Stichwortverzeichnis Home Inhaltsverzeichnis Menschenwerke Gasteins
ET - Menschenwerke/Gasteinertal: Siedlungsgeschichte - Montanbezirk Böckstein
Geschichte Gasteins Geschichte Gasteins
Menschenwerke

Menschenwerke . Gasteinertal

Frühe Siedlungen

Montanbezirk Böckstein

Montansiedlung Böckstein Die 1741 in der Barockzeit gegründeten Werksanlagen in Altböckstein sind eine der ältesten, noch erhaltenen, nach einem einheitlichen Plan erstellten Siedlungen dieser Art in ganz Mitteleuropa.

Die Verwaltung des Bergbaues befand sich in Hofgastein im Alten Verweserhaus - heute: Bräu Moser - wobei später Teilbereiche zeitweise in die Peck verlagert wurden. Nach einer Naturkatastrophe im Jahre 1741, wobei das Poch- und Waschwerk in der Peck durch eine unvorhersehbare Schneelawine von der Fuxleithen (heute Böckfeldalm) zerstört wurde, und 11 Bergleute ums Leben kamen, beschloss Landesherr Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian einen anderen, sicheren Platz zu finden. Als Bauplatz für die neue Anlage wählte man die Fläche zwischen dem Hinteren Böckstein (Kirchhügel) und dem Eingang ins Nassfeld, also den Bereich des heutigen Altböckstein.

Das Konzept der Montansiedlung

Der Generalplan dazu wurde von Johann Conrad Hagger ausgearbeitet, der die Anordnung der Gebäude nach einer ausgeklügelten Betriebslogik erstellte und der Struktur nach den Herrschaftsansprüchen genügen sollte. Den höchsten Platz soll dabei die Kirche als Wahrzeichen der geistlichen Macht einnehmen, darunter das Verwalterhaus als Sitz der weltlichen Macht, rechts davon die Arbeitseinheiten und links davon die Wohneinheiten. Diese Einheitlichkeit der Montansiedlung sollte durch die geplante Einkesselung des gesamten Areals noch unterstrichen werden.
Zur Verwirklichung dieses Konzepts kam es aber erst Jahre später, nachdem Erzbischof Andreas Dietrichstein (1747-1753) die Verlegung der Aufbereitungsanlagen von der alten Pöck (Bockhart) in das heutige Böckstein veranlasste, Gebäude neu errichten und Maschinen anschaffen ließ. Er wäre damit als Begründer von Böckstein anzusprechen. Es folgte Erzbischof Sigismund von Schrattenbach (1753-1771), welcher den Berghauptmann Taddä Anselm Lürzer zur Seite hatte, der den Bergbau vorausblickend leitete und Hoffnungsbauten durchführte. Zuletzt war es Hieronymus Colloredo (1772 bis 1803) der die großzügigen Aufschlussarbeiten seines Vorgängers nutzte, durch seine kurzsichtige Politik aber dem Bergbau jede Zukunft nahm. Die folgenden Wappen sind an den Häusern von Altböckstein angebracht.

Erzbischof, Sigismund Graf von Schrattenbach Erzbischof, Sigismund Graf von Schrattenbach Erzbischof, Sigismund Graf von Schrattenbach
Erzbischöfe - Bildgalerie - Wappen

Der erzbischöfliche Berghauptmann Anselm Lürzer von Zehenthal trug dem Erzbischof Sigismund Graf von Schrattenbach den Wunsch der Knappen vor, in Böckstein eine eigene Kirche mit einem Vikariat zu errichten, um den Knappen den langen Kirchweg nach Bad Gastein zu ersparen. Daraufhin kaufte der Erzbischof die notwendigen Grundstücke, ließ den Felsen, auf den bereits Konrad Hagger, hochfürstlicher Oberverweser zu Hofgastein, ein Missionskreuz errichten ließ absprengen und ermöglichte so den Kirchenbau. Den 18. Juli 1764 wurde der erste Stein gelegt. Am 26. Juli 1767 fand die Kirchenweihe durch den Erzbischof selbst statt.
Das Vikariat wurde mit Urkunde von 23. Mai 1766 gestiftet. Der Bergeinfahrer und Markscheider Zwicknagel zeichnete eine Mappe, wobei er 21 Häuser und 180 beständige Einwohner, gegen 400 Knappen und "Bergverwandte" zählte, wovon aber die meisten in Bad Gastein wohnten - im Sommer ungefähr 130 Almleute.

Kirche, Böckstein Schmiede, Böckstein Taxenwirt Taxenwirt, Böckstein Gasthaus, Taxenwirt
Alte Schmiede - Bildgalerie - 1. Gasthaus

Gleichzeitig mit der Vollendung des Kirchleins erhielt Böckstein auch erstmalig ein Wirtshaus, das Josef Eder, Taxenwirt aus Badgastein, 1776 errichtet (Haus Nr. 3 - 1939 wurde das Wirtshaus in das Haus Nr. 8 verlegt). Südlich der Kirche liegt das hölzerne Pfarrhofgebäude, das 1742 als Bergverwalterhaus errichtet wurde und somit das älteste Gebäude Böcksteins darstellt. Es diente 1766 dem Vikar als Wohnung und beherbergte seit 1891 den Pfarrhof.

Colloredohaus, Böckstein Montansiedlung Böckstein Pfarrhof, Böckstein Pfarrhof, Böckstein Pfarrhof, Montansiedlung Bergamt, Böckstein
Barockkirche . Goldschlämmanlage . Colloredohaus - Bildgalerie - Bergverwalterhaus (Pfarrhaus) . Bergamt

In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. wurden die ursprünglichen Holzbauten durch Steinobjekte ersetzt und zahlreiche Um- und Erweiterungsbauten wie die Neuerrichtung des Verweserhauses vorgenommen. In den Jahren 1779 bis 1982 errichtete Hieronymus dieses Verweserhaus in Böckstein - welches heute noch die Wappentafel des Erzbischofes schmückt - das von nun an Sitz der lokalen Bergwerksleitung wurde, die bisher ihren Sitz in Hofgastein hatte. Am 25. Mai 1782 fand die Übersiedlung nach Böckstein statt. Dieses so genannte Colloredohaus enthielt im Erdgeschoß die Quickmühlen, die oberen Stockwerke waren als Wohnung für höhere Beamte vorbehalten. Der große Platzraum zwischen Säumerstall und Wascherhaus diente zum Trocknen der Erzsäcke. An der Stelle des alten Badehauses entstand die Schule.

Wohnhaus, Böckstein Schule, Böckstein Salzstadel, Böckstein Säumerstall, Böckstein Wascherhaus, Böckstein Säumerstall, Böckstein
Gemeindewohnhaus . Badehaus (Schule) - Bildgalerie - Salzstadel . Säumerstall . Wascherhaus

Größere bauliche Veränderungen traten erst wieder mit der Gründung der Ersten Gewerkschaft Radhausberg auf. Im Jahre 1880 wurden südlich des alten Pochwerkes, des heutigen Werkmeisterhauses, eine neue Goldmühle errichtet, ein langgestrecktes Objekt mit neugotischen Fenstern und einem geschwungenen Mansardendach, das aufgrund seiner großzügigen Bauweise als "Pochersalon" bezeichnet wurde. Zu den weiteren technischen Einrichtungen zählten ein Elektrizitätswerk, eine Gattersäge und eine Kompressor-Anlage zum Betreiben der Bohrhämmer. Während der Betriebsära der Zweiten Gewerkschaft Radhausberg 1912 wurde der "Pochersalon" aufgestockt und als Direktionsgebäude ausgebaut. Auch wurden bauliche Veränderungen an anderen Gebäuden vorgenommen.

Direktionsgebäude, Böckstein Direktionsgebäude, Böckstein Pochwerk, Böckstein Werkmeisterhaus, Böckstein Goldschlämmanlage, Böckstein Colloredohaus, Böckstein
Direktion (Pochwerk) . Werkmeisterhaus (Pochwerk) - Bildgalerie - Goldschlämmanlage . Colloredohaus (Verweserhaus)

Zum Zeitpunkt der Übernahme durch die Preußische Bergwerks- und Hütten AG am 20. Juni 1938 zeigten sich viele Gebäude sanierungsbedürftig. Vielfach erfolgte eine Fertigstellung und Umbau der baulichen und technischen Anlagen. Teilweise wurde der Verwendungszweck der Gebäude verändert. Sämtliche Betriebsanlagen blieben nach Einstellung des gesamten Montanbetriebes im Eigentum der Gewerkschaft Radhausberg.

Haus Barbara Haus Barbara
- Bildgalerie -
"Alt-Böckstein"

Montansiedlung Böckstein Der einheitlich gestaltete barocke Baukomplex von Betriebsstätten, angeordnet im Sinne des damaligen Produktionsablaufes, verbunden mit einem Verwaltungszentrum, einer Gaststätte und einem Wohngebäude mit dem schönen barocken Sakralbau der Wallfahrtskirche im Hintergrund ist noch heute in seiner Anordnung erhalten und war mit ein Grund, dass die Montansiedlung im Jahre 1977 unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Mag. Lorenz Krisch schreibt ergänzend im Buch - Gastein und seine Geschichte von S. Hnterseer/L. Krisch, 1996: Nach dem Ende des Bergbaubetriebes wurde hier der Pfarrhof errichtet, ebenso die Volksschule und Gastbetriebe. Es verblieb nur noch eine Verwaltungsstelle der Erzbergbau Gesellschaft Radhausberg, weiter zu Wohnbauten umgestaltete ehemalige Betriebshäuser und drei verlassene Wirtschaftsgebäude, die in einen immer schlechter werdenden Bauzustand gerieten und verfielen. Die Tatsache, dass die Bausubstanz bis heute nur geringfügige strukturelle Veränderungen erfuhr, machte aus der Sicht der Denkmalpflege und der Industriegeschichte den Erhaltungswert dieser Bergbausiedlungen besonders bedeutsam. Ein gewisser Zusammenhang mit den in den vergangenen siebziger Jahren geplanten Kraftwerksbauten in diesem Raume Böckstein-Nassfeldertal brachte es dann dazu, dass sich 1976 im Rahmen des "Österreichischen montan-historischen Vereines" in Leoben in der Steiermark ein Arbeitskreis gebildet hat, der sich um die Erhaltung der Böcksteiner Knappensiedlung annahm. Unter Leitung des Direktors der Bibliothek der Leobener Montan-Universität Peter Sika wurden zu dieser Zeit eine eigener Verein "Montandenkmal Alt-Böckstein" gegründet.

Im Sinne der Montandenkmalpflege "Alt-Böckstein" wurde als erstes Bauprojekt der sogenannte "Salzstadl" vollständig und stilgerecht erneuert. Im Herbst 1993 wurde im umgebauten "Säumerstall" nach alten Plänen eine funktionsfähige Erzaufbereitungsanlage fertiggestellt. Mit einer solchen Maschine wurden die erzhaltigen Gesteine zerstampft und die tauben Teile von den Goldteilchen mittels Waschverfahren und nachfolgender Amalgamationsverfahren getrennt.
Fritz Gruber schreibt im Buch "Tauerngold": Die Wäscher, durch langjährige Übung sehr geschickte Leute, verstanden es, mit einer Art Krücke die gewissermaßen "schwebende"Schlich-Wasser-Menge regelmäßig zu verteilen, beziehungsweise rhythmisch immer wieder zurück und somit nach oben zu schieben, sodass die schweren Teilchen nach und nach zu Boden sanken.
Der Salzstadel, ehemals als Depot für den Salzhandel und der Samerstall dienen heute musealen Zwecken, die übrigen Gebäude werden für Wohn- und Verwaltungszwecken genützt.

Die Passauer Hütte

Im Jahre 1766 wurde in der Passau am Eingang ins Anlauftal - heute Passauer und Panzerra-Haus - eine kleine Schmelzhütte fertiggestellt, die längere Zeit als Schwester der Lender Hütte in Betrieb stand. Der Standort wurde schon im 16. Jh. für den Fronpocher und auch für eine mechanische, wasserbetriebene Säge benutzt. Man beschloss den Bau 1764 und wolle ihn gemeinsam mit dem Bau der Böcksteiner Kirche noch im Lauf des Jahres "unter Dach" bringen (nach einem Schreiben von Berghauptmann Thaddäus Anselm Lürzer). Der Bau der Passauer Hütte hatte vor allem die Einsparung von Transportkosten zum Ziel und war für edelmetallarme Erze gedacht, deren Ausbringung nach Lend nicht einmal die Kosten für die Fuhrleute abdeckte.

Der erzbischöfliche Berghauptmann Lürzer ließ die alte verfallene Schmelzhütte auf der Poser, auch Possau (Passau ?) genannt, nächst Böckstein in den Jahren 1765 und 1767 neu errichten und in Betrieb nehmen.

Passauerhaus, Böckstein Passauer Haus, Panzerahaus Passauer Haus, Panzerahaus
Panzerahaus - Bildgalerie - Passauer Haus

Fritz Gruber schreibt im Buch Tauerngold - "Den unmittelbaren Ausschlag für den Bau der Passauer Hütte hatte die Auffahrung eines größeren Bleiglanzlagers am Radhausberg gegeben. Das Fehlen dieses Bleies und der akute Holz- und somit Kohlenmangel hatte in früheren Jahrzehnten den Bau einer Hütte als nicht durchführbar erscheinen lassen. Noch um 1755 hatte Berghauptmann Lürzer von Zehendthal beklagt, dass man früher die Wälder kahlgeschlagen und in den folgenden Jahrhunderten viel zu viel für Ästen, Ötzen, Mähder und Almen geschwendet habe, sodass für eine große Hütte in Gastein immer noch zu wenig Holz zur Verfügung stünde."

Im - Doku-Archiv - siehe weiter zu diesem Thema:
- Montanbezirk Böckstein -
Siehe auch die Seiten:
- Goldbergbau - in Gastein
- Peilsteiner/Goldegger -

SymbolSymbolSymbol

Quellen: "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Dir. Sebastian Hinterseer, 1977 - "Das Buch vom Tauerngold" von Paar/Günther/Gruber, 2006 - und "Gastein und seine Geschichte" von S. Hinterseer/L. Krisch, 1996.

Hauptseite
Kunst & Kultur - Kunst & Kultur, Gasteinertal Home Inhaltsverzeichnis Ereignisse, Geschichte  - Bilder-Galerie

Home Stichwortverzeichnis Inhaltsverzeichnis Pilze Tiere Pflanzen Wanderwege Momente Ereignisse Geologie Biotope

Menschenwerke Gasteins - Montansiedlung Alt-Böckstein
© 9.3.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
ge-altboe