T - Zentralalpen/Gasteinertal: Ursprung der Thermalquellen
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Geologie : Gasteinertal |
Hohe Tauern . Gasteinertal
Thermen Bad Gasteins
Die Thermalquellen treten an der Bad Gasteiner Talstufe aus.
Das Felsgerüst in Bad Gastein zeigt steile, NNE streichende Klüfte im Granitgneis
die besonders deutlich von der Schreckbrücke aus im felsigen Bachbett der Ache zu erkennen sind.
Die durch hochtemperierte Erzlösungen entstandenen Goldgänge liegen
ebenfalls in den NNE streichenden Klüften, ebenso wie die Hitzeklüfte im Radhausberg.
Die im Bereich der Quellaustritte vorhandene Schwächezone bzw. Zerüttungszone
entspricht offensichtlich einer von STINI postulierten
"alten, nunmehr vollständig verschütteten Talung" - ein damals offenliegendes Bachbett der Gasteiner Ache.
Herkunft und Wege des heißen Wassers
NNE streichende Klüfte im Granitgneis
Da zur Zeit der Heraushebung des Tauernkörpers die
darüber liegenden Gesteinsmassen schon teilweise abgetragen (erodiert)
waren und daher der allseitige Druck und die Plastizität im Tauernkörper sich
verminderten, konnten Spalten und Klüfte aufreißen. Dabei entstand ein sehr
regelmäßig NNE streichendes steiles Spaltensystem. Man kann diese NNE streichenden
Spalten mit großer Wahrscheinlichkeit als Zerreißungsklüfte auffassen,
die annähernd senkrecht zur Achse der jungen Emporwölbung des Tauernkörpers
orientiert sind (EXNER).
Auch gibt es in den kristallinen Zentralalpen eine Reihe durch hochtemperierte
Erzlösungen entstandene Goldgänge. Es sind weit durchziehende Gänge mit NNE-Streichen
und steilem, nach Osten gerichteten Fallen.
Das typische Erscheinungsbild (EXNER, 1956) der diskordanten Quarzgänge bietet sich an der
Quelle Nr. X (Fledermaus-Quelle), wo man im
Fledermausstollen den Pyrit führenden Gangquarz mit wohlausgebildeten Hangend- und
Liegendblatt und die der Kluft einströmenden Fledermausquelle mit Kalksinter-
und Eisenblütenabsätzen unmittelbar beisammen sieht.
Dies weist darauf hin, dass die Gasteiner Thermalquellen sehr wahrscheinlich
längs des NNE streichenden Kluftsystem aus der Tiefe aufsteigen und die Oberfläche
dort erreichen, wo die junge Erosion sich am tiefsten in das Kluftsystem vorgearbeitet
hat, also in der Bad Gasteiner Talstufe.
Der Neue Franz-Josef-Stollen wurde in den 70er Jahren angefahren.
Dabei stieß man auf eine parallel zum Hang stehende, 5 m breite Schlucht mit
ungewöhnlich großen Blöcken. Dieselbe Schlucht wurde schon beim Bau des benachbarten
Flügelstollen angefahren. Dort befinden sich einige Thermalwasseraustritte.
Diese Schlucht wird als Trennfuge einer Bergzerreißung gedeutet (JANSCHER & KAHLER 1991),
welche durch Schmelzwasser des sich zurückziehenden Gletschers ausgewaschen wurde.
Diese Erklärung passt durchaus zu der Vermutung von STINI, wobei in diesem Bereich
einst das vierte Bachbett der Gasteiner Ache verlief, dann aber durch Felsgleitungen verschüttet wurde.
Anzeichen für eine Bergzerreißung konnten nicht gefunden werden.
Zonen erhöhte Gesteinstemperatur
Im Radhausberg-Massiv wurde in zwei Stollen eine "Überschusstemperatur"
festgestellt (SCHEMINTZKY & STINI 1958). Die Berechnung ergab für den Thermalstollen
eine maximal erreichte Überschusstemperatur von 22,9°C und für den Paris-Stollen
immerhin noch eine von 6,5°C. Die Wärmeausbreitung erfolgt im Radhausberg bevorzugt
entlang von NNE-SSW gerichteten Klüften, den sog. "Hitzeklüften".
Diese tektonische Richtung ist bereits von den Goldquarzgängen bekannt.
Die Thermen von Bad Gastein zeigen eine maximale Austrittstemperatur von 46,6°C
an der Rudolphquelle auf 1018 m Seehöhe gemessen.
Chemismus des Thermalwassers
Das Trinkwasser stammt in Bad Gastein aus dem Blockwerk des Graukogel und ist ein
Ca-Hydrogenkarbonat-Wasser mit einer Mineralisation zwischen 500 und 1000 µval/l.
Das Grubenwasser aus dem Radhausberg-Bockhartseerevier ist ein
Ca-Mg-Hydrogenkarbonat-Sulfat-Wasser. Sie weisen eine Mineralisation von rund
1800 µval/l auf. Der hohe Sulfatgehalt ist auf die dort vorkommenden
sulfidischen Kieserze zurückzuführen.
Das austretende Wasser aus dem Thermalstollen im Radhausberg aus einer Hitzekluft
hingegen entspricht einem Ca-Na-Hydrogenkarbonat-Wasser mit deutlich erhöhter
Mineralisation von 6200 µval/l. Bis auf den fehlenden Chloridgehalt
ist dieser Wassertypus mit dem der Gasteiner Thermen chemisch eng verwandt (JOB & ZÖTL 1969).
Dies beweist den engen Zusammenhang der NNE streichenden Hitzeklüften mit den
Thermalquellen.
Die Mineralisaton des Thermalwasser beträgt rund 4600 µval/l und 800 mg/l und gehört
somit zu den akratischen Wässern, also mit unter 1 g/l gelöste Substanzen
und über 20°C Wassertemperatur. Die Thermen haben einen hohen Natrium, Calcium, Sulfat und Hydrogenkarbonat-Anteil
und einen relativ hohen Chlorid und Fluorid-Anteil.
Der Radongehalt liegt bei 18 nCi/l (FLATSCHER 1995).
Kaltwasseranteil der Thermen
Die 19 Gasteiner Thermalquellen mit zahlreichen Einzelaustritten entspringen
mit zwei Ausnahmen am Ortsgebiet von Bad Gastein auf der orografisch rechten
Achenseite am Fuße des mit Blockwerk und Hangschutt bedeckten Graukogels.
Die höchstgelegene Austrittsstelle liegt bei 1034 m (Franz-Josef-Quelle) und
tiefstgelegene bei 937 m (Strochner-Quelle).
Der Kaltwasseranteil der am weitesten oben, zwischen 1034 und 996 m Seehöhe gefassten Thermen
enthalten den niedrigsten (etwa 12%) - die beiden tiefst
gelegenen Thermen mit 49% und 76% den höchsten Kaltwasseranteil (JOB & SCHEMINTZKY 1973).
Wege des Thermalwassers bei Bad Gastein
Die Antwort, warum die Gasteiner Thermen an den bekannten Orten an die Erdoberfläche
dringen liegt im NNE streichenden Kluftsystem. Sowohl die hydrothermalen Erzlösungen
als auch der heiße Wasserdampf der Hitzeklüfte im Thermalstollen sowie die Thermen
selbst bedienen sich offenbar dieses Weges.
Bei der Bad Gasteiner Talstufe treffen die als Aufstiegszonen gedeuteten,
NNE streichenden Spalten mit der von JANSCHEK & KAHLER nachgewiesenen
"Schwächezone" zusammen.
Nach Ansicht des Verfassers handelt es sich bei diesen Schwächezonen
um die schon 1951 von STINI postulierte "alte, nunmehr vollständig verschüttete
Talung", die ihren Anschluss an die heutige Gasteiner Ache in dem markanten,
NW-SE gerichteten Flussabschnitt am Fuße des Wasserfalles findet.
Dieses zwischen zwei auffälligen Knicken im Flusslauf gelegenen Stück
liegt fast genau in der Verlängerung der Schwächezone ("Kirchbachmulde").
Die Verbindung zwischen dem Flussabschnitt und der Schwächezone trifft exakt
auf die Elisabeth-Quelle, die mit Abstand die ergiebigste der Thermen ist (KATJY LOKAU 1996).
Der Weg des Thermalwassers von der Aufstiegszone bis zu den Quellaustritten könnte somit
folgendermaßen aussehen (KATJY LOKAU 1996):
Das Thermalwasser steigt in wahrscheinlich kommunizierender Spalten
die NNE streichenden Klüfte nach oben und wird von der alten , heute verschütteten
Talung der Gasteiner Ache ungefähr im Bereich des Franz-Josef-Stollen angeschnitten.
Die alte, mit Blockwerk und eventuell Flusssediment verfüllte Talung dient
als Vorfluter für das Thermalwasser und führt es den nordwestlich gelegenen
Quellen zu. Je länger der Transportweg, umso mehr sinkt die Temperatur der Quellen,
der zugemischte Kaltwasseranteil nimmt zu.
Die schmale Schlucht im Bereich der
beiden Franz-Josef-Stollen entsprechen einen kleinen Nebenlauf
des alten Flusssystems, dem vierten Bachbett der Gasteiner Ache.
Diese ist mit Lockermaterial verfüllt und dient ebenfalls
als Zubringer des Thermalwassers zu den Quellfassungen.


Anmerkung: Beschreibungen und Textstellen der Geologie von Gastein sowie die Betrachtungen der Herkunft der Thermen
wurden überwiegend der Publikation von Dipl.-Geol. Dr.Katja Lokau, D-55129 Mainz entnommen.
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Geologie der Zentralalpen/Gasteinertal
Thermen von Bad Gastein
© 2007 Anton Ernst Lafenthaler
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