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F - Pilze im Gasteinertal: Russulaceae - Artenzahl: 10
Pilze im Gasteinertal Hauptmerkmale
Pilze Gasteins
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Russulaceae

Sprödblättler

Die Ordnung der Russulales kennt nur 1 Familie, nämlich die Sprödblättler. Der Fruchtkörper ist immer in Hut und Stiel gegliedert und zentralgestielt; das Velum fehlt zumeist. Das Hymenophor (=sporentragende Schicht) ist lamellig ausgebildet. Basidiokarp fleischig bis zäh oder häutig mit Gruppen kugelig-blasiger Zellen (Sphaerozyten, daher typisch brüchig). Teilweise Gefäßhyphen mit Milchsaft. Die Sporen sind rundlich bis ellipsoid, oft mit warzig, gratigem Ornament, sowie stark amyloid.
Die meisten Arten sind Mykorrhiza-Partner; keine Holzbewohner. Als taxonomisches Kriterium gilt derzeit das Trama (= Lamellenplektenchym).
Nur 2 Gattungen (Russula, Lactarius)!
Hauptmerkmale s. Russulales // Bestimmungshilfe s. Russulaceae - . . .

Russula (Täublinge) - Faserlose, auffallend mürbe Konsistenz des Fruchtfleisches. Hut oft lebhaft bunt gefärbt. Lamellen meist splitternd, oft gegabelt. Der Stiel bricht waagrecht durch ohne zu fasern. Fleisch bei Verletzung nicht milchend.
Lactarius (Milchlinge) - Brüchige Konsistenz, bei Verletzung milchend. Lamellen angewachsen; Sporenpulver weiß bis ocker. Stiele zylindrisch; alt hohl. In Mitteleuropa gibt es etwa 100 Arten! Viele sind giftig oder ungenießbar! Alle sind Mykorrhizapilze.

→ Fam.: Russulaceae (n. E. Horak) : Fruchtkörper agaricoid, secotoid oder gastroid. Hymenophor lamellenförmig oder in (meist unregelmäßigen) Kammern (Alveolen). Huthaut oft lebhaft gefärbt, häufig leicht abziehbar, trocken oder schmierig, glatt, filzig oder wollig. Fleisch hart, aber auffällig brüchig. Latex vorhanden oder fehlend. Lamellen brüchig (heteromer, mit Sphaerozysten). Stiel alt oft hohl, brüchig. Velumreste fehlend. Geschmack mild bis scharf. Geruch fehlend oder auffällig. Sporenpulver weiß bis satt ocker. Sporen amyloid, mit isolierten Stacheln oder Warzen oder mit grat- oder netzförmigen Ornamenten, rundlich bis breit elliptisch, bisweilen mit deutlichem Plage, Apiculus relativ groß Zysten oder Pseudozysten fehlend. Fleisch mit Laticiferen (Safthyphen) bzw. Oleiferen (Hyphen mit öligem Inhalt), in KOH stark lichtbrechend. Schnallen fehlend (!). Alle Arten Ektomykorrhiza (Laubbäume, Nadelbäume).

Pilzbestimmungskriterien n. Rita Lüder
Bei der Familie der Sprödblättler (Russulaceae) sind das Pilzfleisch und die Lamellen sehr spröde, weil eher kugelige und nicht langestreckte Zellen den Pilzkörper aufbauen. Dadurch entstehen auch keine faserigen Bruchstellen, sondern der Bruch ist in allen Richtungen gleich (wie beim Bruch von Styropor) und so lässt sich der Pilz auch in alle Richtungen brechen. Streicht man mit dem Finger über die Lamellen, so brechen diese leicht und sehen aus wie Mandelsplitter. Der Stiel ist relativ gerade, setzt immer zentral am Hut an und trägt NIE einen Ring. Das Sporenpulver zeigt die Farbe Weiß, cremefarben bis gelb oder ocker. Alle treten in Begleitung bestimmter Baumarten auf. Die Sporen sind ornamentiert.
Bei den Täublingen (Russula) zeigen die Hüte rote, violette, grüne, gelbe bis braune Farben. Bestimmung nur mikroskopisch möglich. Eine Geschmacksprobe (Hutstück: mild bis scharf) oder ein Farbumschlag auf bestimmte Reagenzien kann bei der Bestimmung hilfreich sein.
Die Milchlinge Lactarius) sondern bei Verletzung einen Milchsaft ab (fehlt manchmal bei längerer Trockenheit). Die Lamellen sind nicht gegabelt und meist bogig herablaufend, weniger brüchig als bei den Täublingen. Nicht alle Arten sind streng an eine Baumart gebunden, aber für die Bestimmung wichtig. Viele haben konzentrische Ringzonen auf dem Hut. Arten mit roter Milch werden als "Reizker" bezeichnet. Sichere Bestimmung nur mit dem Mikroskop (Hyphen in der Huthaut) möglich.

Pilze Gasteins

Arten der in Gastein vorkommenden Sprödblättler alphabetisch nach dem lateinischen Namen geordnet . . .
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ARCHIV - Beschreibung einzelner Arten
Lactarius aurantiacus Lactarius aurantiacus
Milder Orange-Milchling
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Hut 3-6 cm breit, anfangs gewölbt, bald ausgebreitet. Mitte niedergedrückt, bisweilen mit kleiner Papille. Oberfläche bei feuchter Witterung etwas schmierig, glatt, ungezont, matt glänzend, lebhaft orangerot. Lamellen am Stiel gerade angewachsen bis leicht herablaufend, ziemlich eng stehend, orange- bis rotgelb. Stiel 3-6 cm lang, bis 0,8 cm breit, zerbrechlich, alt hohl, gelbbraun bis orange. Fleisch brüchig, gelblich, weiß bis blassorange, fast geruchlos. Milch reichlich, weiß, an der Luft unverändert. Geschmack mild, nachträglich etwas bitterlich. Essbar! Meist gesellig in Nadelwäldern, selten in Laubwäldern.
Bestimmungshilfe : Frau Dr. Mag. Irmgard Greilhuber, ÖMG.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Annenkaffee, Gasteinertal 6.10.08
Lactarius deterrimus Lactarius deterrimus
Fichten-Reizker
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Hut 3-10 cm breit, anfangs gewölbt, Mitte bald vertieft, zuletzt flach, trichterförmig. Oberfläche kahl, feucht schmierig, orangerot, zum Rand hin mit dunkler Zonierung. Der Rand ist jung eingerollt. Die Lamellen sind am Stiel angewachsen, bis herablaufend, dicht stehend, brüchig. Geruch obstartig. Milch karottenrot, nach 30 min weinrot verfärbend.
Anmerkung: Bestimmung bestätigt durch Frau Dr. Mag. Irmgard Greilhuber, ÖMG.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Annenkaffee, Gasteinertal 31.7.2008
Lactarius lignyotus Lactarius lignyotus
Mohrenkopf
Schornsteinfeger
Hut schwarzbraun bis schwarz, flach, zentral gebuckelt. Oberfläche samtig matt, zur Mitte hin runzelig gefurcht. Rand jung eingebogen. Lamellen am Stiel angewachsen-herablaufend, am Stielansatz wenige mm in die charakteristische runzelige Stielspitze überlaufend, gedrängt, wenig gegabelt, weißlich, später sahnegelb, verletzt lachsfarben anlaufend. Fleisch weiß, verfärbt sich bei Verletzung rosa. Stiel schwärzlichbraun mit heller Basis, eher schlank und etwas runzelig. Geruch unbedeutend. Die weiße Milch verfärbt sich langsam rosa. Geschmack mild. Sporenpulver ocker. Sporen fast kugel, netzig-gratig. Essbar. Nadelwälder!
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Rastötzenweg, Gasteinertal 02.10.2008
Lactarius rufus Lactarius rufus
Rotbrauner Milchling
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Hut 3- 10cm breit, anfangs flach gewölbt, dann vertieft bis flach trichterförmig, meist mit kleinen spitzen Buckel, Oberfläche matt, trocken, orangebraun. Rand lange eingerollt. Lamellen am Stiel angewachsen bis kurz herablaufend, blass, hutfarben, im Alter vom Sporenstaub weiß bestäubt. Stiel brüchig, jung fest, alt hohl, hutfarben oder heller. Geruch harzig. Milch reichlich, weiß, an der Luft nicht verfärbend. Geschmack anfangs mild, später scharf. Sporenpulver weiß. Sporen warzig.
Moos- und flechtenreiche Nadelwälder, selten Laubwälder.
Bestimmung mit freundlicher Unterstützung von Frau Univ.-Prof. Mag. Dr. Irmgard Greilhuber, ÖMG
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Rauchkogelgraben, Bad Hofgastein am 25.7.2008
Lactarius scrobiculatus Lactarius scrobiculatus
Grubiger Milchling
Strohgelber Milchling
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Hutrand deutlich fransig-zottig. Hut strohgelb bis ockergelb mit orangebräunlichen Faserschuppen, die in Zonen angeordnet sein können. Bei feuchtem Wetter schleimig-klebrig. Durchmesser 7- 15 cm, vereinzelt bis 30 cm. Bei jungen Examplaren ist der Rand stark eingerollt, zottig. Lamellen sahnefarben, bei Druck fuchsig. Stängel gelblich mit vertieften Gruben - eher kurz, dick und bald hohl. Milch scharf, erst weiß, dann rasch schwefelgelb. Fleisch blassgelb, brennend scharf. Sporen länglich-rund, kleinwarzig-gratig. (scrobiculatus = grubig). Giftig.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Rastötzenweg, Gasteinertal 26.7.2008
Russula decolorans Russula decolorans
Orangeroter Graustiel-Täubling
Graufärbung des Stielfleisches nach längerem Liegen (bis 24 Stunden). Hut gelbrot, orangerot - verblassend; besonders am Rand feucht klebrig. Lamellen gelblichweiß, grauend. Stängel anfangs weiß, später aschgrau. Sporen rundlich, groß mit langen Stacheln.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Faschingberg/Gasteinertal am 9.8.2002
Russula emetica Russula emetica (var.emetica)
Spei-Täubling
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Hut 4-10 cm, breit, jung halbkugelig, dann gewölbt ausgebreitet, später etwas niedergedrückt. Oberfläche glänzend, schmierig, leuchtend blut- oder kirchrot, im Alter etwas ausblassend. Haut abziehbar. Rand glatt, im Alter kammartig gerieft. Lamellen am Stiel ausgebuchtet angewachsen oder frei, weiß. Stiel 5-8 cm lang und 1-2 cm breit, jung voll, bald ausgestopft, zellig hohl, brüchig, weiß. Fleisch weiß, unter der Huthaut rosarot. Geruch obstartig. Geschmack brennend. Giftig - verursacht Brechdurchfälle.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Throneck, Gasteinertal am 30.9.2008
Russula integra Russula integra
Braunroter Ledertäubling
Farbige, milde Täublinge. Jung ist der Hut gewölbt, später ausgebreitet und in der Mitte niedergedrückt. Die Hutoberfläche ist bei feuchtem Wetter schmierig, bei Trockenheit matt-glänzend. Farbe von rotbraun, gelbbraun bis schockoladebraun, die Mitte oft gelb oder grünlich, ausgeblichen oder dunkler. Huthaut weit abziehbar. Rand anfangs glatt, dann höckrig gerieft. Lamellen am Stiel fast frei, breit, bauchig, fast gedrängt stehend, anfangs weiß dann bis gelbocker. Stiel zylindrisch, anfangs fest, voll, später schwammig. Im Alter an der Basis oft hellfleckig. Sporenpulver gelb. Geschmack mild, nussig. Essbar.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Faschingberg/Gasteinertal am 9.8.2002
Russula nana, Gasteinertal Russula nana
(var. alpina)

Hochgebirgs-Spei-Täubling
Hut 2-4 (5) cm im Durchmesser, kirschrot, vom Zentrum aus hygrophan (ausbleichend). Oberfläche glatt, feucht glänzend. Fleisch weiß, unter der Huthaut rötlich. Stiel weiß, jedoch alt etwas grauend, brüchig, kurz. Lamellen weiß, alt cremefarben, angewachsen, teils auch gegabelt. - Sporen 7,5-9 x 6,5-7,5 ┬Ám, mit feinem, maschenförmig verbundenen Netz. Kommt oberhalb der Baumgrenze bis in eine Höhe von 2700 m vor und geht mit verschiedenen kriechenden Weidenarten eine Symbiose ein.
DD: Russula nana var. alpina (Schlapperebenkar) : Hut 2,0 - 3,5 cm, kirschrot, zur Mitte hin dunkler. Geschmack im Gegensatz zur scharf schmeckenden Typusart wenig scharf bzw. mild. Huthaut glatt, klebrig, glänzend, lässt sich bis zur Hälfte abziehen. Symbiose hier mit der Krautweide (Salix herbacea).
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Schlapperebenkar, Gasteinertal am 20.8.2020
Russula ochroleuca Russula ochroleuca
Zitronentäubling
Ocker-Täubling
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Sektion: Ingratae, Felleinae!
Der erst konvexe Hut flacht sich ab und wird ein wenig eingedrückt, gelbocker. Hutdurchmesser 4-10 cm. Die glatte, glänzende Huthaut lässt sich großflächig abziehen. Die gedrängten Lamellen sind wellig oder gewölbt und sitzen am Stiel. Anfangs sind sie schneeweiß, färben sich aber dann gelb. Stiel weiß bis ockerlich. Der Stiel ist mehr oder weniger zylindrisch und an der Basis verdickt, voll, später schwammig und grau. Das Fleisch ist weiß, aber unter der Huthaut gelb und sehr spröde, alt grau. Der Pilz riecht kaum oder gar nicht. Geschmack schärflich bis mild. Als Speisepilz taugt er wenig. Einer der häufigsten Täublinge überhaupt. Er wächst im Sommer wie im Herbst unter Nadel- und/oder Laubbäumen sehr gesellig.
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Annenkaffee, Gasteinertal am 6.10.2008
Russula paludosa Russula paludosa
Apfel-Täubling
Hut 6-15 cm breit, jung halbkugelig, dann gewölbt-ausgebreitet, später niedergedrückt. Oberfläche glänzend, schmierig, kirschrot, scharlachrot oder braunrot, im Alter oft etwas ausblassend. Huthaut bis zwei Drittel abziehbar. Rand lange glatt, alt schwach gerieft-gekerbt. Lamellen am Stiel ausgebuchtet angewachsen, mit vielen Zwischenlamellen, dünn und etwas elastisch, weißlich bis blass cremefarben. Stiel 4-15 cm lang, bis 3 cm breit, zylindrisch, keulig, kräftig, fleischig, voll, fest, aderig weiß, rötlich angehaucht. Fleisch dick, fest, weiß. Geruch angenehm. Geschmack mild.
MIKRO: Sporen 8-11 x 6,5-8 µm
Feuchte Nadelwälder!
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Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Throneck, Gasteinertal am 29.9.2008
Weiterführende und verwandte Themen :
• Biologie : Pflanzenwelt - Gasteinertal
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Anmerkung: Die Informationen und Bestimmungsmerkmale wurden diversen Pilzbestimmungsbüchern, wie auch dem Buch
"Röhrlinge und Blätterpilze in Europa" von Egon Horak, Verlag Elsevier GesmbH, München 2005,
dem Buch "Grundkurs Pilzbestimmung" von Rita Lüder, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim 2007, sowie der
"Exkursionsflora von Deutschland" von Werner Rothmaler, Band I, Fischer-Verlag 1994 - entnommen.
Fehlbestimmungen können nicht ausgeschlossen werden. Beschreibung ohne Gewähr.

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Pilze im Gasteinertal: Russulaceae - Sprödblättler
© 2008 (Rev. 2020) by Anton Ernst Lafenthaler
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