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OVe1 - Ökosysteme/Gasteinertal: Nacheiszeit
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Gasteinertal
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Vegetation . Gasteinertal

Letzte Eiszeit

Eiszeitrelikte

Gletscher Gasteins, Ortberg Die Kare des Hochgebirges und andere hochgelegene Gebirgsverflachungen waren geeignete Sammelräume für Schnee und daraus entstandene Eismassen im Hochgebirge. Die schattigen Seitentäler boten günstige Bedingungen für die Gletscherbildung. Die letzte Glazialperiode, die - Würm-Eiszeit - dauerte von rund 115.000 bis rund 10.000 Jahren vor heute und erreichte vor etwa 18.000 Jahren ihren Höhepunkt (Hocheiszeit) mit einer Eisausdehnung bis in den Flachgau (bis 40 km nördlich von Salzburg). Die Schneegrenze lag in dieser Zeit um 1.300 m tiefer als heute. Auch die Sommertemperaturen lagen im Schnitt um 10°C niedriger.

Vor 18.000 Jahren - Die meisten Täler, so auch das Gasteinertal war zu dieser Zeit von Gletschern aufgefüllt. Nur die höchsten Gipfel und Grate ragten als sog. Nunatakker (Ausdruck der Eskimos für aus dem Eis ragende Berge) noch aus dem Eis, selbst die Woisgenscharte (2443 m) und der Mallnitzer-Tauern (2430 m) waren vom Eis überflossen. Als Talgletscher fließen sie entlang von Abgründen, als Kargletscher schmiegen sie sich in die Mulden der Berge, als Hängegletscher kleben sie über Abgründe. Der Gasteiner Gletscher reichte von den Zentralalpen gegen Norden zu und vereinigte sich mit dem Salzachgletscher.
Vom Gletscher mitgeführte und gestrandete Gesteinsblöcke - Findlinge - bezeugen, dass die Gletscherhöhe in der Gegend von Dorfgastein noch mehr als 1.000 m betrug. An flachen Stellen wurden durch die Gletscher Becken und Wannen aus dem Fels gearbeitet und bildeten die Grundlage für die Seenbildung, wie wir sie heute sehen. Der - Bockhartsee - der - Reedsee - und der - Palfnersee - sind derartige Zeugen. Nachdem die Talgletscher verschwunden waren, wurden auch die höheren Lagen teilweise eisfrei. Die Eisobergrenze im Bereich Bad Hofgastein lag wohl zwischen 1.900 und 2.000m.

Das Ende der Eiszeit

Am Stappitzersee im Seebachtal bei Mallnitz wurden Bohrungen abgeteuft, wodurch sich aufgrund von Pollenanalysen und der Sedimentationsabfolge die Vegetations- und Klimageschichte der letzten 17.000 Jahre rekonstruieren lässt. Aufgrund der Sedimentabfolge in 160 bis 113m Tiefe kann geschlossen werden, dass während der ausklingenden Würmeiszeit (vor 17.000 - 15.000 Jahren) der Stappitzer See während der Rückzugsphase des Seebachgletschers bereits eisfrei war und von Pflanzen (Grünerle, Fichte, Lärche) besiedelt wurde.
Im Spätglazial (vor 15.000 - 10.000 Jahren) gab es wieder markante Kaltphasen, dokumentiert durch Gräserpollen und Zurücktreten der Grünerle.

Um 9000 v. Chr. - kam es neuerlich zum Anwachsen der noch bestehenden Gletscher und sie reichten bis etwa 1.200 m ins Tal. Über die Felsstufe von Badgastein (südlich der Pyrkerhöhe) hing ebenfalls eine Gletscherzunge, welche Ursache für die Bildung der 1904 freigelegten - Gletschertöpfe - war. Durch den Aufprall des Schmelzwassers am Felsgrund wurden durch die vom Wasser herumwirbelnden Steine tiefe Töpfe ausgehöhlt. Die Gletschermühle auf der Pyrkershöhe war ursprünglich von einer dicken Schotter- und Humusschicht bedeckt. Sie wurde während des Baues der Tauernbahn 1904 freigelegt und an der Rückwand mit der Inschrift versehen: Saxa loquuntur - Wenn Menschen schweigen, sprechen die Steine. Zu Klimaverschlechterung und Kaltphasen kam es zwischen 8700 und 8000 Jahren, wobei die Waldgrenze wieder sank.

Postglaziales Klimaoptimum

Um 7000 - 1000 v. Chr. - folgte eine Wärmezeit mit entsprechendem Rückgang der Gletscher. Es soll dabei wärmer als heute gewesen sein und die Waldgrenze stieg bis auf 2.300 m; Zirben waren gar noch auf 2.600m zu finden. Im Seebachtal konnte für diese Zeit ( (vor ca. 6.700 - 5.000 Jahren) eine dichte Bewaldung und somit eine warme Periode nachgewiesen werden. In dieser Zeit kam es auch zu - Moorbildungen - wie sie heute noch am - Kühkar-Kesselkar - bestehen. Vor ca. 3600 - 3200 Jahren konnte Siedlungszeiger wie Brennnessel-, Ampfer- und Spitz-Wegerichpollen nachgewiesen werden.
Immer wieder unterbrachen Kaltphasen die Wärmeperiode im Zeitraum von 7000 - 3000 Jahren, die als "postglaziales Klimaoptimum" bezeichnet wird. die Waldgrenze lag auf 2400 m Seehöhe und lag somit höher als heute.

Um 300 v. Chr - 400 n. Chr. - war es ähnlich warm. Diese Periode wird als "Klimaoptimum der Römerzeit" bezeichnet. Danach kam es allerdings wieder zu einer Klimaverschlechterung ("Pessimum der Völkerwanderung"). Gefolgt von einer Wärmeperiode, wo es um 1 - 1,5°C wärmer war als heute ("Mittelalterliches Klimaoptimum").

"Kleine Eiszeit"

Nach 1200 - setzt eine neuerliche Abkühlung ein und es haben sich wieder Gletscher gebildet. Gleichzeitig kam es wieder zu einem Absenken der Waldgrenze. Alte Grubenhölzer aus dem mittelalterlichen Bergbau kamen wieder unter Eis und einzelne Stollen wurden vom vorrückenden Eis überfahren. Diese Kaltphase zeigte von 1600 - 1850 seinen Höhepunkt = "Kleine Eiszeit"). Im Jahresmittel war es um 1°C kühler als heute. Markante Moränenwälle dokumentieren in dieser Zeit Gletschervorstöße für die Jahre 1620, 1770 und 1780, welche allerdings durch neuzeitliche Gletschervorstöße wie z. B. 1820 und 1850 überfahren und zerstört wurden.
Um 1850 kam es neuerlich zu Gletschervorstöße, deren Moränenwälle (1850-Wälle) heute noch überall in den Hohen Tauern und im Gasteinertal gut auszumachen sind. Seitdem kommt es zum Schwinden der Alpengletscher. Nach kleineren, letzten Gletschervorstößen um 1890 und zwischen 1910 - 1920, sowie in der Zeit von 1965 - 1980, wo insbesondere die Gletscher der Ostalpen betroffen waren, kommt es zu einem immer schnelleren Gletscherrückzug (Pasterze zeigt seit 1997 einen Rückgang von 30m/Jahr).
- Quelle: Geologie, Nationalpark Hohe Tauern, 2005

"Globale Erwärmung"

Die hierzulande als "Kees" bezeichneten Gletscher schwinden besonders rasch. Der - Tischlerkarkees - zweigt einen kontinuierlichen Rückgang und wird wohl in 10-20 Jahren verschwunden sein. Kleinere Gletscher im Gasteinertal wie der Kesselkargletscher oder Hölltorgletscher wohl schon in wenigen Jahren.
Niederschlagsarme und heiße Sommer zerren unaufhörlich am Gletscher und unübersehbar ist der Rückgang des Schareck- und Schlapperebenkees ebenso wie der Kessel- und Tischlerkarkees die beinahe zu verschwinden drohen. Es schmilzt nicht nur die vom Vorwinter gespeicherte Schneemenge, sondern greift auch die Vorräte früherer Winter an - siehe dazu - Kima im Wandel - im 20./21.Jh.
Die globale Erwärmung, verursacht durch den Menschen mit seinen weitreichenden Veränderungen, die u. a. einen Anstieg des Meeresspiegels und das Einbringen von Mikroplastik in die Gletscherregionen bis in die Antarktis bewirkt, veranlasst die Wissenschaft von einem neuen Zeitalter, dem "Anthropozän" zu sprechen, welches nun dem ausklingenden Holozän folgen soll.

"Anthropozän"

Nach der allseits bekannten geologischen Zeitskala teilt sich die Erdneuzeit in Tertiär und Quartär und letzteres wiederum in Pleistozän (Eiszeit) und Holozän (Neuzeit). Das Pleistozän (1,64 Mio. Jahre bis 10.000 Jahre vor heute) endet (in den Alpen) mit der der Würm-Eiszeit (115.000 bis 10.000 vor heute), wo bereits der Mensch kulturschaffend wirkte (Jungpaläolithikum). Mit dem Übergang ins spätglaziale Holozän kam es zu kulturellen, bedeutenden Errungenschaften (Meso-, Neolithikum) bis zu der historisch gut dokumentierten Bronze- und Eisenzeit) im sog. postglazialen Holozän.
Die Stratigraphie als Teilgebiet der Geologie versucht eine Rekonstruktion der Erdgeschichte durch Datierung von Gesteinsschichten mit dem Ziel, eine Zeitskala der Erdgeschichte zu erstellen. So kann das jüngste Erdzeitalter - das Pleistozän, gefolgt vom Holozän - durch eine repräsentative Ablagerung in Form von Schichten ("stratigraphisch") definiert werden.
Ein "neues" (dzt. in Diskussion) geologisches, ungewöhnlich kurzes Zeitalter - ein "Anthropozän" - müsste denselben stratigraphischen Grundregeln gerecht werden, wie alle anderen zuvor und muss entsprechend erkennbar und messbar sein. Der Mensch hat in den letzten Jahrhunderten dem System Erde unverhältnismäßig große Änderungen zugefügt, dass sich ein neues Zeitalter wohl definieren ließe, zumal es sich auch (stratigraphisch) nachweisen lässt. Der Anstieg der Treibhausgase (in Eisbohrkernen nachweisbar), die Änderungen der Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf und die sprunghaft angestiegenen, vom Menschen künstlich erzeugten Materialien wie Beton, Plastik und die unterschiedlichsten Geräte, welche als Müllablagerungen in den Erdschichten lagern, die Umgestaltung großer Landflächen u. v. a. m. sollten zur Definition eines neuen Zeitalters ausreichen. Der bedeutenste stratigraphisch nachweisbare Eingriff in das System Erde ist neben dem Mikroplastik aber wohl auch das weit verbreitete künstliche Plutonium-Isotop-239 aus den Atombombentests in der Zeit von 1950 bis 1960. Alles das bleibt als Fußabdruck des Menschen in der Erdgeschichte - im möglicherweise kürzesten, noch zu definierendem, geologischen Zeitalter.
Da sich die Menschheit der Industriegesellschaften mit dem Begriff "Anthropozän" selbst als geologische Epoche definiert und sich auch noch vom Machbarkeitswahn geprägt zur ungehemmten Umgestaltung der Erde berufen fühlt, relativiert aber den Begriff "Anthropozän" als stratigraphischen Begriff und gilt dann eher als ein "Kultur-Zeitalter".

Weiterführende und verwandte Themen :
Klima im Wandel - Schnee im Tal
Moränenwälle - Endmoränen 1850
• Umwelt - Gletscher und Firnfelder -
• Vegetation - Postglaziale Vegetationsentwicklung -
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