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EB - Brauchtum/Gasteinertal: Gasteiner Perchtenlauf 2014
Brauchtum, Gasteinertal: Kunst & Kultur
Brauchtum

Brauchtum . Gasteinertal

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. . . immer in Bewegung . . .

Maskenläufe mit Paaren und Gruppen von Schönen und Hässlichen, mit Nachfahren der mittelalterlichen Dämonengestalten wie der Figurinen des italienischen Theaters und Karnevals, die in Umzügen und Rundtänzen umherziehen, finden sich in ganz Europa. Bereits im frühen 17. Jh. sind solche Einflüsse in Salzburg archivalisch nachweisbar - schreibt Fr. Dr. Ulrike Kammerhofer-Aggermann zur Perchtengeschichte.
Auch ihre Tänze und Bewegungen, beziehen stets Schritte der mittelalterlichen Springprozessionen, der höfischen Moreskentänzer wie den Requisitentänzen (Reiftänze, Schwerttänze) der Handwerker um 1500 ein. Die Bewertung als Faschingsspiel und nicht als Kult, stellt sich in den literarischen Texten des vorigen Jahrhunderts sowie in den Verboten früherer Jahrhunderte dar, wie aus dem Perchtenlauf bei Tage, ein nächtliches, zwar verbotenes, aber toleriertes Treiben wurde. Zum früheren, nächtlichen Perchtenlauf ein Textauszug:
"Am folgenden Tage ließ ich mir von den Purschen das Berchtenlaufen und andere hier übliche Spiele und Künste noch zeigen. Zu jenen gehört eine Gesellschaft von 20 oder 30 vermummten Purschen. Einige waren als Teufel, andere mit Kühgesichtern und wieder andere als Narren mit ziemlich kostspieligem Prunke maskiert. Alle hatten Kühglocken und große mit Stacheln versehene Stöcke, mehrere außerordentlich lange und wie Böller knallende Peitschen. Jetzt sind zwar diese, meistens im Karneval umherziehenden Maskeraden, des damit verbundenen Unfuges wegen verboten, doch lassen die Berchten öfters sich noch sehen und ihre Ankunft vorher verkündigen. Die Lichter müssen in den Häusern ausgelöscht werden, um die Fenster ganz zu erhalten und niemand darf sich vor ihnen auf dem Wege blicken lassen, der nicht unangenehmen Begegnungen sich aussetzen will. Sie tanzen, springen und singen vor den Häusern der Beamten und ihrer Schönen, und man läßt sie ungestört umherziehen, wenn sie die Gränzen der Ordnung und Sittlichkeit nicht allzuauffallend überschreiten. Auch würden sie schwerlich von irgend einer Gerichtsperson eingeholt und verhaftet werden können, denn mittels ihrer Stöcke springen sie über Gräben und Zäune und ihre Vermummungen machen sie unkenntlich. Manche der vermummten Pursche benutzen ihren langen Stock zu allerley Sprüngen mit einer bey den größten Künstlern gewiß selten zu bemerkenden Kraft und Behendigkeit. Einer der Pursche berührte mit seinen Fußsohlen die Decke des Zimmers. Andere sechs machten einen Kreis im Hofe, auf ihre Schultern stellten sich vier rüstige, auf diese drey etwas geringere Pursche, die ihre Köpfe zusammen steckten und oben auf diesem piramidalischen Gipfel stand einer ihrer Waghälse mit den Füßen gen Himmel, balancierte und stürzte sich endlich mit einem Salto mortale auf die Erde." (Spaur, 1800, S. 243) - Textauszug orig.: Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter 2001

Der "nächtliche" Perchtenlauf

Gasteiner Perchten, Krampus

Beim "Perchtenspringen" treten die Perchten mit Teufelsmasken und großen Schellen auf. Ihr Körper ist vom Lammfell eingehüllt und ein breiter Ledergürtel hält sie zusammen. Dieser trägt die schweren Glockenrollen, in Gastein auch "Schellen" genannt. Bei den sprunghaften Bewegungen lärmen die Glockenrollen heftig, was andere Perchten wiederum zu Sprüngen anreizt, so dass der Perchtenlauf ununterbrochen vom Getöse und Geläute dieser dumpfen Glockenrollen begleitet wird, wie Zimburg schreibt. Es sind die dämonenvertreibenden Perchtengestalten, die unheilbringende Kräfte vertreiben sollen.

Muchar, als Kenner Gasteins, scheint dem Brauchtum des Perchtenlaufens oder Perchtenspringens lediglich Volksbelustigung zuzuschreiben, wenn er 1834 in seinem Buch schreibt (Originalabschrift): "Das Perchtenlaufen ist nichts als ein possirlicher Maskenzug mit Tanzen und Springen, welchen rüstige Burschen zu 50, 100 bis 300 beim Tage aufführen, von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, die ganze Thalsgegend hüpfend und springend durchwandern." - Die ursprüngliche Verwurzelung mit dem bäuerlichen Leben war zu dieser Zeit wohl schon verloren gegangen.

» Die nächtlichen Schiachperchten «
Krampus, Gasteinertal Krampus, Gasteinertal Krampus, Gasteinertal Krampus, Gasteinertal
Eine genaue Schilderung des nächtlichen Perchtenlaufes im Raurisertal schildert Frau Andrée-Eysen, 1890, auch wenn sich der Perchtenlauf im Gasteinertal zu dieser Zeit bereits ganz anders vollzog:
Zwölf Burschen, die eigentlichen Perchten, waren in schwarze Schaffelle gehüllt, hatten zu Hauben genähte Dachsfelle auf dem Kopfe (die Perchtenhaube) und holzgeschnitzte Masken mit groben menschlichen Gesichtszügen, langen Zähnen, Hörnern oder solche von fabelhaften Tieren mit Schnäbeln und Borsten oder beweglichen Kiefern vor dem Gesichte. Alle aber trugen an ihren breiten ledernen Gürteln kleine und größere Schellen (Rollen), oft zeigen diese einen Durchmesser von 20 bis 24 cm oder viele kleine gegossene Glocken. Den Zug eröffnete ein Mann mit einer großen Trommel, dann folgten Burschen mit mächtigen Kienfackeln und Laternen auf hohen Stangen, hierauf kam der Narr (der Lapp) und die Närrin (Lappin), ein Bursche in Weiberkleidern ... - Unterdessen knallten die einen mit kurzgestielten Peitschen, die anderen bliesen auf Kuhhörnern, wieder andere trugen Holzgestelle, an denen breite, 30 bis 40 cm hohe gehämmerte Glocken (Rumpelglocken) hingen, die bei jeder Bewegung ertönten. Kurz, unter vielstimmigem Höllenlärm zog die vermummte Schar der schiachen Perchten trotz schlechter Wege und Dunkelheit, mit Hilfe der Bergstöcke springend, rasch durch das nachtschlafende Tal ... - Quelle: Zimburg (Textauszug)

Die Teufelsgestalten bringen heute mit ihren Ketten "Gefangene" zu König Herodes, der diese für ihre vermeintlichen Straftaten aburteilt. Begleitet wird Herodes von Fanfarenbläsern und römischen Soldaten. Zimburg schreibt: "Herodes spricht über die von den schiachen Perchten verhafteten Leute das Urteil, welches meist sehr ulkig ist und viel zur Erheiterung der Bevölkerung beiträgt."

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König Herodes, Krampus und Soldaten König Herodes, Krampus und Soldaten Krampus, Gasteinertal Krampus, Gasteinertal
Der Vorteufel und der Glockenträger

Gasteiner Perchten, Vorteufel

Dem Klaubauf mit der Mistkrampel, genannt der Vorteufel kommt hingegen eine gänzlich andere Rolle zu. Er schreitet dem Perchtenzug würdevoll voran, gefolgt vom Glockenträger und flankiert von Hexen. Er macht den Weg frei für den nachfolgenden Zug - in seiner rechten Hand die Mistkrampel; links am Gurt baumelt der Bauernkalender.

Der Glockenträger gehört zu den Lärmperchten, die durch das Läuten das Frühjahr wieder erwecken wollen. Der Klang der Speisglocke soll das Böse vertreiben, die Rumpelglocken (Fahrglocken) Unholde verscheuchen und Gegner in die Flucht schlagen. Der Glockenträger geht immer den Kappenträgern voran.

» Vorteufel und Glockenträger «
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Verbote gegen das Perchtenlaufen

Im 17. und 18. Jahrhundert waren Perchtenumzüge eine Belustigung für die einfache ländliche Bevölkerung. Die Umzüge brachten Gelegenheit für Raufhändel, zur Anbahnung von Liebschaften, für sexuelle Begegnungen und alkoholisch Exzesse, Daneben wurde mit ihnen soziale Kontrolle in der Gruppe und Kritik an der Obrigkeit ausgeübt. So sah die Obrigkeit in ihnen immer "ärgerliche Missbräuche" - ein Unruhepotential und Angriff auf Ordnung und Sittlichkeit.
So wurde am 6. März 1730 von Erzbischof Firmian der Perchtenlauf in Gastein wegen unterlaufener Ungezogenheiten verboten: So heißt es: "Wasmassen daselbst zu Hl. 3 König und Fastnachtszeit die junge Pursch in Unterschidlichen Naaren Kleidern und Schellwerkh verstölter Umbzulauffen pflegen, durch solches aber zu Unterschidlich sündthaffter Ungebühr gelegenheit so tag als nachts gegeben würdet als befelchen Wür Euch hiemit, daß Ihr dgleichen ärgerliche Müßbräuch hinfüro alles ernstes abstehlen solltet . . ." Quelle: S. Hinterseer. - Erzbischof Colloredo erneuerte 1787 das Verbot und trotzdem gelang es kleinen Perchtengruppen immer wieder, in der Nacht Perchtenläufe durchzuführen.

Im 18. Jh. ließ das schwindende Interesse der Bevölkerung an Perchtenläufen, wie auch die ständigen Kontrollen und Bevormundungen das Perchtentreiben in weiten Teilen des Landes immer mehr verschwinden. Nur in Rückzugsgebieten, wie eben auch im fast abgeschlossenen Gasteinertal, blieb der Brauch in stark eingeschränkter Form erhalten. Beim Besuch von Kaiser Ferdinand im Jahre 1837 wurden in Ermangelung anderer Attraktionen von der Gemeindevorstehung die Kötschachtaler Perchten ersucht, vor dem Kaiser aufzutreten, was dem Kaiser gefiel und so den Perchtenlauf wieder aufwertete.
Nach und nach wurden aber derartige Perchtenläufe immer seltener. Nächtliches Perchtentreiben kennt man noch aus dem Jahre 1850 in Rauris. Im Gasteinertal wurden weitere Perchtenläufe nur mehr um die Heiligen Drei Könige abgehalten und das am Tage. Es handelt sich dabei nun nicht mehr um das reine Brauchtum, sondern mehr um das Festhalten einer alten Überlieferung, wie Zimburg schreibt. Derartige Perchtenläufe wurden auch nicht mehr jährlich, sondern nur mehr alle 3 bis 7 Jahre durchgeführt.
Überliefert ist ein Schreiben aus Mittersill, welches ein Verbot des Perchtenlaufens erwirken sollte:
"Wohllöbliches Kaiserl. Königl. Kreisamt!
Der schädliche Unfug des Perchtenlaufens war schon durch frühere Verordnungen verboten. Das diesseitige Landgericht hat dieses Verbot zum öfteren erneuert und bestand auf die gänzliche Abstellung dieses unsinnigen Treibens. Es liegt aber ein Hindernis im Wege, welches von hier aus nicht gehoben werden kann, nämlich, daß dieses Perchtenlaufen in benachbarten Gerichten geduldet wird. Nur ein neuerlicher allgemeiner Verbot, sanktioniert mit einer bestimmten Strafe, kann dem Unwesen ein Ende machen. Gegen die Weihnachtsferien rotten sich mehrere Pursche zusammen, verkleiden sich, tragen Masken, hängen sich große Küheglocken um den Leib, laufen in den Dörfern hin und her, kommen in die Wirtshäuser, verzehren ihr Geld, das junge Volk lauft von den höchsten Bergen herunter, diese Perchten zu sehen. Nicht nur, daß Dienstboten oft ihren ganzen Jahrlohn auf Anschaffung solcher Kleider aufzehren, eines und das andere abends verwenden und darum unter dem Jahre wegen Mangel und Geld zu Veruntreuungen und kleinen Diebstählen verleitet werden, nicht nur daß der Unsittlichkeit bei den nächtlichen Zusammenkünften der jungen Leute beiderlei Geschlechtes freyer Zügel gelassen ist, sondern auch noch ein großer Nachteil für die Gesundheit der Menschen geht aus diesem Tun hervor. Die jungen Pursche erhitzen sich, machen verschiedenartige Sprünge, trinken bei ganz erhitztem Körper hinein. Nicht ohne Grund darf man in dieser Sache die Quelle von verschiedenen Krankheiten als Leibeschäden, Anlagen zur Lungensucht und dergleichen suchen. Die Pursche kommen in Häuser, wo kleine Kinder sind, ihre oft häßlichen Vermummungen, das Getöse der Glocken erregen bei Kindern Schrecken, dessen Folgen Frais und andere Krankheiten sind. Das k. k. Landesgericht macht hievon die Anzeige mit der Bitte, daß ein allgemeiner Verbot erlassen werde, daß jedem Hausvater nicht bloß den Wirten bei Strafen verboten werde, den Perchten den Eintritt in das Haus zu gestatten und daß die Pursche, welche dasselbe als Perchten bekleidet betreten, mit körperlicher Strafe gezüchtigt werden sollen, wie auch, daß der Hausvater für seinen Sohn oder Dienstknecht verantwortlich erklärt werde. Anbei kann man nicht unbemerkt lassen, daß sich bei vielen Leuten noch der Aberglaube erhalte, daß in jenen Gegenden, wo Perchten laufen, das Getreid gut gerät. Im Jahre 1817 hat sich dieser Unfug wieder hie und da geregt; es dürfte doch manchen Abergläubischen geben, der dem Perchtenlaufen die erhöhte Fruchtbarkeit verdanken möchte.
Schloß Mittersill, den 16. Oktober 1818. K. k. Landesgericht Mittersill.
Regulati e. h."
- Quelle: Zimburg

Das Schnalzen der Rösslreiter

Gasteiner Perchten, Rösslreiter

Die Rösslreiter bzw. Schnalzer zählen wie der Glockenträger zu den Lärmperchten und wollen ebenfalls den Frühling bzw. die ruhende Vegetation durch das Schnalzen erwecken. Im Bericht von Marie Andree-Eysn wird der "Rösslreiter" als eine, den Zug anführende vermummte Gestalt beschrieben, mit der Peitsche um sich knallend, um für die Kommenden Platz zu schaffen.
In den Alpengebieten ist das Aperschnalzen ein weit verbreiteter Brauch und so auch beim Perchtenlauf im Gasteinertal seit langem praktiziert. Selbst Kinder sind schon in jungen Jahren derart geübt, dass sie den - Erntedankzug - im Herbst regelmäßig und eifrig mit ihren Peitschen begleiten dürfen - nicht aber beim Perchtenlauf, der ein Mindestalter vorschreibt.

» Die Rösslreiter «
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Der Tanz der Perchten

Perchtenhauptmann

Die Perchten zogen früher immer in kleinen Gruppen in der Nacht von Haus zu Haus. Erst als der Perchtenlauf am Tag stattfand, war ein Perchtenhauptmann notwendig. - Zimburg schreibt, dass bis zum Jahr 1928 der Hauptmann eine militärische Uniform trug. Erst ab 1936 erscheint der Gasteiner Perchtenhauptmann in Gasteiner Tracht. Sie besteht aus einer ledernen Kniebundhose, blauen Stutzen sowie einen Pongauer Gehrock (grüner Frackmantel). Dieser ist der Altgasteiner Männertracht um 1800 nachempfunden. Als Hut trägt er - wie auch die Mitglieder der Musikkapelle - einen Nebelstecher, der ebenfalls der Gasteiner Tracht um 1800 entlehnt ist (Quelle: Die Gasteiner Perchten, Wierer/Reinbacher, Verlag Hochwarter).
Zimburg schreibt: "Der Perchtenlauf wird von dem sogenannten Perchtenhauptmann geleitet, der bis zum Jahre 1928 militärische Uniform trug. Seit 1936 erscheint der Perchtenhauptmann in Gasteiner Tracht und seine Kommandogewalt drückt sich in dem von ihm geführten, gezogenen Säbel aus. Er gibt auch im Tal bekannt, ob und wann "geperchtelt" wird."

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Hauptmann und Perchtenmusik Hauptmann und Perchtenmusik Hauptmann und Perchtenmusik Hauptmann und Perchtenmusik Perchtenmusik, Gasteinertal
Nachdem der Perchtenhauptmann seine Glückwünsche verkündete, spielt die Perchtenmusik auf und die Kappenträger mit den G'sellinen, Hexen und die Domina Perchta drehen sich im Kreise, mehrere 100 mal am Tag; danach folgt eine tiefe Verbeugung, respekt- wie würdevoll.
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Kappenperchten und G'sellin

Gleich nach der Musik schreitet der Hauptmann mit gezogenem Säbel. Zahlreiche Referenzen werden während des Perchtenlaufes abgehalten. Die Kappenträger drehen und verbeugen sich dabei bis zu 300 mal am Tag. Zimburg schreibt zum Tanz der Kappenperchten:
"Der Hauptmann läßt die Musik aufspielen. Diese spielt nun einen einfachen Walzer oder einen Steirischen auf, zu welchen Weisen sich die schönen Perchten in langsamem Tanze drehen. Hierauf spricht der Hauptmann seinen Glück- und Segenswunsch für das kommende Jahr aus, welcher Wunsch von den Kappenperchten mit einer tiefen Verbeugung zum Ausdruck gebracht wird. Der Gruß an die Hausleute stellt an die Träger der Kappen die größte Kraftanstrengung dar, den die Kappen wiegen bis 50 kg. Als Dank für den Tanz werden die Perchten nun von den Hausleuten bewirtet. Danach setzt sich der gesamte Zug wieder in Bewegung. Jeder Bauer, daß es für seinen Hof und seine Familie eine große Ehre war, daß die Perchten vor ihm tanzten, wird doch das Erscheinen der Perchten heute noch - wie vor Jahrhunderten - als ein gutes Zeichen bewertet." - Zimburg, Der Perchtenlauf in der Gastein, 1947

Die Kappenperchten, die alle einen gezogenen Säbel in der Hand halten und weiße Handschuhe tragen, werden jeweils von einer Nachtänzerin oder - G'sellin - begleitet, welche aber keine Mädchen, sondern durchwegs junge Burschen sind, die in Gasteiner Tracht, als Mädchen verkleidet, die Kappenträger begleiten und bei der tiefen Verbeugung nach dem Tanz kraftvoll Unterstützung leisten.

» Die Kappenträger . . . «
Frühlingsblumenkappe, Gasteiner Perchten Lyrakappe, Gasteiner Perchten Abrahamkappe, Gasteiner Perchten Rosenkappe, Gasteiner Perchten Kollerkappe, Gasteiner Perchten Spitzkappe mit Kreuz, Gasteiner Perchten Turmkappe, Gasteiner Perchten Violette Blumenkappe, Gasteiner Perchten Musikantenkappe, Gasteiner Perchten
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Trapezkappe, Gasteiner Perchten Schiachkappe, Gasteiner Perchten Zwiebelturm, Gasteiner Perchten Gamskappe, Gasteiner Perchten Federwildkappe, Gasteiner Perchten Knappenkappe, Gasteiner Perchten Hirschkappe, Gasteiner Perchten Rehkappe, Gasteiner Perchten
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Hofgasteiner Wappenkappe, Gasteiner Perchten Gasteiner Perchtenkappe, Gasteiner Perchten Planitzen Spitzkappe, Gasteiner Perchten Silberkrug, Gasteiner Perchten Doppelte Kreuzkappe, Gasteiner Perchten Kleine Tafelkappe, Gasteiner Perchten Dreifache Kreuzkappe, Gasteiner Perchten Wildkappe, Gasteiner Perchten Violette Blumenkappe, Gasteiner Perchten

Zimburg schreibt zum Perchtzug der Kappenträger und Figuren: "Dieser lange Zug bewegt sich nun von Hof zu Hof, von Haus zu Haus. Während die schönen Perchten sich zum Tanze aufstellen, vollführen die verschiedenen schiachen Perchten, Hexen, Kobolde und Hanswurste ihre Streiche, dringen in die Häuser ein, scheuchen die Mädchen aus ihren Verstecken, verhaften sie und führen sie König Herodes vor. Die Musik spielt nun einen einfachen Walzer oder einen Steirischen auf, zu welchen Weisen sich die schönen Perchten in langsamem Tanze drehen. Hierauf spricht der Hauptmann seinen Glück- und Segenswunsch für das kommende Jahr aus, welcher Wunsch von den Kappenperchten mit einer tiefen Verbeugung zum Ausdruck gebracht wird. Der Gruß an die Hausleute stellt an die Träger der Kappen die größte Kraftanstrengung dar, wiegt doch eine einzige Kappe bis zu 50 Kilogramm! Als Dank für den Tanz werden die Perchten nun von den Hausleuten bewirtet. Nach einiger Zeit setzt sich der Zug wieder in Bewegung, dem nächsten Gehöft, dem nächsten Dorfe entgegen. Jeder Bauer weiß, daß es für seinen Hof und seine Familie eine große Ehre war, daß die Perchten vor ihm tanzten, wird doch das Erscheinen der Perchten heute noch - wie vor Jahrhunderten - als ein gutes Zeichen bewertet."

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Die Perchten und ihre Figuren

Dem Kappenträgerzug folgt der Bärentreiber mit seinen an Ketten geführten Bären, um die nachdrängenden Zuschauer abzudrängen - und so, wie die Hexen, Briefträger, Hanswurste und die Frau Perchta den Kappenträgerzug begleiten, sind Kaminkehrer, Zapfenmandl und Wercher dem Zug schon weit voraus. Die restlichen Figuren, wie Ölträger, Schneider, Schnabelperchten, Schleiferweibl und viele andere sind weit abgeschlagen, denn ihre zahlreichen Schabernacks und Redekünste brauchen viel Zeit.

Domina Perchta

Zimburg schreibt: "Im Glauben unserer Vorfahren war Frau Perchta ein dämonisches, von überirdischen Kräften gehobenes Wesen, halb Mensch, halb Gottheit. Sie erscheint in zweifacher Form. Einmal durchschreitet sie das Land als lichtes, holdes Wesen, im blauen Mantel, die Menschen segnend und der Erde Fruchtbarkeit bringend, als Sinnbild des Guten und Schönen. Dann wieder als alles verheerender, dunkler und unholder Dämon in häßlicher Gestalt, alles Böse und "Schiache" verkörpernd."
Domina Perchta im Gasteiner Perchtenlauf zeigt das Gute und Böse im Menschen in einer Figur. Bildhauer Sepp Viehauser aus Bad Hofgastein schnitzte die Larve der Frau Perchta mit einem schönen, freundlichen Frauengesicht auf der Vorder- und einem fratzenhaften, furchterregenden Gesicht auf der Rückseite. Sie geht auf die umstehenden Personen zu, reicht ihnen die Hand, dreht sich blitzartig um und zeigt ihre 'Kehrseite', also Gut und Böse in einer Person. Bekleidet ist Frau Perchta auf der 'schönen' Seite mit einem schwarzen, langärmeligen Dirndlkleid, welches mit Goldkordeln dekoriert ist. Darüber werden eine Schürze und ein Halstuch in oranger Farbe getragen. Die 'schiache' Seite ist mit einem blauweiß gemusterten Baumwollkittel bekleidet. Der Rock ist mit schwarzen Stoff angestückelt, der Kittel mit verschiedenfarbigen Stoffresten besetzt. Der spitze Kegelhut ist einerseits mit rotem Filz überzogen und mit Strohblumen dekoriert, andererseits mit einem Wollstrumpf und Hühnerfedern besetzt. In der Hand hält sie eine Poppin. - Textauszug aus dem Buch: Die Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter.

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Die Hexen kehren unentwegt

Die zu den Schiachperchten gehörenden Hexen zählen zu den am längsten im Perchtenzug mitwirkenden Gestalten, so auch beim nächtlichen Perchtenlauf vorheriger Jahrhunderte. Mit von Hand gebundene Reisigbesen kehren sie unentwegt und schaffen Platz für den Perchtenzug. Sie treiben ständig Unfug und tauchen urplötzlich auf, um so die Zuschauer zu erschrecken bzw. zu überraschen.
Zimburg schreibt von nur 2 Hexen im Perchtenzug wie folgt: "Neben den Teufelsgestalten, die in beliebiger Anzahl am Zug teilnehmen, sind besonders erwähnenswert die beiden Hexen, von welchen eine die schöne Hexe, die andere die schiache Hexe darstellen. Sie führen Besen mit sich. Eine von ihnen befindet sich an der Spitze des Zuges, wo sie mithilft, Platz für den kommenden Perchtenzug zu schaffen. Aufgabe der Hexen ist es, mit den anderen Kobolden allerlei Unfug zu treiben und Leben in den ganzen Zug zu bringen. Wehe, wer der Hexe in den Wurf kommt, der wird entweder mit dem Besen gekehrt oder dem König zur Verurteilung vorgeführt."

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Die Bären und der Bärentreiber

Der Kappenzug wird beendet durch den Bärentreiber, der an einer langen Kette seine Bären führt. Bekleidet sind die Bären mit Jacke und Hose aus weißem, langhaarigen Schaffell. Der Treiber trägt über der handgestrickten, grauen Wolljacke eine ärmellose, schmutzigweiße Schaffellweste.
Im Buch "Die Perchten, Verlag Hochwarter" ist zu lesen: "Seit dem 16. Jh. sind die Bärengruppen ein wichtiger Bestandteil in allen Volksschauspielen und Schaustellungen. Die Bären und Treiber sind gleichsam ein integrierter Bestandteil des mitteleuropäischen Faschingstreibens. Das heutige Aussehen dieser Figurengruppe im Perchtenlauf dürfte über die Tiroler Fasnachtbräuche zu uns gekommen sein, da die Bärengruppen in Tirol mit denen im Gasteinertal vollkommen ident sind." - und die Perchtenforscherin Prodinger schreibt dazu: "Bei den großen Perchtenläufen finden sich immer wieder Bärenmasken, auch meistens ein Treiber dazu".

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Kaminkehrer, Baumwerker und Zapfenmandl

Im Perchtenbuch, Verlag Hochwarter ist zu lesen: "Wie die sog. Handler zählen auch die zwei Kaminkehrer zu den im bäuerlichen Leben wichtigen Berufsgruppen. Da die früher fast ausschließlich aus Holz gebauten Häuser leicht ein Raub der Flammen wurden, betrachtete man den Kaminkehrer, der die Feuerstellen und Kamine in Ordnung hielt, als Glücksbringer schlechthin. - Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Kamine der Häuser symbolisch zu kehren."
Um auf die Dächer zu gelangen benützen sie eine lange Holzleiter. Meist sind sie dem Perchtenzug voraus und überblicken so aus großer Höhe das gesamte Perchtentreiben. Mit ihnen ziehen das Zapfenmandl und der Baumwercher, deren Kletterkünste ungemein beeindrucken. Kaum hat man sie entdeckt sind sie auch schon am Balkon oder gar am Dach, um die Zuschauer mit Schnee zu bewerfen. Das Zapfenmandl, mit Fichtenzapfen behangen wie der Baumwercher, mit aufgenähten Baumflechten soll die Waldarbeiter im Winter bei der gefährlichen Wald- und Holzarbeit begleiten bzw. vor Gefahren schützen.
Zimburg schreibt: ". . . dem Rösselreiter folgen in loser Reihenfolge der schöne Hanswurst, der Vorteufel mit der Mistkrampel, die Hexe und Waldmandel, von denen einer mit vielen Tannenzapfen behängt ist, während ein anderer ein Kleid aus Baumflechten trägt, aus welchem kaum das Gesicht herausragt; er wird Baumwercher genannt. Diese Figuren bringen in den ganzen Zug und auch in die Menge der Zuschauer durch ihre schalkhaften Possen viel Leben und Heiterkeit hinein, besonders wenn sie wie die Kobolde auf die Hausdächer klettern und von dort oben die Menge mit Schnee bewerfen und anderen Unfug treiben."

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Jäger und Wilderer

Jagd und Wilderei waren in den Alpentälern immer ein aktuelles Thema. Die Jagd war dabei ein Privileg der Herrschenden und so erlegte doch so mancher Bauer und Bauernknecht - hin und wieder ein Stück Wildbret, was streng geahndet wurde. Die Verfolgung des Wilderers durch den Jäger wird im Perchtenlauf realistisch nachgestellt: Sie beginnt mit einem Platzpatronenschuss. Der Jäger stellt den Wilderer und es entwickelt sich eine wilden Rauferei. Diese Spektakel wiederholt sich im Laufe des Tages bis zu 60 mal.
Bekleidet ist der Jäger mit einem sogenannten "Schladminger", darunter trägt er ein grünes Hemd. Als Kopfbedeckung dient ihm ein grüner Filzhut, der mit einem Gamsbart und Anstecknadeln dekoriert ist. Er führt einen Rucksack und ein Gewehr mit. Beim Gehen stützt er sich auf einen langen Haselstock. Der Wilderer ist mit einem schwarzen Lodenjanker, kariertem Hemd und einem schwarzen, ärmellosen Pullover bekleidet. Er trägt einen grünen Filzhut und sein Gesicht ist mit Ruß schwarz gefärbt. Auch er benützt einen Rucksack sowie ein Gewehr mit Platzpatronen. Als kleinen Trost für beide gibt es nach jeder Rauferei einen Schluck Obstler aus dem Flachmann des Wildbretschützen. - Quelle: Die Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter.

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Habergeiß

Die Habergeiß ist als Tierpercht seit 1982 im Perchtenzug vertreten. Diese "Habergeiß" war und ist im Gasteinertal immer noch ein populäres Schreckgespenst, die als Drohung gegen nicht folgsame Kinder eingesetzt wird (wurde). Der Spruch: "Wonnst nit brav bist, holt die d'Habergoaß!" ist heute noch gegenwärtig.
Im Jahr 1981 wurde vom Perchtenläufer Udo Walzl aus Bad Hofgastein die Figur der Habergeiß gebaut. Die Bekleidung besteht aus einem Overall aus braunen Ziegenfell. An den Händen werden Fellfäustlinge mit Hufen getragen. Der giraffenähnliche lange Hals besteht aus einer Holzunterkonstruktion, die ebenfalls mit Ziegenfell bedeckt wurde. Obenauf sitzt ein aus Holz geschnitzter Ziegenkopf mit echten Hörnern. - Quelle: Die Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter.

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Hanswurst

Der schiache und der schöne Bajazzl (alte Bezeichnung für Hanswurst) wird als Fruchtbarkeitsspender beim Perchtenlauf von den Mädchen geliebt und gleichzeitig sehr gefürchtet. Beide Hanswurste führen eine Puppe (die Poppin) mit, die an einem langen Strick befestigt ist. Mit ihr versuchen sie unermüdlich, diese den Mädchen zuzuwerfen. Werden sie getroffen, so gehen sie - einer alter Oberlieferung zufolge - einem fruchtbaren Jahr entgegen.
Frau Maria Andree Eysn berichtet über einen derartigen Lauf in Hofgastein aus dem Jahre 1902: "Geschäftig eilten zwei Lustigmacher in weißem Gewand mit hohen, spitzen, weißen Filzhüten, an deren Band zahlreiche Schellen baumelten, hin und her; der eine bewaffnet mit einem mit Sand gefüllten Kuhschwanz, der andere eine halben Meter lange, wurstförmige, mit Werg ausgefüllte Leinwandhülse schwingend. Beide versetzten mit ihren Schlaggeräten den zusehenden Mädchen und Frauen einen leichten Schlag, wobei sie aber nur solche berücksichtigten, denen sie freundlich gesinnt waren und ihr Perchtenwohlwollen bezeugen wollten. Ebenso gekleidet wie diese beiden Lustigmacher tritt noch eine dritte wesentliche Figur auf, die ein aus Leinwandfetzen (Hütten) gebildetes Wickelkind (Fatschkind) an einer langen Schnur mit sich führt, das sie gelegentlich denjenigen Frauen und Mädchen zuwirft und wieder an sich zieht, denen sie Gutes wünscht, keineswegs aber an Fremde." - Quelle: Zimburg.

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Schnabelpercht

Beim Gasteiner Perchtenlauf nahm bis zum Jahr 1978 jeweils immer nur ein Schnabelpercht teil. Im Jahr 1982 kamen dann zwei weitere Schnabelperchtenläufer hinzu. Sie gehören zu den Ordnungsperchten. Sie sehen in den Stuben nach, ob alles ordentlich sauber ist. Bekleidet sind die Schnabelperchten mit einem Overall aus Schaffell und einem Rollengurt. Der Schnabelperchtenkopf ist mit einem beweglichen Schnabel ausgestattet.

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Schneider

Die Herkunft der Schneider im Perchtenzug lässt sich von den "Störschneidern" ableiten. Noch bis Mitte des 20. Jhs. wurden von diesen die Bauernhöfe besucht. Sie wussten allerlei Neuigkeiten zu erzählen und waren besonders beim weiblichen Personal sehr beliebt. Am Gasteiner Perchtenzug nehmen zwei Schneider teil, die sich, ausgestattet mit einer ca. 3 Meter langen Streckschere, an die Leute heranschleichen und diesen Hüte und Mützen vom Kopf heben. Die Leidtragenden müssen nun von den lautstark agierenden Schneidern ihre eigene Kopfbedeckung zurückkaufen.
Bekleidet sind die Schneider mit schwarzem Frack, weißem Hemd und schwarzer, enganliegender Hose. Als Schuhwerk dienen ihnen schwarze Lederstiefel. Passend zum Frack tragen sie einen schwarzen Zylinder. Die Frisur wird aus einer Perücke aus Kunsthaar gebildet, ebenso der "Ziegenbart". - Quelle: Die Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter.

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Mohr, Mohrenfrau und Türkenpaar

"Der Mohr, die Mohrin, wie auch das Türkenpaar sind typische Theaterfiguren des 16. Jahrhunderts. Sie waren das volkstümlich, komische Element der Spiele. Besonders in den grossen Tiroler Fasnachtumzügen finden sich viele Mohrengruppen. Die Ansiedlung von Tiroler Bauern, nach der Emigration der Evangelischen im Erzbistum Salzburg mag zur weiten Verbreitung der Mohren beigetragen haben." - so die Ausführungen im Buch: Die Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter.
Die Bedeutung dieser Gestalten ist nicht wirklich geklärt. Zimburg meint, die Türkenfiguren entsprechen zusammen mit den Mohren die Heiligen Drei Könige. - Prof. Dr. Fritz Gruber hingegen verbindet beiden Figuren mit der Zeit der Türkenkriege.

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Ölträger, Rastlbinder, Schleiferweibl

Noch bis ins 20. Jh. zogen die Ölträger von Bauernhof zu Bauernhof und boten ihre Produkte an. Sie waren in Ermangelung von Apotheken, Ärzten und Tiermedizinern im ländlichen Raum ärztlicher Ratgeber und Tierarzt zugleich. Sie fanden in ihrem Bauchladen immer ein Öl, eine Salbe oder ein Fläschchen mit geheimnisvollen Tropfen gegen allerlei Beschwerden. Ebenso der Rastlbinder, der allerlei Gegenstände in seinem Bauchladen mitführt und zum Verkauf anbietet.
Das Schleiferweibl hingegen, wortgewaltig und wild gestikulierend steht im Dienste der Messer- und Schleiferei. Sie war die "Klatsch- und Tratschtante" der frühen Zeit, brachte aber auch wichtige Neuigkeiten ins Tal. Als uraltes Glückssymbol verteilt das Schleiferweibl kleine Silberfolien in Form einer Rasierklinge. Sie ist schwarz gekleidet mit einen hellen Strohhut und einen Schirm.

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Die Heiligen Drei Könige mit Sternträger

Der "Gasteiner Viergsang" wurden als die "Heiligen Drei Könige und Sternträger" 1998 in den Perchtenzug aufgenommen. Für den Perchtenlauf 2002 wurden bereits neue, besonders prächtige Kleider angeschafft, die sich im Perchteneigentum befinden.
Der Gasteiner Viergsang wurde im Jahr 1989 gegründet. Leiter Gottfried Standteiner singt 1. Tenor, 2. Tenor ist Felix Rock, der 1. Bass wird von Christian Pichler gesungen, als 2. Bass fungiert Johann Schober. - Quelle: Die Gasteiner Perchten, Verlag Hochwarter.

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Weitere Perchtenfiguren

Briefträger

Als weitere Perchtenfiguren, leider fotografisch beim Perchtenlauf 2014 nicht dokumentiert gelten die Briefträger. Sie zählen zu den sogenannten Füllfiguren. Bis zum Jahr 1982 nahm einer, seit 1986 nehmen zwei Briefträger am Perchtenlauf teil. Sie verteilen Prospekte und Ansichtskarten mit Perchtenmotiven an das interessierte Publikum. Die heute verwendeten Uniformen wurden nach dem Vorbild einer k.u.k-Briefträgeruniform angefertigt.

Körblweib, Körblmandl, Schleifermandl

Am Gasteiner Perchtenlauf nahm zunächst nur ein Körbelweibl teil, von 1982 bis 1994 deren zwei und seit 1998 jeweils ein Körbelweibl und ein Körbelmandl. Bekleidet ist das Körbelweibl wie folgt: Ein Mann in Alltagskleidung steht in einem Spankorb ohne Boden, an dessen Vorderseite die Gestalt einer gebückten, alten Frau mit langem Kittel angebracht ist. Dadurch wird der Eindruck vermittelt, die Frau trage den Mann unter grossen Anstrengungen im Korb auf dem Rücken. Der Mann schlägt mit einem Stock auf die Frauengestalt ein, um sie anzutreiben. Das Gesicht der Frau wird mit einer Maske dargestellt. Sie trägt ein Kopftuch und eine gestrickte Wolljacke, deren Arme plastisch ausgestopft wurden. Das Körbelweibl hält ein Fatschenkind (Wickelkind) im Arm. Das Körbelmandl als Gegenstück ist erstmals 1998 im Perchtenzug dabei.
Das Schleifermandl wanderte, wie das Schleiferweibl ebenfalls von Bauernhof zu Bauernhof und bot seine Dienste an. Eine Lodenjacke, eine gestrickte Wollweste, eine Kniebundhose aus Hirschleder und ein Bergsteigerhut kennzeichnet ihn, mit der Kraxe - dem Schleifstein auf dem Rücken.

Rauhnachtsbrauch

Perchtenlauf

Zimburg schreibt: "Ihren Höhepunkt erreichen die mittwinterlichen Rauhnachtsbräuche im Perchtenlauf. Ist auch das Wissen und die Kenntnis um die tieferen Zusammenhänge dieser altheidnischen Dämonenbeschwörung längst geschwunden, so blieb doch der Glaube an den guten Zweck dieser Perchtenläufe so sehr im Volke verwurzelt, daß man heute noch die Perchten in jedem Bauernhöfe freudig begrüßt und bewirtet, wird doch ihr Erscheinen vor dem Hofe als gutes Zeichen für das kommende Jahr gewertet, und zwar nicht nur für eine gute, ertragreiche Ernte, sondern auch als Glücksboten für die Bewohner der von den Perchten aufgesuchten Gehöfte." - und weiter: "Nichts beweist mehr das Verwurzeltsein des Perchtenlaufes mit der Gasteiner Bevölkerung, als die Tatsache, daß sich das Perchtenlaufen von Generation zu Generation in den einzelnen Gasteiner Familien vererbt."

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Immer wieder sind es dieselben Teilnehmer, welche am Perchtenzug teilnehmen und über Generationen bleibt diese Tradition bestehen. Auch sind alle Masken, welche beim Gasteiner Perchtenlauf Verwendung finden, aus dem Gasteinertal. Der Perchtenlauf ist die Zeit, wo der lebensentscheidende Kampf des Tages gegen die Nacht, das Gute gegen das Böse, das Schöne gegen das Hässliche miteinander wetteifert. Der Perchttag, der Vorabend des Dreikönigstages ist die finsterste Zeit des Jahres - aber auch der letzte der Rauhnächte.

Im - Doku-Archiv - siehe weiter zu diesem Thema:
- Perchtenlauf in der Gastein - Heinrich v. Zimburg, 1947
Siehe auch die Seiten:
- Ereignisse - Perchtenlauf - 2006
- Ereignisse - Perchtenfiguren -
- Geschichte - Gasteiner Perchten -

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Quellen: Die Informationen wurden überwiegend dem Buch: "Die Gasteiner Perchten" von Horst Wierer und Werner Reinbacher, 2001
und auszugsweise dem Buch: "Der Perchtenlauf in der Gastein" von Heinrich Zimburg, 1947 - entnommen.

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Brauchtum im Gasteinertal - Perchtenlauf 2014
© 30.1.2014 by Anton Ernst Lafenthaler
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