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GOb21 - Biotoptypen/Gasteinertal: Naturnahe Wälder und Gebüschstrukturen
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Gasteinertal
Ökologie

Biotoptypen . Gasteinertal

Laubwälder

Eichenmischwälder 211 - Schluchtwälder 212 - Nadelbaum-Buchen-Mischwälder 213

Von einer ursprünglichen Waldvegetation in ihrer natürlichen Artenzusammensetzung ist in Mitteleuropa fast nichts mehr erhalten. Alle naturnahen Laubwaldgesellschaften sind Wirtschaftswälder. Heute konkurrieren etwa 20 Baumarten miteinander um den optimalen Wuchsbereich, wobei die Buche generell die größte Konkurrenzkraft besitzt mit Ausnahme der Feuchtstandorte und extremen Trockenstandorten. Im Gebirge ist es vor allem Picea abies, ein natürlicher Konkurrent der Buche. Auf organischen Nassböden mit zeitweiliger Überstauung des Grundwassers wachsen nur noch Baumarten, die mit diesen Standortbedingungen fertig werden wie z.B. die Erlen (Erlenbruchwald) aber auch Eschen u.a. Die Auenwälder sind aufgrund der laufenden Nährstoffzufuhr durch das fließende Wasser anspruchsvolle Waldgesellschaften mit sehr artenreicher Strauch- und Krautflora. Das Gasteinertal ist von solchen Auenwäldern, insbesondere Schluchtwälder und von Nadelhölzern geprägt. Großflächige Laubholzwälder wie wärmegebunde Eichenmischwälder, sowie Edellaubmischwälder fehlen, Buchenmischwälder sind am Ausgang des Gasteinertales noch anzutreffen.
Biotoptyp (Sbg.1994): Naturwälder bzw. naturnahe Wälder, Gebüschstrukturen und sonstige Gehölze - Laubwälder 2.1

Schluchtwälder und andere nicht buchendominierte Laub(Misch)Wälder

Hang- und Schluchtwälder sind anspruchsvolle, hochstaudenreiche Mischwälder in schattigen und feuchten Schluchten des Berglandes. Die Buche fehlt dabei im Gasteinertal mit Ausnahme der Schluchtwälder in Klammstein. Typische Standorte sind steile Hänge mit feucht-kühlem Klima auf feinerdearmen, aber humosen Fels- oder Steinschuttböden. Zahlreiche Schluchten werden im Gasteinertal von derartigen Wäldern begleitet.
Biotoptyp (Sbg.1994): Schluchtwälder und andere nicht buchendominierte Laub(Misch)Wälder 2.1.2
Schluchtwald
Diesen Biotoptyp findet man auf luftfeuchten Schlucht- und Hangstandorten, wo bodenfeuchte, hangwasserbeeinflusste Bedingungen herrschen. Es zeigt sich ein artenreicher Unterwuchs aus Schutt- und Blockbesiedlern, Stickstoffzeigern und Hochstaudenelementen. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit zeigen die Bäume einen reichen Moos- und Flechtenbewuchs. Je nach Höhenlage und Artenzusammensetzung sind diesem Biotoptyp verschiedene Pflanzengesellschaften zuzuordnen.
Biotoptyp (Sbg.1994): Schluchtwald 2.1.2.1
Archiv : Biotopkartierung
Schluchtwald, Klammstein Schluchtwald, Klammstein Schluchtwald, Bad Gastein
Schluchtwald 2.1.2.1

Vorkommen im Gasteinertal: Der Biotoptyp - Schluchtwald - ist lediglich mit 11 Biotopen im Gasteinertal vertreten. Diese befinden sich fast ausschließlich im Angertal und in Klammstein.

Der Ahorn-Eschenwald - Aceri-Fraxinetum - umfasst in verschiedenen Ausbildungen die Schlucht- und Hangwälder der submontanen bis montanen Stufe, wobei in der Baumschicht neben dem Bergahorn - Acer platanoides - und der Esche - Fraxinus excelsior noch die Sommerlinde - Tilia platyphyllos und die Ulme - Ulmus glabra beigemischt sein können. Kennzeichnend ist eine meist reich entwickelte, artenreiche Strauchschicht sowie ein üppiger Unterwuchs von mitunter hochstaudenartigem Charakter. Charakteristische Arten der Krautschicht sind u.a. der Hirschzungenfarn - Phyllitis scolopendium, der Waldgeißbart - Aruncus dioicus und das Ausdauernde Silberblatt - Lunaria rediviva.
Auf gelegentlich überschwemmten Auenböden der Flüsse gibt es Alnus incana und Salix alba-reiche Eschen-Ahorn-Wälder. Die Buche wird durch Spätfröste während des Laubaustriebes geschädigt, die Esche aber bleibt durch ihren verspäteten Laubaustritt verschont, was möglicherweise die buchenfreien Bestände erklärt. Ein Mondviolen-Schluchtwald - Lunario-Aceretum - auf silikatischen Verwitterungsböden in sonnenabseitigen, sehr luftfeuchter Lage findet sich im Nassfeldertal.

Der Ulmen-Ahornwald - Ulmo-Aceretum - unterscheidet sich vom Ahorn-Eschenwald durch das Zurücktreten der Esche, die im Bundesland Salzburg nur bis in Höhenlagen von etwa 1300 m vorkommt. Charakteristisch sind die Bergulme - Ulmus glabra - sowie eine üppige hochstaudenreiche Krautschicht mit dem Ausdauerndem Silberblatt, dem Platanenblättrigen Hahnenfuß - Ranunculus platanifolius und dem Alpenmilchlattich - Cicerbita alpina.

Quell-Eschenwald (Bach-Eschenwald)
Der Quell- oder Bacheschenwald - Carici remotas-Fraxinetum - stellt sich kleinflächig besonders typisch an Hangaustrittsstellen ein oder bildet von der Esche dominierte, bachbegleitende Gehölzbestände an kalkarmen Standorten, die keine staunassen Bedingungen aufweisen. Bei meist geringer Strauchschicht ist ein üppiger, krautiger Unterwuchs charakteristisch.
Kennarten des Quelleschenwaldes sind die Entferntährige Segge - Carex remota, die Hängende Segge - Carex pendula, der Bergehrenpreis - Veronica montana, der Haingilbweiderich - Lysimachia nemorum und der Riesenschachtelhalm - Equisetum telmateia.
Biotoptyp (Sbg.1994): Quelleschenwald (Bacheschenwald) 2.1.2.2
Archiv : Biotopkartierung
Quelleschenwald, Bernkogelbach
Quelleschenwald 2.1.2.2

Vorkommen im Gasteinertal: Der Biotoptyp - Quelleschenwald - ist im Gasteinertal nur einmal - und zwar noch in Tallage beim Bernkogelbach zu finden.

Hang-Grauerlenwald
Dieser Waldtyp ist an wasserzügigen Unterhängen der Montanstufe entwickelt und von der Grauerle - Alnus incana geprägt, die hier weitgehende Reinbestände ausbilden kann. Diese Bestände finden sich im Gasteinertal zahlreich. Sie tragen wesentlich zur Festigung stark rutschgefährdeter Hänge bei.
Biotoptyp (Sbg.1994): Hang-Grauerlenwald 2.1.2.3
Archiv : Biotopkartierung
Hang-Grauerlenwald, Astenalm Hang-Grauerlenwald, Böckstein Hang-Grauerlenwald, Klammstein Hang-Grauerlenwald, Remsach Hang-Grauerlenwald, Angertal Hang-Grauerlenwald, Nesslach Angertal Grauerlenwald, Hundsdorf Grauerlenwald, Poserhöhe Hang-Grauerlenwald, Böckstein Hang-Grauerlenwald, Kötschach
Hang-Grauerlenwald 2.1.2.3

Vorkommen im Gasteinertal: Entsprechend der weitläufigen Berghänge ist der Biotoptyp - Hang-Grauerlenwald - im Gasteinertal mit 118 Biotope zahlreich - und zwar in allen Katastralgemeinden.

Bergahornwald
Der Bergahornwald - Phyllitido-Aceretum - stockt auf schattseitigen, luftfeuchten (Steil-)Hangstandorten sowie auf Kies-, Block- und Schutthalden. In der meist artenreichen Krautschicht sind wie beim Ahorn-Eschenwald oft Hirschzungenfarn - Phyllitis scopopendrium, Waldgeißbart - Aruncus dioicus und Ausdauerndes Silberblatt - Lunaria rediviva kennzeichnend. In hochstaudenreichen Ausbildungen sind der Graue Alpendost - Adenostyles alliariae, der Blaue Eisenhut - Aconitum napellus, der Alpenmilchlattich - Cicerbita alpina und der Ruprechts-Eichenfarn - Gymnocarpium robertianum häufig anzutreffen.
Biotoptyp (Sbg.1994): Bergahornwald 2.1.2.4
Archiv : Biotopkartierung
Bergahornwald, Kesselfall
Bergahornwald 2.1.2.4

Vorkommen im Gasteinertal: Der Biotoptyp - Bergahornwald - ist im Gasteinertal nur einmal - und zwar im Nassfeldertal beim Kesselfall zu finden. Edellaubmischwald, Erlen-Eschenwald und Bergahorn-Weide-Wald, sowie Buchen- und Nadelbaum-Buchen-Mischwälder kommen als Biotop im Gasteinertal nicht vor.

Fichten-Tannen-Buchenwald
Die natürlichen bis naturnahen, montanen Fichten-Tannen-Wälder sind an der Nordalpenkette oberhalb von 700 - 800 m über NN verbreitet. Es sind zwergstrauchreiche Nadelwaldgesellschaften auf humusreichen, sauren Böden. Die Standorte begünstigen Kiefer und Fichte gegenüber den Laubbäumen. Insbesondere die Buche wird hier von der Fichte abgelöst.
Der Fichten-Tannen-Buchenwald - Abieti-Fagetum - ist ein vorwiegend randalpin verbreiteter Waldtyp der montanen Stufe. Die kennzeichnenden Baumarten Fichte - Picea abies, Tanne - Abies alba und Buche - Fagus sylvatica können in wechselnder Zusammensetzung auftreten, daneben kommen nur unwesentliche Anteile von Edellaubbäumen vor. Der Unterwuchs ist meist artenreich und weist eine wechselnde Mischung aus Laub- und Nadelwaldarten auf. Einige charakteristische Arten sind der Hasenlattich - Prenanthes purpurea, der Nesselblättrige Ehrenpreis - Veronica urticifolia, das Bingelkraut - Mercuralis perennis, die Heidelbeere - Vaccinium myrtillus, der Rippenfarn - Blechnum spicant u.a.
Biotoptyp (Sbg.1994): Fichten-Tannen-Buchenwald 2.1.3.4

Die Tanne ist im Gasteinertal nahezu ausgestorben. Vereinzelt finden wir sie noch gemeinsam mit der Fichte im Kötschachtal und in der Hinteren Prossau, wo sie dem Biotoptyp - Fichten-Tannen-Wald - zugeordnet werden. Vereinzelt treten Buchen mit Fichte und anderen Laubbäumen wie Berg-Ahorn und Eschen am Talausgang Dorfgastein/Klammstein auf.

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Entsprechend der - Biotopkartierung für Salzburg - bzw. der Kartierungsanleitung, bearbeitet von Günther Nowotny und Hermann Hinterstoisser et al. April 1994 beinhaltet der Biotopkomplex - Naturwälder bzw. naturnahe Wälder und Gebüschstrukturen sowie sonstige Gehölze - auch die Biotopgruppen - 2.2 Nadelwälder - 2.3 Hochmontan-subalpine Hochstaudengebüsche und Hochstaudenfluren - 2.4 Waldränder und Vorwaldgesellschaften - und die - 2.5 Gehölze in der Kulturlandschaft - . . .
Anmerkung: Der Schlüssel für die - Biotoptypen nach Haeupler & Gavre - bzw. nach Haeupler & Muer (2000) nennt hier die terrestrischen Lebensräume - Laubwälder - T1.

Biotope im Gasteinertal

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Gastein im Bild - Ökologie/Biotoptyp - Laubwälder
© 29.9.2006 by Anton Ernst Lafenthaler
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