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ET - Gasteinertal/Menschenwerke: Bergbau am Radhausberg
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Menschenwerke . Gasteinertal

Bergbau am Radhausberg

Dem Kreuzkogel, dem Salesenkogel und dem Radhausberg vorgelagert ist das Ödenkar mit dem bedeutendsten Goldbergbau im gesamten Tauernfenster. Schon im 14. Jahrhundert wurden hier Jahreserträge von bis zu 800 kg reinem Gold erzielt. Somit galt der Radhausberg als der Goldberg schlechthin in dieser Zeit. Die Gangstrukturen erstrecken sich vom Weißenbachtal im Süden über das genannte Ödenkar und den markanten Bergrücken zwischen Radhausberg und Salesenkogel in 2.613 bzw. 2.681 Seehöhe in das Blumfeld-Grubach und weiter bis in das Anlauftal.

Nördlich der Haitzingalm in 1.745 m Seehöhe im Wildenkar östlich des Alten Böckwaldes befand sich der zwischen 1354 und 1473 m Seehöhe gelegene Kniebeiß. Dieser entspricht der nordöstlichsten Fortsetzung der Radhausberger Gänge. Der Vogelgesangstollen liegt mit 2.407 und 2.414 m Seehöhe am höchsten, der Hieronymusstollen in 1.900 m Seehöhe am am tiefsten. Dies entspricht einer Teufenerstreckung von über 500 m.
Nach Rusegger (1830) werden sechs Hauptgänge und zahlreiche Nebengänge erläutert, wobei folgende von Südost nach Nordwest genannt werden: Wantschlergang mit den Stollen Gottesgab und Augustin - Hauptgang - Kniebeißgang, durch sechs Stollen erschlossen - der Liegendhauptgang - der Kreuzkogelgang - der Langfestgang. - Mehr als 50 Nebengänge werden in der alten Literatur angegeben, darunter die Blumfeldgänge, mehr als 20 Gänge im Liegenden des Langfestganges und die Grubbachgänge im Hangenden des Wantschlerganges. Weiter gibt es noch zahlreiche Nebengänge. - Weitere Informationen sind im Buch "Tauerngold", 2006 nachzulesen.

Knappenhausruine am Radhausberg, Gasteinertal Knappenhausruine am Radhausberg, Gasteinertal Knappenhausruine am Radhausberg, Gasteinertal
Knappenhaus im Ödenkar am Radhausberg

Im Ödenkar - also der Südseite des Radhausberges - dem heutigen Skigebiet-Sportgastein sind noch zahlreiche Bergbauhalden zu sehen, auf denen zum Teil die Betonfundamente der Seilbahnstützen errichtet wurden. Das Gestein ist limonitisch verwittert. Auch etliche handtellergroße, kalottenförmige Schmiedeschlacken mit blasiger, rostbraun angewitterter Oberfläche sind zu finden. Die von Tagschürfen und Schachtbauten herrührenden Halden werden an mehreren Stellen von der Skitrasse gequert und der Einsatz von Pistenraupen hat großteils die Halden planiert. Das hier vom Bergbau weitgehend beeinflusste Gebiet zeigt heute einen spärlichen Grasbewuchs bzw. eine kaum mehr vorhandene Vegetationsbedeckung.
Auch auf der Nordseite des Radhausberges finden sich mächtige Abraumhalden, die weitgehend von Gras, Strauchgruppen und kleinen Bäumen bewachsenen sind. Meist wurde taubes Nebengestein wie Quarz und Siglitzgneis auf die Berge gekippt. Schneekrägen und Mauerreste sind vereinzelt neben den beachtlichen Haldenkomplexen im Gebiet noch vorhanden. Eine Begehung des Bergbaugebietes ist allerdings bergpolizeilich verboten!

Radhaus-Unterbau (Pasel-Stollen)

Um die Tiefenfortsetzung der Radhausberger Gänge endgültig zu klären, wurde in 1300 m Seehöhe, also 600 m tiefer als der Hieronymusstollen (ein Querschlag Richtung Kreuzkogel, welcher zuvor als Unterbau in 1900 m Seehöhe geführt wurde) der Radhausberg-Unterbau bzw. Paselstollen angeschlagen mit einer Gesamtlänge von 2.452 m. Dabei wurden mehrere Klüfte gequert ohne jedoch abbauwürdiges Erz anzutreffen.
So ist im Sonderdruck aus dem Bad Gasteiner Badeblatt, 1953 zu lesen (Text unverändert): "Der Paselstollen, auch als Radhausberg-Unterbau oder Thermal-Stollen bekannt, wurde Anfang Jänner 1940 in der Asten im Naßfeldertal in 1280 m Seehöhe angeschlagen und in südöstlicher Richtung 2425 m weit vorgetrieben. Es wurden zwischen Stollenmeter 1600 und 2100 eine Reihe von Klüften angefahren, deren Aussehen, Mächtigkeit und Füllung kaum einen Zweifel darüber läßt, daß sie die Fortsetzung des Radhausberger Golderz-Gangsystems darstellen. Vererzung ist allerdings bis auf geringe Spuren nicht vorhanden."

Da der Anschlagpunkt des Stollen ursprünglich im Wald lag, musste zunächst der steile Hang planiert und Baracken für Schmiede, Kanzlei, Lokomotivschuppen etc. und ein Kompressorraum errichtet werden. Pressluft wurde für den Vortrieb und für die Errichtung eines Sprengmittelmagazins benötigt. Das Nutzwasser wurde dem nahegelegenen Fallbach entnommen. An der Straße wurde noch eine Wohnbaracke errichtet.
Ab Stollenmeter 1.200 erhöhte sich die Gesteinstemperatur mit einem Maximum von 44°C zwischen 1600 und 1700m. Es folgten umfangreichen Untersuchungen durch das Forschungsinstitut Bad Gastein und die Medizinische Universitätsklinik Innsbruck, die zu dem Ergebnis führten: "daß das Stollenklima einen großen therapeutischen Wert besitzt und die Möglichkeit der Verwertung des Unterbaus als Heilstollen gegeben ist." - was dem Stollen letztlich die Bezeichnung "Gasteiner Heilstollen" einbrachte.
Damals hieß der Stollen noch Pasel-Stollen, wobei auf den für den Bergbau zuständigen Leiters im Reichswirtschaftsministerium Curt Pasel (Geheimer Bergrat) Bezug genommen wurde.
Kriegsbedingt mussten am 30. Mai 1944 die Arbeiten am Paselstollen eingestellt werden. Die Buchprüfung per 31. Dezember 1945 war ernüchternd. Für den Paselstollen wurde rund 2,5 Millionen Reichsmark ausgegeben, für das gesamte Projekt, insbesondere für die Arbeiten im Nassfeld (Imhof-Stollen) und Kolm-Saigurn über 12,5 Millionen. Dem gegenüber stand der Erlös aus den gewonnenen Edelmetallen von knapp 0,5 Millionen und zusätzlichen "Nebeneinnahmen" (Arsen und Schwefelgewinnung, sowie Verkauf von Gerät- und Liegenschaften) von 1,5 Millionen Reichsmark. Das Defizit musste die Preussag aber nicht zur Gänze selbst aufbringen. Das Reichswirtschaftsministerium übernahm 9,5 Millionen Reichsmark, der Preussag musste lediglich die Differenz von etwa 1,5 Millionen RM aufbringen.

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Anmerkung: Die Informationen stammen aus dem veröffentlichten Bericht des Landes Salzburg vertreten durch die Abteilung 16 Umweltschutz, 1998 mit den Ergebnissen aus den Montangeologischen-mineralogischen Untersuchungen von Gerhard Feitzinger u.a. sowie dem Buch "Tauerngold" von Werner H. Paar, Wilhelm Günther und Fritz Gruber Verlag Anton Pustet, 2006 - sowie dem Sonderabdruck aus dem Bad Gasteiner Badeblatt Nr. 13, 14 und 15 / 1953.

Im - Doku-Archiv - siehe weiter:
- Oberbergrat - Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof - Unterbaustollen
- Paselstollen - Gasteiner Heilstollen - Chronik
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