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OSCck - Pflanzengesellschaften/Gasteinertal: Arktisch-alpine Nacktried-Rasen
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Gasteinertal
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Carici rupestris-Kobresietea bellardii

Arktisch-alpine Nacktried-Rasen

Syn: Elyno-Seslerietea Br.-Bl. 1974 p.p., Kobresio-Elynetea Oberd. 1957, Zirkumpolare Nacktriedsteppen, hochalpine Windkantenrasengesellschaft

Diagnostische Artenkombination (G. Grabherr): Antennaria carpatica, Arenaria multicaulis, Astragalus alpinus, Astragalus australis, Carex capillaris, Carex rupestris, Draba siliguosa, Dryas octopetala, Kobresia (Elyna) myosuroides, Erigeron uniflorus, Comastoma tenellum, Lloydia serotina, Lomatogonium carinthiacum, Oxytropis lapponica, Oxytropis campestris ssp.tiroliensis, Oxytropis triflora, Pedicularis oederi, Potentilla crantzii, Potentilla prostata ssp.floccosa, Salix serpillifolia.

Nacktriedsteppen sind Kältesteppen der nordhemisphärischen Hochgebirge und der Arktis. In den Bergen Sibiriens und in der Mongolei stellen sie die zonale Vegetation der alpinen Stufe dar, wogegen die Nacktriedrasen der mittel und südeuropäischen Hochgebirge auf Sonderstandorten (windgefegte Kanten) beschränkt sind. Diese sind daher als extrazonale und durch den Kontakt zu den europäische-endemischen, höhenzonalen Rasen (Caricetea curvulae, Seslerietea albicantis) als floristisch eigenständige Sonderfälle zu betrachten.
Der Einfluss der europäischen Hochgebirgsarten ist auch wirkungsvoll genug, um die prinzipielle Zusammensetzung der Nacktriedrasen aus arktisch-alpinen Arten zu maskieren. Fast nur diese können in den ozeanisch getönten europäischen Hochgebirgen an den schneefreien Windkanten jene Nische besetzen, die große Frosthärte bedingt. Die Arten des südeuropäisch-alpischen Vegetationskreises verfügen über geringere Resistenzreserven.
Wie alle Kälte- und Hochgebirgssteppen sind die Nacktriedrasen von einer langlebigen, kleine Horste bildenden Art, meist Kobresia myosuroides selbst, aufgebaut. Vergesellschaftet ist meist eine große Zahl von Rhizomhemikryptophyten, Polsterpflanzen, aber auch Zwergsträuchern und Flechten. Auffällig ist mitunter ein relativ hoher Anteil von Einjährigen (z.B. Gentiana- und Gentianella-Arten). Die Begleitartengarnitur ist stark von den regionalen Floren abhängig, was zur Auflösung der Klasse mit zunehmender Kenntnisstand führen wird. Dabei wären die extrazonalen Nacktriedsteppen der europäischen Hochgebirge wohl als eigene Klasse abzutrennen.
Ohba (1974) hat die Klasse nach phytogeographischen Gesichtspunkten in 7 Ordnungen aufgeteilt. Hier soll lediglich nur die in Österreich vorkommende Ordnung Oxytropido-Kobresietalia mit dem auch im Gasteinertal vorkommenden Verband Oxytropido-Elynion beschrieben werden.

Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands (Schubert/Hilbig/Klotz): K Elyna myosuroides, K Minuartia verna, K Carex rupestris, K Potentilla crantzii, K Dryas octopetala, K Silene acaulis. Beschrieben wird 1 Ordnung (Oxytropido-Kobresietalia) mit 1 Verband (Oxytropido-Elynion) und mehreren Assoziationen:
- Elynetum myosuroides - Fast ausschließlich durch Elyna myosuroides geprägte, wind- und kälteharte Rasengesellschaft schneearmer Grate und Windecken der oberen alpinen Stufe.
- Caricetum rupestris – weniger Elyna myosuroides, sondern Carex rupestris beherrschte frische, basenreiche, flachgründige Steinböden der alpinen bis nivalen Stufe.
- Elyno-Caricetum rosae – nicht Elyna myosuroides oder Carex rupestris, sondern Carex curvula ssp.rosae charakterisiert die Bestände, gemeinsam mit Festuca pumila und Sesleria albicans.
- Agrostis alpina-Gesellschaft – Agrostis alpina beherrscht auf bereits versauerten Böden das Bild.

SYSTEMATIK (G. Grabherr, 1993)
Oxytropido-Kobresietalia
- Oxytropido-Elynion: Elynetum myosuroides ★ Caricetum rupestris ★ Elyno-Caricetum rosae ★ Agrostis alpina-Gesellschaften
Verbände - Assoziationen

Im Gasteinertal vorkommende
Nacktriedrasen
Pfeil

Oxytropido-Elynion

Nacktriedrasen mittel und südwesteuropäischer Hochgebirge
Syntax.Syn.: Parietarion Segal 1969, Pseudonym: Galio-Parietarion sensu Oberd. et. al. 1967
Es sind an schneefreien Hochgebirgsstandorte angepasste Rasen der Alpen. Die Verbreitung der Nacktriedrasen mittel und südwesteuropäischer Hochgebirge ist mit nur 1 Verband auf die Alpen, auf die Pyrenäen und dem Appenin beschränkt. Ähnliche Gesellschaften werden den Caricetea curvulae einerseits und den Seslerietea albicantis andererseits angeschlossen.
Biotop: Nacktriedrasen – T3.2.3

Elynetum myosuroides Rübel 1911

Nacktriedrasen der Alpen
Syn.: Trifio-Elynetum Schiechtl et al. 1985, Kobresietum bellardii Br.-Bl. 1913
Kennarten: Arenara ciliata, Carex parviflora, Cerastium alpinum, Dianthus glacialis, Gentiana prostata, Ligusticum mutellinoides, Oxytropis campestris, Oxytropis halleri, Saussuria alpina
Dominante und konstante Begleiter: Kobresia myosuroides (dom.), Agrostis alpina, Aster alpinus, Campanula scheuchzeri, Carex rupestris, Cetraria islandica, Citraria nivalis, Festuca pumila, Hedysarum hedysaroides, Minuartia gerardii, Oxytropis montana, Persicaria vivipara, Potentilla crantzii, Primula minima (östlich der Brennerlinie), Salix serpillifolia, Silene acaulis, Thamnolia vermicularis.
Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deuschlands (Schubert/Hilbig/Klotz):
K Elyna myosuroides (dom.), A Cerastium alpinum, A Erigeron uniflorus, A Antennaria carpatica, A Saussuria alpina, H Lloydia serotina, H Astragalus australis, H Carex atrata.

Standort: Wind- und kälteharte Rasengesellschaft schneearmer Grate und Windecken der oberen alpinen Stufe. Sie ist hohen Sommer- und tiefen Wintertemperaturen sowie raschen Frostwechsel bei Strahlungswetter ausgesetzt. Auf dünnen, zur Versauerung neigenden Rohhumusdecken über Kalkgestein oder kalkreichen Silikatgestein mit hohem mineralischen Feinerdegehalt. Neben basophilen auch azidophile Pflanzen.
Immer dominiert Nacktried, die Garnitur der Charakterarten und typischen Begleiter variiert wenig und ist meist vollzählig vorhanden. Strauchflechten füllen die Lücken zwischen den Nacktriedhorsten. Im Bereich der Kalkglimmerschiefer und Kalkphylliten der Hohen Tauern sind die Bestände großflächig vorhanden. Der Charakter einer azonalen Windkantenvegetation tritt zugunsten eines quasizonalen Auftretens zurück. Nördlich des Alpenhauptkammes finden sich Elyneten vor allem auf nicht reinen, oft kieselhaltigen Karbonaten.

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. . . Arktisch-alpine Nacktriedrasen - Bildgalerie - . . .
 
Standort (Baukarlscharte): Grat - Nordwesthang, extrem windexponiert. Sandig, feinerdiger Standort.
Biotoptyp: Nacktriedrasen (Elynetum) - T 3.2.3. - Rasen oberhalb der Waldgrenze (Haeupler & Gavre 1983) - Code: 3521 - (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994)
Vorkommen in Gastein: Baukarlscharte → Silberpfennig - ...

Elyna-Caricetum rosae Erschbamer 1992

Kalk-Krummseggenrasen
Syn.: Caricetum rosae Pitschmann et al. 1974, Caricetum rosae Reisigl et Keller 1987
Kenntaxa: Carex curvulae ssp.rosae (subdom.)
Dominante und konstante Begleiter: Kobresia myosuroides (subdom.), Agrostis alpina, Antennaria carpatica, Astragalus alpinus, Astragalus australis, Carex rupestris, Carex sempervirens, Festuca pumila, Ligusticum mutellinoides, Minuartia gerardii, Oxytropis halleri, Oxytropis montana, Oxytropis triflora, Persicaria vivipara, Saxifraga paniculata, Sesleria albicans, Silene acaulis.
Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deuschlands (Schubert/Hilbig/Klotz):
A Carex curvula ssp.rosae, K Elyna myosuroides, H Agrostis alpina, H Festuca pumila, H Sesleria albicans, H Oxytropis montana, H Astragalus alpinus.
Krummseggen-Rasen auf Kalk, durch Carex curvula ssp.rosae geprägt mit weiteren hochstet basophilen Arten. Vor allem auf Kalkglimmerschiefer und nicht dolomisierten Kalken.

Standort: Krummseggenrasen auf Kalk sind durch die U-Art Carex curvula ssp.rosae charakterisiert und entsprechen somit einer eigenen Assoziation. Andere "Kalk-Graminoiden" wie Kobresia myosuroides, Sesleria calcarea, Festuca pumila sind reichlich assoziiert, wobei besonders die Oxytropis- und Astragalus-Arten eine klare Abgrenzung zu den echten Krummseggenrasen ermöglichen. Die Gesamtgarnitur bewegt sich bei 30 – 45 Arten. Das Elyno-Caricetum rosae ist eine azonale Gesellschaft im Gebiet von Kalkglimmerschiefern oder nicht dolomitisierten Kalken, die mit Vulkaniten verzahnt sind. Neben offenen pionierartigen Beständen können auch dichte Rasen über tiefgründigeren Böden auftreten.
Die Gesellschaft ist in den gesamten Alpen verbreitet, durch die enge Substratbindung aber nie häufig. Auch ostalpine Vorkommen in den Hohen Tauern sind beschrieben. Es werden die Subassoziationen (typicum und festucetosum) unterschieden.
Vorkommen in Gastein: n. b.

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Anmerkung/Quellen: Die Informationen der hier vorgestellten Pflanzengesellschaften wurde dem Buch
"Die Pflanzengesellschaften Österreichs" von Georg Grabherr, Ladislav Mucina et al. - 1993 und dem
"Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands" von Schubert-Hilbig-Klotz - 2001 entnommen.
Weiter wurden eigene Ergänzungen und Anmerkungen hinzugefügt! Alle Angaben ohne Gewähr.

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