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Hohe Tauern | ||
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Ursache der Bergstürze - Wasser dringt in die spröden Felsen der Kalkglimmerschiefer, Grünschiefer usw. bis zu den Schwarzphylliten, wo sie sich sammeln. Ist nun die Neigung der Berghänge gleichsinnig mit der Schichtneigung orientiert, so wird das System bei fortschreitender Eintiefung der Täler und Unterschneidung der Hänge (Isoklinalhänge) instabil. Die Durchfeuchtung der Schwarzphyllite (Schwarzphyllit und Glimmerschiefer sind gute Wasserträger) bewirkt zunehmenden Reibungsverlust. Schwarzphyllite (und bei Granitgneislagen die Glimmerschiefer) fungieren so als Schmiermittel und es kommt zu Hangrutschungen.
Charakteristika für Rutschgebiete und Bergsturzfelder bei uns sind das Fehlen von Oberflächengewässern. Auch Bäche fehlen meistens. Das Wasser versiegt und tritt nahe der Unterkante des Bergsturzes oder Rutschgebietes in Form sehr großer Quellen ans Tageslicht.
Die Beziehungen zwischen Moräne und Bergsturz ermöglichen eine zeitliche Einordnung in -
interglazial - (Moränenreste liegen über dem Bergsturz) -
interstadial - (nur kleine Moränenwälle liegen dem Bergsturz auf) -
postglazial - (Gletscher bereits abgeschmolzen) und in Vorbereitung begriffene Bergstürze und Gleitungen.
Liegen die Moränen der großen eiszeitlichen Talgletscher über dem Bergsturzblockfeld, so teilen
wie die betreffenden Bergstürze der Interglazialzeit zu. Sind es aber nur lokale Moränen,
welche die dem sonst moränenfreien Bergsturzblock aufliegen, taxieren wir die Bergsturzmassen als interstadial.
Die Abtrennung der postglazialen Bergstürze bereitet keine Probleme.
Verrutschte Gesteinsmassen können noch ihre ursprüngliche Schichtung aufweisen.
Vor allem plattige Gesteinstafeln aus Kalkmarmor, Kalkglimmerschiefer, Schwarzphyllit und Granitgneis zeigen
mitunter trotz Kippung und Rutschung den primären Zusammenhang.
Beim Abrutschen der durch Reißklüfte zerspaltenen einzelnen Felsplatten auf Schiefer-Gleitbahn
(Isoklinalhänge) machen die Einzelschollen eine cahrakteristische Kippung mit, wo sie auf den ebenen
Talgrund auffahren. Die aneinandergereihten Schollen sehen dann wie Kisten auf einer Verladerampe aus,
deren Querwände sich bei Auffahren von der schiefen Ebene zum horizontalen Boden allmählich
senkrecht aufstellen. Man sieht solche gestaffelte Schwarzphyllit-Felspartien in Bad Hofgastein bei Wieden am linken Ufer
des Wiedneralmbaches, dort, wo der Bach die Schlucht verlässt.
Siehe auch die - Gletscherregionen - Gasteins . . .
Schlammströme spielen besonders im Gebiete der Schwarzphyllite eine recht bedeutende Rolle für die Aufschüttung der Talsohle (Muren, Murgänge). Die dunklen Tonschiefer und Phyllite der Zone Rauris - Dorfgastein - Großarl werden nach starken Regenfällen schlüpfrig und fließen als wasserdurchtränkte, breiförmige Massen mit beträchtlicher Geschwindigkeit (mehrere m pro Sekunde) unter Mitführung von Bäumen und Bodenkrume ins Haupttal. Dort bleiben sie in Form wurmartiger gewundener schwarzer Breimassen liegen. In einer alten Chronik steht, dass im Jahre 1403 auf dem Wurmfelde unter Hundsdorf ein Lintwurm liegengeblieben sei und die Gegend umher von seinem Aase verpestet hätte (J.R.Koch-Sternfeld, 1820) - worauf die Sage vom "Tatzelwurm" bis heute lebendig blieb und durch mehrere Kupferfiguren von - Felix Rieser - weiter lebendig bleiben.
Vom Fluss mitgeführtes Schiefer-Blockwerk wird in den Felstälern rasch zerkleinert. Am Beginn des Nassfelder Achentales, oberhalb des Bärenfalles befindet sich reichlich Schieferblockwerk und Schiefergeröll (Kalkglimmerschiefer, Kalkmarmor, Grünschiefer, Quarzit und Chloritmuskowitglimmerschiefer). Unterhalb des Kesselfalles, wo die Ache wieder aufschüttet, sucht man vergebens danach. Es finden sich nur noch Gneisblockwerk im Bachbett. Die Schiefer wurden hier bereits zur Gänze zu Sand zerkleinert und aufgerieben.
Strudeltöpfe (runde, topfförmige Auskolkungen - Gletschermühle) finden sich im Granitgneis in Badgastein. Wasserstrudel der einst hier fließenden Ache haben diese Auskolkungen bedingt, wobei die den Felsen aushöhlende und scheuernde Wirkung durch eine oder mehrere Steine verursacht wurde, welche der Wasserstrudel in andauernd kreisförmiger Bewegung hielt. Der Doppelgletschertopf auf der Kuppe der Pyrkerhöhe entstammt der Eiszeit, belegt durch die Moränenauflage. Man findet im Bereiche der Badgasteiner Talstufe noch zahlreiche andere Strudeltöpfe im Granitgneis z.B. hinter dem Hotel Austria, an der Straße vom Bahnhof zum Mozartplatz und an vielen anderen Orten. Einen rezenten Strudeltopf in aktiver Tätigkeit findet man im Granitgneis des Bachbettes in der Rickenschlucht (Reißeckgruppe) ca. 750 m südlich der Michlkar Alm.
Die Gasteiner Ache hatte sich neben dem Bachbett, in dem sie heute fließt, zwei andere parallele Schluchten im Badgasteiner Talriegel ausgesägt, die heute trocken liegen. Glaziale Rundhöcker zeigen an, dass die breite Bahnhoffurche schon glazial bearbeitet wurde. Dieser Einkerbung folgen Straße und Fußweg vom Bahnhof zum Zentrum von Badgastein. Eine zweite Erosionsfurche befindet sich unmittelbar östlich neben dem heutigen Bachbett, in jener Schlucht, wo die Druckrohre des Elektrizitätswerkes verlegt sind.
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Geologie der Zentralalpen/Gasteinertal: Alluvionen, Bergsturz-Blockwerk
© 17.2.2005 by Anton Ernst Lafenthaler
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