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SM - Minerale im Gasteinertal: Oxide/Hydroxide
Minerale im Gasteinertal Minerale Gasteins
Minerale

Oxide . Hydroxide

Diese Klasse beschreibt die sauerstoffhaltigen Verbindungen in der Natur. An der Bildung der Oxide/Hydroxide beteiligen sich die Mehrzahl der chemischen Elemente. Sie machen allerdings, zählt man die SiO2-Minerale nicht dazu nur 5% der Masse aller Mineralphasen aus, wobei die Fe-Verbindungen weitaus die häufigsten sind.

Die meisten Oxide haben eine relativ einfache Kristallstruktur mit überwiegend ionaler Bindung. Die starke Affinität zu Sauerstoff führt zu sehr stabilen Gittern, was durch hohe Härte und sehr geringer Löslichkeit zum Ausdruck kommt. Auch haben sie eine hohe Dichte und einen hohen Schmelzpunkt.
Die Hydroxide hingegen haben eine schwache Bindung und einen schichtgitterartigen Aufbau. Dementsprechend haben sie eine geringe Härte und eine gute Spaltbarkeit, kennzeichnend auch die geringe Dichte und oft helle Farben. Hydroxide können überall dort entstehen, wo Wasser zugegen ist. Dies betrifft insbesondere die Erdoberfläche und zwar den Bereich der Verwitterung und Sedimentation, sowie deren metamorphe Umwandlung.

Oxide/Hydroxide im Gasteinertal

In Gastein findet sich der zu dieser Mineralgruppe gehörige Limonit von Sportgastein bis nördlich gegen Klammstein. Besonders in Erzies bzw. am Weg zum Silberpfennig kann man derartige Minerale bzw. limonithaltige Gesteine finden. Im Berg (Stollen) finden sich bizarre Formen, die durch Auswaschung der Marmorgesteine entstanden sind und aufgrund ihrer furchterregenden Ausgestaltung als "Stollengeister" bekannt sind.
Beim Seekopf, beiderseits der oberen Bockhartseen und an den nördlichen Hängen sieht man die durch Brauneisenerz und Pyrolusit fast schwarzen Haldenzüge. Dabei wurde Siderit zu Brauneisenstein und der Manganspat zu Pyrolusit. Hinter dem Kurkasino in Bad Gastein wurde erstmals ein primäres Uranmineral und zwar Uraninit (Uranpecherz, Pechblende) in winzigen Körnchen gefunden. Rutil (Sagenit) und kleine Kristalle von Anatas und Brookit finden sich am Schwarzkopf.

Im Gasteinertal vorkommende Minerale der Klasse Oxide/Hydroxide alphabetisch geordnet . . .
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ARCHIV - Beschreibung einzelner Mineralien
Rutil-Kassiterit-Gruppe
Diese Gruppe umfasst einfache Oxide vom Typ AX2, insbesondere die Verbindungen TiO2 und SnO2, wobei der Rutil und der Kasserit die gleichen Ionenradien aufweisen und somit isotyp sind. Beim TiO2 gibt es noch die Modifikationen Brookit und Anatas.
. . . . Anatas Chemismus : TiO2 - Kristallsystem: tetragonal - Kristallklasse: 4/mmm
Chemisch gleich aufgebaut wie Rutil aber andere Kristallstruktur. Fast stets dipyramidale kleinste Kristalle, meist pseudomorph nach Ilmenit, Rutil, Titanit in kristallinen Schiefern und basischen Gesteinen. Gute Kristalle auf sog. alpinen Klüften. Ansonsten ähnliche Eigenschaften wie Rutil.
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Vorkommen in Gastein: Schwarzkopf/Ankogelgebiet
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Brookit Brookit Chemismus : TiO2 - Kristallsystem: rhombisch - Kristallklasse: mmm
Rhombisch (Dipyramidal), dementsprechend meist kleine plättchenartige Kristalle. Kristallform variabel, tafelförmig bis plattig. Härte: 5,5 - 6. Schlecht nach dem Prisma spaltbar. Rötlichbraun bis bräunlich schwarz, durchscheinend. Strich weiß. Glanz metallisch. Der Brookit ist eine der drei Kristallformen von Titandioxid, die seltenste neben dem häufigen Rutil und dem etwas weniger häufigen Anatas. Die dachziegelartige Verwachsung von vielen hexagonalen Kristallen ist eher selten und auch ziemlich klein.
Vorkommen in Gastein: Nassfeld und Schwarzkopf/Ankogelgebiet
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Bildnachweis: Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Hanau - Nassfeld, Gasteinertal
. . . . Kassiterit
Zinnstein
Chemismus : SnO2 - Kristallsystem: tetragonal - Kristallklasse: 4/mmm
gr. kassiteros = Zinn. Tetragonal (ditetragonal-dipyramidal), isotyp mit Rutil, daher sehr ähnliche Kristallform, aufsitzend in Drusen und Gängen aber auch eingesprengt. Auch derb, körnig. Durch Beimengungen meist braun bis schwarz, oft zonar ausgebildet. Strich weiß-bräunlich, durchsichtig. Diamantglanz, selten Halbmetallglanz. Muscheliger Bruch. In Säuren unlöslich. Leicht mit Rutil oder Zirkon zu verwechseln (entscheidend ist der Zinn-Nachweis). Kassiterit entsteht primär im postmagmatischen Bereich v.a. saurer Magmatite, speziell der Granite.
Vorkommen in Gastein: Fels der Straße gegenüber dem Hotel Europe.
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Rutil Rutil Chemismus : TiO2 - Kristallsystem: tetragonal - Kristallklasse: 4/mmm
lat. rutilis = rötlich. Die Bindung der Oktaeder über die Kanten führt zu eindimensionalen Strukturen, die sich in der meist stängelig-nadeligen Form der Rutilkristalle widerspiegeln. Flachplattige Zwillingsaggregate werden als Sagenit bezeichnet. Selten farblos, meist gelb, rot, braun, bei hohen Fe-Gehalt auch schwarz (Nigrin). Strich gelb, Diamantglanz. Extrem hohe Lichtdispersion und extrem hoher Schmelzpunkt. Kennzeichen sind die Form, Zwillingsbildung und die Unlöslichkeit in Säuren. Verwechslung mit Zirkon, Kassiterit, beim schwarzen Rutil auch mit Ilmenit oder Turmalin. Entstehung magmatisch, metamorph in Phylliten, Glimmerschiefer, Gneise u.a. und selten hydrothermal. Besonders schön in alpinen Klüften, wie sie auch bei uns in Paragenese mit Brookit und Anatas auftritt.
Anmerkung: Die Abbildung der Rutilnadeln ist Teil der Sammlung von Herrn Zlöbl, Böckstein.
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Foto: © Anton Lafenthaler - Gasteinertal 2009 // © Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Hanau - Grauleitenspitze, Gasteinertal
Hämatit-Ilmenit-Magnetit-Gruppe
Der trigonale Hämatit ist mit dem Korund isotyp, der kubische Magnetit ist der wichtigste Vertreter der Ferrospinelle. Der Ilmenit ist bei hohen Temperaturen mit Hämatit lückenlos mischbar.
Magnetit Magnetit
Magneteisenerz
Chemismus : Fe3O4 - Kristallsystem: kubisch - Kristallklasse: m3m
Opakes, eisenschwarzes Mineral mit schwarzem Strich. Metallglanz matt. Bruch muschelig. Kristalle ein- und aufgewachsen, derb eingesprengte, körnige bis dichte Aggregate. Stark magnetisch. Vorkommen als Nebengemengteile in vielen Gesteinen. Sehr verbreitetes Eisenerz.
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Foto: Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Hanau - Laderdinger Almen, Gasteinertal
Hämatit Hämatit
Eisenglanz
Roteisenstein
Chemismus : Fe2 O3 - Kristallsystem: trigonal
Die Kristalle sind tafelig oder rhomboedrisch, manchmal mit gestreiften und gekrümmten Rhomboederflächen. Auch säulig, blättrig oder derb tritt er auf, in warzigen und traubigen Aggregaten. Durchdringungszwillinge nach der Basis. Keine Spaltbarkeit, Bruch uneben. Transparenz stahlgrau bis schwarz, manchmal mit schillernden Anlauffarben. Varietäten reichen von schwarz bis rot (gr. haemateios = blutig). Opak. In dünnsten Splittern rot durchscheinend. Strich rot bis rötlichbraun. Glanz metallisch, manchmal stumpf.
Anmerkung: Eine Abbildung des Hämatit ist Teil der Sammlung von Herrn Zlöbl, Böckstein.
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Bildnachweis : Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Hanau - Nordseite der Romatespitze, Gasteinertal
. . . . Ilmenit
Titaneisen
Chemismus : FeTiO3 - Kristallsystem: trigonal
Meist erhebliche Fe2O3-Anteile wegen der Mischbarkeit mit Hämatit bei hohen Temperaturen. Trigonal - Struktur ähnlich dem Hämatit bzw. Korund. Tafelige und rhomboedrische Kristalle. Überwiegend eingesprengt oder kompakte Aggregate in basischen Gesteinen. Als Entmischungsprodukt oft Magnetit. Schwarz mit bräunlichen Farbstich. Opak, in kleinsten Blättchen durchscheinend, metallisch bis matt. Bruch muschelig ohne Spaltbarkeit aber Absonderung durch Zwillinglamellen. In Säuren schwer löslich.
Kennzeichen: rhomboedrisch-plattige Kristallform, schwärzlicher Strich. Ähnlich sind der Hämatit, der Magnetit und der Chromit.
Vorkommen in Gastein: Kuppelwiesergang im Siglitztal und im Steinbruch unterhalb der Bahnstrecke bei Böckstein.
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Goethit-Lepidokrokit-Gruppe
Die beiden Eisenhydroxide Goethit und Lepidokrokit bauen das wichtigste Eisenerz Limonit auf. Sie sind die wichtigsten Verwitterungsminerale der meisten eisenhaltigen Minerale, selten treten sie auch hydrothermal auf. Rost besteht zu einem großen Teil aus Limonitmineralen.
Limonit Limonit
Brauneisenerz
Chemismus : FeO(OH) . nH2O
Limonit bezeichnet ein Gemenge verschiedener Minerale, wobei Goethit überwiegt. Es handelt sich um ein amorphes Material, das als erdige Massen, Konkretionen, warzen- oder stalaktitischen Formen mit strahligen oder fibrösen Gefüge auftritt. Die Farbe ist gelb, bräunlichgelb, braun oder schwarz. Der Strich ist gelbbraun. Limonit löst sich langsam in Säuren. Rost besteht überwiegend aus Limonitmineralien.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Gasteinertal am 07.02.2003
Pyrulosit-Manganit-Gruppe
Hier werden die Manganoxide zusammengefasst, die der Verbindung MnO2 gleich oder ähnlich sind. Ein Teil findet sich in der Technik unter dem Begriff "Braunstein". Die meisten Minerale in dieser Gruppe bilden sich sedimentär unter Verwitterungsbedingungen. Im terrestrischen Bereich entstehen sie in der Oxidationszone von Lagerstätten manganhaltiger Minerale wie Rhodochrosit, Rhodonit, Siderit u.a. Da sie meist alle aus ausgeflockten Kolloiden entstehen, haben sie meist wenig ausgeprägte Gitterstruktur und Kristallformen und einen hohen Gehalt an Fremdsubstanzen (H2O, OH, K, Pb, Ba, Zn, Co, V u.a.). Manganit und Hausmannit entstehen hydrothermal bzw. metamorph.
. . . . Pyrolusit Chemismus : ß-MnO2 - Kristallsystem: tetragonal - Kristallklasse: 4/mmm
Kristalle prismatisch, selten und klein. Meist traubige, glaskopfig radialstrahlige Aggregate, auch erdige und oolithische Massen. Gewöhnlich leicht abfärbend. Oft mit geringen H2O-Gehalt und Verunreinigungen wie SiO2, Fe2O3. Tetragonal (dipyramidal). Selten in kleinsten, z.T. verzwillingten Kriställchen (früher Polianit), grau mit Metallglanz. Häufiger pseudomorph, am häufigsten kollomorphe, erdige, oolithische und strahlige Massen.
Erkennungsmerkmale: Stark wechselnde Strukturvarietäten. Im allgemeinen eisengraue Farbe, Glanz grauweiß und metallisch, z.T. abfärbend. Strich schwarz. Spröde. Mit HCl entwickelt sich gasförmiges Chlor.
Vorkommen in Gastein: Bockhartseegebiet
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Uraninit-Ianthinit-Gruppe
Hier werden die wichtigsten Oxide und Hydroxide des Urans zusammengefasst, inklusive die genetisch oft eng an Uranminerale gebundenen U-Te-Se-Verbindungen; sie schaffen den Übergang zur Ocker-Tellurit-Gruppe.
. . . . Uraninit
Pechblende
Chemismus : UO2 - Kristallsystem: kubisch - Kristallklasse: m3m
Uranitkristalle (Uraninit) können würfelig, kubo-oktaedrisch, oktaedrisch oder dodekaedrisch sein, häufiger aber ist er massig, derb (Pechblende), traubenförmig oder körnig, bräunlichschwarz bis schwarz. Metallisch bis fettiger Glanz oder pechähnlich, matt. Hohes spez. Gewicht (6,5 - 8,5). Muschelig bis unebener Bruch. Strich schwarz bis graubraun. Spaltbarkeit selten erkennbar, spröde. Leicht in Salpetersäure löslich. Radioaktiv! Der Name Pechblende leitet sich vom pechartigen Glanz her, insbesondere der kollomorphen Varietäten. Bei Verwitterung Aufnahme vieler Fremdelemente, die zu Uranhydroxiden, - phosphaten, -vanadaten und -silikaten führen. Zwei Varietäten: der würfelige hochtemperiert entstandene Uraninit und die kollomorphe Uranpechblende, die sich tiefthermal bildet.
Erkennungsmerkmale: schwarze Farbe, pechartiger Glanz und gelartig-wulstige Form. Verschiedentlich gibt es grellfarbige (gelb bis rötliche) Oxidationsprodukte. Kommt in Granit- und Syenitpegmatiten vor. Pechblende wird in hydrothermalen Lagerstätten zusammen mit Zinnstein, Pyrit, Kupferkies, Arsenkies und Bleiglanz gefunden.
Vorkommen in Gastein: Hinter dem Kurkasino in Bad Gastein konnte Uraninit (Uranit, Uranpecherz, Pechblende) in winzigen Körnchen nachgewiesen werden.
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Minerale im Gasteinertal: Oxide/Hydroxide
© 12.1.2009 by Anton Ernst Lafenthaler
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