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OSJ - Vegetationsökologie/Gasteinertal: Nadelwälder, Moorwälder, (sub)alpine Zwergstrauchheiden
Gasteinertal, Pflanzensoziologie Pflanzengesellschaften
im Gasteinertal
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Vegetationsökologie . Gasteinertal

Nadelwälder, Moorwälder, (sub)alpine Zwergstrauchheiden

Kühkar, Gasteinertal Die Nadelwälder und arktisch-alpine Zwergstrauch-Gesellschaft sind Klimax- und Dauergesellschaften!
Die Zwergstrauchheiden bilden Pflanzengemeinschaften ohne gut ausgebildete Bäume oder Sträucher, schon aber mit einer gut entwickelten, knöchelhohen Strauchschicht. In der alpinen wie subalpinen Stufe auf Kalkgesteinen bilden sie die kalkalpinen Zwergstrauchheiden - Rhododendro hirsuti-Ericetea carneae - auf bodensauren windexponierten alpinen Standorten die arktisch-alpinen Windheiden - Loiseleurio-Vaccinietea.
Bei den Moorwälder im montanen bis subalpinen Bereich besteht hier die Baumschicht vorwiegend aus Nadelhölzern, die, kommen sie auf moorigen Standorten vor den Rauschbeeren-Kiefern-Moorwäldern - Vaccinio uliginosi-Pinetea - entsprechen.
Nadelwälder auf nicht moorigen Standorten im subalpinen bis alpinen Bereich werden den Schneeheide-Kiefernwälder zugeordnet - Erico-Pinetea - die sonnentrockenen Standorte gemeinsam mit Zwergsträuchern entsprechen den Kiefern-Trockenwäldern - Pulsatillo-Pinetalia.

Systematik: Hier werden in der Gruppe Nadelwälder, Moorwälder, (sub)alpine Zwergstrauchheiden 3 Pflanzenklassen geführt: 1 - Erico-Pinetea (Schneeheide-Kiefernwälder), 2 - Vaccinio-Piceetea (Nadelwälder, Birkenbrüche, subalpine Zwergstrauch-Gebüsche), 3 - Pulsatillo-Pinetea (Kiefern-Trockenwälder).

Nadelwälder

Fichtenwälder-Tannen-Wälder

Sie besiedeln Standorte, die von Laubgehölzen nicht mehr bewältigt werden können und bilden im Allgemeinen den Übergang zu den Fichten-Tannen-Buchenwälder. Fichten-Tannenwälder sind bei uns aber praktisch ausgestorben. Wenige (sterbende) Tannen finden sich noch im Kötschachtal (Badgastein). Bei uns sind es die Fichten-Lärchenwälder, die in der montanen Stufe das Bild prägen.

Fichten- und Fichten-Lärchenwälder

Die Fichten dominieren die Waldgesellschaft. Lärchen-Zirben-Wälder und Lärchenwälder folgen und bilden bei uns die Krummholzzone. Meist bodensauer; obermontan bis subalpin; Klimaxgesellschaft.
Montane, bodensaure Fichtenwälder - sind Säurezeiger mit Blechnum spicant (Rippenfarn), Melampyrum pratense, Luzula luzuloides, Oxalis acetosella, Vaccinium myrtillus, Lycopodium annotinum et clavatum. Als Berg-Soldanellen-Fichtenwald findet man Soldanella montana, Trientalis europaea anstelle der fehlenden Buchenwälder.
Der - Hochmontane Alpenlattich-Fichtenwald - geht bis subalpin, ist stark bodensauer und feucht. Vertreter: Homogyne alpina, Herz-Zweiblatt - Listeria cordata
Der - Alpendost-Fichtenwald -liegt Über Karbonat-Hangschutt mit seinen namengebenden Vertreter Adenostyles glabra (Kahler Alpendost). Sie ist eine Kalkzeigerpflanze!

Schneeheide-Föhrenwälder und Schwarzföhrenwälder

Wesentlich trockenere Standorte besiedeln die Föhrenwälder (=Kieferwälder). Flachgründig, trocken, nährstoffarm, basenreich sind die Standortkriterien; über Karbonatschotter, Kalk- und Dolomitfels. Dauergesellschaft auf Sonderstandort.

Die - Schneeheide-Föhrenwälder - (Erico-Pinion) sind mit Pinus sylvestris, Erica carnea, Polygala chamaebuxus, Sesleria albicans, Epipactis atrorubens, Gymnadenia odoratissima, Daphne cneorum, Felsen-Kreuzdorn, Rhamnus saxitilis, in der Strauchschicht Juniperus communis und Amelanchier ovalis und in der Baumschicht Mehlbeerbaum - Sorbus aria vertreten. Schwarzföhrenwälder - sind nicht Teil der in Gastein vorkommenden Pflanzengesellschaften.

Bodensaure Rotföhrenwälder

Flachgründig, nährstoffarm über Silikatgesteinen (einschließlich Serpentin) und Schotter; submontan bis obermontan findet man sie auch hier als Dauergesellschaft auf Sonderstandorten.
Silikat-Föhrenwälder - mit Calluna vulgaris, Goodyera repens, Vaccinium vitis-idaea, Wintergrün - Pyrola chlorantha u.U. auch die Grünerle - Alnus alnobetula (=viridis) und Rhododendron ferrugineum. Inneralpine Steppenföhrenwälder wie sie für die inneren Alpentäler charakteristisch mit dem Gift-Wacholder - Juniperus sbima, dem Rundblatt-Heuhechel - Ononis rotundifolia, Carex humilis, Oxytropis halleri, Brachypodium rupestre sind in Gastein nicht aufzufinden.

Lärchen-Zirben-Wälder und Lärchenwälder

Zirben und Lärchen wurden seit alten Zeiten als Bauholz genutzt und so stark dezimiert, dass sie selbst in Gastein, wo die Zirbe einst sehr häufig war, kaum mehr zu sehen ist.
Die - Lärchen- und Lärchen-Zirben-Wälder - werden bei sauren Böden begleitet von Calamagrostis villosa, Luzula luzulina und Rhododendron ferrugineum. Über kalkreichen Böden ist es der Karbonat-Lärchen-Zirben-Wald mit Rhododendron hirsutum und der Berg-Steinmispel - Cotoneaster tomentosa.

Legföhren-Gebüsche und Spirkenwälder

Latschenweg Trocken bis frisch, bodensauer bis -basisch; obermontan bis subalpin. Pinus mugo bildet in der subalpinen Stufe auf mäßig trockenen, weder zu schneereichen noch zu schneearmen Standorten Buschwaldgesellschaften (Krummholz), oft auch recht ausgedehnte Karbonat-Alpenrosen-Latschengebüsche, in den Silikatgebirgen aber meist nur (weil trockene Standorte hier viel seltener sind) kleinflächige und oft auf extremen Standorten die Silikat-Alpenrosen-Latschengebüsche.
Karbonat-Alpenrose-Latschengebüsche - bestehen aus dem Kahlen Steinröserl - Daphne striata, der Zwergalpenrose - Rhodothamnus chamaecistus und Rhododendron hirsutum (auf bodenbasichen Wimperalpenrosen-Heiden). Auf Silikat-Alpenrose-Latschengebüsche (28) dominieren Rhododendron ferrugineum.
Berg-Spirken-Wälder - mit Pinus uncinata sind nur in Vorarlberg und Tirol heimisch und kommen in Gastein nicht vor. Latsche und Moor-Spirke (bzw. Hyprid: Pinus xrotundata) tritt in Hochmooren der Montanstufe bestandbildend auf (Latschenfilze).

Zwergstrauchheiden

Arktisch-alpine Zwergstrauch-Gesellschaft

Das Substrat ist bodensauer bis - basisch. Sie sind schneeliebend (chionophil) bis schneemeidend (chionophob - Schneemangel ertragend!), subalpin.
Zwergstrauchheiden gibt es in der subalpinen (durch Rodung von Latschengebüsch entstanden) und unteralpinen Stufe. Tiefgründigkeit, pH-Wert und Dauer der Schneebedeckung sind die entscheidenden Faktoren. So entstehen die schnee-liebenden Gesellschaften mit Rhododendron und Vaccinium myrtillus und die schnee-meidenden wie Loiseleuria procumbens (Gemsheide).
Bodensaure Rostalpenrosen-Heiden Lonicera caerulea (Blaue Heckenkirsche), Juniperus communis ssp.alpina, Vaccinium vitis-idaea (Preiselbeere), Gentiana punctata ist in den Silikatalpen weit verbreitet. In den Kalkalpen nur kleinflächig als Rhododendron hirsutum - bodenbasische Wimperalpenrosen-Heiden (siehe - 27). Die Krähenbeere-Rauschbeeren-Heide mit Empetrum hermaphroditum und Vaccinium gaultherioides besiedeln saure Grate, Kuppen und Steilhänge mit langer Schneebedeckung.
Gemsheidespaliere Flechtenreich! - Loiseleuria procumbens (Gemsheide), Alectoria ochroleuca (Strauchflechte) besiedeln extremste, windexponierte, schneearme (auch im Winter oft abgeblasen), bodensaure unteralpine Standorte, die zu alpinen Rasen überleiten und mit diesen oft verzahnt sind. Über Karbonatgesteinen wird diese Rolle oft von Silberwurzspalieren (Dryas octopetala) übernommen.

Siehe auch die Seiten:
Vegetationsökosysteme - Pflanzengesellschaften - Übersicht
- Biotoptypen - Semi-Terrestrische Lebensräume -
- Biotoptypen - Terrestrische Lebensräume - . . .

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Quellen: Die Einleitung wurde dem Buch: "Exkursionsflora von Österreich" von Wolfgang Adler, Karl Oswald und Raimund Fischer, Verlag Eugen Ulmer 1994 und die Systematik dem Buch: "Exkursionsflora von Deutschland" Kritischer Band, Rothmaler, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin 2002 entnommen. Die Beschreibung der einzelnen Klassen, Ordnungen, Verbände und Assoziationen hingegen sind Teil der 3 Bände: "Die Pflanzengesellschaften Österreichs" von Ladislav Mucina, Georg Grabherr, Thomas Ellmauer und Susanne Wallnöfer, Gustav Fischer-Verlag 1993.

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© 26.11.2004 by Anton Ernst Lafenthaler
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