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OSCsh - Pflanzengesellschaften/Gasteinertal: Schneebodengesellschaften
Gasteinertal, Pflanzengesellschaften Alpine Rasen im
Gasteinertal
Verbände

Salicetea herbaceae

Arktisch-alpine Schneebodengesellschaften auf Silikat

Die Klasse - Salicetea herbaceae Br.-Bl. 1948 - die arktisch-alpine Schneebodengesellschaft auf Silikat - umfasst Gesellschaften mit überdurchschnittlich langer Schneebedeckung (7- 11 Monate oder gar ganzjährig), kurzer Vegetationsperiode und kühl-feuchten Standortbedingungen in der subalpinen bis nivalen Stufe.
Bei uns in den Alpen beschränken sich die Gesellschaften auf nasse bis wechselfeuchte, lange schneebedeckte Standorte, besonders in Senken und Mulden. Die Bestände sind durch Moosreichtum gekennzeichnet.

Bestimmende ökologische Faktoren sind vor allem die Dauer der Aperzeit und Wassersättigung des Bodens während der Vegetationsperiode. Die Wasserversorgung der Schneebodengesellschaft wird in ausreichendem Maße durch Schmelzwasser gewährleistet, die Temperaturschwankungen sind eher gering.
Die Schneebodenpflanzen beginnen schon unter der abschmelzenden Schneedecke zu blühen und fruchten bereits nach wenigen Wochen. Vegetative Vermehrung erfolgt vorwiegend durch unter- bzw. oberirdische Ausläufer. Mit zunehmender Dauer der Schneebedeckung fallen die Phanerogamen allmählich aus und Moose treten an ihre Stelle.

Verbände - Assoziationen

Im Gasteinertal vorkommende
Arktisch-alpine Silikat-Schneeböden
Pfeil

Salicion herbaceae

Silikat-Schneeböden der alpidischen Gebirge
Syn: Salicion herbaceae Br.-Bl. In Br.-Bl. Et Jenny 1926.
Systematik: K Salicetea herbaceae, O Salicetalia herbaceae, V Salicion herbaceae
Es sind artenarme, moosreiche, niedrigwüchsige Initialgesellschaften der Alpen. Die Arten sind gut an eine übermäßige lange Schneebedeckung angepasst. Sie überwintern mit Blattgrün und vermehren sich durch Kriechsprosse. Den Typ der azidophilen Schneeböden nennt man "Schneetälchen". Die Gesellschaften besiedeln bodensaure, feinerdereiche Mulden und Senken mit kurzer Aperzeit (1-3 Monate) und ständig durchfeuchtetem Substrat. Die Feinerdeakkumulation ist beträchtlich. Laub- und Lebermoose bilden einen wesentlichen Bestandteil der meist dicht geschlossenen Bodendecke. Optimal entwickelte Bestände finden sich in der alpinen Stufe der zentalen Silikatketten zwischen 2000 und 3000 m.
Salicion herbaceae, Kreuzkogel Salicion herbaceae, Gasteinertal Salicion herbaceae
- Alpine Silikat-Schneebodengesellschaften - Bildgalerie -
Physiognomisch fallen die Bestände druch eine (vielfach nur schwache) Zweischichtung auf, Moospflanzen (besonders Polytrichum-Arten) können teilweise ebenso groß werden wie die Gefäßpflanzen. Arenaria biflora überzieht die Moosdecken mit ihren langen Kriechtrieben, ähnlich verhält sich Salix herbacea. Der Verband der zentraleuropäischen Schneetälchen ist gut charakterisiert durch das Vorkommen von Soldanella pusilla, Cardamine alpina, Arenaria biflora, Alchemilla pentaphyllea. Weitere Arealerstreckung zeigen Sibbaldia procumbens, Gnaphalium supinum, Salix herbacea, Kiaria, Polytrichum sexangulare und Cerastium cerastoides.
Biotoptyp (Haeupler & Garve 1983) : Silikat-Schneebodenfluren - T3.3.1
Biotopkartierung Salzburg (G. Nowotny & H. Hinterstoisser 1994) : Silikatschneeboden - Code: 36110
 
 

Salicetum herbaceae Rübel 1911

Krautweiden-Spalier
Kennarten: Kiaeria starkei, Salic herbacea (transgr.subdom.), Carex foetida
Trennarten: Polytrichum juniperinum, Potentilla aurea
Konstante Begleiter: Leucanthemopsis alpina, Luzula alpinopilosa, Persicaria vivipara (=Polygonum viviparum), Polytrichum sexangulare, Primula minima, Sedum alpestre, Taraxacum alpinum agg, Veronica alpina.
Standort: In Mulden, welligen Hochflächen, Hochkartrögen, auf Verebnungen und flach geneigten Hängen ist das Salicetum herbaceae bei einer Aperzeit von rund 8-9 Monaten gut entwickelt. Optimale Ausbildungen finden sich in der oberen alpinen Stufe zwischen 2200 und 2800 m. Die Gesellschaft ist vorwiegenden an nord- und ostexponierten Hängen anzutreffen, wo der Schnee auf Grund geringerer Einstrahlung länger liegen bleibt; in größeren Hängen aber auch Südexposition.
Während der Vegetationszeit sind die Bestände ausreichend mit Wasser versorgt, vertragen aber schwankende Feuchtigkeitsverhältnisse besser als entsprechende Moos-Schneetälchen. Den Übergang von Polytrichum piliferum-Beständen bis zu Polytrichum sexangulare-dominierten Schneeböden beschreibt Friedel (1956) als eine Reihe zunehmender Schneebedeckung, wobei diese bis zu einem gewissen Grad von der Bodenfeuchtigkeit ersetzt werden kann. Die Bodenbildung ist weit fortgeschritten und die Materialeinschwemmung führen zu Feinerdeschichten von bis zu 50 cm Mächtigkeit mit einem pH-Bereich zwischen 4,5 und 6,0.
Mit einer durchschnittlichen Artenzahl von 16-20 Arten ist das Salicetea herbaceae deutlich artenreicher als das Polytrichetum sexangularis und ist von diesem auch gut abgegrenzt. Polytrichum juniperinum, Potentilla aurea, Sedum alpestre und Veronica alpina führt Scharfetter als Differenzialarten an. Salix herbacea ist stets mit großer Konstanz und Deckung vertreten. Persicaria vivipara, Taraxacum alpinum agg. und Luzula alpinopilosa sind stete Begleiter, regelmäßig finden sich auch die übrigen Charakter- und Differenzialarten des Verbandes ein. So fehlen Soldanella pusilla, Sibbaldia procumbens, Cerastium cerastoides, Gnaphalium supinum und Leucanthzemopsis nur selten. Deschampsia cespitosa, Plantago alpina und Poa alpina treten gehäuft erst mit zunehmenden Weideeinfluss auf und weisen einerseits auf die Vorliebe des Weideviehs für Schneeflecken im Hochsommer hin, andererseits auf den zusätzlichen Nährstoffeintrag durch Schaf- und Gämsexkremente. Durch Nährstoffzufuhr (z.B. Düngeeintrag) können Polytrichum sexangulare-Rasen in instabile Salix herbaceae-Gesellschaften übergeführt werden. Cerastium cerastoides und Poa supina treten dann mit größerer Artmächtigkeit auf.
Salicetea herbaceae Salicion herbaceae, Silikat-Schneeböden
- Salicetum herbaceae - Bildgalerie -
Vorkommen in Gastein: Unterhalb des - Kreuzkogel - in Sportgastein . . .
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Kreuzkogelweg, Gasteinertal am 27.7.2006
 
 

Polytrichetum sexangularis Frey 1922

Polytrichum sexangularis-Rasen
Fast reine Moosgesellschaften mit kürzesten Ausaperzeiten (1-3 Monate), auf von Schmelzböden überrieselten Rohböden.
Kennarten: Polytrichum sexangulare (transgr., dom.), Arenaria biflora (transgr.), Kiaeria falcata, Pohlia drummondii
Konstante Begleiter: Cephalozia ambigua, Gnaphalium supinum, Poa alpina, Poa supina, Soldanella pusilla, Taraxacum alpinum agg.
Standort: Die typische Gesellschaft siedelt auf stark sauren, schon deutlich reiferen Böden mit langanhaltender Schneebedeckung (mindestens 9-10 Monate). Junge Verwitterungsböden werden zuerst von Pohlia- und Anthelia-Arten besiedelt, bevor sich Polytrichum sexangulare mit seiner Begleitflora ausbreitet. Durch die Schneeverhältnisse wird eine mögliche Sukzession zum Salicetum herbaceae verhindert, sodass sich das Polytrichetum sexangularis in den tiefsten Mulden als Dauergesellschaft hält. Die Gesellschaft besiedelt vor allem schneereiche, nach Norden offene Täler in Höhen zwischen 2300 - 3000 m. In den West- und Ostalpen tritt sie ausschließlich in der alpinen Stufe der zentralen Ketten auf und greift nur ausnahmsweise auf kalkdominierte Außenketten über. Polytrichetum scheint als eine der artenärmsten und gleichförmigsten Assoziationen der Alpen auf und ist schon auf Flächen von 1 - 4 m repräsentativ ausgebildet. Polytrichetum sexangulare überzieht oft große Flächen als dunkelgrüner Teppich. Blütenpflanzen finden sich nur vereinzelt und rekrutieren sich vor allem aus den Verbands- und Ordnungscharakterarten. Arenaria biflora ist ein häufiger Vertreter, das die Teppiche weiträumig überspinnt.
Floristisch zeigt die Gesellschaft Übergänge zum Salicetum herbaceae. Übergangsbereiche werden vor allem von einer Gnaphalium supinum-Fazies eingenommen, in der Gnaphalium supinum dominiert und Salix herbaceae verstärkt auftritt. Ligusticum mutellina und Poa alpina können hinzutreten. Diese Gesellschaft kommt fast nur in den Hohen Tauern vor.
Polytrichetum sexangularis Polytrichetum sexangularis Polytrichetum sexangularis Polytrichetum sexangularis Polytrichetum sexangularis
- Polytrichum sexangularis-Rasen - Bildgalerie - Kreuzkogel, Gasteinertal
Vorkommen in Gastein: Unterhalb des - Kreuzkogel - in Sportgastein . . .
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Kreuzkogelweg, Gasteinertal am 27.7.2006
 
 

Luzuletum spadiceae Rübel 1911

Braunsimsenrasen
Kennart: Luzula alpinopilosa (transgr., dom.)
Trennarten: Doronicum clusii, Festuca picturata, Oreochlea disticha, Poa laxa, Saxifraga bryoides et seguieri.
Konstante Begleiter: Gnaphalium supinum, Leontodon helveticus, Nardus stricta, Plantago alpina, Salic herbacea, Sedum alpestre, Soldanella pusilla, Solorina crocea.
Das Luzuletum spadiceae Rübel 1911 ist eine Initial- und Dauergesellschaft der alpinen Feinschuttböden und entwickelt sich auf skelettreichen Rohböden. Es scheint streng an basenarme Gesteine gebunden zu sein und tritt nur in den kristallinen Ketten des Alpenraumes auf. Anders als das Salicetum herbaceae strahlt die Gesellschaft nur selten in die Schiefer-Gebiete der nördlichen und südlichen Kalkalpen ein. Auf reinen Kalk fehlen sie völlig.
Die Gesellschaft zeigt eine Vorliebe für steile und lange schneebedeckte Erosionsrinnen und Lawinenbahnen vor allem in Nordexposition, tritt aber auch auf flach geneigten Hängen und Verebnungen auf. Auf stärker geneigten Schneehanglagen, über steinigen, skeletteichen Feuchtschuttböden, in denen feines und grobes Material vermengt und verfestigt ist, sind die Beständen am besten charakterisiert. Die Wasserzügigkeit ist ein wesentlicher Faktor, Staunässe wird gemieden und den Salicion herbaceae-Gesellschaften überlassen. Durchdringungen mit dieser sind aber nicht selten. Die Schneebedeckung dauert im Durchschnitt 7 - 8 Monate.
Luzula alpinopilosa kann so dichte Rasen bilden, das anderen Phanaerogamen kaum eine Ansiedlung möglich ist. Feuchtigkeitsliebende Krptogamen hingegen können gut eindringen. Die starke Humusbildung führt zur starken Versauerung des Bodens. Die Begleitpflanzen wechseln je nach Bodenbeschaffenheit und umgebenden Beständen. Elemente aus dem Androsacion wowie der Krummseggen- und Silikat-Horstseggenrasen können eindringen. Die Zugehörigkeit zum Salicion herbaceae steht auf Grund der konstant auftretenden Arten Soldanella pusilla, Leucanthemopsis alpina, Gnaphalium supinum und Solorina crocea außer Zweifel. Arten des Androsacion - die im Salicetum herbaceae fast völlig fehlen - sind mit Oxyria digyna, Geum reptans, Saxifraga bryoides, Cardamine resedifolioa meist gut vertreten. Alpine Rasenarten wie Oreochlea disticha, Ranunculus montanus, Phleum rhaeticum, Potentilla aurea und Geum montanum dringen erst bei fortgeschrittener Vegetationsentwicklung ein. Die Gesellschaften sind auf die Silikatgebiete der West- und Zentralalpen beschränkt.

Vorkommen in Gastein: Nordseite des Kreuzkogels hinauf zur - Kreuchenscharte - ausgehend vom Nassfeldertal . . .
Bildnachweis © Anton Ernst Lafenthaler - Kreuzkogelweg, Gasteinertal am 27.7.2006
Siehe auch die Seiten:
Vegetationsökosysteme - Pflanzengesellschaften - Übersicht
- Vegetationsökologie - Zwergstrauchheiden - Nadelwälder
- Biotoptypen - Semi-Terrestrische Lebensräume -
- Biotoptypen - Terrestrische Lebensräume - . . .

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Anmerkung/Quellen: Die Informationen der hier vorgestellten Pflanzengesellschaften wurde den Büchern "Die Pflanzengesellschaften Österreichs" von Georg Grabherr, Ladislav Mucina et al. - 1993 und dem "Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Deutschlands" von Schubert-Hilbig-Klotz - 2001 entnommen. Weiter wurden eigene Ergänzungen und Anmerkungen hinzugefügt!

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