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ZG - Gasteinertal/Zeitenwende: Gewerbe - Bauten und Beherbergungsbetriebe (5.1.)
Zeitenwende, Gasteinertal Inhaltsverzeichnis . . .
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Zeitenwende . Gasteinertal

Gastein im 21. Jahrhundert

Bauten und Beherbergungsbetriebe

Beherbergungsbetriebe gab es im Gasteinertal bereits in der Bergbauzeit, insbesondere in Verbindung mit dem Badebetrieb im Wildbad, nachweisbar bereits ab dem 16. Jahrhunderts. Zahlreiche Künstler und Adelige besuchten Gastein, insbesondere der österr. Kaiser Franz Josef I., Kaiserin Elisabeth, Fürst Bismarck, Kaiser Wilhelm als die bekanntesten. Holzbauten wurden immer mehr durch moderne Großbauten ersetzt und aus dem bescheidenen Alpenort wurde ein pompöses Kurzentrum mit zahlreiche noch heute bestehenden, aber zum Teil dem Verfall preisgegebenen Bauten. So berichtet uns Muchar, 1834 (1a) : "Der uralte Markt Hofgastein biethet im Inneren wenig Schönes dem Blicke dar; er ist finster und eng zusammengebaut, zeigt an seinen vielen, hohen, meistens schon in Trümmer zerfallenden Häusern der alten, reichen Privat-Gewerken kaum noch die letzte Spur des früheren Reichthums und des Lebens alter Herrlichkeit." Lorenz Krisch berichtet uns in seiner Schriftenreihe betreffend den Touristenzustrom (1b) : "Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl der Kurgäste. Zählte man im Jahre 1871 nur 3054 Besucher, so kamen 1886 bereits 6700 nach Gastein. Einen weiteren Höhepunkt mit 9043 Gästen erlebte Gasteins Tourismus nach Fertigstellung der Tauernbahnlinie bis Bad Gastein im Jahre 1905. Parallel mit diesem Gästezustrom musste die Bautätigkeit Schritt halten. Dies wird anhand der Häuserstatistik erkennbar, wonach 1871 im eigentlichen Kurbereich lediglich 24 Hotels und Kurhäuser mit 551 Betten bestanden, 1905 hingegen standen schon 57 Fremdenbeherbergungsbetriebe mit 1531 Zimmern zur Verfügung."
Die große Bautätigkeit setzte bereits vor der Fertigstellung der Eisenbahn 1905 ein. So berichtet uns Zimburg (1b) von der Errichtung der beiden Villen Ella und Louise unterhalb der damals noch bestanden Wandelbahn im Jahre 1876. Es folgten die Villa Waldheim 1877 und die Villa Mühlberger 1878, gefolgt vom Gasthof Echo 1879. Weitere Bauten sind auf der Seite - Bauten der Kaiserzeit - und spätere Häuserprojekte auf der Seite - Bauten in Bad Gastein - in der Zeit von 1918 - 1945 dokumentiert. Mit der Fertigstellung der Eisenbahn im Gasteinertal kam es dann natürlich zur verstärkten Bautätigkeit auch in Bad Hofgastein, dokumentiert auf der Seite - Frühe Bauten - im Markt Hofgastein. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die wirklich großen und bedeutenden Bauten in Hofgastein in der Bergbauzeit entstanden, insbesondere zu Lebzeiten des reichen Christoff Weitmoser. Heute sind nur mehr das Bräumoser oder das mittlerweile sanierte Hotel Moser als solche erkennbar. In Bad Gastein hingegen war es besonders die Kaiserzeit, wo die meisten pompösen Bauten errichtet wurden.

(a) Erste gemauerte Häuser als Beherbergungsbetriebe

Gab es zunächst für Gäste die zur Kur nach Gastein kamen nur hölzerne Häuser als Unterkunft, so entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts erste Beherbergungsbetriebe aus Stein. So berichtet uns Muchar, 1834 (2a) : "Unter allen Gebäuden zur Unterkunft für Badegäste im Wildbade der Gastein ist das Schloßgebäude Nr. 1 das vorzüglichste und beste . Es ist ein großes, geräumiges, trockenes, mit den Dachzimmern oder Mezzaninen zwei Stockwerke hohes, ganz aus Steinen festerbautes Herrschaftshaus. - ...es ist von dem ehemahligen Landesherrn und Erzbischofe Hieronymus Grafen von Coloredo erbaut; - aber erst im Jahre 1807 auf Befehl Sr. Majestät Kaiser Franz I. zum allgemeinen Gebrauche geöffnet worden."
Das Straubingergasthaus als zweiter steinerner Bau wurde hingegen später errichtet, wie Muchar, 1834 berichtet (2b) : "Die Gebäude des Straubingerwirthes bestehen aus dem alten hölzernen und aus dem neuen ganz vom Grunde auf gemauerten Hause, Nr. 3 und 4; ... das neue ganz festgemauerte Straubingerhaus bestehet erst seit dem Jahre 1826."

Fritz Gruber schreibt in seinem Büchlein: "Gastein im Biedermeier" bzgl. des damals blühenden Fremdenverkehrs, dass man mit den alten Gemeinschaftsbädern in den verfallenden Bretterhütten und die baufälligen alten Holzhäuser für die Gäste den Fremdenverkehr so nicht aufrechterhalten könnte d. h., man brauchte aus Stein gemauerte Häuser statt Holzhütten; und Einzelbäder statt Gemeinschaftsbäder. Nachdem Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo als erster ein modernes Steinhaus, das heutige Badeschloss mit Einzelbad errichtete, baute der Badewirt Peter Straubinger sein steinernes Gästehaus, welches nach der Eröffnung 1843 seinen Gästen zwanzig echte Solitärbäder, also Einzelbäder bot. Ebenso baute Feldmarschall Provenchere im Jahre 1832 ein modernes Miet- und Badehaus an der Stelle des heutigen Hotel Weismayr. Und weiter schreibt Fritz Gruber: Es folgte 1837 der Umbau des Hotels Elisabethpark durch den Kreishauptmann von Salzburg, Graf Montecuculli und 1838 errichtete ein ehemaliger Bediensteter des Badeschlosses, nachdem er ein altes Haus, das Bockhäusl abbrechen ließ, das bald als Ausflugsstation beliebte Café Bellevue. Es folgte 1839 mit der Eröffnung der Solitude die "gehobene Gastronomie". Dabei wurden auserlesene Speisen und edle Weine kredenzt - mit speziell geschultem Servier-Personal. Somit war die Solitude das erste, feinste und exklusivste Haus Bad Gasteins zu dieser Zeit, wo höchste Gesellschaftsschichten verkehrten.

Gemauerte Häuser im Markt Hofgastein, wie z.B. das Verweserhaus (heute: Bräumoser) dienten auch im 19. Jh. nicht als Gästehaus für Kurgäste, ebenso nicht der ehem. Strasserhof bzw. der spätere Goldene Adler (heute Hotel Moser), obwohl hier bereits im hinteren Teil des Gasthaus ein Badhaus angeschlossen war, allerdings aus Holz gezimmert. Über die Unterkunft für Badegäste berichtet uns Muchar, 1834 (2c) : "Was die Unterkunft der Badgäste in Hofgastein anbetrifft, so stehen dermahlen schon im Gasthofe und im Bräuhause des Herrn Mosers, im Hause des Herrn Erzbischofs von Pyrkher, in den Häusern des Lackenwirths, des Metzgers Schernthaner, des Apothekers Pelikan, des Landarztes Auer und des Platzbäckers gegen 90 Zimmer zu Gebothe ..."
Einzelbäder und Steinhäuser reichten nicht, um den Fremdenverkehr aufrecht zu erhalten bzw. die Angereisten zu beherbergen. So berichtet uns Eble, 1834 im Kapitel "Von der Unterkunft der Kurgäste in Gastein", nach einer Bestandsaufnahme der Häuser im Wildbad (2d) : "Wir können sonach annehmen, dass in Hofgastein gegenwärtig in 102 Wohnungen etwa 130, mithin in beiden Badeorten zusammen 310 Personen untergebracht werden können. Erwägen wir nun, dass nach Koch-Sternfeld das Maximum der Badgäste vom Jahr 1804 - 1819 im Wildbad während einer ganzen Badezeit = 1345; nach Streinz vom Jahre 1826 - 1830 = 1082, und nach meinen eigenen Forschungen vom Jahre 1820 - 1826 = 1496 (im Jahre 1823) Gäste waren, und dass in Hofgastein im Jahre 1830 = 31, im Jahre 1831 = 59 ; im Jahre 1832 = 75 und im vorigen Jahre = 200 Badgäste wohnten; so ergibt sich der Schluss: dass das Wildbad, für sich genommen, noch immer dem Zulaufe der Reisenden und Badegäste nicht gewachsen, dass vielmehr daselbst fortan Mangel an Wohnungen, besonders in den Monaten Juni und Juli sey; dass dagegen die bereits zugerichteten Wohnungen in Hof auch noch für eine grössere Anzahl von Gästen, als bisher kamen, hinreichen ...". -
Im Markt Hofgastein gab es bereits im Jahr 1830 54 und im Jahr 1900 gar 294 Gästezimmer mit 40 Einzelbäder (Quelle: S Hinterseer). Das Zimmerangebot stieg jährlich kräftig an, ebenso die Besucherzahl. Im Jahr 1955 gab es beinahe 1/2 Million Übernachtungen (nach S. Hinterseer: 473.427).

Frühe Bauten im Markt
Bräumoser Nr.1, Bad Hofgastein Hotel Post Nr.58, Bad Hofgastein Platzbäcker Nr.53, Bad Hofgastein Hotel Moser Nr.109, Bad Hofgastein
Das Bräumoser ist noch weitgehend erhalten. Der ehem. Strasserhof (Hotel Moser) und der ehem. Lackenwirt (Hotel Post) sind allerdings nur mehr eingeschränkt bzw. durch Erweiterungsbauten vergrößert und verändert worden. Der Platzbäcker (Hotel Norica) und angrenzende Bauten sind zur Gänze neu gebaut worden.

In Dorfgastein wurde das alte Dorferwirtsanwesen abgetragen. Lediglich der allseits bekannte Römerturm, welcher nach einer Teilsanierung heute als Lokal genutzt wird blieb erhalten. Auch der heutige Kirchenwirt, ehem. ein alter Beherbergungsbetrieb wurde zur Gännze abgetragen und neu aufgebaut. Der ehem. Steindlwirt (früher auch Staindl oder Lothringerhaus genannt) hingegen wurde saniert und erweitert.

Beherbergungsbetriebe in "Dorf" und Klammstein
Brandstatt, Klammstein Steindlwirt, Dorfgastein Kirchenwirt, Dorfgastein Römerturm, Dorfgastein
Der Steindlwirt wurde immer wieder erweitert, das ehem. Koller-Gasthaus (Kirchenwirt) allerdings abgetragen und als Hotel neu aufgebaut.

Viele der alten Beherbergungsstätten bzw. Hotels, insbesondere in - Bad Gastein - wurden mittlerweile umgebaut, saniert (meist durch ausländische Investoren) oder werden bis heute erfolgreich weiter geführt. Dazu gehören der Salzburger Hof, das Wildbad Gastein, Reinecke und Eden, ebenso wie der Kaiserhof, saniert durch Hapimag. Leider sind aber gerade die berühmtesten und denkmalgeschützten ehemals bedeutensten Beherbergungsbetriebe in Bad Gastein unwiderruflich dem Verfall preisgegeben. Dazu gehören insbesondere die Hotelanlagen in Bad Gastein rund um den Wasserfall, insbesondere das Badeschloss von Hieronymus von Colloredo und das Hotel Straubinger, als Steinhaus 1826 gebaut und durch Josef Wessicken und Angelo Comini in den Jahren 1879-1881, 1891 (Hauptfassade), 1894, 1896 und 1913 erweitert. Das Hotel befand sich bis 1980 im Besitz der Familie Straubinger. Die letzten Jahre seines Bestehens, bis Juli 1999, wurde das Grandhotel Straubinger als Kurhotel für öffentlich Bedienstete genutzt und stand im Eigentum der Bundesimmobiliengesellschaft. Das Schicksal des ehem. Straubinger Hotels nimmt seinen Lauf mit dem Verkauf an Immobilienmakler Franz Duval und der Architekt Franz Wojnarowski zwischen 1999 und 2005, gemeinsam mit dem Haus Austria, dem Badeschloss, dem Kongresshaus Bad Gastein und dem alten Postamtsgebäude (Quelle: Salzburgwiki). Das Postamtsgebäude (erbaut 1887/88), das Hotel Austria (erbaut 1897), das Kongresshaus, das Straubingerhotel und das Hotel Mirabell in der Bismarckstraße stehen auch im Jahr 2019 leer und es ist weiterhin keine Bautätigkeit erkennbar. Das damalige Kurkasino und die Wandelbahn wurden leider in den 70er-Jahren mit dem Bau des neuen Kongresszentrums in Bad Gastein abgetragen. Der Betrieb für Kongresse im Kongresshaus und Veranstaltungen wurde mit Jänner 2007 eingestellt. Im Jahr 2018 gab es noch einen Blumenhandel im Kongresszentrum und ein Kleidergeschäft am Straubingerplatz. Ansonsten ist hier kein gesellschaftliches Treiben mehr im Ortszentrum wahrnehmbar.

Beherbergungsbetriebe zur Kaiserzeit
Hotel Straubinger, Bad Gastein Hotel Straubinger, Bad Gastein Hotel Straubinger, Bad Gastein Hotel Straubinger, Bad Gastein Hotel Straubinger, Bad Gastein
Das Hotel Straubinger, erbaut als Steinhaus 1826 ebenso wie das Badeschloss (erbaut 1791 - 1794) mit den angrenzende Bauten aus der Kaiserzeit sind seit der Jahrhundertwende dem Verfall Preis gegeben. Eine Sanierung wird seit 2000 immer wieder angekündigt, aber noch im Jahr 2018 sind keine Sanierungsmaßnahmen wahrnehmbar.

(b) Sanierungsbedürftige Bauten in Bad Gastein

(3) - Immer mehr Geschäfte im Ortszentrum von Bad Gastein, insbesondere jene im Hotel Austria müssen ihre Lokale aufkündigen. Nachdem die Gemeindestube Bad Gastein, das Gastein-Museum erst still legten und nach einigen Jahren und zwar im Jahr 2011 umsiedelten, und der Lesesaal gemeinsam mit anderen Räumlichkeiten geschlossen werden mussten, waren die letzten Gebäude aus der Kaiserzeit scheinbar nicht mehr sanierbar. Schutzgitter, Absperrungen, Barrikaden, Holzplatten als Sichtschutz und Verbotstafeln, die unerlaubtes Betreten unter Strafe stellen, prägen den einmal so bedeutenden Platz in der Geschichte Gasteins. - Ein Pressebericht bringt die Situation in Bad Gastein, betreffend das Ortszentrum mit dem Wasserfall auf den Punkt. So heißt es wörtlich im Kurier, 2013 (3a): "Bad Gastein im April. Der Ort ist in einen Zwischensaison-Tiefschlaf verfallen. Die Kabinen der Stubnerkogel-Bahn sind abgenommen, die Freunde des Schnapses heim nach Skandinavien gefahren und die Wanderer noch nicht eingetrudelt. Die wenigen Geschäfte, die nicht Betriebsurlaub haben, öffnen erst um 15 Uhr. Ein Schild weist den Weg vom Bahnhof zum Zentrum; jemand hat das Wort Zentrum übersprayt. Zentrum gibt es im einstigen "Monaco der Alpen", wo Könige und Künstler promenierten, schon lange keines mehr. Das frühere Nobelhotel Badeschloss? Eine Ruine, schon vor dem Brand. Das Haus Austria, in dem vormals Gemeindeamt, Museum und Lesesaal untergebracht waren? Mit Sperrzäunen abgeriegelt. Das ehemalige Hotel Straubinger, in dem Eckart Witzigmann Koch lernte? Verbarrikadiert. Die Post? Geschlossen. Das Kongresszentrum? Steht ungenützt leer. Und das Sterben steckt an: Die Alpinschule geschlossen, das k&k-Café geschlossen, die Weinbar geschlossen. Apotheke, Friseur und Trafik sind schon vor Jahren weggezogen. Auch der Besitzer des Kurhotels Mirabell mit 68 Zimmern und fünf Speisesälen gibt auf. 'Zu verkaufen' steht im Fenster. - "Es ist schade, aber dieser Teil des Ortes stirbt aus", sagt ein Einheimischer. - Bad Gastein bastelt sich mittlerweile ein neues Ortszentrum, oben beim Bahnhof, nahe der Talstation der Stubnerkogelbahn. Hier blüht der Tourismus, hier reihen sich Bars an Bettenburgen. Man wird das Schild Zentrum wohl bald umdrehen müssen."
Heute . . . bzw. in den Jahren danach hat sich nichts geändert. Der ORF publiziert 2017 folgende frohe Botschaft (3b): "Bad Gastein: Möglicher Käufer für alte Gebäude! - Bei der Rettung des verfallenden Ortszentrums von Bad Gastein bahnt sich eine unerwartete Lösung an. Ein Investor scheint sich für alte Gebäude am Straubingerplatz zu interessieren. Er soll eine Renovierung planen. Seit einigen Tagen wird in Bad Gastein über den Verkauf des ehemaligen Hotels Straubinger, des Badeschlosses, des alten Postgebäudes und über einige andere Gebäude nahe der Wasserfallbrücke verhandelt. Der Wiener Architekt Franz Wojnarowski bestätigte dem ORF Salzburg, das in Bad Gastein endlich "eine Morgenröte" zu sehen sei. Über seine Rolle war bisher in der Öffentlichkeit weniger bekannt, doch Wojnarowski hält immerhin 50 Prozent der alten Häuser beim Straubingerplatz. Die andere Hälfte gehört dort dem Wiener Immobilienhändler Philipp Duval. Dieser ist daneben 100 Prozent-Eigentümer des verfallenden Hauses Austria und des desolaten Kongresszentrums in Bad Gastein." - Die Zukunft wird zeigen, ob das Ortszentrum Bad Gastein wieder seiner Bezeichnung - "Monte Carlo der Alpen" gerecht wird, oder ob es bei den "Ruinen am Wasserfall" bleibt.

Straubingerplatz - Verfall ehemals berühmter Bauten
Hotel Straubinger, Bad Gastein 2018 Hotel Straubinger, Bad Gastein 2018 Hotel Straubinger, Bad Gastein 2018 Wally Gastein, Bad Gastein Hotel Straubinger, Bad Gastein 2018 Hotel Straubinger, Bad Gastein 2018
Das Jahr 2018 zeigt mit seinen verfallenden Gebäuden rund um den Straubingerplatz unverändert ein wohl trauriges Bild. Ein gesellschaftliches Leben rund um die geschichtsträchtigen Bauten der Vergangenheit sucht man vergeblich. Lediglich ein Modegeschäft - das "Wally Gastein" - ist 2018 noch geöffnet.
Hotel Austria - unbenutzt
Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein
Das Hotel Austria in Bad Gastein ist schon mehrere Jahre zum Abbruch bereit. Gemeinde, Heimatstube, Museum sind längs umgesiedelt, der Lesesaal unbenützt und die einstigen Geschäftslokale geschlossen, das Gemeindeamt 2008 übersiedelt. Absperrungen und verwaiste Häuser prägen das Bild des Ortszentrums.
Geschäftslokale - aufgelöst
Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein Hotel Austria, Bad Gastein
Wo noch vor einigen Jahren Geschäftslokale waren, rühmt man sich heute im Jahr 2018 mit Bildern der glanzvollen Vergangenheit. Bis in die 90-er Jahre gab es hier noch ein reges gesellschaftliches Leben. Heute sind die Räumlichkeiten und die Schaufenster hinter "Gitter" . . .
Restaurant, Casino und Pilsquell im Kur- und Kongresszentrum - zugesperrt
Kongresszentrum, Bad Gastein Kongresszentrum, Bad Gastein Kongresszentrum, Bad Gastein Kongresszentrum, Bad Gastein Kongresszentrum, Bad Gastein
Das Kur- und Kongresszentrum, gebaut in der Zeit von 1970 - 1974, geplant von Architekt Gerhard Garstenauer ist mit seinen ehemaligen Geschäftsläden seit 2007 geschlossen und dem Verfall Preis gegeben. Die Mauern bröckeln und auf den Terrassenanlagen wächst Gras und Moos. Nordseitig wird Müll gelagert.

Vom Straubingerplatz geht es die Bismarckstraße hinunter zur Preimskirche. Das 1913/14 gebaute Naturdunstbad oberhalb der Elisabethquelle ist nach wie vor (auch noch 2019) geöffnet. Das Hotel Mirabell, vormals Gruberhaus und Schwaigerhaus hingegen seit Jahren geschlossen, ebenso das daran anschließende Lainerhaus, inklusive deren Geschäftsläden. Am Beginn der Kaiser-Wilhelm-Promenade ist das Blumengeschäft Streitmaier noch geöffnet, ebenso ein kleines Antiquitätengeschäft. Nach kurzer Wegstrecke folgt das Hotel Residenz, vormals Imperial.

Geschlossene Geschäfte an der Bismarckstraße
Kurhotel Mirabell, Bad Gastein Kurhotel Mirabell, Bad Gastein Kurhotel Mirabell, Bad Gastein Miethaus Schöpf, Bad Gastein
Das Kurhotel Mirabell ist geschlossen und die anschließenden Häuser, wie das Lainerhaus und das ehem. Miethaus Schöpf, inklusive der Geschäftslokale ebenfalls. Die ehemaligen Schaufenster wie gewohnt verklebt. Erst beim noch geöffneten Blumengeschäft Streitmaier, am Beginn der Kaiser-Wilhelm-Promenade kommt zögernd wieder Leben auf.

Das Hoteldorf Grüner Baum mit dem Reiterbauerhof musste im April 2016 leider Konkurs anmelden und wurde von der Leipzig AG aus Sachsen gekauft. Bereits Anfang 2018 konnte das Hotel als - "Boutique-Hotel in einzigartiger und abgeschiedener Lage im Naturschutzgebiet Kötschachtal" - nach mehreren Umbauten der Innenräume wieder vorübergehend eröffnet werden, zeigte sich aber in den Sommermonaten desselben Jahres schon wieder geschlossen. Im Jahr 2019 sind keine Aktivitäten feststellbar und deutliche Verfallspuren prägen das einst hoch gepriesene Hotel des Hoteliers Blumschein. Als derzeitiger Eigentümer gilt Patrick Fahrenkamp in Leipzig.

Hoteldorf Grüner Baum
Haupthaus Grüner Baum, Bad Gastein Haupthaus Grüner Baum, Bad Gastein Haupthaus Grüner Baum, Bad Gastein Haupthaus Grüner Baum, Bad Gastein Schwimmbad Grüner Baum, Bad Gastein
Das Hoteldorf Grüner Baum ist seit 2018 unbenutzt und dem Verfall preisgegeben. Die Vegetation ergreift von der Hotelanlage bereits Besitz.
Haupthaus Grüner Baum, Bad Gastein Grüner Baum, Bad Gastein Grüner Baum, Bad Gastein Grüner Baum, Bad Gastein

(c) Gebäudesanierung . Neubauten

Viele der geschichtsträchtigen Häuser, insbesondere in Bad Gastein wurden bereits abgetragen und nicht mehr wieder aufgebaut, wie der Gasteinerhof, das Kurhaus Grabenbäckerquelle, das Hotel Söntgen oder das Hotel Savoy. Dabei sollten diese nach ursprünglichen Plänen wieder aufgebaut werden, was bisher leider nicht geschah. Auch für die noch verbliebenen Bauten gibt es immer wieder Hoffnung auf Sanierung, insbesondere um den Straubingerplatz, doch alle Pläne scheiterten immer wieder trotz interessierter Investoren. Auch das einst berühmte Hoteldorf Grüner Baum kann heute offensichtlich als veraltete Hotelanlage nicht wieder zum Leben erweckt werden.
Aber nicht alles ruht! - Es gelingt auch punktuell, bedrohte Gebäude zu sanieren und einen entsprechenden Standard zu schaffen, der von den Gästen angenommen wird. Auch wenn es ausschließlich ausländische Investoren sind - das einstige "Monaco der Alpen" soll wieder zum Leben erweckt werden, was die Gemeinde veranlasste, nun die Infrastruktur im Ortszentrum verbessern zu wollen. Dazu erfolgte als erster Schritt im Jahr 2019 die Sanierung aller Zu- und abführenden Leitungen im Bereich Straubingerplatz-Bismarckstraße. In den folgenden Jahren soll ein Verkehrskonzept verwirklicht werden, welche die Anbindung des unteren Ortszentrums zum Bahnhof, Skilift und den Badeeinrichtungen ermöglicht.

Sanierung : Gebäude - Bad Gastein

Im Anschluss an die verfallenden Bauten der Kaiserzeit rund um den Wasserfall liegt im Westen der Merangarten, wo Hotels und Geschäfte geöffnet halten und Kultur wie Kurkonzerte und Life-Musik als Abendveranstaltung stattfinden, insbesondere im Sommer in Verbindung mit dem seit 2010 jährlich stattfindenden Kunstfestival - "sommer.frische.kunst" - Die "History" des Elisabethparkhotel berichtet, dass Alois Windischbauer die ehem. sogenannte Prälatur, die vom italienischen Graf Montecuculi um 1830 zur luxuriösen Sommervilla umgebaut wurde und nachfolgend an Freiherrn von Hahn überging erwerben konnte und danach in der Folge das Gebäude zum Stammhaus das Bade- und Kurhotel Elisabethhof machte. Für den Auf- und Ausbau des Kurhauses Elisabethhof gab 1927 Paul Windischbauer der Baufirma Franzmair den Auftrag.
Nach dem Börsenkrach an der New Yorker Börse am 24. Oktober 1929 und der nachfolgenden "Tausend-Mark-Sperre" 1933 war das Hotel Elisabethhof schwer verschuldet. Nach 1945 folgten mehrere Instandsetzungs- und Umbauten, insbesondere 1958. In den Jahren 1965-1967 baute man dann noch ein Thermalschwimmbad. Die Enkelin Auguste konnte gemeinsam mit ihren Ehegatten Franz X. Franzmair das Gebäude bis 1977 zu einem der luxuriösesten Fremdenverkehrsbetriebe des Gasteinertales ausbauen. Nach dem Tod von Franz X. Franzmaier übernahm seine Tochter Roswitha das Hotel. 1998 kam das Traditionshotel Elisabethpark an die Arcotel-Gruppe. Im Herbst 2008 hat das Hotel neuerlich den Besitzer gewechselt. Die neue Eigentümerin, eine österreichische Gesellschaft mit russischen Wurzeln, hat im Frühjahr 2009 große Investitionen getätigt.
Unterhalb des Bahnhofes von Bad Gastein konnten ebenfalls geschichtsträchtige Bauten saniert werden wie das Wildbad Gastein - der Salzburger Hof - das Hotel Eden und das - Kurhaus Reinecke. -
Die international educational- and travel group STS (Janus Ges.m.b.H.) kaufte 1987 das Hotel Gisela und im August 1989 das Hotel Salzburger Hof. Zum Hotel Salzburger Hof kamen in weiterer Folge die Villa Orania (2007), das Hotel Post (2001), das Kurhaus Reineke (2011) und das Hotel Wildbad, welches seit der Übernahme mittels einer Glasbrücke mit dem Hotel Salzburger Hof zusammengewachsen ist. Das führte zur weiteren Steigerung der Nächtigungszahlen, insbesondere durch zahlreiche Gäste aus Skandinavien bzw. aus Schweden. Eine Bettenauslastung gelingt in der Sommer- wie der Wintersaison problemlos.
Auch das ehem. sog. Hotel Bellevue konnte nach einen verheerenden Brand des Dachgeschosses saniert und von der "Mondi-Holiday-Unternehmensgruppe" mit der legendären Bellevuealm übernommen und weiter geführt werden. Dazu gehören auch die ehem. Ökonomiegebäude (ehem. Personalwohnhäuser), welche von der Mondi-Holiday-Gruppe übernommen und als "First-Class Aparthotels Bellevue" mit komplett neu errichteten Zimmern vermietet werden. Das Hotel Weismayr und das Hotel de l'Europe scheinen im Gegensatz dazu eher notdürftig die Jahrtausendwende geschafft zu haben. Der Schillerhof - 1928 gebaut und in der Folge mehrmals umgebaut (z. B. 1953/54 und 1957 - Quelle: Krisch) ist heute ein Appartementhotel mit Café und Restaurant, nachdem es im Jahre 2008 neu aufgebaut wurde.

Eden . Reineke . MONDI-Holiday . Elisabethpark
Ankerbrot, Bad Gastein Kurhotel Reineke, Bad Gastein Kurhotel Elisabethpark, Bad Gastein Mondi, Hotel Bellevue Bad Gastein Hotel Eden Rock, Bad Gastein
Vom Salzburgerhof (Bahnhof) bis zum Elisabethhof zeigt sich Bad Gastein mit dem Hotel Reinecke, Eden, MONDI-Holiday Hotel (ehem. Bellevue) und Merangarten wieder von seiner schönen Seite. Die Gebäude wurden vorbildlich restauriert.
Salzburgerhof . Wildbad . Hotel Post . Gisela . Weißmayr
Hotel Post-Bellini, Bad Gastein Hotel Wildbad, Bad Gastein Kurhotel Salzburgerhof, Bad Gastein Hotel Gisela, Bad Gastein Hotel Weißmayr, Bad Gastein
Sonnenwende . Schillerhof . Sanotel
Sonnenwende, Bad Gastein Schillerhof, Bad Gastein Sanotel, Bad Gastein
An der Kötschachtalstraße konnten ebenfalls einige Hotels saniert werden, wie die Sonnenwende und der Schillerhof.

Sanierung : Straubingerplatz - Bismarkstraße

Nicht so die Bauten um den Straubingerplatz. Wie Bad Gasteins Bürgermeister Gerhard Steinbauer ausführt (4a) : "Im Zeitraum von 1999 bis 2004 wurden von der Familie Duval das Hotel Straubinger, das Badeschloss, das alte Postgebäude, (die Gebäude am Straubingerplatz mit einem Partner), das Kongresshaus und das Haus Austria erworben. Durch die Untätigkeit der Eigentümer verfallen diese historischen Gebäude im Zentrum Bad Gasteins seit mittlerweile 18 Jahren." - Gemeinsam mit Partnern wolle das Land Salzburg ein Projekt entwickeln, um alle Immobilien binnen zwei Jahre zu verkaufen (was letztlich auch gelang). Projektpartner sind Erhard F. Grossnig, Bürgermeister Gerhard Steinbauer und die Bad Gasteiner Kur- und Tourismusverbandgeschäftsführerin Doris Höhenwarter und so soll sich nach jahrelangen Gesprächen die Gelegenheit ergeben, die Liegenschaften am Straubingerplatz - das Hotel Straubinger, das Postgebäude und das Badeschloss - zu erwerben mit folgenden Eckpunkte: Bisherige Eigentümer der Liegenschaften sind jeweils zur Hälfte Philippe Duval und Willibald Franz Wojnarowsky. Der Kaufpreis für die Liegenschaften beträgt: Hotel Straubinger 3.388.200 Euro, Postgebäude 917.400 Euro, Badeschloss 1.694.400 Euro. Seinerzeit wurden für Haus Austria, Kongresshaus, Hotel Straubinger, Postgebäude und Badeschloss 3,719 Millionen Euro bezahlt. - Quelle: Gasteiner Rundschau, 2017

Im November 2018 berichtet die Zeitschrift "Mein Bezirk": "Vertreter der Hirmer-Immobilien-Gruppe unterzeichnen in Anwesenheit von Landeshauptmann Wilfried Haslauer den Abtretungsvertrag zur Übernahme der Anteile der Straubingerplatz Immobilien GmbH, welche die Gebäude am Straubinger Platz in Bad Gastein besitzen." - Am 14. November wurde die Übernahme der 3 Gebäude fixiert. Die "Salzburger Nachrichten" berichten dazu am 22. November 2018: "In den Häusern am Straubingerplatz werden rund 130 Betten im hochklassigen Segment geschaffen. Bis zu Fertigstellung soll es auch ein völlig neues Verkehrskonzept für den Kurort geben." - Damit verbunden ist ein bereits ausgearbeitetes Verkehrskonzept der Gemeinde Bad Gastein, wie Bürgermeister Steinbauer zur selben Zeit bekannt gibt. Erste Grabungsarbeiten am Straubinger Platz und der Bismarckstraße sind bereits im Mai 2019 zu beobachten und deren Fertigstellung erfolgt gegen Ende des Jahres. Nach dieser kompletten Sanierung der zu- und abführenden Leitungen sollte der kompletten Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude nichts mehr im Wege stehen.

Baustelle 2019 : Bad Gastein
Bismarckstraße, Bad Gastein Straubingerplatz, Bad Gastein
Kanalisation, Strom-, Gas- und Wasserleitung am Straubingerplatz und der Bismarckstraße werden 2019 saniert.

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Weiterführende und verwandte Themen :
Gastein im Bild
• Frühe Bauten - Bauten der Kaiserzeit -
• Baumeister - Angelo Comini - bis 1915
• Baumeister - Josef Wessicken - 19. Jh.
• Geschichte - Kurgäste Gasteins - 19./20. Jh.
• Frühe Bauten - Markt Hofgastein -

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Literatur : Die Informationen der oben angeführten Themenbereiche sind teilweise dem Buch: "Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins" von Sebastian Hinterseer, 1977 - dem Buch: "Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales" von Heinrich von Zimburg, 1948 - dem Buch "Halt' aus Bauer" von Erika Scherer/Franz Steinkogler, 2012 - dem Buch "Franz Xaver Franzmair" Schriftenreihe des Gasteiner Museums, Bad Gastein 2005 von Mag. Dr. Laurenz Krisch - sowie den Büchern des 19. Jahrhunderts von Burkhard Eble, 1834 - Ritter J. E. von Koch-Sternfeld, 1820 - Dr. Albert von Muchar, 1834 - Joseph Mitterdorfer, 1820 - Benedikt Pillwein, 1839 - Emil, 1827 - entnommen.

Quellenangaben
1a - Das Thal und Warmbad Gastein von Dr. Albert von Muchar, 1834, S. 164
1b - Die Geschichte des Gand Hotels de l'Europe in Bad Gastein, Bad Gastein 2009 von Mag. Dr. Laurenz Krisch, S. 8
1b - Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales von Heinrich von Zimburg, 1948, S. 304
2a, 2b, 2c - Das Thal und Warmbad Gastein von Dr. Albert von Muchar, 1834, S. 191, 196, 198, 207
2d - Burkhard Eble, 1834, S. 209
3a - Artikel im Kurier am 24.04.2013
3b - ORF-Salzburg am 22.02.2017
4a - Gasteiner Rundschau, Dez 2017, S. 3

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