Suchfunktion Home Inhaltsverzeichnis Geologie - Hohe Tauern, Gasteinertal
Tu - Zentralalpen/Gasteinertal: alpidische Gebirgsbildung
Geologie, Gasteinertal Geologie : Gasteinertal
Geologie - Gasteinertal
  • Ankogel-Gasteiner Mulde
  • Hochalm-Ankogel-Massiv
  • Hohe Tauern - Tektonik
  • Zentralalpen - Querschnitt
  • Zentralalpen . Hohe Tauern

    Gebirgsbildung

    Patschgenalm, Gasteinertal

    Ohne Kenntnis der Plattentektonik ist die alpidische Gebirgsbildung schwer zu verstehen. Die Kollision von driftenden Erdkrustenteilen (Afrika kollidierte infolge seiner Norddrift mit Europa) und den dazwischenliegenden Mikroplatten hatte letztlich die Gebirgsbildung, die sich von den Alpen bis zum Himalaya erstreckt zur Folge.

    Das Aufdringen von Gesteinsschmelzen in eine kontinentale Kruste bewirkt eine Aufwölbung und Dehnung der Kruste (Dehnungs- und Bruchtektonik). In die Spalten dringt Magma bis an die Erdoberfläche und es kommt zu vulkanischer Tätigkeit. Diese Vorgänge können die vollständige Trennung zweier Kontinentschollen bewirken. Dazwischen entsteht ein neuer, schmaler Ozean (Schelfmeer - klastischen Sedimente werden eingebracht) und ein mittelozeanischer Rücken, an dem ständig neue ozeanische Kruste gebildet wird. Die ursprünglich zusammenhängenen Krustenschollen werden immer weiter auseinandergedrängt.

    Im Jura zerbrach das Schelfmeergebiet vollständig und es kam zur Öffnung des Penninischen Ozeans (Tethys). Ein in der Mitte sich bildender mittelozeanischer Rücken produziert ozeanische Kruste mit Vulkaniten (heute Serpentinite, Prasinite, Amphibolite und Eklogite - Glocknerfazies). Am Rande des sich herausformenden Penninischen Ozeans ging die Flachwassersedimentation weiter (Hochstegenfazies); ältere Gesteine wurden sogar teilweise abgetragen.
    Im Penninischen Ozean selbst lagerten sich mächtige Tiefseesedimente ab (Bündner Schiefer, Kalkglimmerschiefer). Die neu gebildete ozeanische Kruste (spez. Gew. 3,0 g/cm3) taucht in den oberen Erdmantel ab, nachdem die Lithosphärenplatten ihre Bewegungsrichtung umkehren, wodurch an den Rändern der bereits breiten Ozeane Subduktionszonen entstehen. Ein Großteil der ozeanischen Kruste des Penninischen Ozeans wurde also wieder subduziert, also dem Erdmantel zugeführt. Im Zuge dieser Subduktion kam es zur ersten, alt-alpidischen Gebirgsbildungsphase (Oberkreide).

    Erste (alt-alpidischen) Gebirgsbildung

    Ostalpine Einheiten (ursprünglich südlich des Penninischen Ozeans) wurden als Decken über das Penninikum geschoben, verfaltet und übereinander gestapelt. Dabei wurden die Kalkglimmerschiefer und Phyllite der Glocknerfazies und Fuscherfazies aus dem Süden des penninischen Troges auf die nördlich anschließende Brennkogelfazies aufgeschoben. Ebenso wurde das Alte Dach (Altkristallin) des Granatspitzkernes abgeschert und in Form von Decken (Riffldecken) nach Norden transportiert. Die Zentralkerne wurden von der Tektonik ebenfalls erfasst und teilweise stark ausgewalzt und auf jüngere Gesteine aufgeschoben. Vielfach wurden Gesteine der Oberen Schieferhülle vom Zentralgneis abgeschert und als Decken bis zu einigen Kilometern nach Norden verfrachtet. Die Subkuktionsprozesse hatten gleichzeitig eine Hochdruckmetamorphose zur Folge, die vor allem Gesteine der Glocknerdecke erfasste und zur Entstehung der Eklogite führte (erste Hauptphase der Tauernkristallisation).

    Zweite (alt-alpidischen) Gebirgsbildung

    Gegen Ende der Kreide erlahmten die Subduktionsprozesse und setzten erst wieder mit dem Eozän ein. Dies hatte eine zweite, jung-alpidische Phase der Gebirgsbildung zur Folge. Infolge der Überlagerung durch ostalpine Gesteinseinheiten mit einer Mächtigkeit von 15 - 20 km wurden nun sämtliche Gesteine des Tauernfensters von einer Regionalmetamorphose erfasst (zweite Hauptphase der Tauernkristallisation). Dabei wurden beispielsweise die im Unterperm eingedrungenen und zu Plutonen erstarrten granitischen und tonalitischen Gesteinsschmelzen zum Zentralgneis umgewandelt und die Sedimente und Vulkanite der Oberen Schieferhülle zu verschiedenen metamorphen Gesteinen überprägt. Dabei entstanden die komplizierten tektonischen Strukturen der Glockner Querdepression.

    Aufschmelzungsprozesse in der tieferen Erdkruste führten zum Aufstieg von Gesteinsschmelze an tiefreichenden Spalten und zur Entstehung jung-alpidischer Gänge im Altkristallin.

    Im Jungtertiär führte ein starker Nordschub des Südalpenblocks gegen das Ostalpin zu einer kuppelförmigen Aufwölbung und Heraushebung des Tauernfensters. Dies hatte zur Folge, dass die auf dem Penninikum auflagernden ostalpinen Decken abgeglitten sind, vor allem nach Westen und Osten, und in Verbindung mit der Erosion kamen die penninischen Gesteinsserien allmählich fensterartig zum Vorschein, das - Tauernfenster - ist entstanden. Mit der Aufwölbung der Gesteine des Tauernfensters, vor allem des Zentralgneises, war ein starke Dehnung verbunden. Dies führte zur Bildung der alpinen Klüfte (Zerrklüfte), die in der Folge durch die verschiedenen alpinen Kluftminerale, die aus heißen Lösungen auskristallisiert sind, ausgefüllt wurden. An der Entstehung der Alpen in ihrer heutigen Form waren neben den endogenen, tektonischen Kräften natürlich auch exogene Kräfte wie Verwitterung und Erosion beteiligt.

    Der ehemalige Penninische Ozean, der sich im Jura gebildet hat, wurde so im Laufe der Kreide vollständig subduziert und es ist ein riesiges Faltengebirge entstanden. Der Beginn der alpidischen Gebirgsbildung wurde in der Unterkreide durch die Plattenkollision von Afrika (Ostalpin) mit Europa (Helvetikum) eingeleitet.

    Die Textstellen wurden teilweise dem Buch - Nationalpark Hohe Tauern, Geologie von Univ.-Prof. Dr. Karl Krainer entnommen . . .

    Geologie : Tauernfenster - Tauernfenster bei Gastein Home Inhaltsverzeichnis Geologie, Gasteinertal - xxx


    Home Suche Inhaltsverzeichnis Fungi Animalia Plantae Ökologie Bild-Archiv

    Geologie der Zentralalpen/Gasteinertal: alpidische Gebirgsbildung
    © 16.4.2006 by Anton Ernst Lafenthaler
    t-tekton