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OSCmc - Pflanzengesellschaften/Gasteinertal: Montio-Cardaminetea - Quellfluren
Gasteinertal, Pflanzengesellschaften Süßwasser-, Quellflur
Röhrichtvegetation
Verbände

Montio-Cardaminetea

Quellfluren

Montio-Cardaminetea Br.-Bl. et R.Tx. ex Klika et Hadac 1944 em. Zechmeister 1993.
Syn.: Montio-Cardaminetea Br.-Bl. et R.Tx. 1943, Adiantetea Br.-Bl. et R. Tx. 1943, Adiantetea Br.-Bl. et al. 1947, Adiantetea lebrun et al. 1949, Aconito-Cardaminetea Hadac 1956 p.p.
Syntax. Syn.: Adiantetea Br.-Bl. et al. 1952

Kleinflächig ausgebildete, natürliche bis naturnahe, moosreiche Gesellschaften an sickerfeuchten, quelligen Standorten mit sauberen, bewegtem, sauerstoffreichen und kühlem Oberflächenwasser geringer Temperatur, in Quellbereichen (Quellsümpfen) von Bächen und Flüssen, wobei die polsterbildenden Moose einen hohen Anteil haben. Verbreitungsschwerpunkt im Hochgebirge. Verzahnung und Überlappung mit Geo-Alliarion und Filipendulion.

Diagnostische Artenkombination - Brachythecium rivulare, Bryum schleicheri, Cardamine amara, Cratoneuron commutatum, Cratoneuron filicinum, Dicranella palustris, Epilobium alsinifolium, Montia fontana, Philonotis fontana, Philonotis seriata, Pinguicula leptoceras, Pinguicula vulgaris, Riccardia pinguis, Saxifraga aizoides (schwach), Saxifraga stellaris subsp. robusta (schwach), Stellaria alsine. Artenkombination nach Hilbig: K Stellaria alsine, K Brachythecium rivulare, K Philonotis fontana, K Epilobium alsinifolium, K Bryum schleicheri, K Deschampsia cespitosa.

Standortbeschreibung: Zur Klasse der Montio-Cardaminetea gehören Gesellschaften, die sich an sickerfeuchten bis nassen, kühltemperierten Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit entwickeln. Charakteristisch ist die Versorgung mit bewegtem Oberflächenwasser. Die Sauerstoffsättigung des Quellwassers ist unmittelbar nach dem Austritt gering, nimmt aber mit zunehmender Entfernung rasch zu. Wegen der Untersättigung des Quellwassers mit Sauerstoff erfolgt die Sauerstoffzunahme aus der Atmosphäre unabhängig von der Außentemperatur. Das ständig fließende Wasser verhindert eine Temperaturveränderung vor Ort. Dieser Lebensraum wird nicht selten von Glazialrelikten besiedelt, welche voneinander isolierte, also disjunkte Areale einnehmen. Die kaltstenothermen Verhältnisse erschwert vielen Blütenpflanzen das Wachstum, Kryptogamen hingegen zeigen deutlich positive Syntheseraten. Der hohe Kalkgehalt einzelner Quellen gilt als limitierender Wachstumsfaktur und führt oft zu Tuffbildungen. Die Gesellschaften sind durchwegs artenarm und werden von Moosen dominiert. Die floristische Zusammensetzung hängt von der Kleinflächigkeit der Standorte, vom Quelltypus, der Schüttung ,der Fließgeschwindigkeit und der Temperatur ab. Die Dauer der Schneebedeckung oder der Austrocknung ist ebenfalls von Bedeutung, ebenso die Höhenlage.

Nur 1 Ordnung - Montio-Cardaminetalia - mit 3 Verbänden, wobei das Cratoneurion als zentraler Verband angesehen wird, welcher zu allen anderen Verbänden der Ordnung floristische Beziehungen zeigt.
Crateneurion commutati - an Kalkquellstandorten auf überrieseltem Kalktuff sind zum Teil reine Moosgesellschaften mit Cratoneurum-Arten.
Cardamino-Montion - an kalkarmen, sauren bis neutralen Sicker- und Sumpf-Quellstandorten (Weichwasserquellen), kühl, beschattet bis zur montanen Höhenstufe. Neben Moosen auch Stellaria alsine, Montia fontana und Chrysosplenium-Arten.
Marsupello-Scapanion - (entspricht dem Cardamino-Montion Br.-Bl. 1926 em. Zechmeister 1993) - an sehr kalten, unbeschatteten Quellstandorten der subalpinen-alpinen Stufe, wie in den Hochlagen der Kalk- und Silikatalpen mit reichlich Lebermoosen, Scapania-Arten und Saxifraga stellaris.

Verbände - Assoziationen

In Gastein vorkommende
Quellflur-Gesellschaften
Pfeil

Cratoneurion Koch 1928

Alpine basenreiche Quellfluren
Inkl.: Union Hydrobryo-Philonotion Gams 1936
Kenntaxa (nach Mucina): Arabis soyeri subsp. subcoriacea, Cratoneuron decipiens, Epilobium alsinifolium (transgr.), Philonotis calcarea, Pinguicula alpina, Pinguicula leptocerus (transgr.), Pinguicula vulgaris (transgr.), Saxifraga aizoides (transgr.), Saxifraga stellaris subsp. prolifera (östl. Zentralalpen).
Kennarten nach Schubert - Hilbig - Klotz): V Cratoneurum commutatum, V Cratonerum filicinum, V Philonotis calcarea, V Bryum pseudotriquetrum, T Riccardia pinguis, K Cardamine amara.
Areal: Die Gesellschaften kommen an hellen, sauerstoffreichen Quellen mit zumeist größerer Schüttung (Rheokrene) vor. Die Durchschnittstemperatur beträgt 5-8°C. Die Schneebedeckung im Winter ist gering. Der Anteil an Ca-Ionen im Quellwasser kann hoch sein. Die Alpen sind im Gegensatz zum Mittelgebirge relativ jung, dementsprechend sind die silikatischen Gesteine weniger ausgewaschen und daher basenreicher. Das Vorkommen über Silikat ist aber auf die alpine Stufe beschränkt. Die Deckungswerte der Blütenpflanzen liegen dabei kaum über 30%, die Kryptogamenschicht überwiegt weit (immer über 50%). Anmerkung: Nach Geissler (1976) werden nur die subalpinen und alpinen Quellen ins Cratoneurion gestellt.

Cratoneuretum falcati Gams 1927

Kalkquellflur höherer Lagen
Syn: Epilobietum alsinifolii Lüdi 1921, Saxifragetum aizoides Hayek 1923, Saxifragetum aizoides fontanum Friedes 1956, Saxifragetum aizoides nivale Friedel 1956.
Syntax. Syn.: Cratoneuron-Arabidetum bellidifoliae Koch 1928, Juncetum castanei Wagner 1965, Cratoneuro-Philonotidetum calcarae Geissler 1976. Inkl.: Cardamine amara-Cratoneuron commutatum-Gesellschaft Weiskirchner 1978
Kenntaxa: Cratoneuron commutatum var. falcatum (dom.), Philonotis calcarea (transgr.) Silene pudipunda, Silene pusilla.
Trennart: Persicaria vivipara.
Dominante und konstante Begleiter: Saxifraga aizoides (subdom.), Agrostis stolonifera, Bryum pseudotriquetrum, Carex frigida, Epilobium alsinifolium, Poa alpina, Ranunculus montanus, Saxifraga stellaris subsp. robusta.
Nach Schubert - Hilbig - Klotz) noch A Arabis soyeri.
Standortbeschreibung: - Die Gesellschaft findet sich in 1.100 bis 2.400 m Seehöhe in den Alpen. Cratoneuron commutatum, welches Übergänge zur var. falcatum bildet ist mit einer konstanten, alpinen Artengarnitur vergesellschaftet. Der pH-Wert des Quellwassers liegt meist um 7,1 (aber auch bis 5,6). Wichtigster ökologischer Parameter ist die kalkhaltige Unterlage. Der Boden wird meist von dünnen Humusauflagen und Feinschutt geprägt. Kalktuff ist nicht vorhanden (dieser gilt als ökologischer Trennfaktor zu den Kalkquellfluren tieferer Lagen). Die Gesellschaft kommt auch in der Schieferhülle der Hohen Tauern vor!
Die Physiognomie wird von dichten Moospolstern beherrscht. Laubmoose dominieren. Silene pusilla gilt als Trennart zu den Kalkquellfluren tieferer Lagen (als Trennart innerhalb des Verbandes noch nicht geklärt).
Vorkommen in Gastein - Von den Ecklgruben Richtung - Erzwies - geringe Hangneigung. Kaltes, z.T. langsam fließendes Wasser, sonnenexponiert, keine Sträucher, 2.100 m Seehöhe:
Cardamine amara, Philonotis calcarea
Geologie: Silikatgestein mit Kalk-Dolomit . . .
Foto in Arbeit: © Anton Ernst Lafenthaler - Erzwies/Gasteinertal am 22.8.2004

Nomenklatur: Bisher wurden die Quellflurgesellschaften in mitteleuropäische (Monio-Cardaminetea) und mediterrane (Adiantetea) geteilt. Signifikante Unterschiede auf Klassenniveau wurden aber bisher nicht gefunden.

Siehe auch die Seiten:
Vegetationsökosysteme - Pflanzengesellschaften - Übersicht
- Vegetationsökologie - Zwergstrauchheiden - Nadelwälder
- Biotoptypen - Semi-Terrestrische Lebensräume -
- Biotoptypen - Terrestrische Lebensräume - . . .

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Anmerkung/Quellen: Die Informationen der hier vorgestellten Pflanzengesellschaften wurde den Büchern "Die Pflanzengesellschaften Österreichs" von Georg Grabherr, Ladislav Mucina et al. - 1993 und dem "Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands" von Schubert-Hilbig-Klotz - 2001 entnommen. Weiter wurden eigene Ergänzungen und Anmerkungen hinzugefügt!

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