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F - Pilze im Gasteinertal: Uredinales - Arten: 2
Pilze im Gasteinertal Hauptmerkmale
Pilze Gasteins
Inhalt

Uredinales

Rostpilze / Pucciniales

Basidiomyceten, die als weltweit vorkommende Parasiten von Farnen und Blütenpflanzen mit heute mehr als 7000 Arten vorkommen und z.T. streng auf ihre Wirtspflanze spezialisiert sind. Die Sporenlager sind meist orange, braun oder schwarze Häufchen oder Erhöhungen, meist am Stängel. Neben Wirtswechsel (Heterözie) gibt es auch Arten, welche die gesamte Entwicklung auf derselben Wirtspflanze abwickeln (Autözie). Basidie quer septiert, Phragmobasidie. Oft recht wirtsspezifisch. Teilweise obligat wirtswechselnd (heterözische Roste), teils ohne Wirtswechsel (autözische Roste). Fruchtkörper fehlen.
Die Uredinales, heute als Pucciniales geführt und der Klasse der Pucciniomycetes bzw. der U-Abteilung Pucciniomycotina zugeordnet, sind Pflanzenparasiten und befallen bevorzugt Stängel und Blätter. Sie dringen mit ihren Hyphen in die Wirtszellen ein, wobei die Infektion häufig lokal beschränkt bleibt. Die Entwicklung entspricht einen Entwicklungszyklus mit bis zu fünf Sporenarten und häufig auch mit einem Wirtswechsel. Die Sporenlager (Sori) und Sporentypen werden allgemein mit römischen Ziffern belegt: (0) Spermogonien, (I) Aezien, Aecidien, (II) Uredinien, Uredolager, (III) Telien, Teleutosporenlager, (IV) Basidien.
Die Ordnung der Rostpilze wird heute in unterschiedlich viele Familien unterteilt mit zahlreichen Gattungen.
Anm.: Klenke & Koller (2015) unterscheiden 9 Familien und zwar die Coleosporiaceae, Cronartiaceae, Melampsoraceae, Phragmidiaceae, Pileolariaceae, Pucciniaceae, Pucciniastraceae, Raveneliaceae, Uropyxidaceae.

Pilze Gasteins

Arten der im Gasteinertal vorkommenden Pucciniales . . .
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ARCHIV - Beschreibung einzelner Arten
Coleosporiaceae
Chrysomyxa rhododendri Chrysomyxa rhododendri
Fichtennadelblasenrost
Im Nadelquerschnitt sieht man die gelb-orangen Pilzhyphen, worauf sich die Sporenlager mit Aecidiosporen entwickeln. Leere Sporenlager sind als weiße Häutchen auf jungen Fichtennadeln sichtbar. Die Aecidiosporen (bis 20µm) infizieren Alpenrosenblätter. Nach 10 bis 14 Tagen bilden sich Uredolager mit den Uredosporen (25 x 18µm); Im Frühjahr nach der Schneeschmelze gelbe Sporenlager mit Entwicklung von Basidiosporen (7 x 5µm).
Infektionszyklus: Basidiosporen werden von infizierten Alpenrosenblättern durch den Wind auf die eben austreibenden Fichten übertragen. Diese entwickeln nach etwa 3 Wochen gelb-grüne Querbänder auf den Nadeln (Chlorophyllabbau). Im August bilden sich auf diesen Querbändern Aecidienlager aus (orange-gelbe Pusteln). Nach der Sporenfreisetzung bleiben die leeren Aecidien als weiße, unregelmäßig aufgerissene Hüllen zurück. Die Knospen werden vom Pilz nicht befallen. Die Aecidiensporen infizieren dann wieder die Blätter der Alpenrose und bilden an der Blattunterseite Uredolager (gelb-braun), deren Uredosporen (Sommersporen) weitere Alpenrosenblätter befallen (Selbstinfektion). Fichtennadeln werden von dieser Sporenart nicht infiziert. Im Herbst werden auf den Alpenrosenblättern Teleutosporen (Wintersporen) gebildet, die den Winter überdauern, im Frühjahr reifen und Basidiosporen entwickeln, die unmittelbar wieder junge Fichtennadeln infizieren. Die Teleutolager hinterlassen auf den Alpenrosenblättern braune Flecken.
Siehe auch - Biotische Wechselwirkungen - . . .
Symbol, Pyramide Archivbilder . . .
Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Fulseck, Gasteinertal 2009
Melampsoraceae
Melampsora salicina, Gasteinertal Melampsora salicina
Weidenrost
Fam: Melampsoraceae mit nur 1 Gattung! - Pustelartige, orangegelbe Sporenlager auf deformierten, später vertrockneten Blättern, meist blattunterseits; auch an jungen Trieben.
Melampsora-Arten: Teleutosporenlager - Sporen im subepidermalen Lager, mehr oder weniger pallisadenförmig angeordnet. Sporen bleiben einzellig, Scheitelpartie nicht besonders verdickt; in flachen, unregelmäßig begrenzten, hell- bis dunkelbraunen Krusten mit pallisadenartig angeordneten Sporen.
Symbol, Pyramide Archivbilder . . .
Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Rastötzenalm, Gasteinertal 2006
Pucciniaceae
Alle Arten der Gattung Puccinia verursachen Pflanzenkrankheiten, die als Rost bezeichnet werden. Die Sori an der Blattoberseite sind honiggelb, das an der Blattunterseite befindliche becherförmige Aecidium ist meist orangegelb mit wei├čem, umgebogenen, zerschlitzen Rand. Immer erfolgt auch ein Wirtswechsel. Die Sporenlager werden makroskopische als Nester, Flecken oder Pusteln meist auf der Blattoberseite wahrgenommen. Das Myzel wächst intrazellulär und bildet Saugfäden, die in das Speichergewebe der Wirtspflanze wachsen.
Puccinia, Gasteinertal Luzula sylvatica
Puccinia obscura
Hainsimsenrost
Verbreitet auf Luzula sylvatica. Wechselwirt: Bellis perennis.
Gelblich bis rötliche Blattflecken auf Luzula sylvatica. Unterseits des Blattes befinden sich orangebraune bis zimtbraune, schwach polsterförmige, stäubende Uredien, die von Resten der Epidermis umgeben sind. Telien schwarzbraun, aber selten ausgebildet. Im Frühjahr werden die Spermatogonien und Aecidien auf Bellis perennis gebildet.
Symbol, Pyramide Archivbilder . . .
Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Stubnerkogel/Böckfeldalm, Gasteinertal 2021
Puccinia, Gasteinertal Petasites paradoxus
Puccinia poarum s.l.
Rispengrasrost

Wechselwirt: Petasites paradoxus (ungenügend erforschte Sammelart: Telienwirt und Aecidienwirt auf Asteraceae und Poaceae lassen sich morphologisch nicht ausreichend unterscheiden).
Die Spermogonien (hier auf Petasites paradoxus) sind als rundliche, gelbe, pustelartige Gebilde an der Blattoberseite (Lupe!) auszumachen (=Pyknidienpusteln). An der Blattunterseite entstehen die orangegelben Aecidien, welche hier von einem weißen, hochgewölbten, zerfransten bzw. zerschlitzten Rand (=Pseudoperidie) umgeben sind. Dieser Entwicklungszyklus erfolgt auf der Petasites paradoxus (Pestwurz), welcher hier als Zwischenwirt fungiert. - In den Aecidien werden die zweikernigen Aecidiosporen abgeschnürt, welche dann durch den Wind verbreitet die Blätter verschiedener Gräser (Hauptwirt) infizieren. Dabei entwickeln sich an der Blattunterseite Sporenlager, die man bereits makroskopisch als sog. Uredien ausmachen kann. Hier werden die ovalen Uredosporen gebildet, die immer wieder neue Pflanzen infizieren (Sommersporen). Dabei zeigen sich beiderseits der befallenen Blätter gelbe Blattflecken mit rostbraun stäubenden Lagern. Gegen Ende der Vegetationsperiode entstehen die meist polsterförmig, schwarzbraunen Telien an Blätter und Stängeln, die sich dann auch stets verkrümmen. Es sind die schwarzbraun gefärbten Teleutosporen, die als Dauersporen überwintern. Sporulationszeitraum: Juni-August. Je nach Wirtswechselpartner, handelt es sich um verschiedene Arten, die nur bei Kenntnis des Wechselpartners bestimmt werden können.
Symbol, Pyramide Archivbilder . . .
Foto: © Anton Ernst Lafenthaler - Böckfeldalmweg, Gasteinertal 2021
Weiterführende und verwandte Themen :
• Biologie : Pflanzenwelt - Gasteinertal
• Biologie : Ökologie - Biotope, Umwelt
• Inhaltsverzeichnis : Flechten Gasteins - Index

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Anmerkung: Die Informationen und Bestimmungsmerkmale wurden diversen Pilzbestimmungsbüchern, wie auch dem Buch
"Exkursionsflora von Deutschland" von Werner Rothmaler, Band I, Fischer-Verlag 1994 - entnommen.
Fehlbestimmungen können nicht ausgeschlossen werden. Beschreibung ohne Gewähr.

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Pilze im Gasteinertal: Basidiomycetes, Uredinales
© 2007 (Rev. 2021) Anton Ernst Lafenthaler
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