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FL - Flechten im Gasteinertal: Lichenes
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Strauchflechte

Flechten im Gasteinertal

Die Flechten, sind eine besondere Lebensform von Pilzen, welche extreme Austrocknung und Kälte ohne besondere Schwierigkeiten überstehen. Sie können extremste Standorte besiedeln und gehören deshalb auch zu den Pionierpflanzen (Erstbesiedler).
So gut sie extreme klimatische Bedingungen standhalten können, Luftverunreinigungen (Abgase, Rauch) lassen sie sterben. In der Umweltforschung gelten Flechten daher als die Indikatoren für den Grad der Luftverschmutzung.
In der Systematik nehmen sie aufgrund ihrer einzigartigen Symbiose eine gesonderte Stellung ein.

Flechten - (=Lichenes) sind Pilze, welche eine Symbiose (=Lebensgemeinschaft) mit Algen eingehen, auf die sie letztlich angewiesen sind. Diese sog. "Flechtenpilze" (=Mycobionten) sind somit Pilze, welche nur in Anwesenheit bestimmter Algen (Blaualgen, Grünalgen) existieren können. Der Phycobiont ist in erster Linie photosynthetisch tätig; der Pilz hingegen bestimmt den Habitus des Vegetationskörpers. Diese gemeinsame Abhängigkeit ermöglichte eine neue Lebensform, die selbst extremste Umweltbedingungen standhalten kann. Da allein der Pilz die Struktur und Form der Flechte bestimmt, entspricht die Flechtensystematik jener der Pilze. Um Flechten bestimmen zu können helfen ("künstliche") Bestimmungsschlüsseln, die sich in erster Linie am Aufbau des Flechtenlagers orientieren (Wuchsform) aber dabei keinesfalls die verwandtschaftlichen Verhältnisse wiederspiegeln und in der modernen Taxonomie nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Praxisbezogen erweist sich dabei die Einteilung in Wuchsformen. Für eine sichere Flechtenbestimmung ist aber die mikroskopische Aufarbeitung unter Zuhilfenahme chemischer Reagenzien unumgänglich.
Eine Übersicht der Flechtenfamilien findet sich auch im → Glossar - Pilzfamilien.

Flechten Gasteins

Flechtenfamilien der auch im Gasteinertal vorkommende Individuen

Pfeil

Klasse Ordnung Familie → Gattung
Arthoniomycetes Arthoniales Chrysotrichaceae → Chrysothrix
Eurotiomycetes Pyrenulales
Verrucariales
Pyrenulaceae
Verrucariaceae → Dermatocarpon
Lecanoromycetes Acarosporales
Baeomycetales
Acarosporaceae
Baeomycetaceae → Baeomyces
  Lecanorales Haematommataceae → Haematomma
Lecanoraceae → Lecanora - Myriolecis
Lecidaceae → Psora
Ramalinaceae → Toninia
Rhizocarpaceae → Rhizocarpon
Stereocaulaceae → Stereocaulon
  Lecanorales CladoniaceaeCladonia
  Lecanorales ParmeliaceaeAlectoria - Cetraria - Evernia - Flavocetraria - Hypogymnia - Letharia - Parmelia - Platismatia - Pseudevernia - Usnea - Vulpicida
  Peltigerales Collemataceae → Collema
Peltigeraceae → Peltigera - Solorina
  Pertusariales Icmadophilacaea → Icmadophila - Thamnolia
Pertusariaceae → Pertusaria
  Teloschistales Teloschistaceae → Xanthoria
  Umbilicariales Umbilicariaceae → Umbilicaria
 

Wuchsformen

Krustenflechten
Der (krustige) Flechtenkörper (Thallus) ist als Ganzes fest mit dem Substrat verwachsen und kann so auch nicht ohne Verletzung vom Substrat abgehoben werden. Das Lager ist areoliert, schuppig oder placoid.
Bei der typischen Krustenflechte besteht das Lager aus kleinen Areolen, die entweder dicht zusammen oder zu wenigen den Prothallus aufsitzen. Sie können körnige, schorfige oder firnisartige Überzüge bzw. Krusten auf Erde, Rinde Stein, Moosen und Pflanzenresten bilden. Es gibt auch Übergangsformen zu den Blattflechten, wobei langgestreckte, schmale oder schuppig verbreiterte Loben an die Stelle der Thallusareolen treten (placoide Lager). Das ganze Lager kann aus radiär angeordneten, flachen Loben bestehen, die dem Substrat fest anliegen. Flechten, bei denen der Rand der Einzelschuppen nicht mehr mit dem Substrat verwachsen ist, sondern sich aufrichtet, nennt man squamulös (typisch für die Gattungen Lecidea und Lecanora). Krustenflechten mit aufgerichteten Loben bilden einen Übergang zu den Strauchflechten.
Blatt- oder Laubflechten
Laubflechten besitzen einen blattähnliche, sich fächerförmig ausbreitenden Thallus, der am Rand meist gelappt oder kraus ist. Sie sind dorsoventral gebaut und oberseits oder beiderseits berindet. Auf der Unterlage ist der Flechtenkörper meist nur locker durch einzelne Haftorgane (Rhizinen) befestigt und somit leicht vom Substrat ablösbar.
Die Gruppe der typischen (laciniaten) Blattflechten zeigt einen großen Formenreichtum, der sich in der Gestalt und Anheftungsweise der Loben, der Differenzierung von Anhangsorganen wie Rhizinen, Cilien und Tomentum sowie in der äußeren und inneren Struktur des Lagers zeigt.
Typische Blattflechten sind Lobaria, Peltigera oder Parmelia. Die Cetraria zeigen übergangsformen zu den Strauchflechten.
Die Gruppe der umbilicaten oder Nabelflechten sind dabei als Sonderform durch einen einzigen Haftorganstrang, dem Nabel, mit dem Substrat verbunden (Umbilicaria). Der Thallus ist bei allen Nabelflechten deutlich geschichtet und oft zumindest einseitig von einer mächtigen Rinde begrenzt.
Strauchflechten
Strauchflechten sitzen dem Substrat nur mit schmaler Basis auf und sind meist strauchartig verästelt. Die bandförmigen oder drehrunden, meist radiären Loben sind reichlich verzweigt und an der Unterlage entweder mit Rizoiden oder einem im Zentrum des Thallus ausgebildeten Strang, der eine Haftscheibe besitzt, befestigt.
Bandartige Thalli haben z. B. Ramalina oder Letharia. Usnea hingegen hat drehrunde Loben und oft Fibrillen oder eine Haftscheibe oder aber sie hängen locker über Baumästen und werde dann Bartflechten genannt, deren fädigen Abschnitte radiär und reich verzweigt sind (Alectoria, Usnea).
Einige Strauchflechten bilden aufrechte Rasen auf der Erde. Sie bestehen aus einem krustigen oder schuppig-blättrigen Horizontalthallus und einem aufrechten Vertikalthallus. Dabei können sich auf laubartigen Lagern trompeten-, becher- oder strauchartig wachsende Gebilde, die Podetien ausbilden (z. B. Cladonia).

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Anmerkung: Die Informationen und Bestimmungsmerkmale wurden u. a. dem Buch
"Exkursionsflora von Deutschland" von Werner Rothmaler, Band I, Fischer-Verlag 1994 - und dem Buch
"Lichenes" von Aino Henssen und Hans Martin Jahns, Thieme-Verlag 1974 entnommen.
Fehlbestimmungen können nicht ausgeschlossen werden. Beschreibung ohne Gewähr.

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