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Ökosysteme Umwelt |
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Böden bestehen aus Muttergestein, Organismen, Klima und dem Relief, das auf den Boden einwirkt. Die wichtigsten Bodenbildungsprozesse sind Verwitterung, Verlagerung, Humusbildung, Mineralneubildung und Gefügebildung. Die Anreicherung von organischen Substanzen im Boden führt in Abhängigkeit vom Basenangebot zu einer Absenkung des pH-Wertes (Versauerung). Alle Faktoren, welche den Abbau von Pflanzenmaterial hemmen, wie etwa schwer zersetzbare Nadelstreu, ungünstige klimatische Verhältnisse oder basenarme Gesteine, fördern die Rohhumusbildung und damit die Bodenversauerung.
Pflanzen kommen aber nicht nur auf bestimmten Böden vor, sondern sie beeinflussen umgekehrt die Bodenbildung. Der pH-Wert der Böden liegen im Oberboden etwa um 2,6 – 4,5 in stark sauren Hochmooren und Zwergstrauchheiden. In bodensauren Wäldern um 3,5 – 4,5 und in schwach sauren Laubwäldern und Ackerböden um 4,5 – 6,0. Die Typisierung des Bodensubstrates orientiert sich am Ausgangsmaterial (z.B. Kalk, Silikat), an der Textur, der sog. Korngrößenverteilung und am Humusgehalt. Neben der Korngröße ist das Bodengefüge, die Struktur, ökologisch bedeutsam. Sie bestimmt die Porengröße und somit die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Sandige Böden haben große Poren und können somit kaum Wasser halten (warme, leichte Böden). Ton hingegen hat eine hohe Wasserspeicherkapazität (schwere, kalte Böden).
| Lithomorphe Böden | Klimatomorphe Böden | Hydromorphe Böden | Anthropomorphe Böden | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| A–C-Böden | A–C-Böden aus | Gemäßigtes Klima |
Tropisch- subtropisches Klima |
Stauwasser- böden |
Grundwasser- böden |
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| Silikatgestein | Carbonatgestein | ||||||
| Syrosem Ramark Yerma |
Ranker Pelosol Vertisol |
Rendzina | Tschernosem Braunerde Lessivé Podsol |
Latosol Plastosol Terra rosa Terra fusca Solontschak Solonez |
Pseudogley | Gley Marsch Aue Niedermoor Hochmoor |
Plaggenesch Hortisol Rigosol Kultosol |
| Tabelle aus dem Buch: Bodenkunde in Stichworten von Diedrich Schroeder, Verlag – Ferdinand Hirt 1972 | |||||||
Im Gasteinertal finden sich vorwiegend Böden mit podsoliger Dynamik (Podsol, Semipodsol, Braunerde),
die im Untergrund oft Pseudovergleyung aufweisen (Waldweide, hochanstehender Wasserzug).
Vergleyte bis anmoorige Böden treten bei Quellhorizonte und Nassgallen auf.
Pflanzen insbesondere Flechten nehmen radioaktive Stoffe auf und dienen so als Bioindikatoren
der radioaktiven Umweltbelastung.
Für diese Arbeit wurden im Sommer 1993, also gut 7 Jahre nach dem Reaktorunglück von
Tschernobyl, Boden- und Flechtenproben am Stubnerkogel im Bundesland Salzburg gesammelt.
Die untersuchten Flechtenproben hatten dabei 137Cs-Aktivitäten von etwa 400 bis 5.000 Bq pro kg
Trockengewicht, zeigten aber höchst unterschiedliche Aktivitäten. Die Bodenproben hingegen waren einheitlich.
| Natürliche Nuklidkonzentrationen [Bq/kg] (Gehalt des Elements [g/t]) | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Probe | 238U | 226Ra | 232Th | 228Th | 40K |
| Schröckingerit, Badgastein Gasteiner Stollen |
51800 ± 2960 (4320) | 20350 ± 1110 | 40 ± 4 (10) | 40 ± 4 | 585 ± 20 (18600) |
| Reissacherit, Badgastein Gasteiner Therme |
40700 ± 2590 (3390) | 222000 ± 13320 | 110 ± 7 (28) | 80 ± 10 | 1520 ± 110 (48200) |
| Quelle: Strahlenexposition, Konrad Mück - Austrian Research Centers Seibersdorf 2001 | |||||
Reissacherit ist eine manganreiche, radiumspeichernde, sehr radioaktive Bildung in den Thermalstollen
(im trockenen Zustand ein braunes Pulver). Es ist kein einheitliches Mineral, sondern ein wechselnd
zusammengesetztes Quellsediment.
Schröckingerit tritt als rezentes Uranmineral, als junger, neugebildeter Überzug in verschiedenen Gasteiner Stollen auf.
Zum besseren Verständnis des Radionuklidtransportes in Berglandschaften wurden daher im Gasteinertal, im Nassfeld Untersuchungsstandorte in verschiedenen Höhenlagen ausgewählt, die sowohl die ökonomisch wichtigen Tallagen als auch die als Almen bewirtschafteten Bereiche repräsentieren.
Der Reaktorunfall in Tschernobyl hat gezeigt, dass im Gebiet der Alpen schon durch seine klimatischen Gegebenheiten (viel Niederschlag) mit höheren Fallout-Mengen als in niederschlagsarmen Landschaften zu rechnen ist. Zudem zeigen alle Untersuchungen, die nach Tschernobyl gemacht wurden, dass in Almregionen der Transfer von Casium vom Boden ins Gras wesentlich intensiver ist als in Tallagen oder im Voralpengebiet bzw. in intensiv bewirtschafteten Zonen. In Almregionen ist eine potenzielle radioaktive Kontamination auch ein viel größeres Langzeitproblem, weil die zeitliche Abnahme der Kontamination in der Nahrung nach einer Kontamination nur sehr langsam vor sich geht. Die hohen Transferraten äußern sich in langanhaltender Kontamination der landwirtschaftlichen Produkte, die in den betroffenen Gebieten erzeugt werden. Im Gasteiner Tal ist dies besonders ausgeprägt in der Milch aus den Nassfeldalmen.
Die bisher festgestellten Bodenkontaminationen mit 137Cs liegen zwischen 12,2 und 66,0 kBq/m2 (rechnerisches Bezugsdatum ist immer der 1.5.1986) und sind im Mittel etwas höher als der österreichische Durchschnitt von 21 kBq/m2. Obwohl die Bodenbelastung im Untersuchungsgebiet nicht besonders hoch ist, führen auf den Almen und in den Hochlagen hohe Transferfaktoren zu hohen Cäsiumkonzentrationen im Gras. Die höchsten Transferfaktoren sind in ca. 2.200 m Höhe zu finden. Gras ist deshalb teilweise sehr hoch, mit bis über 2.800 Bq 137Cs/kg (bezogen auf die Trockensubstanz) kontaminiert. Rohmilch aus dem Hinteren Nassfeld kann immer noch mit bis über 200 Bq 137Cs pro Liter belastet sein.
Im Gasteinertal wurden auf dem Stubnerkogel Bodenproben entnommen zur Feststellung der 137Cs-Belastung
nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl.
Für jeden Bodenzylinder wurde die 137Cs-Aktivität in den obersten 10 cm ermittelt.
Die Mittelwerte mit Standardabweichung bzw. Einzelmeßwerte der 137Cs-Flächenbelastung im
Boden (Bq/m2) an verschiedenen Standorten am Stubnerkogel ergaben 20.000 - 80.000 Bq/m2,
wobei die Aktivität mit der Schichttiefe exponentiell abnahm.
Aufgrund der geringen biologischen Aktivität in dieser Höhenstufe befindet sich im Boden
auch 7 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl der Großteil des damals immitierten
Cäsiums in den obersten 2 cm. Die oberirdischen Atomwaffentests reichen zurück bis in
die 50er Jahre, somit ist zu erwarten, daß dieser Fallout heute in etwas tieferen Bodenschichten
lokalisiert ist. Die 137Cs-"Altlasten" wurden in den Schichttiefen 2-4 cm und 4-6 cm
nachgewiesen. In tieferen Schichten erschwert die schlechte Zählstatistik von 134Cs den
Nachweis, zudem wird der Feinboden durch Bodenwühler
umgelagert, besonders wirkungsvoll sind dabei Regenwürmer und Maulwürfe. Im temperierten Grünland werden
beispielsweise durch Regenwürmer jährlich bis zu 12 kg Boden pro m2 umgearbeitet.
Sechster Umweltkontrollbericht – 20. Radioökologie 859 Umweltbundesamt/Federal Environment Agency – Austria UKB 6 (2001).
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