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Tb4 - Zentralalpen/Gasteinertal: Postglaziale Bergstürze
Gasteinertal, Hohe Tauern Geologie : Gasteinertal
Geologie - Gasteinertal

Hohe Tauern . Gasteinertal

Postglaziale Bergstürze

Postglaziale Bergstürze findet man in der NO-Flanke des Graukogel im Reedgraben (Granitgneisblockwerk), in der NO-Flanke des Hirschkar (Hirschinger), wo viel Kalkmarmor im Blockwerk liegt und an der O-Flanke des Stubnerkogels mit Kalkmarmor- und Gneisplatten. Der Bergsturz südlich der Rastötzenalm besteht aus Kalkglimmerschiefer und Grünschiefer, ebenso bei der Annakapelle und am Ingelsberg. Hier sind die Kalkglimmerschiefer und Grünschiefer über den Schwarzphylliten abgerutscht.

Der Bergsturz der - Laderdinger Almen - besteht aus viel Serpentin und Grünschiefer (inklusive Asbest). Sie waren ebenfalls von der nördlich befindlichen Schwarzphyllitschicht abgerutscht. Unter den Laderdinger Almen treten Quellen aus. Sie alle entsprechen dem Typus der abgerutschten Kalkglimmerschiefer-Grünschieferplatte über Schwarzphyllit.
- Prof. Dr. Wolfgang Stoll, Hanau schreibt: Die Laderdinger Alm liegt in einer Mulde mit kleinem Seeauge. Der Absatz in dem steilen Gelände, in dem die Alm liegt, verdankt sich einem Erdbeben, wahrscheinlich im 14. Jahrhundert, bei dem ein Teil der steil einfallenden Grünschieferschichten von den Laderdinger Spitzen - angeblich mitsamt den damals schon bestehenden Almen - etwa 300 m tief abgestürzt sind. Hangnahe ist die heutige Alm mit Blöcken übersät, die u.a. bis 1 cm große blauschwarz glänzende Magnetit-Oktaeder enthalten.
Das Blockwerk an der Südflanke des Nassfelder Achentales zwischen Evianquelle und Alraune besteht aus Granosyenitgneis. Die Gleitbahn waren wieder die Glimmerschiefer der Woisgenzone. Das Abrissgebiet liegt im Kessel zwischen der Haitzing-Alm und dem Radhausbergkar.
Der Bergsturz östlich vom Guggenstein enthält viel Serpentin-Blockwerk und Kalkglimmerschiefer; wieder bildet Schwarzphyllit den Gleithorizont.

Guggenstein
Guggenstein, Bergsturz

Rezente Berg- und Felsstürze

1932 - Ankogelgipfel
Einsturz des Ankogelgipfels in der Nacht vom 16. zum 17. Jänner 1932. Etwa 4000 m3 Gipfelfels stürzte in den Talkessel des hintersten Anlauftales. Dabei verlor der Gipfel 11 m an Höhe.

1952 - Anlauftal
Im Anlauftal (1952) gegenüber dem Nordportal des Tauerntunnels und zwar circa 200 m über der Talsohle befindet sich ebenfalls ein Abrissgebiet, oberhalb der senkrechten Felswand. Unten ist das frische Bergsturzblockwerk in Trümmerhaufen angereichert und besteht aus Forellengneis.

1931, 1987, 2009 - Ingelsberg
Am 25. Mai 1931 löste sich auf dem Ingelsberg ein circa 1500 kg schwerer Felsblock, der einen Heustadel zerstörte. Am 10. Mai 1987 bedrohte ein gewaltiger Felssturz die Siedlung Hofgastein Nord. Die - Salzburger Volkszeitung - berichtete, dass sich vom Teufelskirchl im Bereich des Ingelsberges etwa 5000 Kubikmeter Geröll- und Steinmassen gelöst hatten, die vom Wald aufgefangen wurden. Auch die Chronik der - Freiwilligen Feuerwehr Bad Hofgastein - berichtet darüber. Eine alte Mauer scheint als Damm schon in früheren Zeiten (um 1900 ?) errichtet worden sein.

Am Ingelsberg kommt es immer wieder zu Felsstürzen, die im Jahre 2009 ein Ausmaß erreichten, dass die Straße im Bereich des Ingelsberggutes behördlich gesperrt werden musste. Bäume wurden bereits geknickt und große Felsbrocken bis über 1 m kamen in den künstlich angelegten Rinnen und auf den Wegen zu liegen. Einige Felsen haben den ersten Damm übersprungen.
Diese sog. "Ingelsberger Plaike" wurde bereits in einem Schreiben von Johann Wolfgang Goethe erwähnt, welcher hier ein besonderes Mineral, den Nigrin zu finden glaubte. - Quelle: Fritz Gruber. - Die Presse (Salzburger Nachrichten, 10. September 2009) berichtet: "Seit Tagen löst sich immer wieder Gestein vom Ingelsberg über Bad Hofgastein. Dienstagmittag brach ein größerer Felskeil ab. Mehrere ein bis zehn Kubikmeter große Felsen donnerten ins Tal . . . und einige Felsbrocken haben den ersten Damm übersprungen. . . und weiter: Auslöser für die aktuellen Probleme dürften die lokal heftigen Regenfälle am Freitag und in der Nacht auf Samstag gewesen sein."
Der Ingelsberg ist stark zerklüftet und kurze aber ergiebige Regenfälle sind generell Auslöser für Murenabgänge. Dazu kommen die heftigen Stürme der letzten Jahre, die riesige Schutzwaldflächen teilweise auch am Ingelsberg zerstört haben. Mächtige Fangnetze aus Metall wurden aufgestellt und drei Schutzdämme errichtet, welche die herabstürzenden Felsbrocken auffangen sollten. Menschen kamen bisher nicht zu schaden, Häuser wurden nicht beschädigt.

Ingelsberg . Bad Hofgastein
Ingelsberg, Bad Hofgastein Ingelsberg, Bad Hofgastein
Felssturz 1931, 1987, 2009

2012 - Gasteiner Klamm
Ca. 10.000 Kubikmeter massiver Fels, etwa 25.000 Tonnen Stein und Geröll (Quelle: ORF-Nachrichten) stürzten am 21.6.2012 in die Tiefe der Gasteiner Ache. Massive Gewitter am Vorabend könnten der direkte Auslöser des Felssturzes gewesen sein. Gas- und Internet-Leitung wurden zerstört; Menschen kamen nicht zu Schaden. Dieser Felssturz bedeutet wohl das endgültige Ende einer jahrhundertealten Wegverbindung ins Gasteinertal. Weitere Felsstürze werden befürchtet, die Straße bleibt gesperrt.

Gasteiner Klamm . Dorfgastein
Gasteiner Klamm, Felssturz Gasteiner Klamm, Felssturz
Felssturz 2012

Zukünftige Felsstürze ?

Der Rauchzaglkogel nordöstlich vom Reedsee besteht aus Granitgneis und ist von tiefen Spalten durchsetzt. Nördlich vom Reedsee verläuft eine lange Spalte parallel zum Kötschachtal.
Am 7. 8. 2008 kam es zu einem Felssturz in der hinteren Prossau. Gegen Mittag um 14.30 h stürzten gewaltige Gesteinsbrocken ins Flussbett und der aufgewirbelte Staub überspannte den gesamten Talschluss.

Siehe auch die Seiten:
- Ablagerungen - Erratica - Gneisblöcke
- Bewegungen - Bergsturz - Blockwerk
- Tektonik - Hohe Tauern - Skizze
- Geologie - Zentralalpen - Querschnitt

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Anmerkung: Beschreibungen und Textstellen der Geologie von Gastein wurden überwiegend den Publikationen von Christof Exner entnommen,
welcher als Geologie von 1946 bis 1955 in Gastein wissenschaftlich tätig war.

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Geologie der Zentralalpen/Gasteinertal: Postglaziale Bergstürze
© 2005 by Anton Ernst Lafenthaler
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