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OV5 - Vegetation/Gasteinertal: postglaziale Vegetationsentwicklung
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Vegetation . Gasteinertal

Postglaziale Vegetationsentwicklung

Bis vor 18.000 Jahren war das Gasteinertal von Gletschermassen aufgefüllt und nur die höchsten Bergspitzen ragten noch aus dem Eis. Selbst die Woisgenscharte (2443 m) und der Mallnitzer-Tauern (2430 m) waren vom Eis überflossen. Wie im gesamten Mitteleuropa - Arktikum - herrschte wohl auch im Gasteinertal bis 11.000 v. Chr. eine kalt-kontinentale, arktisch geprägte, flechtenreichen Tundra vor mit Spalierpflanzen wie - Salix reticulata - Dryas octopetala - Salix serpillifolia - und - Salix herbacea - wie sie auch heute noch bei uns als Relikte im hochmontanen bis alpinen Bereich anzutreffen sind. Auch der schon selten geworden Wacholder - Juniperus communis - gilt als derartige Pionierpflanze. Zu dieser Pioniervegetation der - älteren Dryaszeit - bis 10.000 v. Chr. gesellten sich dann Birke und Kiefer und stabilisierten so die Vegetation. Um 9800 v. Chr. kam in unterschiedlicher Häufigkeit die Zirbe (Pinus cembra) hinzu. Vegetationsgeschichtlich entspricht diese Zeit dem älteren Subarktikum . . .

Im - Alleröd - um 9.000 v. Chr. reichten im Gasteinertal die Gletscher noch bis etwa 1.200 m Seehöhe ins Tal, wo im Alpenvorland bereits geschlossene Kiefernwälder bestanden und sich regional unterschiedlich Pinus cembra, Pinus sylvestris und Larix decidua, sowie Betula alba bis auf 1600 m Seehöhe ausbreiten konnten.

Im Praeboreal ab 8.300 v. Chr. beginnt die endgültigen Bewaldung Mitteleuropas. Die Zunahme der Baumpollen deuten auf eine Warmphase hin.
Pollenanalysen in Sportgastein am unteren Bockhartsee konnten belegen, das um 8.000 v. Chr., wo die Gletscher bereits weitgehend abgeschmolzen waren, Kiefer und Zirbe bestandsbildend waren, gefolgt von der Grünerle. Zumindest im zirbenreichen Waldgrenzbereich findet sich auch die Lärche.
Mit der Klimaverbesserung zu Beginn des Boreal dürfte die Hasel - Coryllus avellana - als lichtliebender Strauch in Waldlichtungen bestandsbildend gewesen sein. Wohl auch im Gasteinertal mit Birke und Zirbe. Es folgte eine ausgesprochen Wärmezeit, welche von 7.000 bis 1.000 v. Chr. andauerte. Dabei war es wärmer als heute und die Waldgrenze dürfte bis 2.300 m Höhe gereicht haben.

In dieser Zeit wanderte von Süden und von Osten die Fichte und die Tanne in die kiefernreichen Wälder des Alpenvorlandes ein, wobei die Fichte bereits im - älteren Atlantikum - ab 4.000 v.Chr. bis in die subalpine Stufe vordrang, wie auch durch Pollenanalysen am unteren Bockhartsee nachgewiesen werden konnte, wo sie mit Latsche (Pinus mugo) und Zirbe (Arve) konkurrierte. Im Gebiet der Bockhartseen bestand somit bis ins 3. Jahrtausend ein geschlossener Fichten-Zirben-Wald, in dem die Fichte immer mehr zunahm. Grünerlen und Zwergsträucher sind häufig. Die Tanne gesellte sich erst später dem Fichtenwald hinzu.

Im - Subboreal - ab 3.200 v.Chr. mussten Pinus sylvestris, wie Pinus mugo endgültig der dominanten Fichte und Zirbe weichen. Diese wurden in den Alpen vorwiegend auf die Trockenstandorte abgedrängt, wo sie bis heute reliktische Trockenwälder der zentralalpinen Erico-Pinetea-Schneeheide-Kiefernwälder bilden, wie sie noch am Weg auf die Paarseen im Gasteinertal zu sehen sind. Diese Waldgesellschaften gedeihen zumeist auf trockenen, schotterigen Kalkböden. Die Waldgrenze liegt zu dieser Zeit um 2.200 m. In den tieferen Lagen kommen Buche, Fichte und Tanne vor. Gegen Ende des Subboreals ist wieder Waldverdichtung nachzuweisen, die Fichte rückt auf Kosten der Erle in den Vordergrund.

Pollenanalyse am oberen Bockhartsee ( 2.060 m Seehöhe )

. . . durchgeführt von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Kral

Die Pollenanalyse von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Kral, Universität für Bodenkultur in Wien, diesmal am oberen Bockhartsee (2.060 m Seehöhe), zeigt für das - Jüngere Atlantikum - ab 3.000 v.Chr. einen stärker aufgelockerten Fichtenwald mit Zirben und auch Lärchen. Durch Pollenweitflug scheinen auch Tanne und Buche auf, sowie Baumarten des Eichenmischwaldes. An aufgelockerten Fichtenbeständen finden sich noch häufiger Erlen. Rückläufig sind Farne, während Sauergräser zunehmen.
Einwandfrei finden sich für diese Zeitepoche Hinweise für Weidewirtschaft, die durch die Anwesenheit von Ampfer, Spitzwegerich, Beifuß, Gänsefuß und Brennnesseln belegt scheinen. Brandrodung ist aufgrund des hohen Farnpollenanteils, insbesondere des Adlerfarn nicht auszuschließen. Diese nachgewiesene Almwirtschaft zeigt auch noch vereinzeltes Vorkommen von Getreidepollen als Weitflug aus tieferen Lagen. Im jüngsten Drittel des Abschnittes ist der Weidebetrieb bereits deutlich rückläufig und es kommt wieder zur Verdichtung der Waldbestockung.

Die Pollenanalyse vom oberen Bockhartsee lässt also auf jungsteinzeitliche Weideflächen am oberen Bockhartsee schließen und somit auf eine Bewirtschaftung von Hochalmen (neolithische Alm) und soll um etwa 4.000 v.Chr. eingesetzt haben. Der Höhepunkt wie auch das Ausklingen fallen in die Periode des Jungneolithikums (bis 2.300 v. Chr.). Nach der neolithischen Weidewirtschaft kommt es wieder zur Waldregeneration. Die Waldgrenze liegt zu dieser Zeit um 2.200 m. In den tieferen Lagen kommen Buche, Fichte und Tanne vor. Nach einer Unterbrechung von 1000 Jahren ist neuerlich Weidebetrieb dokumentiert (Bronzezeit). Ab 15 v. Chr. reichen die Weidefläche vom oberen bis zum unteren Bockhartsee (Keltisch-römische Alm). Holzreste weisen auf Baumschlägerungen zurück. Getreidepollen lassen auf einen Getreidebau in den Tallagen schließen. Es finden sich auch Pollen von Walnuss und Edelkastanie, die entweder von den Römern eingebracht oder von Süden her mit dem Wind verfrachtet wurden.

Es scheint, dass bereits ab 4500 v. Chr. im Neolithikum der Alpenraum und so wohl auch das Gasteinertal genutzt wurde und zwar als Wander-Weide-Wirtschaft. Dabei wurde das Jungvieh im Sommer in die Alpen bis weit hinauf getrieben. Die prähistorischen Bauern haben sich dann auch im Sommer in den Alpen aufgehalten. Im Winter aber hielten sie das Vieh in den Tallagen bzw. am Alpenrand. Erste Dauersiedlungsplätze werden ab 4000 v. Chr. registriert, wie auch die Pollenanalyse am Bockhartsee beweist, wo sich eine jungsteinzeitliche Weidefläche nachweisen lässt.
Gleichzeitig wurde im Tagbau Gold abgebaut, was den Wald beträchtlich dezimierte. So begann im Atlantikum der Mensch die natürliche Waldvegetation zu beeinflussen, durch Almnutzung, Ackerbau, Viehwirtschaft und Holznutzung.

Vegetation bis zur bajuwarischen Besiedlung im 8.Jh.

Die Talflora Gasteins mag zusätzlich von Laubgehölzen wie Ulmen, Linde, Eichen, Birken und insbesondere die Hasel (Coryllus avellana) besiedelt worden sein, so wie im Alpenvorland im Boreal die Hasel und Kiefer und später Eichenmischwälder vorherrschend waren und wie auch anderswo in den Zentralalpen in günstigen Lagen der inneralpinen Trockentäler wärmeliebende Laubgehölze wie Corylus, Tilia, Ulmus und Quercus und an Feuchtstandorten Erlen - Alnus glutinosa et incana et viridis - vorkommen. Insgesamt etabliert sich wohl auch im Gasteinertal ein Buchen-Tannen-Fichtenmischwald als montaner Bergmischwald.
Im - älteren Subatlantikum - bis etwa 900 n. Chr. war der Fichtenwald nur gering aufgelockert mit Zirben und wenig Tannen, im vernässten Bereich auch Erle. In der keltisch-römischen Periode, also der klimatisch günstigen Periode finden sich in der Pollenanalyse vom Bockhart wieder Weidezeiger und vermehrt Getreidepollen, die auf Getreidebau in den Tallagen schließen lassen.

Bis 800 n. Chr. gab es neuerlich Kaltphasen, die zu einem Rückgang, nicht aber zur Unterbrechung der Almwirtschaft führte. Ein Rückgang der Weide- und eine Zunahme der Waldfläche mit gleichzeitiger Zunahme von Picea auf Kosten von Alnus scheint gesichert. Das Zurückweichen der Gletscher nach dem 8. Jh. führte zur neuerlichen Intensivierung des Almbetriebes und fällt in die Zeit der bajuwarischen Besiedlung im 8. Jh. Das Klimaoptimum zu dieser Zeit hatte verstärkt den Getreideanbau und den Anbau von Juglans in den Tallagen zur Folge. Auch der Nussbaum konnte zu dieser Zeit kultiviert werden. Das Vordringen der bäuerlichen Besiedlung in die Bergländer zwischen 1000 - 500 v. Chr. wurde durch die Anbaumöglichkeiten von anspruchslosen und weniger wärmebedürftigen Getreiden wie Dinkel (Triticum spelta), Roggen (Secale cereale) und Hafer ermöglicht.

Erst im Mittelalter um 1.200 n. Chr. haben sich wieder Gletscher gebildet und die Waldgrenze ist abgesunken. Gletschervorstöße leiten zur "Kleinen Eiszeit" über. Es kam wiederum zum Rückgang der Weidewirtschaft mit Abnahme der Getreidepollen und Weidezeigern. In tieferen Lagen waren noch gemischt aufgebaute Wälder aus Fichte und Tanne (Buche) vorhanden. Im Laufe der Zeit sind Tanne und Buche immer weiter zurückgegangen und schließlich bis auf inselartige Vorkommen verschwunden. Die Zirbe ist noch mit einigen Prozenten vertreten.

Anmerkung: Eine Ausführliche Darstellung der Pollenanalyse des oberen Bockhartsee in Gastein von Univ.-Prof. Dr. Friedrich Kral findet sich im Buch: "Hochalpine Altstraßen im Raum Badgastein-Mallnitz" von Andreas Lippert, Schriftenreihe des Vereins Montandenkmal Altböckstein, Wien 1993.

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Vegetation/Gasteinertal: Postglaziale Vegetationsentwicklung
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