschuhen habe ich den ganzen Tag Socken an den Händen getragen.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

12. Etappenziel : Valdehon

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Donnerstag 15. 10. 12. Tag

Heute Nacht wäre uns fast das Zelt davongeflogen, so sehr fegten Regenstürme übers Land. Ich hätte gestern am Abend nicht nach dem Resultat Österreich-BRD 1 : 3 fragen sollen. Die Nachricht von der Niederlage hat mich noch lange wachliegen lassen. Ich habe mich schon auf Regen und Sturm bis Paris eingestellt. Denn heute dauerte es genau von 6 Uhr bis 10 Minuten nach 6 Uhr, bis die Schuhe total durchnäßt waren. Kein angenehmer Gedanke, damit zumindest 11 Stunden herumzulaufen. Aber sonst verlief die 60 km betragende Etappe recht gut, keine nennenswerten Beschwerden. Damit man sich ein Bild davon machen kann, mit welchen Windböen ich zu kämpfen hatte geht daraus hervor, daß ich heute 2 x nahe daran war zu stürzen, weil stärkster Gegenwind plötzlich aufhörte. Heute haben wir ca. 2/3 der Gesamtstrecke bewältigt. Der Etappenort heißt Valdahon. Heute muß ich dauern an das Geburtstagskind Miriam denken. Es stimmt mich etwas traurig, dass ich gerade heute nicht zu Hause sein kann.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

13. Etappenziel : Bugnay

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Freitag 16. 10. 13. Tag

Heute Nacht war es relativ ruhig. In der Früh waren zwar einige Spritzer zu spüren, aber gerade als ich dachte, wieder ein Regentag, beruhigte sich das Wetter und es wurde so nett, daß ich zeitweise versucht war, den Oberkörper frei zu machen. Heute habe ich mich um 12 km vergangen. Dann machen wir es so, daß Peter mich sucht und von dem Punkt aus, wo er mich einholt, genau den Kilometerzähler kontrolliert bis zurück zur Kreuzung und eben besagte Distanz fährt er mich dann in die richtige Richtung, von wo aus ich dann weitermache. Dieses Frankreich ist, was telefonieren betrifft, hinterste Provinz. Peter und ich versuchten mehrmals nach Österreich durchzukommen. Leider ohne Erfolg, was uns aber auch nicht daran hindern kann, Donnerstag Abend in Paris einzulaufen. Etappenlänge 57 km. Etappenort Bugnay.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

14. Etappenziel : Dijon

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Samstag 17. 10. 14. Tag

Wie üblich Tagwache um 5 h. Start um 6 h. Es ist trockenes Wetter (schon der 2. Tag), was auf ein schönes Wochenende hoffen läßt. Ist aber auch gut so, denn meine Schuhe sind alle feucht bis naß. Heute haben wir uns wieder verloren. Peter hat mich 1 Stunde gesucht (mit dem Auto!). Hier ist vieles relativ kompliziert nicht zuletzt deshalb, weil Peter kein Französisch spricht und ich fast nie bei ihm bin, wobei ich gestehen muß, dass auch meins besser sein könnte. Am Ende der heutigen Etappe haben wir Dijon durchquert. Die Stadt ist so groß, daß wir anstatt der anvisierten 60 km 65 km machten, bis wir endlich einen Zeltplatz fanden. Die Stimmung ist ausgezeichnet und immer öfter sprechen wir nach bisher 863 km von Paris.
Die Saone ist über die Ufer getreten und ich mußte Hose, Socken und Schuhe ausziehen und durch ca. 1/2 Meter tiefes, ca. 150 Meter breites, eisiges Schlammwasser durchwaten.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

15. Etappenziel : St. Marc

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Sonntag 18. 10. 15. Tag

Heute bald nach dem Start habe ich eine Tafel gesehen, welche mich ungemein motiviert (PARIS 293 km). Da wurde mir schlagartig klar, wie nahe ich meinem großen Ziel schon gekommen war. Leider hat es wieder fürchterlich geregnet und gestürmt. Eine dieser Sturmböen hat Peter einen der beiden Scheibenwischer abgerissen. Gegen Ende der Etappe wurde es wieder schöner. Da mein letztes Bad bei den Bieris schon 6 Tage zurücklag, habe ich mich von Kopf bis Fuß auf einer Wiese neben der Straße gewaschen. die Autofahrer haben vielleicht geschaut, als sie mich nackert auf der Wiese stehen sahen. Aber nach 2 Wochen Vagabundendasein schreckt man vor faßt gar nichts mehr zurück. Es ist unglaublich, aber noch vier lächerliche Etappen und wir erreichen Paris und damit June, auf die ich mich mehr freue als auf Paris selbst.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

16. Etappenziel : Bar-sur-Seine

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Montag 19. 10. 16. Tag

Start um 6 Uhr bei strömenden Regen, welcher aber nach ca. 3 Stunden aufhörte. Heute kamen wir unter 200 km. Ein herrliches Gefühl. Peter hat heute den Zettinig Fritz angerufen und dieser hat meine Eltern informiert, welche wiederum June verständigten, daß sie morgen Früh nach Paris fahren soll. Am Freitag werden um ca. 1/2 10 h am Arc de Triomphe wahrscheinlich nur June, Peter und ich sein, weil die Frau von der österreichischen Fremdenverkehrswerbung in Paris an der Publikmachung der Sache desinteressiert ist. Uns ist das aber völlig egal. Es geht uns nur ums Sportliche. Morgen werde ich sie anrufen und auch die Zimmer, welche sie nach Telefonat mit Peter nach langem belehrenden hin und her zu bestellen versprach, abbestellen. Wir brauchen von denen nichts. Meinetwegen Zelten wir unterm Arc de Triomphe und mit dem letzten Geld, das wir zusammenkratzen, kommen wir wahrscheinlich bis Gastein. Aber Bettler waren wir nie. Etappenort: Bar-sur-Seine, Länge 62 km.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

17. Etappenziel : Romilly-sur-Seine

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Dienstag 20. 10. 17. Tag

Das es den ganzen Tag gegossen und gestürmt hat, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Heute um 10 h habe ich die inzwischen schon bestellten Zimmer wieder abbestellt und gesagt, sie bräuchten sich ab sofort nicht mehr um uns kümmern. Irgendwie werden wir schon über die Runden kommen. Heute mußte ich bis 1/2 7 h laufen, da ich am Nachmittag den Kurdirektor angerufen habe. Bis Peter mich von der Straße zum Postamt und anschließend wieder an die Stelle gefahren hatte, war fast eine Stunde vergangen. Das Marschieren in der Dunkelheit (Laufen unmöglich) ist extrem gefährlich. Wir sind schon sehr neugierig auf den Empfang in Hofgastein am Sonntag. Scheint lauf Telefonaussage schön langsam zu einem kleinen Volksfest auszuarten. Etappenlänge: 64 km. Am Abend esse ich immer was mir schmeckt und trinke 2-3 Bier dazu. Die Bioprodukte (Naturreis, Weizen etc.) außer Müsli habe ich 2 Tage vor Paris noch nicht angerührt. Wäre aber auch fast unmöglich, nach den Strapazen und bei diesem Wetter auf dem winzigen Kocher Biokost zuzubereiten. Da zieht man ein warmes Gasthaus vor. Wir zelten ca. 10 km vor Romilly-sur-Seine.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

18. Etappenziel : Weites Land

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Mittwoch 21. 10. 18. Tag

Jetzt wird es langsam Zeit, daß wir in Paris einlaufen. Nachdem vor einigen Tagen der Blasebalg verloren ging, ist seit 2 Tagen die Luftmatratze nicht mehr dicht. Peter bläst sie mir zwar noch auf, aber bis zur Tagwache (5 h) liege ich am Zeltboden. Heute Nachmittag war Härte Trumph. Ich bin in einen Hagelschauer geraten (ca. Erbsengröße) und bin 15 Minuten kaum einen Schritt vorwärts gekommen. Trotzdem habe ich während der ganzen Zeit "Heidelbeeren" von Wilfried gesungen. Jetzt habe ich noch genau 65 km bis Paris. Das ist mehr als lächerlich. June ist seit gestern Abend auch schon in Paris. Hoffentlich hat sie genug Geld mitgenommen. Wir sind nämlich total abgebrannt. Trotzdem werden wir morgen Abend eine kleine Feier veranstalten. Ich habe extra die 2 Bierkrüge aus München mitgenommen. Etappenlänge 65 km, Kein Dorf in der Nähe (Landgegend).
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

19. Etappenziel : Charenton-le-point Paris

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Donnerstag 22. 10. 19. Tag

Heute wollte ich noch einmal die ganze Etappe (65 km) durchlaufen, mußte aber nach 50 km humpelnd auf Marsch umschalten. Heute habe ich zum ersten Mal beim Mittagessen Bier statt Kräutertee getrunken, aber ich denke, 18 km vor Paris kann man sich sowas schon erlauben. Es war schon ein unbeschreibliches Gefühl, als wir um 16.15 h PARIS erreichten. Es hat natürlich wieder in Strömen gegossen. Jetzt, nachdem alles vorbei ist, muß ich sagen, dass ich sehr glücklich bin, daß ich es in nur 19 Tagen geschafft habe und muß im gleichen Atemzug Peter, meinen Freund, Betreuer und Weggefährten ein ganz großes Lob spenden. Denn so wie er das alles gemanagt hat (ohne jegliche Erfahrung auf diesem Gebiet, insbesondere Massage) war schon richtig toll. Als ich in Hofgastein gestanden bin und die Musik "Muß i denn zum Städtele hinaus" spielte und einige der zahlreichen Anwesenden mir aufmunternde Worte zuriefen, da habe ich mir geschworen, alles zu tun um nach Paris zu kommen und nur im alleräußersten Notfall aufzugeben. Vielleicht ist noch interessant zu erwähnen, daß der vielzitierte "Tote Punkt" bei mir während der gesamten 1200 km nie zu spüren war.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

20. Etappenziel : Arc de Triomphe

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Freitag 23. 10. 20. Tag

Heute Nacht haben wir im Auto geschlafen. Das war nötig, da wir in Paris keinen Platz zum Zelten gefunden haben und uns das Geld für eine Nacht im Hotel fehlte. Leider kann man die Sitze nicht umlegen, sondern nur etwas zurücklehnen, daher war an ordentliches Schlafen nicht zu denken. Um 4 h Früh hatten wir genug, standen auf, frühstückten Pariser Stangenbrot und Roßwurst und ich marschierte in völliger Dunkelheit, gefolgt von Peter in Richtung Arc de Triomphe, den wir um ca. 7 h erreichten. An der Camps Elysee frühstückten wir nochmals ausgiebig und tranken hinterher noch je 3 kleine Bier (sehr teuer!). Es blieb mir gerade noch Zeit und genug Geld um einen Strauß Rosen für June zu kaufen. Das Wiedersehen am Arc de Triomphe verlief sehr herzlich. Jetzt sind wir bei Junes Freundin und deren Mann mitten in Paris, wo wir bis Sonntag um 2 h Früh bleiben. Dann ist nämlich Start in Richtung Heimat (diesmal zur Abwechslung im Auto), wo wir zwischen 3 h und 1/2 4 h in Klammstein erwartet werden.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

Empfang : Klammstein/Bad Hofgastein

Peter Rathgeb, Bad Hofgastein
Sonntag 25. 10. ½ 4 h am
Nachmittag.
Zum Empfang möchte ich schlicht und einfach sagen, daß ich mich nicht schäme zu gestehen, daß ich einen großen Knödel im Hals hatte, so sehr war ich von der Kulisse (geschätzte 800 Leute) beeindruckt. Soviel Herzlichkeit und aufrichtige Begeisterung hatte ich nie und nimmer erwartet. Besonders erwähnen möchte ich den versilberten Zinnteller aus der Hand der Bürgermeisters Duxner, der längst einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer bekommen hat und welcher mich wohl für immer an dieses, vielleicht originellste, härteste Abenteuer meines Lebens erinnern wird.
Verfasser: Peter Rathgeb → Original-Text

Ein historisches Zeitdokument der Tage vom 4. 10. - 25. 10. 1981
- von Peter Rathgeb im Tagebuch notiert -

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Marathonlauf : Peter Rathgeb
© 2020 Anton Ernst Lafenthaler
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