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ET - Gastein im Bild: Die Thermen im Gasteinertal
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Rückblick

Die Thermen Gasteins

Thermalwasser . Radon

Thermalwasser, Gasteinertal In den Urkunden findet sich sonderbarerweise kein Hinweis, dass vor dem 13. Jh. warme Quellen im Tale bekannt gewesen wären. Selbst die Römer, Meister im Aufspüren von heißen Quellen scheinen sie nicht gekannt zu haben.
Die Thermen sprudeln in 19, sowohl in Temperatur als auch Radon-Gehalt sehr verschiedenen Quellen am Fuße des Graukogels, auch Badberg genannt, am westlichen Teil des Reichebenberges mitten in Bad Gastein aus dem brüchigen Abhang. Sie gaben dem Ort seinen ursprünglichen Namen "Wildbad Gastein". Bis zum 13. Jh. seien allerdings keine Aufzeichnungen bekannt, die darauf hinweisen, dass auch schon vorher die Quellen genutzt worden seien. Die Entdeckung der Thermen sollte allerdings bereits im 7. Jh. erfolgt sein (R. KLEINSORG 1797). Die aufsteigenden Dämpfe müssten die heißen Quellen verraten haben und so nimmt man an, dass durch Abschwemmungen oder Hangrutschungen oder gar durch Elementarereignisse wie Erdbeben, Schneelawinen oder dergleichen die Quellen freigelegt wurden.
Eine neuere geologische Abhandlung über die Wege der Thermen Bad Gasteins findet sich im Kapitel - Thermalquellen - im Archiv.

Die Herkunft des Thermalwassers
Über die Herkunft des Thermalwassers besteht die einheitliche Auffassung, dass es sich um eine juvenile Quelle handelt, also um Wasser, welches tief aus der Erde kommt und zuvor noch nie an der Erdoberfläche war. Die immer gleichbleibende Temperatur, Ergiebigkeit und weitgehende Unabhängigkeit von atmosphärischen Einflüssen und der ebenso gleichbleibende Gehalt an Radon sollen diese Annahme bestätigen. Auffallend ist, dass es sich um ein äußerst mineralarmes Wasser handelt. Es finden sich lediglich knapp 0,4 g gelöste Substanzen im Kilogramm Wasser zum Unterschied der vielen kalten Quellen im Gasteinertal. Eine chemische Analyse des Thermalwassers der Elisabethquelle aus dem Jahre 1940 ist in der nachfolgenden - Tabelle - einzusehen. Eine geologische Abhandlung der Umgebung von Bad Gastein und Überlegungen zur Herkunft des Wassers ist in der Rubrik - Hydrogeologie - nachzulesen. Thermalwasserquellen, Bad Gastein Von den mit Nummern versehenen - Thermalquellen - mit über 90 (?) Austrittsstellen, die bezüglich Ergiebigkeit, Wärme und Zusammensetzung sehr verschieden sein können, werden derzeit 14 genutzt. Sie entspringen im nördlichen Teil von Bad Gastein beiderseits der Wasserfälle. Diese spenden durchschnittlich 4.700 Kubikmeter Wasser innerhalb eines Tages (4,7 Mill. Liter), was einer Leistung von 50 Sekundenliter entspricht.
Höhenmäßig liegen die Quellen zwischen 1.034 und 937m Seehöhe. Der Höhenunterschied zwischen der obersten und der untersten Quelle beträgt somit nur 97m. Selbst die Quellen, welche nur wenige Meter auseinanderliegen haben eine unterschiedliche Zusammensetzung. Zur Unterscheidung trägt jede Quelle einen Namen und neuerdings eine Nummer.

Die ergiebigste ist die - Elisabethquelle - mit einem 2 Quadratmeter großen Becken und einer Schüttung von 1210 Liter pro Minute. Die Quelle entspringt auf 996 m Seehöhe zwischen großen Gesteinstrümmern aus dem Zentralgneis der Alpen. Die Wassertemperatur erreicht 46,8°C - die Radioaktivität bzw. der Gehalt an Radium-Emanation beträgt 66,2 nCi/l (Werte vom 6.3.1939).

Hinsichtlich der Herkunft des Radons im Thermalwasser ist es leicht vorstellbar, dass das naturwarme und in der Tiefe heiße Wasser auf seinen langen Wegen bis zu den Austrittstellen mit radiumhaltigen Gesteinen und Mineralen in Berührung kommt, aus deren Oberfläche es die gasförmige und leicht lösliche Radium-Emanation übernimmt. Naturkatastrophen haben zum Teil Quellen wieder zum Versiegen gebracht, anderswo sind aber wieder neue entstanden.

Information . Schautafeln

Thermalquellpark
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Radium-Emanation

Mit dem Begriff Radioaktivität beschreiben Physiker allgemein Prozesse, bei denen Atomkerne zerfallen oder sich ineinander umwandeln. Dabei wird Energie (Gamma-Strahlung) oder es werden Teilchen (Alpha- oder Beta-Strahlung) abgestrahlt bzw. freigesetzt.

Radium ist ein radioaktives Element und ein Folgeprodukt des radioaktiven Zerfalls von Uran. Uran zerfällt über Thorium und Radium zu Radon. Die physikalische Halbwertszeit von Radium beträgt um 1600 Jahre, die biologische HWZ hingegen ist je nach Körper-Organ unterschiedlich und beläuft sich über Jahrzehnte (Knochen) bis wenige Jahre. Radium zerfällt unter Abgabe von Helium-Kernen (Alpha-Strahlung) - zurück bleibt das gasförmige Radon (= Radium-Emanation).

Radioaktivität, Formel

Der Zerfall eines radioaktiven Stoffes wird in Becquerel (Bq) angegeben. Erfolgt pro Sekunde ein Zerfall, so spricht man von 1 Bq. Die ältere Einheit Curie (1 Ci = 3,7 x 10E10 Bq) sollte nicht mehr verwendet werden.
Wegen des von der polnischen Chemikerin Marie Curie entdeckte Radium wurde wohl auch die Einheit der Aktivität in Curie (Ci) angegeben. Dabei entspricht 1 g Radium der Aktivität von 1 Ci, das sind 370 Billionen Zerfallsakte pro Sekunde, eine bereits stark gesundheitsgefährdende Strahlung.

Wenn vom Radon die Rede ist, so ist in aller Regel das Nuklid 222Rn gemeint, welches der Uran-238-Reihe angehört. Dieses Radon kann z. Bspl. Gesteine verlassen, wenn es nahe genug an der Oberfläche sitzt. Das bedeutet in der Realität, dass alle radioaktiven Gesteine an ihrer Oberfläche in unterschiedlichem Maße Radon abgeben - man nennt diesen Prozess "Emanation".
Die Freisetzung von Radon ist dann besonders stark, wenn das Ausgangsmaterial (Fels, Lockergestein, Boden) viel Uran respektive Radium enthält. Die Radium-Emanation zerfällt weiter mit einer Halbwertszeit von 3.82 Tagen unter Aussendung von Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung in weitere radioaktive Stoffe wie Polonium, Bismut und letztlich Blei. Die Zerfallsprodukte des Radons lagern sich ebenso wie das Radon selbst an Staubpartikel/Wassertropfen an, welche eingeatmet werden und so über die Lunge in die Blutbahn gelangen.

Formel, Radon-Zefall
Pfeil

Chemische Analyse : Elisabethquelle

Die Thermalquellen Gasteins entstammen wie schon oben erwähnt juvenilen Quellen. Das Oberflächenwasser bzw. unser Trinkwasser hingegen war bereits in Zirkulation, stammt also aus den Niederschlägen Regen, Schnee und Eis. Nachfolgend soll die Thermalwasseranalyse der Elisabethquelle dem Trinkwasser gegenübergestellt werden.

Die Elisabeth-Quelle entspringt 996 m am Feldort eines 17 m langen Stollens, zwischen großen Gesteinstrümmern aus dem Gneis. Schüttung: 1210 Liter pro Minute. Über den Wänden rieseln mehrere Quellen in das Becken, die reichlich Reissacheritablagerungen zeigen. Reissacherit ist ein hochradioaktiver Quellschlamm, dessen Hauptbestandteile Mangan- und Eisenoxide sind. Die Quellentemperatur an der Entnahmestelle beträgt 46,8 °C, die Lufttemperatur 35,2°C bei einem Luftdruck von 667 mmHg. Außentemperatur der Luft: 5°C.

Analyse: Thermalwasser - Oberflächenwasser
  Elisabethquelle
Bad Gastein
mg/kg
Mineralwasser
Bad Bruck
mg/l
Kationen . . .    
Kalium 3,4 2,92
Natrium 77,6 14,15
Ammonium - - ?
Calcium 21,5 29,52
Magnesium 0,39 1,73
Ferro 0,42 ?
Mangan 0,1 ?
Lithium 0,22 ?
Strontium 0,47 ?
Aluminium 0,2 ?
Anionen . . .    
Chlor 25,7 8,3
Sulfat 130,1 31,4
Hydrogenkarbonat 63,8 77,95
Nitrat - - 5,84
Nitrit 0,1 ?
Fluor 2,8 0,63
Thiosulfat 0,55 ?
Kieselsäure 75,4 12,9
Borsäure 4,97 ?
Probenentnahme . . . 06. 03. 1939 20. 11. 2000

Weiter kommt noch Freies Kohlendioxid (5,4 mg/kg) vor.
Freier Schwefelwasserstoff konnte nicht nachgewiesen werden.
Die - Radiumemanation - beträgt 66,2 nCi pro Liter = 2450 Bq/L (2.450.000 Bq/m³)

Tag der Probenentnahme (Elisabethquelle): 6. März 1939
Analyse des Mineralwassers: 20. 11. 2000
Im - Doku-Archiv - siehe weiter zu diesem Thema:
- Umwelt - Radionuklide - Trinkwasser
- Heilquellen im Wildbad - Muchar, 1828
- Thermalquellen - Quellenfassung
- Thermalwasserleitung - Hofgastein

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Anmerkung: Die Informationen, insbesondere die Analyse des Thermalwassers von 1938
wurden dem Buch "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 - entnommen

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© 21.8.2002 by Anton Ernst Lafenthaler
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