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GOb32 - Biotoptypen/Gasteinertal: Alpine Hochlagen an und über der Waldgrenze


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    Steinschutt- und Geröllgesellschaften

    inkl. Schutt- und Felsfluren unter der Waldgrenze

    Die Verwitterungsprodukte Schutt und Geröll bilden, wo sie noch nicht weitgehend zur Ruhe gekommen und von einer Humus- und Vegetationsschicht überdeckt sind, ein Extrembiotop. Hauptcharakteristikum ist die Bewegung des Untergrundes.
    Die Steinschutt- und Geröllgesellschaften sind Pionier- und Dauergesellschaften auf Geröllstandorten, Schotteralluvionen und Schutthalden. Grobschutthalden die oft mantelartig die Gebirgssockel einhüllen oder am Fuß oder in Felswänden verbreitet sind bilden Extremstandorte. Beweglichkeit des Substrates, Mangel an Feinerde, mechanische Beanspruchung der Pflanzen sowie gelegentliche Wassermangelsituationen sind hier die hauptsächlichen Standortfaktoren.
    Aufgrund ihres instabilen und von Ort zu Ort verschieden beschaffenen Wurzelraumes erscheinen die Schuttbesiedler in stark wechselnden Kombinationen und mit wechselnden Deckungsgraden. Es sind die extremsten Phanerogamen-Gesellschaften der hohen Alpengipfel mit Verbreitung auf Silikatgestein, Kalkschieferschutt (Glimmerschiefer) und auf Kalkgestein.
    Die von Farnen und Moosen beherrschte Felsspalten- und Mauerfugengesellschaften entwickeln sich in feinerdearmen und trockenen Klüften, Spalten und Fugen im Fels. Die Arten keimen im Dunkeln und müssen über genügendes Reservereservoir verfügen. Geringer Wurzelraum und Wasservorrat bedingen eine lückige Vegetation, ein langsames Wachstum und eine geringe Konkurrenzkraft. Vielfach sind es Eiszeit- bzw. Wanderrelikte. Einige Gesellschaften besiedeln auch Sekundärstandorte (Steinbrüche, Bahnschotter, Mauern und Dächern etc.).
    Die Berge Gasteins sind übersät mit derartigen Gesellschaften - ein Paradies für Naturfreunde, Kenner und Experten . . .
    Biotoptyp (Sbg.1994): Alpine Hochlagen an und über der Waldgrenze - Steinschutt- und Geröllgesellschaften 3.2

    Subalpin-alpine Silikatschuttgesellschaft
    Subalpine und alpine Silikatschuttgesellschaften finden sich auf Grobschutt mit ständiger Schuttzufuhr in der alpinen Stufe bis zum Schutt der Gletschervorfelder und Moränen. Es sind Pioniergesellschaften auf Gletschermoränen oder auf mäßig durchbewegtem Hangschutt. Der menschliche Einfluss auf die Schutthalden, Blockfelder und die alpinen Hochlagen ist gering, die Gesellschaften können als ahemerob bis oligohemerob betrachtet werden.
    Im Gasteinertal sind derartige Silikatschuttgesellschaften mit vielen Pflanzengesellschaften, bevorzugt aus der Ordnung Androsacetalia alpinae vertreten.
    Biotoptyp (Sbg.1994): Subalpin-alpine Silikatschuttgesellschaft 3.2.1.1

    Die arktisch-alpine, hochmontane verbreitete Rollfarnflur - Cryptogrammetum - besiedelt den granitischen Blockschutt der Hohen Tauern an und über der Waldgrenze. Die charakteristische Art ist der Rollfarn - Cryptogramma crispa - ein Glazialrelikt, welcher bei uns oberhalb der Waldgrenze zwischen den Granit- bzw. Gneisblöcken zahlreich aber sehr zerstreut vorkommt, wie z.B. im Kühkar, in der Hinteren Radeckalm oder am Korntauern.

    Rollfarnflur
    Rollfarnflur
    Radeckalm, Gasteinertal

    Die Alpensäuerlingflur - Oxyrietum digynae - ist auf frischem Grob- und Feinschutt zu finden und übernimmt eine charakteristische Rolle als Moränenerstbesiedler. Neben dem Alpensäuerling - Oxyria digyna - tritt hier noch die Alpengänsekresse - Arabis alpina, das Resedenblättrige Schaumkraut - Cardamine resedifolia und die Kriechende Nelkenwurz - Geum reptans auf.
    Säuerlingsfluren sind die typischen jüngsten und jungen Sukzessionsstadien auf Gletschervorfledern oder besiedeln schneebetonte Schuttstandorte in der alpinen bis subnivalen Stufe der Silikatalpen und so auch der Hohen Tauern. Der Schwerpunkt des Vorkommens liegt eindeutig im Bereich der Gletschervorfelder zwischen 2200 und 2500 m.

    Die Bleichkleeflur - Trifolietum pallescentis - ist das erste, weitgehend geschlossene Stadium bei zunehmender Verfestigung des ursprünglich bewegten Moränenschuttes. Charakteristisches Element ist der Bleichklee - Trifolium pallescens, neben dem verschiedene Steinbrecharten - Saxifrage bryoides et moschata, sowie diverse Moose und Flechten diesen Lebensraum besiedeln. Sandig-kiesige Moränenstandorte, welche Überflutungen ausgesetzt sein können, sind durch dichte Matten von Trifolium pallescens und Rhacomitrium canescens und/oder Stereocaulon alpinum überzogen.

    Bei der Alpen-Mannschildflur - Androsacetum alpinae - handelt es sich um eine Vegetationseinheit mir nur geringem Deckungsgrad über bewegtem Silikatschutt in der alpin-nivalen Stufe. Prägende Arten sind der Alpen-Mannschild - Androsace alpina, eine charakteristische Form des Bayrischen Enzian - Gentiana bavarica var. subacaulis und eine Reihe von Steinbrecharten. Wir finden diesen Biotoptyp im Gasteinertal am Kreuzkogel in Sportgastein.
    Die Alpen-Mannschildflur kann auch zu den silikatalpinen Polsterfluren gereiht werden.

    Alpen-Mannschildflur
    Androsacetum alpinae Alpen-Mannschildflur
    Kreuzkogel, Gasteinertal

    Schieferschuttgesellschaft
    Die Flur des Zweiblütigen Steinbreches - Saxifragetum biflorae - stellt eine typische Pioniergesellschaft grusiger Feinschuttböden mit meist nur geringem Deckungsgrad (unter 10%) dar. Charakteristische Arten sind der Zweiblütige Steinbrech - Saxifraga biflora, der Rudolfsteinbrech - Saxifraga rudolphiana, der Gegenblättrige Steinbrech - Saxifraga oppositifolia, das Einblütige Hornkraut - Cerastium uniflorum, das Alpenleinkraut - Linaria alpina und das kleine Rispengras - Poa minor. Derartige Gesellschaften finden sich im Gasteinertal z. B. auf der Erzwies im Silberpfenniggebiet. Die Hungerblümchen-Steinbrechflur - Drabo-Saxifragetum - besiedelt meist relativ wenig bewegte, feinschuttreiche, gut durchfeuchtete, sehr nährstoffreiche Schuttböden basischer Reaktion in der alpinen Stufe. Kennzeichnende Artens sind vor allem Hoppe’s Felsenblümchen - Draba hoppeana und das Farnblattläusekraut - Pedicularis alspeniifolia.
    Biotoptyp (Sbg.1994): Schieferschuttgesellschaft 3.2.1.2

    Schieferschuttgesellschaft
    Saxifraga rudolphinia Saxifraga biflora Drabo-Saxifragetum
    Silberpfenniggebiet, Gasteinertal

    Kalkschuttgesellschaft
    Chrysanthemum halleri ist typisch für offene Kalk-Steinschutt-Biotope der alpinen Stufe. Je nachdem, wie die Schuttpflanzen sich mit spezifischen Wuchsformen an das Substrat anpassen, werden sie als Schuttwanderer (bilden lange, sich sekundär bewurzelnde Kriechtriebe im Schutt), Schuttstauer (bilden durch büschel- oder horstartige Austriebe ruhende Widerlager), Schuttstrecker oder Schuttdecker bezeichnet. Typische Vertreter dieser Steinschutt- und Geröllfluren sind Ranunculus glacialis, Saxifraga oppositifolia, Androsace alpina, Cerastium uniflorum, Saxifraga biflora, Linaria alpina, Doronicum clusii.
    Biotoptyp (Sbg.1994): Kalkschuttgesellschaft 3.2.1.3

    In sonnenexponierten Kalkschutthalden der alpinen Stufe mit etwas stärker gefestigtem Schutt findet man die Schutthalde des Triglav-Pippau - Crepidetum terglouensis - nach dem Triglav-Pippau - Crepis terglouensis benannt, welche auf trockenen, schwach bewegten Feinschuttböden der alpinen Stufe von 1800 – 2600 m auftritt.

    Die Berglöwenzahnhalde - Leontodonetum montani - ist eine Dauergesellschaft, die sich auf groben, oft stark bewegten Felsschutt in schattigen Lagen der Subalpin- und oberen Montanstufe entwickelt. Typische Arten sind der Ruprechtsfarn - Gymnocarpium robertianum, die Moosnabelmiere - Moehringia muscosa, der Ruprechtstorchenschnabel - Geranium robertianum und das Zwergleimkraut - Silene pusilla.

    Die Alpen-Pestwurzflur - Petasitetum paradoxi - ist als offene Pioniergesellschaft auf feinerdereichen, frischen Kalkschutthalden oftmals im Umfeld von Bacheinzugsgebieten mit periodischen Bergstürzen und Vermurungen entwickelt. Sie kommt von der subalpinen bis in die montane Stufe vor. Charakterart ist die Alpen-Pestwurz - Petasites paradoxus, sie tritt oft flächendeckend auf.

    Alpen-Pestwurzflur
    Pestwurzflur
    Bernkogelgebiet, Dorfgastein

    Die Bergbaldrian-Wurmfarn-Gesellschaft - Valeriano-Dryopteridetum villarii - ist auf weitgehend gefestigtem Grobschutt über darunter liegender Feinerde am Fuß von Kalkschutthalden bzw. Felswänden in zumeist beschatteter Lage, wo die Schneebedeckung meist bis lange in das Frühjahr andauert, ausgebildet. Konstant auftretende Arten neben Villar’s Wurmfarn - Dryopteris villarii - sind die Großblütige Gämswurz - Doronicum grandiflorum, der Bergbaldrian - Valeriana montana, der kahle Alpendost - Adenostylos glabra- und das Alpenmaßlieb - Aster bellidiastrum.

    Eine Pioniergesellschaft auf frischen, zeitweise austrocknenden, feinerdereichen Kalkschutthalden der montanen Stufe ist die Wundklee-Löwenzahn-Gesellschaft - Anthyllido-Leontodonetum hyoseroidis. Typische Arten sind eine charakteristische Rasse des Steifhaarigen Löwenzahns - Leontodon hispidus var. hyoseroides, das Grasnelkenblütige Habichtskraut - Hieracium staticifolium, die Niedrige Glockenblume - Campanula cochlearifolia und der Schildampfer - Rumex scutatus.

    Die Berg-Blasenfarnflur - Cystopteridetum montanae - siedelt in der Montanstufe auf sickerfeuchtem Geröll mit hohem Anteil an humose Feinerde, wobei schattige Lagen mit langer Schneebedeckung deutlich bevorzugt werden,. Neben dem Berg-Blasenfarn - Cystopteris montana - kommen hier noch die Farnarten Hirschzunge - Phyllitis scolopendrium- Gelappter Schildfarn - Polystichum aculeatum, der Lanzenschildfarn - Polystichum lonchitis und Gewöhnlicher Blasenfarn - Cystopteris fragilis - vor.

    Die Schildfarn-Geröllflur - Polystichetum lonchitis - ist auf ruhenden Kalkschuttblockhalden vor allem in der subalpinen Stufe ausgebildet und durch das reichliche Auftreten des Lanzenschildfarnes - Polystichum lonchitis - charakterisiert.

    Montane, d.h. an tiefere Lagen gebundene Schuttgesellschaft
    Diese Biotope enthalten offene Pflanzengesellschaften auf wärmegünstigen Kalk- und Dolomitschutt-Standorten in montanen Lagen ebenso wie Gesellschaften trockener oder zumindest teilweise stark austrockneder Silikat- und Geröllböden der submontanen bis montanen Stufe. In Österreich finden sich passende Standorte vor allem in den großen Seitentälern der Zentralalpen.
    Biotoptyp (Sbg.1994): Montane, d.h. an tiefere Lagen gebundene Schuttgesellschaft 3.2.1.4

    Die Rauhgrasflur - Stipetum calamagrostis - ist in ihrer typischen Ausprägung eine wärmeliebende Kalkschuttgesellschaft, kommt aber auch auf schmalen Felsbändern am Fuß steiler, meist südexponierter Wände vor.

    Bei der Montanen Ruprechtsfarnflur - Gymnocarpietum robertiani - handelt es sich um eine meist offen Pioniergesellschaft auf frischen, durchsickerten Kalkschutthalden der Montanstufe. Bevorzugter Standort ist Grobschutt über humusreicher Feinerde in zumeist schattiger Lage. Typische Arten sind der Ruprechtsfarn - Gymnocarpion robertianum, der Gemeine Blasenfarn - Cystopteris fragilis, die Bleiche Goldnessel - Galeobdolon flavidum, der Ruprechtstorchenschnabel - Geranium robertianum - und die Schwalbenwurz - Vincetoxicum hirundinaria. Eine Schwalbenwurzflur kommt im gasteinertal nicht vor, obwohl Vincetoxicum häufig sporadisch aber nicht dominant auftritt, und zwar in Mischwäldern . .

    Montane Ruprechtsfarnflur
    Ruprechtsfarnflur
    Rastötzengraben, Bad Hofgastein

        

    Entsprechend der - Biotopkartierung für Salzburg - bzw. der Kartierungsanleitung, bearbeitet von Günther Nowotny und Hermann Hinterstoisser et al. April 1994 beinhaltet der Biotopkomplex - Alpine Hochlagen an und über der Waldgrenze (inkl. Schutt- und Felsfluren unter der Waldgrenze) - noch die Biotopgruppen - 3.1 Felsspalten- und Mauerfugengesellschaften - 3.3 Alpine Polstergesellschaften - 3.4 Subalpin-alpine Zwergstrauchheiden - 3.5 Alpine Rasen - 3.6 Schneebodengesellschaften - und die - 3.7 Nivale Typen - . . .
    Anmerkung: Der Schlüssel für die - Biotoptypen nach Haeupler & Gavre - bzw. nach Haeupler & Muer (2000) unterscheidet hier entsprechend die terrestrischen Lebensräume - Block- und Geröllhalden - T5 . . .

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    Steinschutt- und Geröllgesellschaften
    © 29.8.2006 by Anton Ernst Lafenthaler
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