Die natürliche Entwicklung der Pflanzendecke dauert auch heute noch an -
sie werden aber durch die weitaus intensiveren und schnelleren Veränderungen,
welche die menschlichen Wirtschaftmaßnahmen mit sich bringen, überlagert.
Kulturlandschaft ist aus einer natürlichen Laubwaldlandschaft hervorgegangen,
wobei der Wald immer mehr an Fläche einbüßte.
Aus Naturlandschaft wird Kulturlandschaft.
Mit den Kulturpflanzen kamen auch die Ackerunkräuter mit. Hecken wurden zur
Abgrenzung gepflanzt, Obstwiesen und -weiden entstanden und letztlich die
Grünanlagen, Parks und Erholungsgebiete.
Bei dem Komplex Kulturlandtypen handelt es sich um intensiv genutzte bzw.
sehr stark anthropogen beeinflusste Flächen.
Den Biotoptypen werden so die Kulturlandtypen gegenübergestellt - das sind
Wirtschaftsgrünland und -wälder, Äcker und Gärten u.a.
Als Kulturlandtypen des Siedlungsraumes gelten die Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen . . .
Acker-Beikrautfluren - T9.1
Neben den Kulturpflanzen finden sich auf den Äckern auch spontan andere Pflanzen ein.
Diese erste Besiedlungswelle von Pionierpflanzen auf dem aufgerissenen Ackerboden
kann als das erste Stadium einer Sukzession betrachtet werden. Aus der Sicht der
Landwirtschaft sind diese Pflanzen "Unkräuter", denen man pauschal
unterstellt, dass sie durch Konkurrenzwirkung den Eintrag vermindern.
Herbizideinsatz, intensive Düngung, verbesserte Saatgutreinigung und generell
Anbau gereinigten Saatgutes führt zum Aussterben von speziell an die auf Äcker
herrschenden Bedingungen angepassten Arten und zu einer allgemeinen Zurückdrängung
von Wildkrautfluren.
Drainage von Äckern lässt die Ackerkresse - Rorippa sylvestris, die
Ackerminze - Mentha arvensis, den Ackerziest – Stachys palustris var. segetum und den
Pfefferknöterich – Polygonum hydropiper, die früher sehr häufig waren
infolge von hydromeliorativen Maßnahmen abnehmen oder ganz zum Verschwinden bringen.
Weiters verlieren infolge moderner Produktionstechniken die Ackerbiotope ihre
früher vorhandene ökologische und damit auch botanische Vielfalt.
Intensive Kunstdüngung bewirkt eine Uniformierung der Standortbedingungen,
die Vielzahl der Unkrautgemeinschaften wird verringert und führt zur
Verarmung und Entdifferenzierung.
Die Acker-Beikrautfluren werden allesamt der Klasse Stellarietea mediae zugeordnet, inklusive der Unterklasse
Violenea arvensis.
Gärten - T9.2
Auch die oftmals parkartigen alten Friedhöfe zeichnen sich durch einen sehr hohen Artenreichtum aus (besonders Vögel). Gerade die alten Stadtfriedhöfe sind reich an Sträuchern, Bäumen und krautigen Pflanzen.
Auch Gärten spielen hierbei eine wichtige Rolle, die sich nicht nur in der Struktur der Anlage, sondern auch im Artenbestand stark unterscheiden. Viele einheimische wie nicht-einheimische Pflanzen sind Teil unserer gärtnerisch-gestalterischen Tradition geworden. Dies gilt für Freiräume außerhalb von Gärten und Parkanlagen.
Fruchtplantagen - T9.3
Hierher gehören die Obstbaumplantagen (inkl. Streuobstwiesen),
Weingärten und andere Beerstrauchplantagen.
Unter Obstkulturen versteht man intensiv genutzte Obstplantagen mit hochwertigen
Tafelobstsorten.
Streuobstbestände auf extensiv genutzten Wiesen und Weiden,
teilweise auch auf Äckern oder entlang von Straßen und Wegen, sind nur noch
selten Bestandteile dörflicher oder bäuerlicher Landschaften.
Sie werden bestenfalls von Obstplantagen ersetzt. Als Biotoptypenkomplex
sind die Streuobstbestände immer zusammen mit den komplimentären Biotoptypen
(z.B. extensiv genutztes Grünland, Rasenbestände) angegeben worden.
Verstreut auf Äckern und Wiesen stehende großkronige Obstbäume haben einen
vielhundertjährige Tradition, werden aber heute als unrentabel angesehen und
größtenteils gerodet.
Alleen, Einzelbäume und Gruppen - T9.4
Solitär stehende, meist angepflanzte Bäume, einzeln oder in Gruppen kommen als Alleen, als einzelne Kopfweiden oder Baumreihen mit Kopfbäumen zur Reisiggewinnung oder Korbflechterei.
Alleen und Baumreihen, die ein- oder beidseitig von Straßen und Wegen zu finden sind, gibt es in der offenen Landschaft und in besiedelten Bereichen. Vor allem alte Baumbestände in Parks, Klostergärten oder auf Friedhöfen sind hier zu nennen.
Öffentliche Grünflächen und Anlagen - T9.5
Eine nicht unbedeutende Fläche unterliegt nicht der bäuerlichen Pflege und
werden auch vom Laien als nicht landwirtschaftliches Grünland erkannt.
Es sind Flächen der Naturerholung, dem Sport, dem Verkehr oder der Versorgung,
dem Erosionsschutz oder der Zierde dienen.
Eine andere außenlandwirtschaftliche Wiesen- und Rasenfläche stellt das
Straßenbegleitgrün dar.
Zu den öffentlichen Grünflächen Anlagen zählen auch die Schipisten, die als Kulturlandschaft besonders bei uns im Gasteinertal
einschneidende Veränderungen bzgl. der Vegetation bewirken.
Ein besonderer Rasen ist der sogenannte "Englische Rasen".
Die hohen Niederschläge in England boten beste Voraussetzungen für
einen derartigen Rasen, der dann zu einem Exportschlager
auf der ganzen Welt wurde.
Normen wie DIN18917 zur Herstellung von Rasenflächen regeln die
Handelsanforderungen an das Rasensaatgut und die Beschaffenheit von Fertigrasen.
Dabei entscheidet die Dichtnarbigkeit, gute Schnittverträglichkeit,
Ausläuferbildungen und Blattfarbe, sowie auf Resistenz gegen Krankheiten
und Trockenheit die Rasenqualität.
Insbesondere die Arten Deutsches Weidelgras, Lieschgras, Straußgras,
Rotschwingel und Wiesenrispe wurden für Zwecke der Rasenanlage züchterisch
bearbeitet, wobei diese als besondere Qualitäten die
Dichtnarbigkeit, die gute Schnittverträglichkeit und gute
Ausläuferbildungen aufweisen. Eine bekannt Sorte, die für die Anlage als Monokultur
in Golfgrüns
verwendet wird, ist Agrostis stolonifera Penncross, das an der Universität
Pennsylvenia aus drei Mutterpflanzen gezüchtet wurde.
Die im Gasteinertal vorkommenden Biotope
Kulturpflanzenbestände Biotop-Typ T9 bzw. Biotoptyp-Sbg 2.5 und 6
Der Biotoptyp Fruchtplantagen - enthält hier alle möglichen Obstbäume, wobei
sich in Gastein lediglich Äpfel, Birnen, Zwetschken und wenig Kirschen finden. Als Strauchobst sind es die Ribisel. Himbeeren, Brombeeren und Stachelbeeren
kommen nur wild vor. Wein wird bei uns nur versuchsweise angebaut.
Unter Obstkulturen versteht man intensiv genutzte Obstplantagen mit hochwertigen
Tafelobstsorten.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich eine besondere Kulturform entwickelt, eine Mischung aus
Wiesen und Obstnutzung, die Streuobstwiesen.
Die Wortzusammensetzung rührt von der verstreuten räumlichen Verteilung dieser Obstgärten.
Durch den weiten Stand der Obstbäume konnte darunter noch Wiesenheu gewonnen werden;
eine ideale Doppelnutzung: extensiver Obstbau, Viehhaltung und Milchwirtschaft.
Bis zu 450 Pflanzenarten und 3000 Tierarten können Streuobstwiesen beinhalten,
insbesondere wenn viele alte Bäume vorhanden sind.
Biotoptyp: Fruchtplantagen T9.3 (Haeupler & Garve 1983) - Gehölze in der Kulturlandschaft 25 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)
Der Biotoptyp Alleen, Einzelbäume und Gruppen -
umfasst doppelte und einfache Baumreihen an Wegen, Straßen, Bahndämmen,
Zufahrten, Bächen oder zwischen Feldern. Sie können eine einheitliche oder vielfältige
Baumartenzusammensetzung aufweisen, sind aber immer auf Anlage durch den Menschen zurückzuführen.
Biotoptyp: Alleen, Einzelbäume und Gruppen T9.4 (Haeupler & Garve 1983) - anthropogen beeinflußte Landvegetation 2.7 (Flora alpina 2004) -
Gehölze in der Kulturlandschaft 25 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)
Die Biotoptypgruppe - Öffentliche Grünflächen und Anlagen - beinhaltet
Parkrasen, Zierpflanzen-Rabatte, Ziergesträuche, Friedhöfe, Straßenböschungen mit Baumschulgehölzen,
Sportplätze und viele andere öffentliche Sport-, Freizeit- und Erholungsanlagen.
Schipisten sollen hier ebenfalls den öffentlichen Anlagen zugeordnet werden, zumal sie
als öffentliche Sport-, Freizeit- und Erholungsanlagen in Form von - Geschobenen Pisten - eine gänzlich
neue und artenarme Vegetation ausbilden, bedingt durch die Planierung,
die bis zur großflächigen Geländekorrektur mit völliger Durchmischung und Zerstörung des natürlichen
Bodenprofils einhergeht.
Besser noch und besiedelt von der Umgebungsflora ergeht es den sogenannten Naturpisten, also solchen,
die noch eine typische Waldbodenvegetation aufweisen und/oder als Weide
oder Wiese benutzt werden.
Biotoptyp: Öffentliche Grünflächen und Anlagen T9.5 (Haeupler & Garve 1983) - anthropogen beeinflußte Landvegetation 2.7 (Flora alpina 2004) -
Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen 6.5 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)