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T2r - Zentralalpen/Gasteinertal: Granosyenitsche Gneisdecke (Romatedecke)
Gasteinertal, Hohe Tauern Geologie : Gasteinertal
Inhalt

Hohe Tauern . Gasteinertal

Granosyenitscher Gneis . Romatedecke

Radhausberg . Honigleitenkogel . Keuchenkar . Mallnitzriegel . Romatespitz

Der granosyenitische Gneis baut eine 15 km lange und maximal 400 m mächtige Gesteinsdecke zwischen Bad Gastein und Mallnitz auf, die als Romatedecke bezeichnet wird (Romatespitze, 2695m). - Ch. Exner schreibt dazu: "Die Prägung der flach westlich geneigten, auf Glimmerschiefern (Woiskenmulde) schwimmenden granosyenitischen Gneisdecke (Romatedecke), innerhalb der unser "Syenit" bei Badgastein einzig und allein vorkommt, ist ein echt orogenetischer Akt, der unter beträchtlicher Gesteinslast und differentieller Gesteinsdurchbewegung erfolgte. Das System der Gasteiner Thermalklüfte hingegen ist eine viel jüngere Prägung (kratonische Reißklüfte), welche die flach schwebende granosyenitische Gneisdecke steil diskordant durchschneidet (Abb. 5)."
Die Romatedecke liegt also als granosyenitischen Gneisdecke auf der Unterlage von Glimmerschiefern, Quarziten, Phylliten, Migmatitgneisen, Albitgneisen und Schachbrettalbitgneisen, welche als Woiskenmulde bezeichnet werden, die den sedimentogenen Mantel des granitischen Gneisdomes des Hölltor-Rotgüldenkernes (Ankogelmassiv) bildet. Über dem granosyenitischen Gneis folgt mit diffusen Übergängen granitischer, stark hybrider Schachbrettalbitaugengneis (Siglitzgneis). Amphibolite werden als das Ursprungsmaterial des granosyenitischen Gneises der Romatedecke gesehen.

Offensichtlich steht die Querfaltung im Gebiete Romatedecke-Nassfeld mit dem westlichen Eintauchen des großen Hölltor-Rotgülden-Gneisdomes in ursächlichem Zusammenhang. Die höheren tektonischen Einheiten, vor allem die gewaltige Gneis-Stirnfront des Sonnblickgneiskernes, drängten von SW (nach NO vorwärts und stauten die zwischenliegenden Gesteinsserien Mallnitzer Mulde, Siglitzgneis und Romatedecke) mit nordsüdstreichenden Faltenachsen gegen das Hindernis des östlich breit ansteigenden Hölltor-Rotgülden-Gneisdomes auf. Sowohl die Mallnitzer Mulde wie auch die Siglitzgneisdecke und Romatedecke zeigen halbmondförmige Umrissgestalt mit konvexem W-Rand. Wie Zwiebelschalen sind sie dem Hölltor-Rotgülden-Gneisdom aufgelagert und keilen im Meridian Badgastein-Mallnitz sowohl im N als auch im S rasch aus oder werden auf geringmächtige Gneislamellen reduziert (Kötschachtal-Nordhang bei Bad Gastein). - Quelle: Ch. Exner, 1956. -

Romate-Decke

Gasteinertal, Romatedecke - Skizze
Abb. 1. - Profil durch den Hauptkamm der Hohen Tauern im Gebiete westlich des Tauerntunnels
zw. Bad Gastein und Mallnitz nach Ch. Exner/E. Pohl
 
1 = Mesozoische (periphere) Schieferhülle: Quarzite, Rauhwacken, Dolomite, Kalkmarmore, dunkle kalkarme Phyllite, Kalkphyllite, Glimmerschiefer, Kalkglimmerschiefer, Grünschiefer usw.
2 = Zentrale Schieferhülle (Alter fraglich, teilweise wahrscheinlich paläozoisch, teilweise dürfte auch granitisierte mesozoische Schieferhülle enthalten sein): Quarzite, Graphitquarzite, Graphitphyllite, Glimmerschiefer, Paragneise, Albitgneise, Schachbrettalbitaugengneise, aplitisch geäderte Glimmerschiefer usw. Zentralgneise mit postkristallin deformierten Kalinatronfeldspaten:
3 = Phyllonitisierter Gneis (meist kräftig verquarzt; Großfeldspate sind zu dünnen Scheiben ausgewalzt).
4 = Walzengneis (R-Tektonit, Stengelgneis, zerrissene Kalinatronfeldspat-Großindividuen). Zentralgneise mit prä- bis parakristallin oder nicht deformierten Kalinatronfeldspaten:
5 = Granitischer hybrider Gneis mit Kristallaugen von Albit und Schachbrettalbit. Zahlreiche Glimmerschiefereinlagerungen und aplitische Grobmengungen.
6 = Granosyenitischer Gneis mit Kalinatronfeldspatisation des Albits, Pseudomorphosen von Biotit und Epidot nach Hornblende ; zahlreiche basische Fische mit aplitischen Grobmengungen.
7 = Riesenaugengneis mit zahlreichen und großen Kristallaugen von Kalinatronfeldspat. Ebenflächig-parallel angeordnet.
8 = Flasriger porphyrischer granitischer Gneis mit häufig automorphen und weniger streng parallel angeordneten Kalinatronfeldspat-Großindividuen.
9 = Flasriger bis makroskopisch regellos körniger Gneisgranit mit feinerem Korn und teilweise idiomorphem Biotit.

Der granosyenitische Gneis der Romatedecke ist ungemein reich an basischen Fischen und deren Grobmengungsprodukten, was nur ganz schematisch in Abb. 1 angedeutet ist. Die albitepidotamphibolitischen Einlagerungen besitzen Größenordnungen von einigen 100m bis zu wenigen Zentimetern. Schollen-, bänderförmige und diffuse Übergänge in das granosyenitische Gestein sind reichlich vorhanden. Besonders auffallend ist, dass auch die kleinen Biotit-Epidot-Aggregate, welche das fleckige Aussehen des granosyenitischen Gesteins bedingen, häufig unmittelbar mit größeren Biotit-Epidot-Hornblende-Linsen und -Schollen bis zu den großen basischen Fischen im Zusammenhang stehen.
- Eine deutliche Vorstellung von der Genese des Gesteines geben die Migmatitzonen, die besonders gut am Alpenvereinsweg der Romatespitze-O-Flanke; dann am Mallnitzriegel oder an den Lawinengalerien der Naßfelder Straße neben dem Bärenfall auszumachen sind, wie Ch. Exner schreibt. Man sieht, dass das amphibolitische Material älter ist (Paläosom) und von jüngeren aplitischen Substanzen (Neosom) teilweise durchkreuzt, teilweise diffus aufgezehrt wird. Man findet häufig Stellen, wo eindeutig zu erkennen ist, dass das gewöhnliche granosyenitische Gestein nichts anderes als ein Reaktionsprodukt zwischen dem amphibolitischen Paläosom und dem aplitischen Neosom darstellt. Natürlich gibt es auch Grobmengungen anderer Art: geaugte Amphibolite, geaugte Biotitschiefer, netzförmig aplitisch durchtränkte Amphibolite, bänderförmige und schollenförmige Migmatite. Diffuse Übergänge aber sind weitaus am häufigsten.

Radhausberg-Unterbau

Gasteinertal, Radhausberg-Unterbau - Skizze
Abb. 5. - Profil längs der Stollenachse des Radhausberg-Unterbaues nach Ch. Exner/E. Pohl.
Die - Kurve mit vollen Punkten - gibt die mittlere Gesteinsradioaktivität der vier Gesteinsserien an (granosyenitischer Gneis;
Woiskenmulde; Riesenaugengneis und flasriger porphyrischer granitischer Gneis);
die - Kurve mit Kreisen - die während des Stollenvortriebes gemessenen Gesteinstemperaturen.
Anm.: Die Radioaktivität wird in Uranäquivalent [10-5], die Temperatur in [°C} angegeben.

Radioaktivität in unterschiedlichen Gesteinsformationen

Der Querschnitt im Bereich des Radhaus-Unterbaustollen zeigt das Ausmaß der Radioaktivität in Bezug auf die vorliegenden Gesteinsschichten, insbesondere der Romatedecke, welche aus granosyenitischen Gneis aufgebaut ist. Ursache sollen die radioaktiven Elemente Uran und Thorium sein, die als isomorphe Beimengungen in den Orthit-, Epidot-, Titanit-und Zirkonkörnern vorkommen, welche wiederum als Einschlüsse in Biotit, Hornblende und Chlorit im granosyenitischen Gneis der Romatedecke beobachtet wurden. Für die im Norden und im Süden an das Gneisprofil Radhausberg-Unterbaustollen-Tauerntunnel angrenzenden Gebiete zeigen die Beobachtungen von M. Stark, dass in der nördlichen Tauernschieferhülle überhaupt keine radioaktiven Höfe nachgewiesen werden konnten. Radioaktive (pleochroitische Höfe) sind fast nur in den Zentralgneisen und den unmittelbar zunächst gelegenen Schiefern nachzuweisen. Außerhalb des genannten Gebietes im Gasteinertal sind derartige pleochroitische Höfe im Biotitschiefer in der Gesteinsserie der Smaragdlagerstätte des Habachtales. Die Höfe treten dort um Zirkon und Rutil in Biotit auf.
Der granosyenitische Gneis von Badgastein-Mallnitz nimmt offensichtlich bezüglich seines Reichtums an radioaktiven Höfen eine Ausnahmestellung ein. Wie es nun zu einer derartigen Radioaktivität im granosyenitischen Gneis bei Bad Gastein kommen konnte, ob Epidot und Titanit teilweise aus Stoffen aufgebaut werden, die bereits in dem wenig radioaktiven albitepidotamphibolitischen Ursprungsgestein vor der Alkalimetasomatose vorhanden waren und so die radioaktiven Orthite, Epidote und Titanite teilweise die Stoffe, aus denen ihre Kristalle aufgebaut sind, aus dem ursprünglich wenig radioaktiven Ursprungsgestein bezogen oder ob es sich doch anders verhält, scheint noch nicht endgültig geklärt.

Im Sommer 1944 bestimmte F. Hernegger im Radhausberg-Unterbau den Gehalt der Stollenluft an Radiumemanation. Die Messwerte lagen zwischen 3,2 und 6,3 mµC/l (mµC/l = 10-9 Curie pro Liter Luft) und sind als außerordentlich hoch zu bezeichnen. Auf Grund dieses abnormal hohen Em-Gehaltes wurden von Ch. Exner 1948 neuerlich Messungen durchgeführt. Dabei wurden 140 Gesteinsproben aus dem Stollen bzw. aus seiner näheren Umgebung auf ihre Radioaktivität untersucht und der Em-Gehalt der Stollenluft oftmals und an vielen Stellen des Stollens bestimmt. Zum Vergleich der gemessenen Radioaktivität der unterschiedlichen Gesteinsproben wird das Uranäquivalent eingeführt.
- Die mittlere Aktivität der Zone des granosyenitischen Gneises der Romatedecke weist 8,8 x 10-5 Uranäquivalent auf, die tiefer liegende Zone der Woiskenmulde mit den sedimentogenen Phyllit-, Glimmerschiefer und Gneisgesteinen hingegen nur 1,8 x 10-5 und der darunter befindliche Riesenaugengneis 3,4 x 10-5 Flasriger porphyrischer granitischer Gneis des Hölltor-Rotgüldengneiskernes 3,2 x 10-5 liegen nur unwesentlich über dem Durchschnittswert. Die Kluftfüllungen der Haupthitzekluft bei Stollenmeter 1888 weisen (Gangmylonit mit Kluftmineralbelag) stark schwankende Werte auf und zwar von 2,2 x 10-5 als den niedrigsten Wert bis maximal 13,3 x 10-5. - Vergleichsmessungen außerhalb des Stollens in den entsprechenden Gesteinszonen obertags ergaben ähnliche Werte wie im Stollen.
- Zusammenfassend kann gesagt werden, dass nur der granosyenitische Gneis einen abnormal hohen Gehalt an radioaktiven Substanzen aufweisen. Besonders aktive Gesteinsbereiche wurden nirgends, auch nicht in der Kluftfüllung der Gänge, Hitzeklüfte und Mylonitisationszonen gefunden. Der hohe Em-Gehalt der Stollenluft ist daher nicht durch die Aktivität der Gesteine bedingt, sondern die Radium-Emanation muss aus stark emanierenden Wässern stammen, die mit den Klüften des Hitzestollens in Verbindung stehen.


. . . Romate Decke im Detail . . .

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Karte Hörkar, Gasteinertal
Hörkar

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Anm.: Beschreibungen und Textstellen der Geologie von Gastein wurden vorwiegend den Publikationen von Christof Exner entnommen
bzw. hier dem Jahrbuch Geol. B. A. (1949/51), Bd. XCIV. 2. Teil mit dem Titel
"Granosyenitischer Gneis und Gesteins-Radioaktivität bei Badgastein".

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