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OSG - Vegetationsökologie/Gasteinertal: Alpine Rasen-Gesellschaften
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Vegetationsökologie . Gasteinertal

Alpine Rasengesellschaften

Alpine Rasen, Gasteinertal Hierher gehören die subalpine bis subnivale Magerrasen die als Polsterseggen-, Blaugras-Horstseggen-, Nacktried- und Krummseggenrasen vorkommen. Doe Böden sind basisch bis sauer, skelettreich, flachgründig bis feinerdereich, mäßig trocken bis feucht, schneereich bis schneearm, windexponiert, auf wenig bis stärker bewegten Böden.
Die Felsrasen sind sehr trocken und nährstoffarm, auf Karbonatfels oder auf kalkfreiem Silikatfels. Sie reichen bis subnival und zeigen eine enge Verbindung zu den Felsspaltengesellschaften. Die Schneeböden sind Sonderstandorte der alpinen Stufe und beinhalten sehr spezifische Pflanzengesellschaften mit sehr schneereichen, spät ausapernden Gebieten. Sie haben eine nur kurze Vegetationszeit, sind aber andererseits durch die Schneedecke gut geschützt. Die Trockenrasen gibt es vornehmlich im Pannonischen Gebiet, kommen bei uns aber auch als inneralpische Trockenrasen vor.

Systematik: In dieser Gruppe der alpine Rasengesellschaften sollen 3 Pflanzenklassen geführt werden:
1 - Elyno-Seslerietea variae (Seslerietea albicantis, Alpine Kalkgesteinsrasen), 2 - Salicetea herbaceae (Schneebodengesellschaft), 3 - Juncetea trifidi (Caricetea curvulae, Arktisch-alpine Silikatgesteinsrasen).

Trocken- und Halbtrockenrasen

Trockenrasen sind flachgründig, trocken und daher ursprünglich waldfrei. Pannonisch (und sarmatisch) getönt entsprechend den Pannonische Felssteppen und Rasensteppen sind bei uns die inneralpischen Trockenrasen mit Federgras - Stipa pennata aggr., Heide-Ehrenpreis - Pseudolysimachion (Veronica) spicatum, Astragalus onobrychis, Oxytropis pilosa, Campanula picata, wie auch im benachbarten Mölltal, nicht aber im Gasteinertal. In einigen Tälern der Hohen Tauern sind derartige "Hochsteppenrasen" mit den alpinen Rasen (über Karbonatsteine) verbunden.

Felsrasen

Felsrasen sind sehr trocken und nährstoffarm, bodenbasisch (Karbonatfels) bis - sauer (kalkfreier Silikatfels); sie reichen als Felsspaltengesellschaft bis in subnivale Höhen.

Die Felsrasen / Felsheiden außerhalb des Pannonischen Gebietes, insbesondere in der Bergstufe sind gekennzeichnet durch die Anwesenheit von Seseli austriacus, der Federnelke - Dianthus plumarius, Jovibarba (Sempervivum) hirta, der Krainer-Strauß-Glockenblume - Campanula thyrsoides subsp. carniolica, dem Wimper-Perlgras - Melica ciliata, dem Berg-Gamander - Teucrium montanum, dem Grauer Löwenzahn - Leontodon incanus, der Herz-Kugelblume - Globularia cardifolia und dem Alpen-Berg-Flachs - Thesium alpinum. Derartige Rasen konnte ich in Gastein nicht (?) ausmachen.

Subalpine bis subnivale Magerrasen

Hierher gehören die im alpinen Bereich häufig auftretenden, über Kalk und/oder über Silikat liegenden Polsterseggen-, Blaugras-Horstseggen-, Nacktried- und Krummseggenrasen. Die Böden sind basisch bis -sauer, skelettreich, flachgründig bis feinerdereich, mäßig trocken bis feucht, schneereich oder aber auch schneearm, windexponiert, auf wenig bis stärker bewegten Böden.

Polsterseggenrasen sind Hochgebirgsrasen, die durch die Polstersegge Carex firma (Firmeten) geprägt ist (Assoziation: Caricetum firmae). Die Polsterseggenrasen liegen auf kalkreichen, felsigen, flachgründigen (feinerdearmen), meist windexponierten (Kuppen) Standorten, besiedelt von der frostresistenten Polster-Segge - Carex firma, Dryas octopetala, Saxifraga caesia, Silene acaulis, Draba aizoides und Chamorchis alpina.

Die Blaugras-Horstseggen-Rasen haben im Gegensatz zu den Polsterseggenrasen feinerdereichere und so auch frischere, gut wasserversorgte Böden (Sesleria albicans und Carex sempervirens bilden die Assoziation Seslerio-Caricetum sempervirentis). Kennzeichnend sind neben Sesleria albicans und Carex sempervirens, der Alpen-Wundklee - Anthyllus vulneraria subsp.alpestris, Gentiana clusii, Aster alpinus u.a. - also eine insgesamt farbenprächtige alpine Rasengesellschaft.
Der Violettschwingelrasen geprägt von Festuca violacea agg. gedeiht sowohl auf Silikatgesteinen als auch über Karbonatfels auf feinerdereichen, länger durchfeuchteten Böden.

Rostseggenrasen, die ebenfalls in diese Gruppe gehören habe ich im Gasteinertal noch nicht ausmachen können, schon hingegen die bei uns nicht seltenen Krummseggenrasen - Caricion curvulae. Sie bilden mit Carex curvula - Curvuleten - die häufigste und wichtigste Rasengesellschaft der alpinen Stufe, die oft große Flächen einnimmt. Die typische gelbe Farbe beruht darauf, dass die namengebende Charakterart dieses Rasens, die Carex curvula an der lockig gedrehten Laubblattspitze fast immer von dem Pilz Pleospora elynae befallen ist, der die Laubblätter frühzeitig absterben lässt. Auffällige, die Krummseggenrasen begleitende Arten sind Senecio incanus subsp. carniolicus, Phyteuma hemisphaericum, Pulsatilla vernalis, Steingras - Oreochloa disticha, Saponaria pumila (österrr. Subendemit), Euphrasia minima, Primula glutinosa und Primula minima. Den Echten Speik - Valeriana celtica - konnte ich bisher als Begleiter dieser Pflanzengesellschaft nicht ausmachen. Die Curvuleten haben eine enge Beziehung zu den beweideten Nardeten in der subalpinen Stufe.
Buntschwingelrasen kommen mit Festuca varia gemeinsam mit Gentianella anisodonta und dem Felsen-Ehrenpreis - Veronica fruticans an südexponierten Steilhängen, oft treppenförmig auch bei uns vor ?

Die Nacktriedrasen - Elynion in oberalpinen Gratlagen (Windkanten) auf mehr oder weniger basichen Böden werden gebildet von Kobresia (Elyna) myosuroides, Ligusticum mutellinoides, der Felsen-Segge - Carex rupestris, dem Zart-Haarschlund - Comastoma (Gentianella) tenellum und der Quendel-Weide - Salix serpillifolia. Auch das Edelweiß, das erst während des Eiszeitalters aus asiatischen Hochgebirgen zugewandert ist, sollte hier seinen ökologischen Schwerpunkt haben. Die Edelweißräuberei in früheren Jahren hat sie nur mehr auf unzulänglichen Felsstandorten überleben lassen.

Schneeböden - Schneetälchen

Schneeböden bzw. -tälchen sind charakterisiert durch ihren Schneereichtum und der Tatsache, dass sie spät ausapern und dadurch nur eine kurze Vegetationszeit zur Verfügung haben. Die Böden sind, feucht und nährstoffreich, basisch bis -sauer. Sie liegen subalpin bis subnival.
Schneeböden sind somit Sonderstandorte der alpinen Stufe mit sehr spezifischen Pflanzengesellschaften, die lange Schneebedeckung und damit eine stark verkürzte Vegetationszeit ertragen bzw. daran angepasst sind. Andererseits stehen in den Mulden überdurchschnittlich viele Nährstoffe und Feuchtigkeit bereit. Je nach Bodenbeschaffenheit werden eine Kalk- und eine Silikat-Schneeboden-Gesellschaft unterschieden.

Die Kalk-Schneeboden-Gesellschaft hat als Charakterarten die Netz-Weide - Salix reticulata, die Blaukresse - Arabis caerulea, die Hahnenfußarten Ranunculus alpestris et traunfellneri, weiters Potentilla brauneana, Soldanella austriaca (Endemit nordöstlich der Kalkalpen), Soldanella minima und Rumex nivalis.
Im Gegensatz dazu die Silikat-Schneeboden-Gesellschaft - Schneetälchen mit der Krautweide - Salix herbacea, Soldanella pusilla, Gnaphalium supinum, dem Nordisches Haarmützenmoos - Polytrichum sexangulare und dem Lebermoos - Anthalia juratzkana.

Siehe auch die Seiten:
Vegetationsökosysteme - Pflanzengesellschaften - Übersicht
- Biotoptypen - Semi-Terrestrische Lebensräume -
- Biotoptypen - Terrestrische Lebensräume - . . .

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Quellen: Die Einleitung wurde dem Buch: "Exkursionsflora von Österreich" von Wolfgang Adler, Karl Oswald und Raimund Fischer, Verlag Eugen Ulmer 1994 und die Systematik dem Buch: "Exkursionsflora von Deutschland" Kritischer Band, Rothmaler, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin 2002 entnommen. Die Beschreibung der einzelnen Klassen, Ordnungen, Verbände und Assoziationen hingegen sind Teil der 3 Bände: "Die Pflanzengesellschaften Österreichs" von Ladislav Mucina, Georg Grabherr, Thomas Ellmauer und Susanne Wallnöfer, Gustav Fischer-Verlag 1993.

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© 21.8.2004 by Anton Ernst Lafenthaler
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