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Geschichte . Gasteinertal

Goldbergbau

Bockhart, Ruinen Mit Bestimmtheit nimmt man an, das bereits die Kelten (Taurisker) als geschickte Bergleute hier im Gasteinertal Gold abgebaut haben - aber wohl nur im Tagbau, also bis eine Tiefe von höchstens 5 m. Goldwaschen war bevorzugte Methode der Goldgewinnung, wie es wohl auch die Römer taten, die sich nachweislich ebenfalls in unserem Tal aufhielten.

Bis 900 n.Chr. konnte jeder hier im Tal nach Gold suchen. Den königlichen Zehent (jeden 10. Kübel Erz) einzufordern kam erst mit der - Bergordnung - von 1342 n.Chr. Die Erzbischöfe von Salzburg waren es, die an auswertige Bergherren die Bergbaubetriebe verpachteten und dafür durch erhebliche Pachtsummen viel Goldgulden einbrachten.

Der blühende Goldbergbau zog nicht nur Bergleute, sondern auch wohlhabende Landwirte an, die als sogenannte Samer mit ihren Pferden den Transport zu den Fahrwegen besorgten. Ebenso blühte das Handwerksgewerbe. Die Erzbischöfe förderten diese Entwicklung im eigenen Interesse, verfassten Bergordnungen, vergaben Kredite und sorgten für den Ausbau von Handelsstraßen. In der Folge kamen auch Handwerker, Bauern, Bürger und Kaufleute aus Franken, Schwaben und Sachsen und sogar aus Italien, um am wirtschaftlichen Aufschwung teilzunehmen.

Die Methoden des Bergbaues waren zu dieser Zeit noch sehr primitiv. Mit Schlegel, Eisen und Feuersetzen wurde die Erzgewinnung praktiziert. Das Feuer sollte das Gestein mürbe machen und mit Hilfe kalten Wassers zerklüften. In das zerklüftete Gestein wurden Lärchenkeile getrieben, die danach mit Wasser begossen aufquollen und damit die Steine sprengten. Das gewonnen Material wurde dann in Säcke gepackt und zur nahegelegenen Hütte gebracht. Die Verhüttung fand damals noch in unmittelbarer Nähe der Gruben statt.

Erzwies
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- Verf. Bauten -

Die bedeutensten Gewerken

Von den namhaftesten Gewerken seien hier die Strasser, die Strochner, die Zotten und die Weitmoser genannt, deren Aufstieg und Niedergang den Gasteinern wohl bekannt ist.
Urkundlich genannt wird erstmals ein Erasmus Weitmoser im Jahre 1480. Der Erasmusstollen am Radhausberg war sein erster Erfolg. Der Sage nach verarmte er aber völlig (?) und hinterließ seinen Sohn Christoph rund 10.000 Gulden an Schulden. Christoph Weitmoser studierte an der Universität Freiburg und übertraf alle anderen Gewerken weit an Geist, Bildung und Charakter. Er übernahm den verschuldeten Bergbau seines Vaters und brachte ihn zur Hochblüte. Er war es auch, der 1547 die Lender Handelsgesellschaft gründete im Verein mit den Gewerken Zott und Strasser, wodurch die Kapitalkraft wirkungsvoll stieg und den Bau einer Schmelzhütte in Lend ermöglichte. Christoph Weitmoser war auch Gewerke in Rauris, im Pinzgau, in Oberkärnten in Kitzbühel etc. mit mehreren Besitztümern. Der sinkende Bergsegen und die Aufteilung des Reichtums an die Nachkommen schwächte den Wohlstand mehr und mehr und der Glanz der Familie schwand zusehends. Heute erinnert nur noch das - Weitmoser-Schlössl - (früher: Goldegger Hof) an das berühmte Geschlecht. Die - Grabkapelle - befindet sich in der - Liebfrauenkirche - zu Hof.

Von den Gewerken sind urkundlich nachzuweisen u.a. die Strasser, welche 1524 den Straßerhof erwarben (Hotel Moser), die Strochner, welche in ihren Wappen eine Fledermaus mit ausgebreiteten Flügeln führten, die Zotten mit aufsteigenden Löwen im roten Feld, wo später Sturmhut mit gewundenen Fangschnüren hinzukam und die Weitmoser. Ihr schräglinksgeteiltes Wappen führt ein springendes Pferd (Grabstein Kirche zu Gmünd). Sie kamen von allen zu größtem Ansehen und Reichtum.

Noch lange vor dem Geschlecht der Weitmoser waren die Zotten am Bergbau in der Gastein und in Rauris tätig. Ihr Hauptschmelzwerk stand in der heute noch so benannten Zottelau.
Die Strasser sind als namhafte Gewerken am weitesten zurück nachweisbar. Der Hauptschatz der Strasserschen Bergrechte lag auf dem Radhausberg. Religionskonflikte zwangen die Strasser um 1615 aber nach Kärnten abzuwandern. Die Schmelzwerke befanden sich damals in Lafen und Kötschachdorf.
Konrad Strochner verfügte testamentarisch nach seinem Tod im Jahre 1489, dass 2.600 rheinische Gulden für wohltätige Zwecke bereitgestellt würden, was die Errichtung eines Spitals ermöglichte.

Niedergang des Goldbergbaues

Die Kapitalzersplitterung der Weitmoser und die zunehmend geringere Ausbeute an Gold führte letztlich auch zur Auflösung der Lender Handelsgesellschaft. Dazu kam der Fall des Goldeinlösepreises nach der Entdeckung Amerikas. Der vorrückende Gletscher zwang auch noch hochgelegenen Bergbaue stillzulegen. Die Protestantenverfolgung führte zur Stilllegung von Gruben und Auswanderung von Gewerken. Die Aufbereitungsanlagen verfielen. Die Ausweisung der Protestanten nach dem Edikt von 1732 brachte den Bergbau vollständig zum Erliegen.

Erzbischof Andreas Dietrichstein verlegte um 1750 die Aufbereitungsanlagen von der alten Pöck (Nassfeld) nach Böckstein. Sein Nachfolger Erzbischof Sigismund von Schrattenbach konnte durch seinen Beamten Tadda Anselm Lürzer von Zehendtal den Goldbergbau nochmals aufleuchten lassen (Taddäusstollen in der Asten und Marienstollen in Böckstein). Er ließ noch Aufbereitungsanlagen und Knappenhäuser errichten, alte Schmelzhütten wurden reaktiviert und gleichzeitig wurde ein Fahrweg von Böckstein zum Florianibau am Radhausberg angelegt.

Erzbischof - Hieronymus Colloredo - konnte die begonnene Arbeit weiter nutzen, stellte aber kein Geld für Aufschließungsarbeiten bereit. Diese kurzsichtige Handlungsweise hat das Schicksal des Bergbaues endgültig besiegelt. Auch das neu errichtete Pochwerk am Radhausberg und die Aufzugsmaschine, konstruiert vom Werkmeister Gainschnigg konnte den vollkommenen verhauenen Bergbau nicht mehr ertragreich machen. Schon im Jahre 1820 deckten die Einnahmen nicht mehr die Ausgaben. 1864 musste der Bergbau gänzlich eingestellt werden. In der Folge wurde die erste "Gewerkschaft Radhausberg" gegründet, welche aber lediglich bis zum Jahre 1907 bestand.

Gewerkschaft Radhausberg

Nassfeld - Bergknappenhäuser Im Jahre 1866 führten 3 Bergknappen den Bergbau privat weiter und erwarben auch die Schürfrechte. Da ohne Geldmittel kein Erfolg in Aussicht war, wurden Geldgeber gesucht die sich zur Gewerkschaft Radhausberg vereinigten. Die Gesellschaft bestand hauptsächlich aus Salzburger Gewerken. 1871 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Langfristig reichten die Geldmittel aber nicht und es kam 1907 wieder zur Auflösung der Gewerkschaft.

Oberbergrat - Dipl.Ing. Karl Imhof - war wegen des geplanten Tauerntunnels nach Gastein gekommen. Er interessierte sich für das Tauerngold und versuchte das tote Unternehmen wieder zum Leben zu erwecken. Noch im selben Jahr wurde die zweite Gewerkschaft Radhausberg gegründet und mit den Arbeiten begonnen. Das Hauptgewicht wurde auf den Siglitz-Pochkar-Bergbau gelegt und im Jahre 1911 der Imhof-Stollen angeschlagen. Um den Bohrbetrieb mit Pressluft voranzutreiben, war eine Kraftwerksanlage notwendig. Zu diesem Zwecke wurde der untere - Bockhartsee - abgestaut und eine Druckrohrleitung ins Nassfeld gelegt, wo das Kraftwerk errichtet wurde.

Russenbrücke, Gasteinertal Auch die neue Wegtrasse ins Nassfeld wurde zu dieser Zeit errichtet. Die Russenbrücke (Steinbrücke über den Kesselfall, wo ab 1915 auch u. a. russische Kriegsgefangene im Bergbau eingesetzt wurden) trägt noch heute diesen Namen. Hier war auch die Küche positioniert (Russenkuchl). Der Weg führt vorbei an der - Astenalm - entlang der Nassfelder Ache bis zum Kraftwerk.
Im Jahre 1924 wurden 42,3 kg Gold, 143,1 kg Silber, 1448 Zentner Arsen, 2193 Zentner Schwefel und etwas Blei gewonnen.
Im Jahre 1925 legte Karl Imhof die Betriebsführung nieder. Ab 1927 übernahm der österreichische Bundesstaat den Bergbaubetrieb, musste aber noch im selben Jahr den Bergbau einstellen.

Karl Imhof propagiert im Jahre 1937 ein neues Aufschlussprogramm und verkündet im Jahre 1938 die These, dass die Zukunft des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern in der Großproduktion liege und ein Kleinbetrieb keine Rentabilität erzielen könne. Die Aufschlussbaue seien ja bereits ansatzmäßig durch den Unterbaustollen im Pochkar, den Imhof-Unterbaustollen und den Augustinstollen am Hohen Goldberg gesetzt worden.

Im Herbst 1937 interessierte sich die englische Unternehmensgruppe Edron Trust Limited in London für den stillgelegten Montanbetrieb und schloss am 18. Dezember 1937 mit der Gewerkschaft Radhausberg einen Optionsvertrag für ein Jahr.
Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich am 12. März 1938 erhielt die Preußische Bergwerks- und Hütten AG in Berlin den Auftrag, die Bergbautätigkeit auf Gold und Silber in den Hohen Tauern wieder aufzunehmen. In einem Vertrag zwischen der Preußischen Hütten AG und der Edron Trust verzichtete die Edron Trust Limited in London auf die weitere Fortführung des Montanbetriebes.
Am 1. August 1944 wurde nach dem Befehl des Reichswirtschaftsministerium der Bergbaubetrieb neuerlich eingestellt.

Im - Doku-Archiv - siehe zu diesem Thema:
- 16. Jh. - Bergordnungen und Pachtverträge
- Oberbergrat - Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof - Siglitz- und Pochkar-Unterbaustollen
- Gründung der ersten - Gewerkschaft Radhausberg - 1866
- Geschichte - Christoff Weitmoser -
Siehe auch die Seiten:
- Geschichte - Weitmoser -
- Geschichte - Gewerkengräber - Epitaphien

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Quelle: "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins von Sebastian Hinterseer - 1977"

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© 29.7.2003 by Anton Ernst Lafenthaler
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