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OBT1 - Ökosysteme/Biotoptyp: Wälder
Terrestrische Lebensräume im Gasteinertal Terrestrische Lebensräume
im Gasteinertal
Biotoptyp - T 1

Biotoptypen . Gasteinertal

Wälder

Wirtschaftswälder in der heutigen Kulturlandschaft sind größtenteils forstlich begründet und durch Pflanzungen und gezielter Holzselektion entstanden. Die Naturwälder hingegen unterliegen einem zyklischen Verjüngungsprozess mit entsprechenden Änderungen der Baumartenzusammensetzung.
Nach einem altersbedingten Zusammenbruch eines Bestandes (Windwurf oder Schädlingskalamitäten) kommt es nicht wieder zur Besiedlung derselben Baumarten, sondern lichtliebende, meist durch den Wind verbreitete Pioniergehölze (sog. Vorwaldbäume) leiten den Verjüngungsprozess ein. Auf sauren Böden sind es oft Birken, Sorbus aucuparia und Pinus sylvestris. In den artenreichen Buchenwäldern sind es oft Fraxinus excelsior oder Acer pseudoplatanus. Sie entwickeln allesamt Vorwaldstadien, in deren Schutz dann die Bäume der Optimal- und Terminalphasen wieder aufwachsen können.
Die Folge solcher Regenerationszyklen ist ein kleinräumiges Mosaik verschiedener Altersphasen mit unterschiedlichen Artenspektren, wobei ältere, geschlossene mit jüngeren offenen Waldpartien räumlich und zeitlich in einem größeren Waldbestand abwechseln. Der natürliche Wald, mit einem Mosaik aus Lichtungs-, Pionier-, Optimal- und Altersphasen weist im Gegensatz zum forstwirtschaftlich geprägtem Wald ein komplexes Gebilde auf. Nicht als Biotoptypen, sondern als Kulturlandtypen gelten die "Wirtschaftswälder, (sekundäre) Monokulturen und die Schlagfluren".

Biotoptypen nach Haeupler & Gavre 1983

(Syntaxonomie nach POTT 1995 - Pflanzengesellschaften)

Laubwälder, laubholzbeherrschte Mischwälder - T 1. 1
Parks und waldähnliche Anlagen - T 1. 3

Die mesophilen laubwerfenden Wälder sind im Gasteinertal mit Erlen, Hainbuchen, Birken und Bergahorn vertreten.
Eichen und Tannen sind nur vereinzelt, selten vorhanden.

Nadelwälder, nadelholzbeherrschte Mischwälder - T 1.4

Zu den Nadelwälder bzw. montane und subalpine Nadelmischwälder gehören die natürlichen bis naturnahen, montanen Fichten-Tannen-Wälder und die hochmontanen Fichtenwälder oberhalb von 700 - 800 m. Es sind zwergstrauchreiche Nadelwaldgesellschaften auf humusreichen, sauren Böden. Die Standorte begünstigen Kiefer und Fichte gegenüber den Laubbäumen. Insbesondere die Buche wird hier von der Fichte abgelöst. In den Zentralalpen gibt es natürliche Fichtenwälder vom Typ des Vaccinio-Piceetum großflächig in der montanen bis alpinen Stufe. Überwiegend sind es aber Wirtschaftswälder, die im Gasteinertal hauptsächlich aus Fichten-Monokulturen bestehen.

Die im Gasteinertal vorkommenden Biotope
Naturwälder bzw. naturnahe Wälder
Biotop-Typ T1 bzw. Biotoptyp-Sbg 2.2 / 2.5 und 6.2
( inkl. Wirtschaftswälder - Kulturlandtyp-Sbg 6 )
Pfeil

Parks und waldähnliche Anlagen

Biotoptyp T1.3 - Land-Sbg 2.5
Der Biotoptyp Parks und waldähnliche Anlagen - sind zwar künstlich angelegt, können aber trotzdem aus nur einheimischen Arten bestehen. Im Allgemeinen aber rekrutieren sich Parks aus Anpflanzungen, z.T. mit exotischen, nichtheimischen Baumarten. Als alte Baumbestände gehören die Parkgehölze zu den schutzwürdigen Biotoptypen (vor allem höhlenreiche Altbäume). Auch die oftmals parkartigen alten Friedhöfe sind oft reich an Sträuchern, Bäumen und krautigen Pflanzen. Gärten spielen hierbei ebenfalls eine wichtige Rolle, die sich nicht nur in der Struktur der Anlage, sondern auch im Artenbestand stark unterscheiden.
Biotoptyp: Parks und waldähnliche Anlagen T1.3 (Haeupler & Garve 1983) - anthropogen beeinflußte Landvegetation 2.7 (Flora alpina 2004) - Gehölze in der Kulturlandschaft 25 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)
Park
Code 2524 . T31
Park - Anthropogene Baumbestände
Parks und waldähnliche Anlagen T3.1
Kennzeichen: Parkgehölze bestehen aus einheimischen Arten oder rekrutieren aus Anpflanzungen, z.T. mit exotischen, nichtheimischen Baumarten. Alte Baumbestände sind eher selten.
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 2524
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Hofgastein, Gasteinertal am 2.10.2006

Nadelwälder, nadelbaumbeherrschte Mischwälder

Biotoptyp T 1.4 / Land-Sbg. 2.2
In den Zentralalpen und so auch im Gasteinertal gibt es natürliche Fichtenwälder vom Typ des Vaccinio-Piceetum großflächig in der montanen bis alpinen Stufe. Der Übergang zur waldfreien alpinen Region ist durch den Einfluss des Menschen und seiner Haustiere verwischt. Die Alpweideflächen liegen in der oberen Waldgrenze, im Bereich des oberen Lärchen-Arven-Waldes, wo häufig auch Zwergstrauchheiden zu finden sind, die besonders auf flachgründigen Böden, steilen Hängen, zwischen Blöcken von Moränen und Schutthalden gedeihen, wo der Beweidungsdruck gering ist.
Biotoptyp: Nadelwälder, nadelbaumbeherrschte Mischwälder T1.4 (Haeupler & Garve 1983) - Nadelwälder 9.1 (Flora alpina 2004) - Nadelwälder 22 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)
Lärchen-Arven-Wald
Code 2225 . T144
Lärchen-Zirben-Wald - Vaccinio-Pinetum cembrae
Lärchen-Arven-Wälder T1.4.4 - Rhododendro-Vaccinion
Kennzeichen: Der Lärchen-Arven-Wald (Larici-Pinetum cambrae) kommt auf Kalk- wie auf Silikatsubstraten vor. Hauptklimafaktor ist die Strahlungsintensität im Hochgebirge.
Der Lärchen-Zirbenwald - Vaccinio-Pinetum cembrae - steigt etwa bis auf 2.200 m Höhe und bildet damit die höchstgelegene Waldgesellschaft der Alpen. Dominant ist die Zirbe - Pinus cembra mit wechselnden Anteilen von Lärche - Larix decidua, wobei auch reiche Zirbenbestände vorkommen können. Aufgrund der häufig lichten Bestockung bildet sich oft eine kräftige Zwergstrauchschicht mit Rhododendeon, Vaccinium myrtillus und Preiselbeere - Vaccinium vitis-idaea.
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 2225
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Kühkar, Gasteinertal am 30.6.2006
Subalpiner Fichtenwald
Code 2211
Alpenlattich-Fichten-Wald - Subalpiner Fichtenwald
Homogyna alpinare-Piceetum, entspricht dem früheren "Piceetum subalpinum"
Kennzeichen: Der Alpenlattich-Fichten-Wald (Homogyno-Piceetum = Piceetum subalpinum) kommt auf Kalk- wie auf Silikatgestein vor und prägt die Wälder des Gasteinertales. Die Fichten sind eher schmalkronig, säulenförmig hoch gebaut und meist bis zum Boden beastet (=Anpassung an hohe Schneelasten). Eine einheitliche Krautschicht ist wegen der unterschiedlichen Gesteinsunterlage nicht vorhanden. Das Einblütige Wintergrün - Moneses uniflora, der Wald-Bärlapp - Lycopodium annotium und der namensgebende Alpenlattich wären klassische Charakterarten für saure Böden. Der Kahle Alpendost - Adenostyos glabra ist hingegen Charakterart des Karbonatgesteins (Klammstein).
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 2211
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Graukogel, Gasteinertal am 16.10.2006
Lärchen-Zirben-Fichtenwald mit Alpenrose
Code 2224 . T144
Subalpiner Lärchen-Zirben-Fichtenwald mit Alpenrose
Lärchen-Arven-Wälder - T1.4.4 - Vaccinium-Pinetum cembrae bzw. Larici-Pinetum cembrae
Kennzeichen: Hochalpine Bestände mit wechselnden Anteilen von Lärche - Larix decidua, Zirbe - Pinus cembra und Fichte -Picea abies. Charakteristisch ist eine moosreiche Zwergstrauchschicht, in der die Alpenrose dominiert. Weitere Zwergsträucher sind die Heidelbeere - Vaccinium myrtillus, evtl. Rauschbeere - Vaccinium uliginosum und die Preiselbeere - Vaccinium vitis-idaea. Auf silikatischem Untergrundgestein, hier Granitgneis mit Rhododendron ferrugineum.
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 2224
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Graukogel, Gasteinertal am 16.10.2006
Fichtenblockwald
Code 2213 . T1433
Fichtenblockwald - Asplenio-Piceetum
Blockschutthalden-Wälder T1.4.3.3 - Betulo carpaticae-Piceetum
Kennzeichen: Der Fichtenblockwald kommt vor allem in der oberen Montanstufe vor und ist durch den grobblockigen Untergrund gekennzeichnet. Dieses Blockwerk entpricht meist altem Bergsturzgelände mit Sträuchern und Moosen. In der Krautschicht ist besonders die Gattung Asplenium stark vertreten.
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 2213
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Kötchachtal, Gasteinertal am 8.9.2006
Laricetum-Rhododendrosum
Code 2222 . T14
Karbonat-Alpenrosen-Lärchenwald - Laricetum-Rhododendrosum hirsuti
Karbonat-Lärchenwald T1.4. - Laricetum-Rhododendretosum hirsuti F. Müller 1977
Kennzeichen: Karbonat-Lärchenwälder sind vor allem im mittel- und hochmontanen tiefsubalpinen Bereich verbreitet. Besiedelt werden vor allem schattseitige und klimatisch ungünstige Lagen, der Untergrund besteht oft aus anstehendem Hartkalkgestein, Moränenschutt oder Bergsturzmaterial
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 2222
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Rastötzenalm, Gasteinertal 7.10.2007
Biotoptyp T 1.4 / Land-Sbg. 6.2
Der Bestandsaufbau der Wälder entspricht nicht mehr den naturnahen Waldlandschaften, aus denen wir heute die potentielle natürliche Vegetation herzuleiten versuchen. Es sind Wirtschaftswälder, deren Physiognomie und Struktur durch moderne Nutzungsverfahren geprägt wurden. Sie sind durch die Gleichaltrigkeit und Gleichförmigkeit im Bestandsaufbau gekennzeichnet.
Biotoptyp: Nadelwälder, nadelbaumbeherrschte Mischwälder T1.4 (Haeupler & Garve 1983) - Nadelwälder 9.1 (Flora alpina 2004) - Nadelwälder 62 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)
Fichten-Monokultur
Code 6221 . T1453
Fichten-Monokultur
Fichtenforst T1.4.5.3 - Picea abies-Forst
Die Wirtschaftswälder (Forsten) entsprechen nicht mehr den natürlichen Gegebenheiten, sondern sind nach rein forstökonomischen Motiven ausgerichtet. Dabei fällt vor allem der Nadelholzanbau der letzten Jahrhunderte ins Gewicht. Im Bergland bestehen die Waldbestände zu mehr als zwei Drittel, gebietsweise sogar ausschließlich aus standortfremden Fichtenforsten.
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Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung - Code 6221
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Gasteinertal am 30.9.2006
Siehe auch die Seiten:
- Biotope - Biotopkartierung - Übersicht
- Ökosysteme - Limnische Lebensräume -
- Ökosysteme - Semi-Terrestrische Lebensräume - . . .
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Ökosysteme/Biotoptyp: Wälder (T1)
© 3.11.2006 by Anton Ernst Lafenthaler
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